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USK Alterskennzeichnung und Mobile Games

Der mobile Spielemarkt wächst seit einigen Jahren rasant an. Die Spiele werden immer komplexer und stehen den Konsolen und PC Versionen in Sachen Grafik und Immersion kaum noch nach. In Deutschland gab es bisher aber ein großes Problem. Während die Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) Alterskennzeichnungen nur für Trägermedien vergeben konnte, war der Bereich der Mobile Games ein rechtsfreier Raum, was den Jugendschutz angeht. Seit dem 17.03.2015 wird dieses bekanntes Jugendschutzproblem nun konstruktiv und global angegangen – mit IARC (International Age Rating Coalition) wurde die Alterskennzeichnungen von Mobile Games eingeführt. Da sich nun auch Google dem IARC System angeschlossen hat, stehen die Chancen gut, dass auch andere große Stores nachziehen.

Was das ganze bringt fragt Sie? Ein Beispiel: Dead Space, welches u.a. dafür berühmt wurde, dass es den deutschen Jugendschutz an den Rand seiner Möglichkeiten brachte ;-) hatte auf allen Plattformen eine USK 18. Im Google Play Store konnte sich jeder eine für mobile Endgeräte angepasste Version runter laden, welche nicht minder blutig war. Dort erschien dann bei Altersfreigabe die obligatorische “12+” – sehr witzig, wenn man bedenkt, dass ein simpler Webbrowser dort eine “17+” bekommt. Hier kamen nicht wenige in Erklärungsnöte, die in der Medienpädagogik und/oder Jugendschutz tätig sind.

Auch wenn IARC über Selbsteinschätzung der Entwickler funktioniert, durchlaufen die Eingaben in einer Datenbank dann doch die deutschen Jugendschutznormen. Das bedeutet nicht automatisch, dass das Spiel nur noch von Erwachsenen runtergeladen werden kann, aber Eltern können so zumindest sofort sehen, ob ein Spiel unter Jugendschutzaspekten für ihr Kind geeignet ist. Wenn nun noch die mobilen Endgeräte ähnliche Altersverifikationssysteme wie die Konsolen bekommen, wäre die Grundlage geschaffen, jüngeren Kids den Content zukommen zu lassen, der für ihr Alter/ihre Entwicklung passend ist… Ein Freifahrtschein für Eltern wird das trotzdem nicht sein, denn am Ende sollten sie entscheiden, was ihr Kind spielen darf/kann und was nicht – am besten indem sie es gemeinsam mit den Kindern spielen…[gn]

Hier findet ihr alle weiteren Infos:
http://www.usk.de/iarc/

Apps zum Thema Jugendschutz und Medienerziehung

Smartphones und Tablets sind nicht nur Themen in den Schulen, auch in der Familie spielen die Geräte eine große Rolle. Während bis vor einigen Jahren noch Computer und Fernseher die medialen Zentren kindlicher Lebenswelten darstellten, sammeln heute die Kleinen bereits im Vorschulalter ihre ersten medialen Erfahrungen über die Touch-Displays verschiedener Hersteller. Dies stellt Eltern vor neue medienerzieherische Herausforderungen!

Die Arbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz Landesstelle Nordrhein-Westfalen e.V. (AJS-NRW) hat in diesem Sinne ein Merkblatt mit Jugendschutz-Apps erstellt, welches regelmässig aktualisiert werden soll. Die Empfehlungen hier reichen von kindgerechten Angeboten bis hin zu technischen Schutzfunktionen, wobei den Erziehenden jedoch immer bewusst sein sollte, dass technische Lösungen bestenfalls Ergänzungen zur Begleitung und Förderung des Kindes darstellen.

Aber wie sieht es bei Euch und Ihnen aus? Was empfehlen die geneigten Medienpädagogen auf ihren Vorträgen und Elternabenden den Ratsuchenden, wenn es um Medienerziehung und mobile Apps geht? Ich bin gespannt…

Thomas Krüger zur JMStV-Novellierung

Im Zusammenhang mit der anstehenden Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (unsere Zusammenfassung hier) hat Swenja Wütscher in der «merz – medien und erziehung» Thomas Krüger befragt. Krüger ist Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung und außerdem stellvertretender Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM). Mit freundlicher Genehmigung der merz-Redaktion dokumentieren wir das Interview hier.


merz Jugendmedienschutz ist ein Mittel für … ?
Krüger
 Jugendmedienschutz ist ein weites Feld, würde Fontane sagen. Ich argumentiere mal von den zu Schützenden her, also dass vor allem bei Kindern der Schutzgedanke im Vordergrund stehen muss, und bei Jugendlichen der Gedanke der Eigenverantwortung. Sprich, wir brauchen differenzierte Lösungen, die den Schutzbedürfnissen Rechnung tragen, die auf der anderen Seite aber auch begreifen, dass es nicht nur um Ordnungspolitik geht, sondern auch um Medienkompetenz. Die medienpädagogische Herausforderung, die Aufgabe, die es zu bewältigen gilt, ist die Stärkung der Eigenverantwortung der Jugendlichen.

merz Welche Wirkung entfaltet die – im Jahr 2010 gescheiterte, im März erneut gestartete – Novellierung des JMStV bei Ihnen?
Krüger Zunächst geht es natürlich darum, viele offene Fragen zu diskutieren, die mit der Medienkonvergenz aufgetreten sind, aber auch die Frage, wie es mit dem technischen Jugendmedienschutz weitergehen soll. Ich bin der Meinung, dass die Wirtschaft derzeit nicht in der Lage ist, eine vernünftige Weiterentwicklung der Jugendschutzprogramme alleine zu finanzieren und plädiere vehement für ein stärkeres Engagement der öffentlichen Hände von Bund und Ländern.

merz Brauchen medienkompetente Heranwachsende überhaupt noch einen Jugendmedienschutz?
Krüger Kinder brauchen in jedem Fall Vorkehrungen des Jugendmedienschutzes, bei Jugendlichen sieht das schon anders aus. Ich glaube, dass Jugendliche mit zunehmendem Alter selber für sich Verantwortung übernehmen müssen, weil Schutzvorkehrungen nur relative sein können. Deshalb muss der Jugendmedienschutz der Zukunft – also einer, der seinen Namen verdient – begreifen, dass es neben dem Standbein der technischen und ordnungspolitischen Vorkehrungen ein Spielbein der Unterstützung von Medienkompetenz-Projekten für Jugendliche braucht, die sie ermächtigen, eigenverantwortlich mit Medien umzugehen.

merz Was könnte oder sollte ‚die Medienpädagogik‘ selbst zur Verbesserung des Jugendmedienschutzes beitragen?
Krüger Medienpädagogik dient zunächst dazu, wozu Pädagogik überhaupt dienen soll, nämlich der Stärkung einer eigenverantwortlichen Persönlichkeit, die den Qualitätskriterien demokratischer, offener Gesellschaften Rechnung trägt. Insofern müssen medienpädagogische Projekte von Sozialverhalten bis hin zu technischen Kompetenzfragen und der Beurteilung und Bewertung von Medieninhalten ein großes Spektrum abdecken, letztendlich aber darauf hinauslaufen, dass die eigenverantwortliche Persönlichkeit im Mittelpunkt stehen sollte. Bisher wird hier viel zu viel klein-klein gefahren. Es gibt hervorragende dezentrale Initiativen, aber weder eine systematische Förderpolitik noch eine erkennbare Verzahnung mit den schulischen Curricula – vor allem für den Bereich der weiterführenden Schulen.

merz Welche Aspekte sollten damit einen Jugendmedienschutz-Staatsvertrag anführen?
Krüger Die Diskussion um einen JMStV muss berücksichtigen, dass es auch korrespondierende Lösungen für den medienpädagogischen bzw. für den Medienkompetenz-Bereich geben muss. Der JMStV muss Rahmenbedingungen dafür schaffen, dass tatsächlich übergeordnete Förderpolitik gestartet wird, die dadurch denkbar ist, dass man entsprechende Institutionen aktiviert, diese Aufgabe wahrzunehmen, oder – wie es immer als große Lösung vorgeschlagen wurde – eine Bund-Länder-Stiftung Medienpädagogik auf die Schiene setzt, die ihren Namen aber auch wirklich verdient. 

merz Wer sollte mit wem ein solches Konzept gestalten?
Krüger Ich finde, die Verantwortlichen in Bund und Ländern müssen genauso an den Start wie die Fachleute, die sich über Jahrzehnte um dieses Themenfeld verdient gemacht haben. Die Medienpädagogik hat einen sehr starken sozialwissenschaftlichen Background in die Waagschale zu werfen, der sehr hilfreich ist, was die Adoleszenz-Phase von Jugendlichen betrifft, und damit sozusagen die Projekte der Medienpädagogik und Medienkompetenz einpasst in die Persönlichkeitsentwicklung. Gleichzeitig kann man auch nicht vorbeigehen an der Expertise starker Anbieter von medienpädagogischen Projekten. Also es gibt im Feld eine Reihe von Experten, die angesprochen und einbezogen werden müssen. Es gibt aber vor allem auch die politisch Verantwortlichen in Bund und Ländern, die endlich begreifen müssen, dass der Jugendmedienschutz auf zwei Beinen zu stehen kommen muss, wenn es um Jugendliche geht: neben den technischen und ordnungspolitischen Vorkehrungen nämlich auch die Stärkung der Eigenverantwortung der Jugendlichen. Das A und O sind die Jugendlichen, die nicht nur Patienten sind, die erzogen oder pädagogisiert werden müssen, sondern wenn wir von Medienpädagogik- und Medienkompetenz-Projekten ausgehen, denken wir eine teilhabeorientierte Bildung – also die Einbeziehung der Jugendlichen selber – immer mit. Ohne Partizipation in diesen Projekten, ohne Mitbestimmung über die Lernszenarien und -settings wird keine Akzeptanz in diesem Bereich herzustellen sein.

merz Jugendmedienschutz darf nicht nur Regulierung heißen. Jugendliche sind gleichzeitig Regisseure und Darsteller ihrer Lebenswelt – und sollen das auch sein. Ihr Wunsch nach sozialer Zugehörigkeit verlangt dabei auch Webpräsenz: Welche Alternativen sollte es daher für Jugendliche neben sicheren Surfräumen und Filterlösungen geben?
Krüger Eine Lösung ist vielleicht, ins Kloster zu gehen, aber die gehört eher anderen Jahrhunderten an. Ich glaube, man muss berücksichtigen, dass Jugendliche heute neben der Einbeziehung in den formellen und non-formellen Bildungssektor auch Selbstlernende sind: Sie organisieren sich selbst, auch ihre Lernprozesse – in der pädagogischen Wissenschaft wird das informelle Bildung genannt –, sie vernetzen sich mit Gleichaltrigen, tauschen sich aus und werden quasi durch das Interagieren mit Gleichaltrigen Experten ihres Alltags – auch ihres Medienalltags. Das gilt es in entsprechenden Szenarien und Förderprogrammenzu berücksichtigen. Denn die Akzeptanz bei Jugendlichen wird nur herzustellen sein, wenn sie als eigenverantwortliche Persönlichkeiten von Anfang an mitgestaltend ins Spiel kommen und dieses Terrain mitbestimmen können.

«Kleine Daten, große Wirkung»

Big Data, also die Nutzung von großen Datenmengen zur Gewinnung von neuen Informationen, ist in der Medienpädagogik nicht nur mit Blick auf Facebook, Whatsapp und Co. ein immer wichtigeres Thema: In der digitalen Gesellschaft ist grundlegendes Wissen über den Umgang mit solchen Daten wichtig für das Verständnis von Wirtschaft und Technologie – und auch von Überwachungsmöglichkeiten.

Erst jetzt bin ich über wertvolle Materialien der LfM Nordrhein-Westfalen gestolpert, die für die pädagogische Arbeit geeignet sind: Obiger Film von keinem Geringeren als Alexander Lehmann visualisiert die wichtigsten Prinzipien – und eine kostenlose Broschüre «Kleine Daten, große Wirkung» (PDF) gibt einen vertieften Einblick.

[via jugend.rlp.de]

Die JMStV-Novellierung aus Sicht der Medienpädagogik

Gestern haben die Länder überraschend angekündigt, eine Online-Konsultation zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) zu starten. Damit wird ein Prozess öffentlich wieder aufgenommen, der mit dem Scheitern der damaligen Neufassung Ende 2010 ins Stocken gekommen war. Für Kinder, Jugendliche und alle weiteren Zielgruppen im Netz, für Medienproduktionen online und damit für die Medienpädagogik ist die Regelung des Jugendmedienschutzes im Internet zentral, denn es geht um Fragen etwa wie Websites von Jugendlichen aus Medienprojekten veröffentlicht werden können, und etwa wie  Eltern in der Medienerziehung unterstützt werden und wie nicht. Auch die Freiheit und Vielfalt von Information und Kommunikation sind hohe Güter, die durch den neuen JMStV massiv in Gefahr sind.  Daher möchten wir in diesem Artikel die bisherige Entwicklung schildern, wichtige Informationen und Argumentationen zusammenfassen und mögliche Positionen und Handlungsoptionen für Medienpädagoginnen und Medienpädagogen skizzieren – das alles als eine erste Bestandsaufnahme. Wir freuen uns über Artikel, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Den ganzen Beitrag lesen

Datenschutz bei mobilen Messengern Teil 2 – Warum Threema keine sichere Alternative zu WhatsApp ist

Im ersten Teil unseres Artikels sind wir auf die elementaren Grundlagen der sicheren Messenger eingegangen, haben gezeigt, wie Verschlüsselungen funktionieren und welche Anforderungen ein Messenger haben sollte, um wirklich als sicher bezeichnet werden zu können.

In diesem Teil möchten wir daraus die medienpädagogischen Konsequenzen ziehen und auch ganz praktisch auf wirklich sichere Alternativen blicken.

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Retro[Gaming] als [Wieder]Einstieg

Ok, die ersten guten Vorsätze für 2014 sind erfolgreich über Bord geworfen worden? Dann wird es Zeit sich neue Ziele zu setzen! Wie wäre es, bezogen auf meinen Aufruf zu mehr direkten Spielerfahrungen, mit der ein oder anderen nostalgischen Gamingsession?
“The Internet Archive” stellt mit “The Console Living Room” über 1000 sogenannte Retrogames von 6 verschiedenen Konsolentypen aus den 70er und 80er Jahren zur Verfügung, welche sich dort online im Browser spielen lassen. Auch wenn die Soundfunktion im Emulator noch nicht funktioniert, was wohl in Arbeit ist, lässt es sich dabei nicht nur in Erinnerungen zu der guten alten Zeit (ja auch diese Diskussion gibt es im Bereich der Computerspiele immer häufiger) schwelgen, sondern auch in medienpädagogischen Projektkontexten handeln. Dabei lassen sich nicht nur die Geschichte von Games oder die des Jugendschutzes (das Titelbild dieses Artikels stammt aus einem der ersten (1984) indizierten Games überhaupt “Battlezone”) bearbeiten, sondern auch Spielmechaniken oder auch Anforderungen an die Spieler_Innen gut hinterfragen und mit aktuellen Games vergleichen.

Aktiv gegen Nazis

Dass im Internet und im Social Web Neonazis unterwegs sind, ist recht logisch, aber nicht immer auf den ersten Blick zu bemerken. Daher gibt es dankenswerterweise schon seit langem Initiativen aus Jugendarbeit und Medienpädagogik, die Jugendliche informieren. Nun ist eine weitere Broschüre erschienen – das ist an sich schon erfreulich, die Publikation kann aber noch mehr:

Rechtsextremismus in sozialen Netzwerken” (PDF) des Beratungsnetzwerks Baden-Württemberg zeigt nicht nur viele Aktivitätsfelder und Strategien von rechten Gruppen im Netz, sondern beschreibt auch sieben kurzweilige und handlungsorientierte Methoden, mit denen sich das Thema in Workshops mit Jugendlichen behandeln lässt. Ein doppelter Gewinn für die Medienpädagogik!

Lebendige Diskussionen mit InfiniteSlides

Medienpädagoginnen und Medienpädagogen stehen in Workshops mit Jugendlichen nicht nur vor der Herausforderung, Wissen zu vermitteln, sondern wollen auch zur Reflektion über die eigene Mediennutzung anregen. Aus dem Wunsch einen Mittelweg zwischen einem Vortrag und der freien Diskussion zu schaffen, entstand das Projekt InfiniteSlides. Das Programm kann dabei helfen eine klare Struktur in die Diskussion mit Gruppen zu bringen.

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Ein Blick ins (digitale) Universum

(Auch) Bei Vorträgen und Infoabenden in der Medienpädagogik sind kurze Videos sehr geeignet, um ins Thema einzuführen, über bestimmte Apekte zu informieren oder das Publikum zu aktivieren. Gängige Videos, die das Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen besprechen und aus Jugendschutz-Sicht Tipps für Eltern geben, haben allerdings (aus meiner Perspektive) oft einen eher skeptischen Blick auf digitale Medien und jugendlichen Medienkonsum und sind daher nicht immer im Sinne von Kindern und Jugendlichen.

Eine sehr gelungenes Beispiel aus meiner Sicht ist allerdings das Video “Das digitale Universum Ihrer Kinder – Online-Tipps für Eltern“, das sehr unaufgeregt, wertschätzend und sachlich über die mediatisierte Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen informiert und einfache und gute Tipps für Eltern gibt. Sehr im Sinne von deren Kindern. Den ganzen Beitrag lesen

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