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Daten sicher durchs Netz bringen

Seit Edward Snowden bekannt gemacht hat, wie umfassend Menschen weltweit durch Geheimdienste überwacht werden, hat die Sensibilität für Datensicherheit zugenommen und ist auch ein größeres Thema in der Medienpädagogik geworden.

Die Zusammenhänge und Hintergründe sind dabei allerdings oft abstrakt und schwer nachzuvollziehen. Die Electronic Frontier Foundation (EFF) hat daher schon vor längerem eine Website veröffentlicht, die auf anschauliche Weise zeigt, wie Daten auf ihrem Weg durchs Netz an verschiedenen Stellen durch https und Tor unsichtbar gemacht werden können oder eben nicht. Für mich ist das nach wie vor wertvolles Material für Veranstaltungen, wo es um Datensicherheit geht. Denn unbedachte Verschlüsselung und Anonymisierung kann eine falsche Sicherheit vorgaukeln, die am Ende genau das Gegenteil bewirkt.

Gemeinsam online rechnen

Online-Zusammenarbeit wird immer häufiger, auch in der Organisation von medienpädagogischen Projekten. Und während es mit Etherpads (wie unserem medienpad) eine bewährte Lösung gibt, um gemeinsam Texte zu verfassen, ist mensch bei Berechnungen bzw. Tabellenkalkulationen fast ausschließlich auf Google Docs beschränkt.

Fast? Stimmt. Mit Ethercalc gibt es nämlich eine offene, kostenlose Software, mit der im Browser gemeinsam Tabellenkalkulationen angelegt werden können. Und es funktioniert gut: Typische Berechnungen, etwa zu einer Projektfinanzierung, sind schnell und souverän erstellt. Manche Funktionen sind etwas sperrig umgesetzt, funktionieren letztlich aber gut. Und das Ganze mit einem besseren Gefühl, schließlich lässt sich selbst bestimmen, wo die eigenen Daten liefern. Ethercalc bietet einen gehosteten Service, aber die Software lässt sich selbstverständlich auf einem beliebigen Server installieren, insbesondere auch lokal.

Doppelt bevormundet durch Facebook

Aus gesellschaftlicher bzw. demokratischer Perspektive finde ich nach wie vor den Facebook-Newsfeed eine der problematischsten Aspekte des sozialen Netzwerks: Das Unternehmen entscheidet in einem kaum zu durchschauenden Algorithmus darüber, welche Inhalte die Nutzer_innen sehen sollen und welche nicht. Was ich also in meinem Newsstream sehe, sind nicht die Neuigkeiten, die ich, sondern die Facebook für relevant hält – eine riesige Manipulation von Informationen und Öffentlichkeit.

Eine Meldung der letzten Wochen hat zunächst den Eindruck entstehen lassen, mensch könne sich nun alle abonnierten Informationen ansehen: Facebook bietet einen weiteren Stream an, der «Ungelesene Meldungen» heißt. Wer genau hinschaut, wie etwa mimikama, der/die stellt fest, dass das Angebot eine zweite Bevormundung ist: Es werden Artikel angezeigt, die laut Facebook sehenswert sind, aber noch keine ausreichende Aufmerksamkeit des/der Nutzer_in bekommen haben. Die vermuteten «versteckten» Meldungen bekommen die Nutzer_innen also auch hier nicht zu sehen – eigentlich auch kein Wunder, denn durch das Zurückhalten von Informationen verdient Facebook sein Geld (indem Unternehmen dafür zahlen, dass sie sichtbar bleiben).

Bei aller Häme sind für mich die «Ungelesene Meldungen» auch ein Glücksfall für die Medienpädagogik. Denn sie liefern schönes Anschauungsmaterial, um mit Jugendlichen und Erwachsenen die Manipulation durch Facebook sichtbar zu machen und schließlich zu reflektieren.

Seafile als Open Source Alternative zu Dropbox

In vielen medienpädagogischen Projekten, Arbeitsgruppen oder auch Schulklassen ist es notwendig, Daten mit den Beteiligten gemeinsam zu nutzen und zu bearbeiten oder aber einfach Dateien zum Download bereitzustellen. Gerne wird dafür Dropbox genutzt, denn dieser Dienst ist einfach zu bedienen und schon weit verbreitet. Doch in manchen Zusammenhängen möchte das Projekt oder die Gruppe aus unterschiedlichsten Gründen seine Daten nicht diesem Dienst anvertrauen, aber trotzdem ähnliche Funktionen nutzen.

Hier im Blog wurden schon einige Programme vorgestellt, die sich zum Synchronisieren und Bereitstellen von Daten eignen, wie beispielsweise OwnCloud, SparkleShare oder SugarSync. Es gibt aber noch einen weiteren Dienst, der gut als Alternative für Dropbox genutzt werden kann und dabei auch noch Open Source ist: Seafile. Den ganzen Beitrag lesen

Treffsicher Wissen testen

Die meisten Fakten haben mit Orten zu tun – und das macht sich Google zu Nutze und bietet mit «Smarty Pins» ab sofort ein Wissensquiz auf Google Maps-Basis an. Dabei müssen die Nutzer_innen in verschiedenen Wissensgebieten Pins auf der Karte platzieren. Die evtl. Differenz zur richtigen Lösung wird von einem Punktekonto abgebucht, bis dieses aufgebraucht ist.

Die Idee hinter dem Angebot ist sicher gut, die Umsetzung ebenso. Allerdings ist Smarty Pins bisher nur auf Englisch verfügbar – und die Fragen können einen US-Fokus nicht verleugnen. Das macht das Quiz zeitweise sehr schwer und eher frustrierend, was es momentan noch nicht generell für Medienpädagogik und Bildungsarbeit empfiehlt. In speziellen Settings kann es aber sicher Sinn machen – und es bleibt abzuwarten, ob und wie Google das Angebot evtl. weiterentwickelt.

It‘s the economy, stupid! – Materialien für die Verbraucherbildung zum Thema Social Web

Online-Werbung und Geschäftsmodelle im Social Web sind bislang bei der Medienkompetenzförderung in Jugendarbeit und in Schule eher ein Randthema. Das neue Materialset “Online-Werbung mit Jugendlichen zum Thema machen” bietet konkrete Methoden und Hintergrundinformationen um diese Situation zu verändern. Dies erscheint angesichts neuer Studienergebnisse auch dringend notwendig.

Lückenhaftes Wissen und Überforderung von Jugendlichen

So zeigen eine Reihe von Befunden der JFF-Studie “Jugendliche und Online-Werbung im Social Web” die Notwendigkeit, dass Medienpädagogik das Thema Verbraucherbildung stärker aufgreift:

  • Jugendliche nehmen nicht alle Werbeformen im Social Web als Werbung wahr.
  • Sie kritisieren Online-Werbung auf vielfältige Weise und fühlen sich mitunter in ihrem Medienhandeln beeinträchtigt. Dennoch nehmen sie die Werbeformen meist als gegeben hin.
  • Die jungen Nutzerinnen und Nutzer erkennen zwar Gestaltungsmittel von Werbung. Von Auswertungsverfahren für personalisierte Werbung haben sie aber keine realistische Vorstellung.
  • Sie wissen wenig bis gar nichts über die Geschäftsmodelle ihrer Lieblingsplattformen und über Marktmechanismen im Social Web.

Noch deutlicher wird die pädagogische Handlungsnotwendigkeit mit Blick auf die Ergebnisse zum Wissen Jugendlicher zu ihren Rechten im Social Web. So steht das Zitat einer Gymnasiastin beispielhaft dafür, dass für die Mädchen und Jungen schon die Grundidee des Verbraucherschutzes nicht präsent ist.

„Eigentlich hat man ja im Grunde Pech gehabt, weil wenn man die AGB nicht gelesen hat, da kann ja im Grunde alles stehen. Wenn das drin steht, dass die das machen dürfen, haben die auch das Recht. Da kann man eigentlich nichts dagegen machen“ (Gymnasiastin).

Vielmehr formulieren die befragten Jugendlichen, dass sie allein für ihren Schutz verantwortlich seien. Damit sind sie aber völlig überfordert. Zudem verhindert diese Vorstellung, dass sie sich für ein politisches Eingreifen in der Verbraucherpolitik engagieren.

Um diese Leerstelle zu füllen, wurden Materialien für die pädagogische Arbeit entwickelt und in der Praxis erprobt. Die Materialien “Online-Werbung mit Jugendlichen zum Thema machen” bieten somit praxiserprobte Methoden, mit denen Werbeformen und Geschäftsmodelle im Social Web sowie Verbraucherrechte mit Jugendlichen bearbeitet werden können. Den ganzen Beitrag lesen

Bavaria ipsum dolor Gaudi allerweil hob

Es lässt sich wahrnehmen, aber ist nicht zu verstehen: das haben «lorem ipsum»-Texte und manche Dialekte gemeinsam. Das dachten sich wohl auch die Macher_innen von «Bavaria ipsum» als sie einen Blindtextgenerator mit bayerischem Einschlag entwickelt haben.

Die generierten Texte machen fast genau das, was auch lorem ipsum bietet, nur weitaus unterhaltsamer. So bekommen Medienpädagog_innen und (jugendliche) Macher_innen von Medienprodukten mit Textbezug eine augenzwinkernde Möglichkeit, Blindtexte einzusetzen. Und der Unterhaltungswert rechtfertigt auch, wenn der Text dann doch mal seine Aufmerksamkeit auf sich zieht: Es ist einfach sooooo lustig!

Und wer auf den Geschmack gekommen ist, für den/die gibt es noch «Web2.0 ipsum», «Gangsta ipsum», «Hipster ipsum» und viele mehr – zu finden auf der about-Seite von Bavaria ipsum.

[via Sandra Schön/Martin Ebner]

Augmented Reality leicht gemacht

Augmented Reality, das Einblenden von Daten in Echtzeit, steckt erst in den Kinderschuhen, wird aber in der Zukunft sicher einige beeindruckende Anwendungen hervorbringen. Aber schon heute kann sich die Medienpädagogik damit beschäftigen – und das ohne großen technischen Aufwand.

Wie das geht, zeigt, Hombre_McSteez in seinem Video «Aug(De)Mented Reality»: In der Animation werden «Einblendungen» einfach mit einer Folie ins Bild gebracht. Die trashige Umsetzung hat Charme und so ist der Film sicher ein schönes Inspirationsvideo für (Video)Projekte mit Jugendlichen, bei denen die Implikationen von Augmented Reality thematisiert werden sollen – oder einfach nur mit der Wirklichkeit gespielt wird.

Die schöne neue BigData-Welt

Heute gibt es einen Materialtipp für Liebhaber_innen und Leidensbereite: Die Publikation «Big-Data-Technologien – Wissen für Entscheider» ist gespickt mit Fachbegriffen und für Neueinsteiger_innen alles andere als leichte Kost.

Die Broschüre ist aber insgesamt recht verständlich geschrieben und gibt einen wertvollen Einblick in die schöne neue Welt von BigData, in der viele neue Dinge möglich sind, die aber gerade in der Medienpädagogik mit Sozialen Netzwerken, personenbezogenen Daten und damit auch dem Datenschutz verbunden sind. Auf knapp 200 Seiten werden Motive, Technologien, Strategien und vor allem mögliche Anwendungsbereiche skizziert.

Allen Medienpädagog_innen, die für einen Vortrag, Seminar oder einfach nur zur persönlichen Horizonterweiterung ein Gefühl für die Denkweisen der Macher_innen bekommen möchten und dabei auch anstrengende Lektüre nicht scheuen, empfehle ich daher die kostenlose Broschüre.

«Dieser Artikel wird Dein Leben verändern.» Oder so.

Solche und ähnliche Teaser sind immer öfter in Sozialen Netzwerken zu finden – und eine dreiste Variante von Manipulation und letztlich Desinformation. Das zeigt Lars Wienand in drei lesenswerten Artikeln über die Strategie, die Macher von «heftig.co» – und deren Verhältnis zum Urheberrecht: Die Website hat großen Erfolg mit Überschriften, die emotionalisieren und extrem neugierig machen, am Ende aber nur wenige Informationen liefern. Insbesondere geht es dabei weniger um die Nachrichten, sondern vor allem um Klicks auf der eigenen Website.

Darüber aufzuklären sollte daher auch eine Aufgabe der Medienpädagogik sein. Und nebenbei lässt sich dabei gleich auch lernen, wie das Internet und insbesondere das Social Web funktioniert – und wie dort erfolgreiche Posts platziert werden. So hat das Ätzende auch noch was Gutes.

Und wer für seine heftig-Links-verbreitenden SocialMedia-Kontakte noch eine angemessene Reaktion braucht, dem/der sei der passende Phänomeme-Artikel ans Herz gelegt. :-)

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