Staffelwechsel beim Praxisblog: Danke, Eike! Danke, Tobias!

Seit der Gründung 2006 ist viel passiert. Das/der Medienpädagogik Praxisblog ist eine der erfolgreichsten und bekanntesten Web-Unternehmungen der deutschsprachigen Medienpädagogik. Nach genau 938 Beiträgen aus der Hand von Eike Rösch übergibt er nun die Verantwortung an eine Reihe von „Neuen“ – wobei sich bei genauer Betrachtung dahinter mehrere bewährte Mitmacher/innen verbergen.

Danke, Eike! Und danke auch dem Mitgründer Tobias, der Ende 2016 aus der ersten Reihe zurückgetreten ist.
Beide haben nicht ausgeschlossen, weiterhin hin und wieder Artikel zu schreiben 😉 Darüber freuen wir uns sehr.

Unsere privaten Wünsche und ein Dankeschön für wunderbare Jahre Medienpädagogik Praxisblog – eine großartige Inspiration und Medium für die deutschsprachige Medienpädagogik – schicken wir den beiden per Post – so sieht das aus. (Und auch der Pokalhändler ist von den „riesiegen“ Fussstapfen, in die wir da treten werden, beeindruckt. 🙂 )

Wenn auch Ihr Euch bei Eike und Tobias bedanken wollt, nutzt gerne die Kommentarfunktion! <3

Gerrit Neundorf Kurzbio
studierte in Leipzig und in Darmstadt Sozialpädagogik, wo er u.a. durch Prof. Dr. Franz-Josef Röll von der Medienpädagogik infiziert wurde. Von 2002 bis Mai 2009 war er als Medienpädagoge beim Landesfilmdienst Thüringen e.V. angestellt und betreute dort mehrere landesweite Projekte. Seit 2007 ist er einer der Leiter des Instituts für Computerspiel - Spawnpoint. Für das Land Thüringen ist er seit 2011 als Jugendschutzsachverständige bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) tätig.
Lambert Zumbrägel Kurzbio
Jahrgang 1966, Dipl. Sozialpädagoge und Medienpädagoge aus Würzburg. Seit 1992 in der Jugendarbeit, seit 2008 Medienfachberater beim Bezirksjugendring in Unterfranken.
Daniel Seitz Kurzbio
lebt in Berlin, hat Mediale Pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.
Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.
Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg und als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er 2012 das "Facebook-Elternbuch" und 2014 das "Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).
Kristin Narr Kurzbio
ist Medienpädagogin (Mag.). Sie konzipiert und führt Workshops, Projekte und Veranstaltungen zum Einsatz digitaler Medien und zu Themen wie digitaler Jugendbeteiligung, Open Educational Resources sowie partizipativen Instrumenten und Formaten durch.

Tüftelakademie: Kostenlose Module zum Nachmachen

Screenshot Beispiel-Modul, nicht unter freier Lizenz

Basteln und Experimentieren mit Technologien und Aktivitäten rund ums Making sind aktuell durch fast alle Bildungsbereiche hinweg ein Thema. Besonders erfreulich ist es dann, wenn Erfahrungen, zum Beispiel in Form von Anleitungen und Materialien zum Nachmachen, zur Verfügung gestellt werden. Die Tüftelakademie, ein Projekt aus den Reihen der Jungen Tüftler, stellen neben kompletten und kostenpflichtigen Kursen, auch einzelne, kostenfreie Module zur Verfügung.
Angereichert mit Videos und umfangreichen Materialien sind die Einstiegsmodule, beispielsweise eine Einführung in das Programmieren mit Scratch oder eine Einführung in Makey Makey und Stromkreise, in gut nachzuvollziehende, kleine Schritte (Lektionen) eingeteilt. Diese Module sind ohne Registrierung zugänglich und nutzbar. Sie eignen sich als erster Einstieg, um sich selbst zu dem Thema fortzubilden sowie einzelne Anwendungen unter Anleitung und im eigenen Tempo zu üben. Die Videos und Anregungen sind so aufbereitet, dass sie auch in der eigenen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen eingesetzt werden können.

Schade ist, dass die Materialien zwar online und kostenlos verfügbar sind, aber nicht unter einer freien Lizenz stehen. So wird die Nachnutzung und die Weitergabe an Dritte erschwert.

Kristin Narr Kurzbio
ist Medienpädagogin (Mag.). Sie konzipiert und führt Workshops, Projekte und Veranstaltungen zum Einsatz digitaler Medien und zu Themen wie digitaler Jugendbeteiligung, Open Educational Resources sowie partizipativen Instrumenten und Formaten durch.
Verfasst am 27.02.2018

Werbung und Lobbyarbeit in Kindergarten und Schule: Von Müslitagen und kostenfreien Arbeitsblättern

CC 0 - Ob diese Art von Werbung schon Schulpraxis ist?

Werbung ist ein traditionelles Feld der Medienpädagogik: Wie kommen eigentlich Lobbyverbände und Unternehmen in den Kindergarten und die Schule? – Es bieten sich ganz unterschiedliche Möglichkeiten ….

Zunächst einmal sind kostenlose Bastelmaterialien, Arbeitsblätter und Unterrichtsunterlagen ein Weg, in die Hand der Kinder zu gelangen. Da gibt es beim Arzt Ausmalbilder aus der Pharmazie, oder auch ganze Magazine für den Schulunterricht – z.B. in Österreich das kostenlos zugängliche Magazin der „Arbeitsgemeinschaft Wirtschaft und Schule” (AWS) vom Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) (Initiative der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) und des Österreichischen Sparkassenverbandes).

Mehrere Agenturen haben sich zudem auf die Durchführung von Marketingmaßnahmen in Schulen und Kindergärten spezialisiert. So bewirbt beispielsweise die österreichische Agentur Young Enterprises Media GmbH u.a. „Sonderwerbeformen in Volksschulen“ und insbesondere die Werbung mit Hilfe von kostenlosen gedruckten Mitteilungsheften für 10- bis 14jährige Hauptschüler/innen (siehe http://www.youngenterprises.at/medium/mitteilungsheft-10-14/, http://www.youngenterprises.at/medium/jugendpromotion-6-10/, 2017-07-18).

Auch Plakate in Schulen werden angepriesen, auch um das Schulbudget zu verbessern: „Die Themen der Plakate sind informativ, haben meist großen Schulbezug und umfassen die Bereiche Bildung, Berufsinformation, Aufklärung des öffentlichen Sektors und Kultur. Die Schulen können so ihr Schulbudget ohne großen Aufwand aufbessern und in Wunschprojekte und Infrastruktur investieren.“ (vgl. siehe http://www.youngenterprises.at/news/das-schulplakat-ein-medium-mit-doppeltem-nutzen/ (2017-07-18)

Auch deutsche Schulbuchverlage unterstützen die Bedürfnisse der Lobbyistinnen und Lobbyisten. So bietet sich die deutsche Klett MINT GmbH, ein Unternehmen der Stuttgarter Klett Gruppe, auf ihrer Homepage mit folgenden Leistungen an:

„Das Image der MINT-Fächer in der Öffentlichkeit, in Elternhaus, Schule und Hochschule, aber auch deren Quantität und Qualität, muss deutlich verbessert werden. Die Klett MINT GmbH greift diese Themen dienstleistungsorientiert auf und hilft Industrie und Wirtschaft, ihre Kommunikationswünsche in den Schulen, bei Lehrern, Eltern und Schülern oder bereits in der frühkindlichen Bildung zu platzieren. Erreicht wird dieses beispielsweise durch hochauflagige Medien zur Berufsorientierung, durch die Veranstaltung von Kongressen oder anderen gemeinsamen Projekten oder durch Entwicklung und Vertrieb von Lehrmitteln zur Steigerung der Technikfaszination.” (siehe https://bildungsklick.de/anbieter/klett-mint-gmbh/, 2017-03-20). Unter anderem ist Klett MINT Partner beim Angebot Genius-Community.com mit Bildungsmaterialien der Daimler AG.

Auch die Agentur YAEZ hat sich darauf spezialisiert, Unternehmen und andere Organisationen dabei zu unterstützen didaktische Angebote im Schulbereich umzusetzen. Zum Portfolio gehören u.a. auch Schüler-Wettbewerbe, Magazine für Schüler/innen, Videos usw. (s. https://www.yaez.com/leistungen/bildungskommunikation/, 2018-01-12)

Die Agentur Full Moon Kids schreibt sich zudem auch das Kindergartenmarketing auf die Fahnen. Obwohl die Kinder noch nicht lesen können, werden sie als attraktive Zielgruppe beschrieben:

„Mit Hilfe von Mal- und Vorlesebüchern, sinnvoll eingebrachten Produktsamplings in Form von Spiele- und Bastelkisten oder der Hinführung zu gesunder Ernährung („Müslitag“) ermöglichen wir die erste Markenbindung an die unterstützenden Partner. Durch die Organisation und Betreuung von projektbezogenen Erlebnistagen erreichen wir die junge Zielgruppe überzeugend, ohne einen werblichen Eindruck zu hinterlassen.“ (http://www.fullmoon-kids.de/expertise/bildungskommunikation/kindergartenmarketing/, 2018-01-31, Fettdruck von der Autorin).

Von der IHK Darmstadt und dem DIHK (2014) gibt es auch umfangreiche Hilfestellungen, wie Unternehmen Lehrmaterialien in den Unterricht bekommen (s. https://www.bso-hessen.de/blob/da_beruf/produktmarken/informationen/3451828/fa82635bd687ed0ae370c779c606f96b/Lehrmaterialien-aus-der-Wirtschaft-data.pdf, 2018-01-13). So werden in der Veröffentlichung u.a. Beiträge zu folgenden Themen geboten:

– Was fördert die Akzeptanz von Lehrmaterialien aus der Wirtschaft?
– Unterrichtsmedien aus der Wirtschaft – was sollten Unternehmen beachten?
– Vom Lehrplan zum Unterricht
– Wirtschaft in der Schule? Über die Relevanz von Ethik an der Schnittstelle zwischen Schule und Wirtschaft

Aus diesen Gründen bewertet zum Beispiel die deutsche Verbraucherzentrale im „Materialkompass” kostenlose Materialien und gibt Lehrerinnen und Lehrern Hilfestellungen für die Auswahl und Nutzung im Unterricht. Eine Auswertung der Verteilung der Note für die bewerteten Unterrichtsmaterialien im Materialkompass zeigt deutliche Qualitätsunterschiede der Anbietergruppen: „Wie die Auswertung der im Materialkompass bewerteten Medien zeigt, zeichnen sich Materialien, die aus der Wirtschaft, wirtschaftsnahen Institutionen oder Verbänden kommen überproportional durch interessengeleitete oder einseitige Informationen aus. Daher ist hier erhöhte Vorsicht geboten. Über Materialien wird versucht, bestimmte Branchen in einem guten Licht darzustellen, Kritikpunkte zu verschweigen oder einfach Produktwerbung zu betreiben.“ (Bielke, 2014, in: http://www.bso-hessen.de/blob/da_beruf/produktmarken/informationen/ 3451828/fa82635bd687ed0ae370c779c606f96b/Lehrmaterialien-aus-der-Wirtschaft-data.pdf, S. 114).

Wie jede/r weiß: Es lohnt sich also, genau und kritisch hinzusehen.

Anmerkung: Dieser Beitrag nutzt Textfragmente und Materialien aus folgender Studie: Sandra Schön, Katharina Kreissl, Leonhard Dobusch und Martin Ebner (2017): Mögliche Wege zum Schulbuch als Open Educational Resources (OER). Eine Machbarkeitsstudie zu OER-Schulbüchern in Österreich. Band 7 der Reihe „InnovationLab Arbeitsberichte“, herausgegeben vom Forschungsbereich InnovationLab der Salzburg Research Forschungsgesellschaft mbH, gleichzeitig erschienen als Band 15 der Reihe „Beiträge zu offenen Bildungsressourcen“ (http://o3r.eu) Salzburg: Salzburg Research. URL: http://l3t.eu/oer/images/band15.pdf

 

Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.

OER-Handbuch für Lehrer/innen erschienen – als frei zugängliches Buch bei Beltz

Ausschnitt von S. 3 des neuerschienen Buchs von Jöran Muuß-Merholz (2017). Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen. Beltz-Verlag. Erschienen unter CC BY-SA 4.0 Jöran Muuß-Merholz/Beltz in der Verlagsgruppe Beltz • Weinheim Basel. Link zur Lizenz: https://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0/legalcode

Offene Bildungsressourcen – oder „OER“ für „Open Educational Resources“ sind Bildungsmaterialien und -software, die offen lizenziert sind. Das heißt, solche offenen Bildungsressourcen stehen nicht nur kostenfrei im Web zur Verfügung, sondern dürfen auch genutzt, modifiziert und wiederveröffentlicht werden. Jöran Muuß-Merholz ist ausgewiesener Experte im Feld und hat nun in zweifacher Hinsicht Erfolge zu vermelden: Erstens ist mit seinem neuen Buch „Freie Unterrichtsmaterialien finden, rechtssicher einsetzen, selbst machen und teilen“ ein ausführlicher Ratgeber für Lehrer/innen in deutscher Sprache erhältlich, die ganz praktisch mit OER arbeiten möchten. Man kann das Buch, das im Beltz-Verlag erschienen ist, aber nicht nur für knapp 20 Euro im Buchhandel gedruckt erwerben: Das komplette Buch steht auch selbst als OER zur Verfügung (CC BY-SA-4.0 und abweichende CC-Lizenzen), das PDF ist frei verfügbar (Link zum pdf: http://www.was-ist-oer.de/wp-content/uploads/sites/17/2018/02/Joeran-Muuss-Merholz-Freie-Unterrichtsmaterialien-Beltz-2018.pdf). Das heißt, die Buchtexte und Anleitungen können wiederum selbst für eigene/adaptierte Anleitungen unter der Bedingung der CC-BY-SA-4.0-Lizenz adaptiert werden. (Übrigens: Das gilt auch für die Beiträge hier im Praxisblog Medienpädagogik). Wie das geht? Steht im Buch!

Edit (16.2.2018): Ursprünglich stand hier noch „Leider ist gerade das Cover von der offenen Lizenzierung ausgenommen –  die Praxis von OER ist für Verlage dann wohl auch weiterhin noch eine Herausforderung („Die für die Print- und E-Book-Version verwendete Grafik von Anna-leni (Getty Images) als Bestandteil des Buchcovers steht nicht unter der freien Lizenz“).“ – inzwischen wurde es ausgetauscht, das PDF ist komplett offen lizenziert!

Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.

OpenShot: Freier Videoeditor für Einsteiger_innen

Heute mal wieder ein Fundstück aus der Serie «Darauf hat die Welt gewartet». Diesmal: Ein freier bzw. OpenSource-Videoeditor für Einsteiger_innen für alle Systeme! OpenShot ist Linux-User_innen nicht unbekannt (und wurde so hier auch schonmal vorgestellt), aber dank eines erfolgreichen Crowdfundings ist der sehr beliebte und hochgelobte Videoeditor seit Kurzem auch für Windows und macOS verfügbar. Er ist damit genau die in der Medienpädagogik vielgesuchte kostenlose und freie Alternative zum MovieMaker bzw. iMovie, nämlich ein einfach zu verstehendes und bedienendes Videoschnittprogramm, das für Einsteiger_innen geeignet ist.

Schon seit längerem gibt es mittlerweile kostenlose bzw. OpenSource-Lösungen im Videoschnitt, diese sind aber sehr, sehr (Lightworks) oder relativ (Shotcut) komplex. Auch OpenShot hat «opensource-typische» kleine Mängel in der Benutzer_innenoberfläche, reiht sich aber ansonsten perfekt ein in den Funktionsumfang und die Gestaltung von einfachen Schnittprogrammen: Das grundlegende Bedienkonzept der Software, die Fensteraufteilung und die Funktionen sind ähnlich. So ist es nicht nur möglich, schnell und kostenlos zu eigenen Filmen zu kommen, sondern die erworbenen Fähigkeiten auch in anderer Software anzuwenden. Genau das brauchts in der Medienpädagogik.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Grafikdesign mit Canva

Grafik von https://about.canva.com/

Öffentlichkeitsarbeit und Grafikdesign haben in den letzten Jahren auch in der Pädagogik und Jugendarbeit an Bedeutung gewonnen. Die Zeiten, in denen selbstgemalte Plakate ausgereicht haben, sind längst vorbei, heute sollte on- und offline auf die Optik geachtet werden. Wenn das Erscheinungsbild zusammen mit Jugendlichen erarbeitet und weiterentwickelt werden kann, lässt sich die Öffentlichkeitsarbeit mit der aktiven Medienarbeit verbinden – ein optimales Konstrukt für medienpädagogische Projekte.

Ein niedrigschwelliges und empfehlenswertes Online-Angebot für Grafikdesign ist Canva. Hier finden sich Anregungen und Vorlagen zum Gestalten von Logos, Flyern, Plakaten, Broschüren uvm. Auch Infografiken und Social-Media-Grafiken lassen sich erstellen, zudem ist eine Online-Bildbearbeitung möglich. Der Unterschied zu vielen anderen webbasierten Grafikeditoren ist, dass hier ein umfangreicher Pool an Vorlagen, Hintergründen, Motiven, Schriftarten und Design-Elementen bereit steht, die für die eigenen Ergebnisse genutzt werden können. Zudem gibt es einen Bereich Learn mit ausführlichen Tutorials zu Design und Fotografie.

Canva eignet sich hervorragend, um gemeinsam mit Jugendlichen in die Grundlagen des Grafikdesign einzusteigen, erste eigene Gehversuche zu unternehmen und gelungene Ergebnisse dann für die eigene Öffentlichkeitsarbeit zu verwenden. Das Portal startete 2012 in Sidney und steht für den Bildungsbereich kostenfrei zur Verfügung. Ein Slogan aus der Selbstdarstellung beschreibt das Motiv der Betreiber sehr schön: „Inspire creativity through intuitive graphic design.“ Diese Losung ist auf die Pädagogik und Jugendarbeit hervorragend übertragbar.

Habt ihr schon Erfahrungen mit Canva gesammelt? Oder kennt ihr andere empfehlenswerte Tools? Wir freuen uns auf eure Kommentare.

Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg und als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er 2012 das "Facebook-Elternbuch" und 2014 das "Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).

YouTube AG als medienpädagogisches Lernfeld

Luftbild der Schule - Weidigschule YouTube AG

Screenshot Film

Manche kleine medienpädagogische Perle muss man im Netz gezeigt bekommen. So ging es mir auch mit dem YouTube Kanal der YouTube AG der Weidigschule in Butzbach. Jan Konen, der betreuende Lehrer, erklärt kurz und knapp in kleinen Häppchen alle möglichen Themen rund um Filmtechniken. Seine Schüler*innen wirken in unterschiedlichen Funktionen als „Beispielgeber*innen“ mit.

Der Kanal steht noch am Anfang, aber Beiträge zu Storytelling, Perspektiven, Belichtungseinstellungen, Slow Mo, Hyperlapse, Interviewtechniken und noch ein bisschen mehr sind schon gut aufbereitet zu finden. Die Filme sind sehr ästhetisch gestaltet und ich hab gerne zugeschaut. Anhand von Beispielen wird die gut aufbereitete Theorie kurz und knapp und vor allem verständlich erklärt. Es ist kein vertiefendes Studienfach, sondern ein Einstieg für Neulinge. Und da ist alles Wichtige schon mal drin. Vom Selbermachen und Erfahrungen sammeln entbindet das nicht, aber es gibt eben gute Tipps und Anregungen.

Deshalb ist ein Abo auf diesen Kanal sicherlich nicht verkehrt, wenn man medienpädagogisch mit Kindern und Jugendlichen – nicht nur auf YouTube -filmisch arbeiten will. Außerdem gibt es Anregungen, wie man vielleicht selber eine kleine „YouTubeAG“ gestalten kann. Und vielleicht ermutigen höhrere Abozahlen die YouTube AG der Weidigschule auch weiterhin so tolle kleine Lehrfilme zu erstellen.

 

Lambert Zumbrägel Kurzbio
Jahrgang 1966, Dipl. Sozialpädagoge und Medienpädagoge aus Würzburg. Seit 1992 in der Jugendarbeit, seit 2008 Medienfachberater beim Bezirksjugendring in Unterfranken.
Verfasst am 01.02.2018

Chat-Geschichten erstellen

Auch in der Medienpädagogik gilt: Geschichten, Narrative und Erzählungen prägen unsere Lernerfahrungen unmittelbar und tiefgreifend. Was früher in mündlicher Überlieferung, dann gedruckt und schließlich in Ton, Film und Computerspielen möglich war, lässt sich nun mit den neuen Kulturtechniken des Webs und mit Apps auch einfach selbst produzieren. Eine Erzähltechnik hierfür sind Chat-Geschichten (engl. chat stories).

Medienpädagogisch lässt sich vieles rausholen: Dialogische Inszenierung bekannter und neuer Texte, Imaginierte Selbstreflexion mit virtuellem Gegenüber, Geschichten in Gesprächsform, Frage-Antwort-Chats zur Wissensvermittlung, spannungsgeladene Fiktion, Feedback-Schleifen als Lernreflexion, Lovestory, …

Und wie erstellt man Chat-Geschichten ganz praktisch und möglichst kostenlos?
Ich habe mir ein paar Möglichkeiten angeschaut und stelle euch hier die praktikabelsten vor: Den ganzen Beitrag lesen

#whatthefact – ein Online-Spiel für Wahrheitssucher

Der Begriff „Fakten“ stand lange für etwas Eindeutiges, etwas Reelles, die unumstößliche Wahrheit. Doch spätestens, seit in den Online-Medien zahlreiche Versionen von „Wahrheiten“ verbreitet werden und wir von höchster Stelle über die Existenz „alternativer Fakten“ aufgeklärt wurden, ist unser Vertrauen in Fakten erheblich gesunken.

An dieser Stelle setzt whatthefact an, ein interaktives Online-Denkspiel für Wahrheitssucher. Das Spiel prüft (im Gegensatz zu anderen Games) nicht, wie gut wir Fake-News von wahren Nachrichten unterscheiden können, sondern es stellt uns auf die Probe: In verschiedenen Kategorien wird unser Faktenwissen abgefragt und führt uns dabei oft zu verblüffenden Einsichten. Oder wisst ihr auf Anhieb, wie viel Prozent der Erdbevölkerung nicht lesen können? (Spoiler: Es sind 14%.) Oder wie sich die Jugendkriminalität in Deutschlandin den letzten zehn Jahren verändert hat? (Sie hat deutlich abgenommen – wie deutlich, erfahrt ihr im Spiel.)

Das Spiel ist ein Angebot der Nemetschek Stiftung, die damit „Daten und Zahlen zurück in die aufgeheizte Debatte“ bringen möchte. Die Stiftung engagiert sich seit 2007 für Demokratieförderung und hat u.a. mit dem Serious-Game „Utopolis“ für Ausehen gesorgt. Mit whatthefact haben sie ein unterhaltsames und anspruchsvolles Spiel veröffentlicht, das zum Nachdenken anregt und spannende Einsichten liefert. Bleibt zu hoffen, dass es von möglichst vielen Leuten gespielt wird – und dass „alternative Fakten“ bald ausgedient haben.

Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Lehrbeauftragter an der Universität Augsburg und als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er 2012 das "Facebook-Elternbuch" und 2014 das "Elternbuch zu WhatsApp, Facebook, YouTube & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).

Digitale Jugendarbeit: Erfahrungen aus Finnland

Ausschnitt aus der Broschüre (CC BY VERKE)

Wie alle Bereiche pädagogischer Arbeit mit Heranwachsenden ist auch die Jugendarbeit dabei, ihre Konzepte und Methoden an die Mediatisierung der Lebenswelt von Jugendlichen anzupassen. Die finnische Jugendarbeit ist der mitteleuropäischen hier schon immer eher zwei Schritte voraus und hat an verschiedenen Stellen neue Angebote ausprobiert und bestehende weiterentwickelt.

Noch viel genialer ist allerdings, dass die Kolleg_innen aus dem Norden ihre Erfahrungen breit reflektieren und dokumentieren – noch dazu auf Englisch! Und so bin ich besonders froh, hier im Blog die aktuell erschienene Broschüre «Digital Youth Work – a Finnish perspective» [PDF] besprechen zu können. Denn sie gefällt mir gut.

In der Publikation finden sich Erfahrungsberichte zu spezifischen Themen: Ähnlich wie im deutschsprachigen Raum gehört dazu Medienerziehung generell als ein möglicher thematischer Fokus von Jugendarbeit. Erörtert werden aber auch einzelne medienpädagogische Schwerpunkte wie Gaming oder Making.

Erfreulicherweise geht es aber auch um die Weiterentwicklung spezifischer Konzepte von Jugendarbeit, etwa Beratung oder offene Jugendarbeit. Ebenso werden Tipps für die konzeptionelle Arbeit in Einrichtungen gegeben.

«Digital Youth Work» ist nicht so geschrieben, dass daraus 1:1-Anleitungen für eine neue Praxis herausgelesen werden können. Für Jugendarbeiter_innen und Medienpädagog_innen, die sich auf den Weg machen wollen oder sich bereits dort befinden, gibt die Publikation jedoch wichtige grundlegende Impulse. Und weil aus meiner Sicht gerade das wichtig ist für eine wirkliche Weiterentwicklung von Jugendarbeit, von mir eine eindeutige Leseempfehlung.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Zusatzinfos

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