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Kinder- und Jugendkonferenzen zu Medien veranstalten

Wenn Erwachsene mit Kindern und Jugendlichen über Medien ins Gespräch kommen, dann kommt im Idealfall die Sichtweise der Heranwachsenden zur Sprache, diese reflektieren ihr Medienhandeln – und die Erwachsenen bekommen ebenfalls neue Einblicke. Besonders gut gelingt das, wenn nicht nur geredet wird, sondern Jugendliche sich mit Medienbeiträgen ausdrücken können. Beides ist geschehen bei den Kinder- und Jugendkonferenzen des JFF, deren Ergebnisse in der Act-on-Studie verfügbar ist.

Die Macher_innen haben ebenso einen Leitfaden veröffentlicht, in dem das Konzept der medienpädagogischen Kinder- und Jugendkonferenzen erläutert ist. Medienpädagog_innen haben damit eine gute Grundlage, in Schule, Jugendarbeit und Medienpädagogik selbst solche handlungsorientierten Veranstaltungen durchzuführen und damit die Sicht der Beteiligten auf Medien(handeln) zu verändern.

Der Leitfaden ist aus meiner Sicht nicht sehr detailliert und an manchen Stellen eher eine Projektdokumentation, aber gibt einen guten Einblick in das Konzept und bietet eine ausreichende Basis, um das Konzept an lokale Gegebenheiten anzupassen. «Nachmachen ausdrücklich erwünscht» heißt es in der Publikation. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Junge Menschen als Expert_innen

Mit Kindern und Jugendlichen im Detail über Medien reden ohne nur mit Zahlen zu jonglieren – das mag ich an den Studien aus dem JFF. Das Ergebnis sind nämlich nicht nur detaillierte Einblicke in die Lebenswelt von Heranwachsenden und ihre Sicht auf die Welt, sondern meist auch konkrete Anknüpfungspunkte für die medienpädagogische Praxis.

Jüngstes Produkt aus diesem Schaffen sind die Berichte aus den Act-on-Jugendkonferenzen. Die sind teilweise schon länger verfügbar, nun gibt es aber die Gesamtschau inklusive eines Schlussreports. Darin finden sich Informationen zum Medienhandeln von Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 14 Jahren plus ihre Sicht auf Risiken rund um Smartphone und Internet. Dabei zeigt sich unter anderem, dass junge Menschen sich durchaus Gefahren bewusst sind, allerdings nicht immer alles genau einschätzen können und häufig konkretes Hintergrundwissen gefragt ist.

Die Studien werden abgerundet durch konkrete Empfehlungen für die Medienpädagogik. Und allerspätestens da zeigt sich: eine lohnende Lektüre für Praktiker_innen!

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 04.04.2017

Ein ganzes Jahr Medienpädagogik

Dass die Auseinandersetzung mit digitalen Medien einen Platz in der Schule haben sollte, darüber sind sich alle zumindest in vollmundigen Bekenntnissen einig. Nicht immer werden dafür auch Ressourcen, insbesondere in Form von Zeit, zur Verfügung gestellt. Haben sich Lehrer_innen für Medienpädagogik Zeit freigeschaufelt, stellt sich allerdings schnell die Frage, was denn nun genau mit der Klasse gemacht werden kann – hierzu gibt es zwar vielfältige Materialien, aber selten in einem Gesamtzusammenhang.

Jüngst ist mit «Durchs Jahr mit klicksafe» ein solcher Vorschlag für eine Unterrichtsreihe mit medienpädagogischen Inhalten erschienen. Die Macherinnen (sic!) haben in der Publikation zwölf Einheiten zu verschiedenen Themen so zusammengestellt, dass sie schlüssig aufeinander aufbauen. Passend zu klicksafe haben alle Vorschläge einen Internetbezug und meist geht es um Sicherheit, bei einigen werden jedoch auch eigene Medienprodukte hergestellt. Die Ideen sind meiner Meinung nach eher für ältere Kinder in der genannten Zielgruppe 2.-5. Klasse geeignet und über die Inhalte und Methoden lässt sich teilweise streiten.

Gut finde ich aber, dass überhaupt ein Gesamtvorschlag vorgelegt wird. Das senkt die Hürde für den Einstieg – und interessierte Lehrer_innen können sich immer noch die für sie geeignetsten Einheiten aussuchen und auch methodisch modifizieren.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Dokumente gemeinsam online erstellen und verwalten mit Git

Git ist aus Bildungssicht sowas wie das Dornröschen unter den Kollaborationswerkzeugen: Wenn es darum geht, offene und weiterbearbeitbare Dokumente (also OER) zu erstellen, bietet Git ideale Möglichkeiten, Änderungen vorzunehmen, zu dokumentieren, zu verwalten. Das Problem bisher: Git ist für Einsteiger_innen nicht trivial und es gibt aus meiner Sicht noch keinen richtigen Editor bzw. andere Werkzeuge, die die Möglichkeiten von Git für eine breite Nutzer_innenschaft einfach nutzbar machen.

Gibt es nicht? Nunja: fast. GitBook bietet seit etwas mehr als einem Jahr einen Online-Editor, mit dem sich kollaborativ auf der Basis von Git eBooks erstellen und online veröffentlichen lassen. Die Bearbeitungsmöglichkeiten sind recht intuitiv, die Dokumente lassen sich (als epub, mobi oder PDF) herunterladen und weitgehend frei veröffentlichen und weiterbearbeiten. Die einzige Hürde ist die Versionsverwaltung, die wie bei Git funktioniert und daher ein wenig Verständnis und Eingewöhnung bedarf. Dann hat GitBook aber durchaus Potenzial.

GitBook ist online verfügbar in einem Freemium-Preismodell, wobei für Bildungszusammenhänge großzügige Rabatte gewährt werden. Die Plattform ist nach außen hin sehr offen gestaltet, die Inhalte können breit exportiert und in anderen Zusammenhängen weitergenutzt und -bearbeitet werden.

Für mich ist das Angebot daher ein spannendes Werkzeug gerade für Medienpädagog_innen, die gemeinsam online (OER-)Dokumente erstellen und veröffentlichen möchten und die Möglichkeiten von Git entdecken und nutzen möchten.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 21.03.2017

Privatsphäre für Kids

Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Als mir «Digitale Defender – Privatsphäre für Kids» in die digitalen Hände geflattert ist, dachte ich, das müsse was gutes sein – für die Broschüre haben sich wichtige, kompetente und engagierte Organisationen in Sachen Datenschutz zusammengetan und Tipps für Kinder und Jugendliche zur Privatsphäre im Internet zusammengestellt.

Das Ergebnis ist auf den ersten Blick im Comicstil jugendgerecht aufgemacht. Auf den zweiten Blick erinnert es mich aber ein wenig an Poochie: Im Grunde werden dröge Texte nur mit pseudocoolen SciFi-Charakteren aufgemotzt, die aber nur wenig inhaltlichen Sinn machen und insbesondere nicht mit den eigentlichen Inhalten verbunden sind. Das Ergebnis ist eine aus meiner Sicht nur mäßig interessante Broschüre.

Inhaltlich sind dabei durchaus praktische Tipps zur Privatsphäre in Sozialen Netzwerken, zu einem sicheren Handy oder zu guten Passwörtern zu finden – deswegen überlasse ich nach diesem leichten Verriss dem/der Leser_in die Entscheidung, ob die Publikation für bestimmte Zwecke in der Medienpädagogik dennoch Sinn macht…

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 23.02.2017

«FakeNews» im Unterricht

«FakeNews» ist aus meiner Sicht sowas wie das medienpädagogische Unwort des Jahres 2016 – und hat einige Eigenschaften eines medienpädagogischen Hypes:

  • Gesellschaftliche Phänomene und Probleme werden auf ein Medienphänomen reduziert.
  • Obwohl es schon Begrifflichkeiten gibt, wird ein neuer Begriff geprägt.
  • Dieser Begriff wird uneindeutig verwendet, obwohl damit gleichzeitig Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird.
  • Der Bekämpfung des Medienphänomens werden Heilserwartungen zugeschrieben.

Dennoch ist es grundsätzlich nicht verkehrt, mit Jugendlichen über die Verifikation von Nachrichten und Dynamiken auf sozialen Netzwerken zu reden. Recht umfangreiches Material hierfür bietet die klicksafe-Handreichung «Fakt oder Fake» für den Unterricht. Darin sind zwei Szenarien inklusive verschiedener Materialien zu finden.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Der Seitenstark-Chat auch auf dem Smartphone

Mein Herz schlägt ja eher für die Bescheidenen und Beständigen. Und dazu gehört der Seitenstark-Chat: Seit langen Jahren dabei, bieten die Macher_innen ein verlässliches, professionelles Angebot für Kinder und Jugendliche – einen betreuten, sicheren Chat – und begeistern damit auch die Eltern.

Neben dem Onlineangebot gibt es nun auch eine App, mit der junge Menschen das Angebot auch auf einem Smartphone nutzen können. Das ist sicher nicht der neue hippe Shit, auf den die Medienpädagogik gern mal schielt. Aber genau das, was Seitenstark so gut macht: Ein einfaches, aber verlässliches Angebot. Und das verdient weitergesagt zu werden.

Leider ist die App bisher nur für Android verfügbar – ich bin gespannt, wann es auch eine Version für iOS gibt.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 26.01.2017

Klick klick klick!

Jedesmal wenn ich die Installation sehe, bin ich wieder begeistert: «clickclickclick.click» nutzt die Möglichkeiten, die Browsertechnologie bietet, um zu zeigen, was mit Browsertechnologie möglich ist. Will heißen: Ich sehe, was Websiten über mein Verhalten wissen können.

Vielerorts wird die Website als beklemmende Visualisierung von Überwachung bezeichnet. Ich finde, sie zeigt die Möglichkeiten der Browsertechniken auf eine recht leichte Art und Weise auf. Und was mit leichter Verwunderung beginnt, führt fast automatisch zu einem Aha-Erlebnis bei den Besucher_innen – aber ohne Moralkeule.

Deswegen ist clickclickclick für mich eine schöne Empfehlung für die medienpädagogische Arbeit (nicht nur) mit Jugendlichen, wenn es darum geht, einen Anlass für die die Auseinandersetzung mit den Möglichkeiten von Browsertechnologien zu bieten – sowie über Tracking und Datenschutz zu diskutieren.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Handreichung zu Hate Speech

So genannte Hate Speech oder Hassrede im Netz (bzw. die Arbeit dagegen) hat momentan Konjunktur in der Medienpädagogik. Grundsätzlich ist das Engagement sehr zu begrüßen, mich beschleicht aber immer wieder das Gefühl, dass die pädagogischen Ansätze meist einen eher intellektuellen (Trainings)Charakter haben und eher Symptom- als Ursachenbekämpfung betreiben.

Nun haben auch LfM und Klicksafe eine Broschüre zum Thema herausgegeben, die kostenlos als PDF verfügbar ist. Auch wenn sie sich an Fachkräfte und Eltern richtet, beschränkt sie sich in meinen Augen in den konkreten Ansätzen eher auf Allgemeinplätze und generelle Empfehlungen. Sehr hilfreich kann jedoch die Materialiensammlung sein, in der zahlreiche weitere Angebote aufgelistet werden.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 06.10.2016

Internet-Basics lernen

Sich im Internet bewegen, Suchmaschinen richtig nutzen, Internettechnik verstehen, Viren, Werbung etc., das sind sowas wie die Golden Classics der Lerninhalte rund um das Internet: Alle müssen sie irgendwann lernen und auch die meisten technischen Entwicklungen ändern daran wenig. Entsprechend gefragt sind entsprechende Materialien bei Medienpädagog_innen, aber auch Lehrer_innen.

InternetABC hat schon seit langem Lernmodule rund um das Internet im Angebot. Anfangs auf CD, sind nun mehr und mehr davon auch direkt im Browser aufrufbar. Jüngst sind zB. einige Module zum «Suchen und Finden im Internet», «Internet-Technik» und «Lügner und Betrüger» hinzugekommen. Auch wenn die Module nicht immer riesig motivierend gestaltet sind, sind sie sehr kindgerecht aufgemacht und bieten auf abwechslungsreiche Weise viele Informationen. Praktisch für schulische Zwecke: Für Lehrpersonen gibt es zu den Modulen passende Unterrichtsmaterialien.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

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