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Who’s watching you? Aktionen zu Überwachung, Privatsphäre & Datenschutz

2014 war „Jahr 1 nach Snowden“, auch für die Medienpädagogik: Zahlreiche Veranstaltungen und Publikationen beschäftigten sich mit der Frage, welche Auswirkungen die NSA-Enthüllungen auf die pädagogische Praxis haben, beispielsweise mit Blick auf Projekte und zu vermittelnde Inhalte, aber auch hinsichtlich verwendeter Tools und Online-Dienste. Das Thema Datenschutz wird nun schon seit geraumer Zeit medienpädagogisch aufgegriffen, doch der durch Snowden bekanntgewordene Umfang der globalen Überwachung erforderte ein Umdenken und eine Neuorientierung.

Das Münchner Netzwerk Medienkompetenz, die AG Interaktiv, nahm diese Herausforderung an und gestaltete eine Aktionswoche für Jugendliche und pädagogische Fachkräfte, um den Themenkomplex „Überwachung, Privatsphäre & Datenschutz“ zu fokussieren. Unter dem Titel „Who‘s watching you?“ gestalteten zahlreiche Einrichtungen aus München eine Veranstaltungsreihe an der Schnittstelle von Medienbildung und politischer Bildung, die vom SIN – Studio im Netz koordiniert wurde.

Realisierung:

Bereits im Vorfeld stellte sich die Frage, wie diese (für die meisten Jugendlichen wenig spannende Thematik) so aufgegriffen werden kann, dass die Aktionen bei der jungen Generation auf Interesse stoßen und eine tatsächliche Auseinandersetzung mit den Inhalten angeregt wird. Wir konzipierten einen möglichst unverkrampften Ansatz und wollten das Thema alltagsnah aufbereiten, anstatt oberlehrerhaft über die Notwendigkeit von Datenschutz zu dozieren. Zudem wollten wir nicht nur die negativen Aspekte der technischen und medialen Überwachungsmöglichkeiten darstellen, sondern auch positive Anwendungsmöglichkeiten neuer Medientechnologien aufzeigen, um eine konstruktive Beschäftigung mit der Thematik zu fördern.

Durchgeführt wurde die Woche im Juli 2014 im Münchner Haus der Jugendarbeit. Um dort einen angemessenen Rahmen zu schaffen, gestalteten wir die Räumlichkeiten mit kleinen Kunstobjekte und Installationen zum Thema: So mussten die Teilnehmenden bei Betreten des Saals eine Lichtschranke durchlaufen, wurden von einer Verfolgungskamera beobachtet und saßen dann zwischen LED-Lichtschläuchen, Wand-Projektionen und einem leuchtenden „Heartbleed“-Kubus (bezugnehmend auf die Online-Sicherheitslücke „Heartbleed“). Als Logo für die Aktionswoche hatten wir eine Adaption der Figur Kilroy gewählt („kilroy is watching you“), die als Comicfigur an der Wand prangte.

Inhaltlich entschieden wir uns für ein abwechslungsreiches Angebot mit unterschiedlichen Formaten: Für Schulklassen gestalteten wir einen „Daten-Parcours“ mit medien-, theater- und erlebnispädagogischen Stationen. Für Jugendgruppen und Ganztagsklassen wurden Nachmittags-Workshops und eine Crypto-Party angeboten. Daneben standen für Erwachsene verschiedene Fortbildungen und Vorträge auf dem Programm, u.a. mit der Politikerin und Autorin Marina Weisband. Eine kleine Aktion am Rande, die sehr großen Anklang, war unsere „Safer Selfie“-Station: Dort lagen Masken bereit, um anonyme Selfies zu knipsen, die dann im eigens dafür angelegten Instagram-Account gepostet wurden.

Das positive Feedback der rund 400 Teilnehmenden zeigte uns, dass unser Ansatz aufgegangen war. Dank der Beteiligung zahlreicher Münchner Einrichtungen konnte ein vielseitiges und kurzweiliges Programm gestaltet werden, und das Ziel, über Überwachung zu informieren und für Datenschutz zu sensibilisieren, ist so erreicht worden.

Dokumentation:

Eine ausführliche Dokumentation der Konzepte, die im Rahmen dieser Aktionswoche realisiert wurden, finden sich im Projekte-Blog der AG Interaktiv.
Zudem wurden zum Projekt ein Animations-Clip und ein Flyer erstellt, die beide online verfügbar sind.

Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg und als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er 2012 das "Facebook-Elternbuch" und 2014 das "Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).

Etwas mehr Privatsphäre – Verschlüsselt telefonieren mit Android und iOS

Private Kommunikation mit Smartphones ist mittlerweile ein sehr relativer Begriff geworden. In unseren beiden Leitartikel zu den Grundlagen einer mobilen Kommunikation haben wir uns ja bereits ausführlich mit Messengern, Verschlüsselungen und Grundsatzfragen beschäftigt. Das Ergebnis dieser beiden Artikel war, dass eine wirklich sichere Kommunikation nur über Open Source Angebote mit einer entsprechenden Verschlüsselung gewährleistet werden kann. Während unser Favorit unter den Messengern „TextSecure“ immer noch auf eine iOS Version wartet (Ende Sommer 2014) hat der Hersteller Open WhisperSystems zwei Apps veröffentlicht, die auf jeden Fall erwähnenswert sind.

Redphone für Android und Signal für iOS sind zwei miteinander kompatible Apps für eine verschlüsselte Telefonie über das Internet. Das Signal der beiden kostenlosen Open Source Apps wird end-to-end verschlüsselt und kann nicht abgehört werden, die Bedienung und Einrichtung ist simpel und intuitiv. Sehr positiv ist, dass beide Apps miteinander kompatibel sind, d.h. über Signal kann von einem iOS Gerät mit einem Android User telefoniert werden, der Redphone nutzt.

Getestet habe ich beide Apps in einem W-Lan. Die Sprachqualität war wie gewünscht sehr gut. Abbrüche gab es gelegentlich, sobald eine Person in ein langsameres Datennetz wechselte. Jedenfalls bin ich froh, dass es Fortschritte in diesen Bereichen gibt und warte noch voller Spannung auf die iOS Version von TextSecure.

Tobias Albers-Heinemann Kurzbio
Bildungsreferent und Medienpädagoge mit den Schwerpunkten: Eltern- und Lehrerbildung, politische Jugendbildung, Jugendbeteiligung, Erwachsenenbildung, digitale Kommunikation, Webvideo, Social Media und Öffentlichkeitsarbeit.

Threema – die sichere Whatsapp Alternative

threemaIm Prinzip ist Whatsapp eine super Sache… Der Messenger wird installiert und erkennt automatisch anhand meiner Kontakte, wer die App ebenfalls nutzt. Mit diesen Personen kann ich dann problemlos Nachrichten wie eine SMS verschicken, nur eben kostenlos über die Datenverbindung. Wäre da nicht die Sache mit dem Datenschutz… Leider wird bei Whatsapp nichts verschlüsselt, auch werden die Kontaktdaten von Nicht-Nutzern aus dem privaten Telefonbuch gescannt und auf dem Server der Betreiber gespeichert…

Nun ist mit Threema ein neuer Messenger für iOS und Android aus der Schweiz aufgetaucht, der genau das verspricht, was viele von uns gesucht haben. Datenschutz und Privatsphäre. Die Nachrichten werden mit einer 256 Bit Verschlüsselung übertragen. Ein öffentlicher und ein privater Schlüssel sorgen dafür, dass noch nicht einmal der Betreiber Einblick in die Daten erhält.

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Tobias Albers-Heinemann Kurzbio
Bildungsreferent und Medienpädagoge mit den Schwerpunkten: Eltern- und Lehrerbildung, politische Jugendbildung, Jugendbeteiligung, Erwachsenenbildung, digitale Kommunikation, Webvideo, Social Media und Öffentlichkeitsarbeit.

Privatsphäre bei Facebook: Depp 2.0

"Facebook in der Medienpädagogik"Als Einstieg zum Thema werden kurze Videoclips (siehe Linktipps) zum Thema gezeigt. Auf die Videos folgt mit den Jugendlichen eine Diskussionsrunde zum Thema “Was machst Du am liebsten im Internet und speziell in sozialen Netzwerken?“.

Anschließend werden die Schülerinnen und Schüler in Gruppen aufgeteilt und bekommen einige Karten mit Begriffen ausgeteilt (z. B. „Name der Schule“, „In wenich verliebt bin“, „Der Lehrer xy ist doof!“, etc.), diese müssen folgenden vier Kategorien zugeordnet werden: „Auf jeden Fall privat“ – „Nur für Freunde“ – „Nicht eindeutig“ – „Immer öffentlich!“

Die Ergebnisse werden mit den anderen Gruppen verglichen und die Diskussion eröffnet. Bis zu diesem Zeitpunkt wird bewusst noch nicht am Computer gearbeitet, um den Schülern und Schülerinnen die Möglichkeit zu geben, sich zunächst mit den Begrifflichkeiten auseinander zusetzen. Dabei wird deutlich, dass sie echte Freundinnen und Freunde sehr wohl von Facebook-Freundschaften trennen. Meistens haben sie jedoch Schwierigkeiten, diese Erkenntnis technisch auf ihr Facebook-Profil zu übertragen, indem sie beispielsweise Freundeslisten anlegen und nach „Besten Freunden“, „Schulfreunden“, „Familie“ etc. kategorisieren. Den ganzen Beitrag lesen

„Zuerst denken, dann klicken“

Facebook-Infos für die Medienpädagogik

"Facebook" von MoneyBlogNewz auf flickr.com (cc by)

Facebook kann schon tricky sein: Manche Features sind nicht auf den ersten Blick sichtbar, von einigen Privatsphäre-Einstellungen ganz zu schweigen, immer mal wieder geistern Wurm-Postings durch die Community oder Anwendungen tun nicht das, was sie zu tun vorgeben.

Die Seite „mimikama“ ist da eine große Hilfe für die Medienpädagogik: Teilweise mehrmals täglich erscheinen hier Tipps rund um Facebook – von der Smilie-Liste (cool!) über Hintergründe zur Impressumspflicht bis zu aktuellen Trojanerwarnungen. Und das alles „von Facebooknutzern für Facebooknutzer“. Gefällt mir!

[thx Maren Risch]

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

„private“ Einblicke in digitale Spielräume

Fotorecht in der Medienpädagogik

Screenshot aus Crysis 2 | electronic arts

Folgender Dialog stammt aus unserem imaginären Logbuch „Projektideen und Umsetzung“

Nichtspielerin:
„Ok, per WASD bewege ich mich und mit der Maus schaue ich mich um – richtig?“

Spieler:
„Yep…“

Nichtspielerin:
„Sach mal, das ist aber schon ein bisschen komisch, wenn ich mich hier in dem Haus so umschaue.“

Spieler:
„Wie jetzt? Was meinst du?“

Nichtspielerin:
„Naja, ich lauf hier mit ner Waffe durch die Wohnung von irgendjemanden, es ist zwar niemand da, aber schau mal, da steht nicht abgewaschenes Geschirr in der Spüle, da läuft ein Fernseher, dort ist ein nicht gemachtes Bett und der Teppich da könnte auch bei mir zu Hause liegen…“

Spieler:
„Ja und?“

Nichtspielerin:
„Na ich frage mich die ganze Zeit, wer wohnt denn eigentlich in dieser Wohnung, die ich hier gerade erkunde?“

Spieler:
„Gute Frage… Wer wohnt eigentlich in unseren Spielen?“

Diese Szene ereignete sich vor kurzem in unserem Projektbüro. Aus den Überlegungen und der Perspektive einer Nichtspielerin entstand ein Projekt, welches auf den Namen „privat“ getauft wurde.

„privat“ ermöglicht in seiner Umsetzung eine intensive Auseinandersetzung mit virtuellen Spielräumen. Hierbei werden SpielerInnen und Nicht-Spielerinnen gleichermaßen angesprochen. Gerade SpielerInnen, welche sich meist zielorientiert durch die Spielwelten bewegen, können über die Entschleunigung im Projekt neue Perspektiven einnehmen und nicht zuletzt ihr eigenen Spielverhalten besser reflektieren. Für Nicht-SpielerInnen ergibt sich die Chance ein unbekanntes Medium mit den eigenen Vorstellungen und Ansprüchen zu erkunden, ohne von Spielinhalten und -aufgaben zu schnell vereinnahmt oder abgeschreckt zu werden. Die Methodenvielfalt im Projektablauf lässt es zudem zu fächerübergreifende Projekt (z.B.: Deutsch, Informatik/Medienkunde, Kunst, Darstellendes Spiel) zu initiieren, da neben den technischen und Computerspiel bezogenen Aspekten vor allem Kreativität, Ausdrucksmöglichkeiten, Teamabsprachen und Fantasie gefragt sind.

Die Projektkonzeption ist mittlerweile erarbeitet und in der Praxis erfolgreich umgesetzt –Zeit, um es in die große weite Medienpädagogik-Praxis Welt zu entlassen ;). Unter folgendem Link finden Sie alle weiteren Informationen, Intentionen, Möglichkeiten und Methoden, um einen eigenen, ganz „privaten“ Workshop umzusetzen: KLICK

Über Feedbacks, Anregungen und Projekterfahrungen zu „privat“ würden wir uns freuen.

Gerrit Neundorf Kurzbio
studierte in Leipzig und in Darmstadt Sozialpädagogik, wo er u.a. durch Prof. Dr. Franz-Josef Röll von der Medienpädagogik infiziert wurde. Von 2002 bis Mai 2009 war er als Medienpädagoge beim Landesfilmdienst Thüringen e.V. angestellt und betreute dort mehrere landesweite Projekte. Seit 2007 ist er einer der Leiter des Instituts für Computerspiel - Spawnpoint. Für das Land Thüringen ist er seit 2011 als Jugendschutzsachverständige bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) tätig.

Privatsphäre Social Web Teil 3: Dein Image im Netz 2.0

Die Rede ist oft von online Reputation, also dem Image oder dem Ruf einer Person im Web2.0. Wie schnell dieser Ruf jedoch negativ beeinflusst werden kann, zeigten wir bereits an Beispielen von U2 Sänger Bono und twitternden Berühmtheiten.

Gerade wenn es in der medienpädagogischen Arbeit um die Selbstdarstellung von Jugendlichen in Social Networks geht, wird schnell deutlich, dass ein paar ungünstige Partyfotos z.B. den Verlauf einer Bewerbung beeinflussen können.

Zu diesem Thema gibt es einen schönen Beitrag auf netzwertig.com: 8 Tipps um sein Image im Social Web zu schützen.

Tobias Albers-Heinemann Kurzbio
Bildungsreferent und Medienpädagoge mit den Schwerpunkten: Eltern- und Lehrerbildung, politische Jugendbildung, Jugendbeteiligung, Erwachsenenbildung, digitale Kommunikation, Webvideo, Social Media und Öffentlichkeitsarbeit.
Verfasst am 23.03.2009

Privatsphäre in Social Networks: Bono in der Partyfalle

Der PR Blogger Klaus Eck berichtet in seinem Artikel „Facebook-Wahrheiten: Bono in der Partyfalle“ über die Veröffentlichung eines Partyfotos von U2 Sänger Bono in den Armen einer knapp bekleideten Bikinischönheit. Dieses wohl eher private Foto hat der Musiker in seinem privaten Facebook-Bereich ausschließlich seinem Freundeskreis zugänglich gemacht. Das Dumme daran war nur, dass eine weitere Partybesucherin dieses Bild ohne Sicherheitseinstellungen in ihrem Netzwerk eingestellt hat, so dass es nicht lange gedauert hat, bis eine Boulevard Zeitung darauf gestossen ist, die wiederum das Foto veröffentlichte.

Ich finde, dieser Beitrag ist einfach ein tolles Beispiel für die medienpädagogische Arbeit, vor allem wenn es um Privatsphäre, Social Networks und die eigene Selbstdarstellung geht. Es wird sehr schön deutlich, dass, nach der Einstellung eines Fotos im Internet, es nicht mehr an der eigenen Person liegt, zu steuern, wie dieses Bild weiterhin verwendet und genutzt werden kann. Gerade Jugendlichen kann z.B. eine mögliche Folge der Veröffentlichung ausschweifender Partyfotos demonstriert werden.

Tobias Albers-Heinemann Kurzbio
Bildungsreferent und Medienpädagoge mit den Schwerpunkten: Eltern- und Lehrerbildung, politische Jugendbildung, Jugendbeteiligung, Erwachsenenbildung, digitale Kommunikation, Webvideo, Social Media und Öffentlichkeitsarbeit.
Verfasst am 17.12.2008

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