Social Media im Unterricht

Social Media im Unterricht in der Medienpädagogik

"Like" von sofiabudapest auf flickr.com (CC BY-NC-SA)

Eignen sich Social-Media-Anwendungen wie Blogs, Wikis, Communities und Medienportale nicht hervorragend für den eigenständigen Wissenserwerb in der Schule? (Vorausgesetzt natürlich, sie sind in ein didaktisch sinnvolles Setting eingebettet!)? Oder werden diese Tools in der Freizeit der Schüler/innen in ausreichendem Maße genutzt, so dass die Schule nicht auch noch diesem Trend hinterherhecheln muss?

Um sich dieser Frage zu nähern ist zunächst eine Übersicht über diverse Social-Media-Anwendungen sinnvoll, die sich an der Funktionalität verschiedener Dienste orientiert und sie mit möglichen Anknüpfungsmöglichkeiten an die Schule verbindet. Folgende Kategorien können unterschieden werden:

  • Kommunikation: Social Networks wie Facebook.com, Google+ oder die unkommerzielle Alternative Diaspora eignen sich, um die klasseninterne Kommunikation um einen zusätzlichen Kanal zu erweitern. So kann in geschlossenen Gruppen unter Ausschluss der Öffentlichkeit unterrichtsbezogen diskutiert werden. Zudem kann in den Communities auf Klassenprojekte aufmerksam gemacht werden, auch Ergebnisse (z.B. von einem Literatur- oder Fotoprojekt) lassen sich hier für die Peer-Group der Klasse aufbereiten. Bei Anbietern wie mixxt.de oder mypeopls.de können zudem eigene, geschlossene Communities angelegt werden.
  • Information: Kostenlose Anbieter zum Erstellen eigener Websites oder Weblogs ermöglichen die Erstellung unterrichtsbezogener Onlineauftritte, die wahlweise nur von der Lehrperson oder auch von Schüler/innen mit Leben gefüllt werden können. Hier gestaltete Angebote können sich entweder nur an eine geschlossene Zielgruppe, z.B. die Klasse, wenden und mit Passwort geschützt werden. Sie können aber alternativ auch zur Information der Öffentlichkeit über spannende Ergebnisse genutzt werden. Für derartige Webauftritte bieten sich die OpenSource-Systeme WordPress.com und LifeType.de an, eigene Wikis können mit der freien Software MediaWiki oder bei Wikia.de errichtet werden.
    Eine weitere Möglichkeit ist die Nutzung von Microblogs wie Twitter.com oder OpenMicroblogger.org (mehr dazu in diesem Artikel).
  • Selektion: Um das Internet als Quelle für aktuelle Informationen oder fachbezogenes Wissen zu nutzen, empfehlen sich Web-Helferlein, die die relevanten Fundstellen aus den Weiten des Web filtern. Hierzu eignen sich z.B. Social-Bookmarking-Dienste wie del.icio.us oder MisterWong.de, bei denen einzelne User/innen oder auch Gruppen und Klassen Online-Lesezeichen listen und verwalten können. Für aktuelle Informationen sind News-Aggregatoren hilfreich, die gezielt nach Stichworten suchen, RSS-Feeds auslesen oder auch aus einem vorher festgelegten Pool von Websites und Blogs filtern können (z.B. der Google-Dienst iGoogle.de, der Blog-Aggregator Rivva.de, der Twitter-Filter paper.li sowie die Feed-Reader feedreader.com und newzcrawler.com).
  • Kreation: Die Ergebnisse eines schulischen Medienprojekts können in diversen Multimediaportalen der digitalen Öffentlichkeit präsentiert werden: Videos finden bei YouTube.de oder Vimeo.com eine Heimat, für Fotos eignen sich die Portale Flickr.com und Jugendfotos.de. Für eigene Audio- oder Podcast-Ergebnisse empfehlen sich Podster.de oder 1000mikes.com, schulische Webradios können über das Portal edura.fm senden. Um zur Erstellung von Präsentationen eine Alternative zu PowerPoint anzubieten eignen sich die Plattformen Prezi.com und Popplet.com.
  • Kollaboration: Die Möglichkeit, kollaborativ zu arbeiten und die Ergebnisse anderer User zu nutzen, ist eine der zentralen Eigenschaften von Social Media und liegt vielen Diensten zugrunde. Besonders augenscheinlich umgesetzt wird das Prinzip der Kollaboration im Etherpad, einem webbasierten Text-Editor, der es ermöglicht, gleichzeitig mit mehreren Autor/innen an einem Textdokument zu arbeiten und sich parallel in einem Chatfenster auszutauschen. Die OpenSource-Software ist auf diversen Servern kostenlos nutzbar, z.B. bei edupad.ch, openetherpad.org. Weitere Software zum kollaborativen Arbeiten findet sich unter docs.google.com oder zoho.com.

Doch wie lässt sich aus diesem umfangreichen Web-Angebot ein sinnvolles Unterrichtsszenario entwickeln? Hier sind folgende Modelle denkbar:

  • Für den Ethikunterricht einer 10. Gymnasialklasse wird ein Weblog eingerichtet, in dem die Schüler/innen sich mit dem Thema „Weltgeschehen und Moral“ auseinandersetzen. Sie nehmen durch Abstimmungen Einfluss auf die Unterrichtsschwerpunkte und beteiligen sich in Form von Diskussionen, Mindmaps, eigenen Videos und Rätseln am Unterrichts-Blog.
  • Dem Thema „Atomkraft oder erneuerbare Energien?“ widmet sich der Gemeinschaftskundeunterricht in der Klassenstufe 10 eines Gymnasiums in onlinebasierter Form. Hierfür wird ein eLearning-Kurs entwickelt, der u. a. ein Diskussionsforum, ein eigenes Klassen-Wiki sowie einen Podcast für Interviews der Schüler/innen beinhaltet.
  • Um mit Grundschülern einer 3. Klasse im Fach Sachkunde das Thema „Zahnpflege“ zu behandeln wird eine Website erstellt, auf der die Schüler/innen Aufgaben und Bilderrätsel finden. Zudem sollen die Kinder eigene Fotos zur Zahnpflege knipsen und in einer Online-Fotocommunity einstellen.
  • Eine 9. Englisch-Klasse eines Gymnasiums behandelt das Thema „Child Labour“ mit Unterstützung eines eLearning-Kurses. Dort werden in einem Audio- und einem Text-Blog Aufgaben zu „Kinderarbeit“ bearbeitet. Ein Wiki sammelt alle Informationen und wird im Laufe des Schuljahres zu einem ständig wachsenden Wissensnetz ausgebaut.
  • Eine Klassenfahrt nach London wird von einer Realschul-Klasse der Stufe 10 online vorbereitet und dokumentiert. Im Vorfeld füllen die Jugendlichen in Gruppenarbeit die Seite mit Inhalten zu verschiedenen Themen wie „Sport“, „Musik“ und „Sehenswürdigkeiten“. Eindrücke von der Klassenfahrt werden in einem Weblog mit Fotos und Videos dokumentiert und in einem virtuellen Stadtplan lokalisiert.

Diese Konzepte wurden im Sommersemester 2011 in einem Seminar an der Universität Koblenz-Landau im Studiengang „Bachelor of Education“ entwickelt. Die Seminarleitung hatte Björn Friedrich, Medienpädagoge bei medien+bildung.com. Ziel dieses Seminars ist es, Unterrichtsszenarien zu entwickeln, in denen Social-Media-Anwendungen zum Einsatz kommen, ohne jedoch den Medieneinsatz in den Vordergrund zu stellen. Die Medien sollten überzeugend in den Lernprozess eingebunden sein, um für die Behandlung des Unterrichtsstoffes einen Mehrwert zu generieren. Die Studierenden erarbeiteten in Kleingruppen diese fünf Projektkonzepte und stellten dazugehörige Angebote ins Netz, die mit „Musterlösungen“ gefüllt wurden, um einen Eindruck von der Umsetzung der Idee zu erhalten.
Die ausführlichen Konzepte der Arbeitsgruppen sowie Links zu den realisierten Beispielergebnissen sind online nachzulesen unter www.medienarbeit.wordpress-und-bildung.de.

Auch in diesem Semester wird das Seminar wieder durchgeführt, wir sind gespannt auf die neuen Konzepte. Welche weiteren Ideen und Anregungen zu Social-Media-Anwendungen in der Schule haben Sie?

Dies ist ein Gastbeitrag von Björn Friedrich, Medienpädagoge M.A. Der Autor arbeitet für medien+bildung.com im Büro Kaiserslautern mit den Schwerpunkten Internet/Social Media, E-Learning, Mobile Learning und Games. Er studierte Medienpädagogik, Politik- und Kommunikationswissenschaft an der Uni Augsburg und arbeitete im SIN – Studio im Netz München sowie im Institut für Jugendarbeit Gauting. 2007 zog es ihn in die Pfalz, um am Fuße des Betzenbergs medienpädagogisch aktiv zu werden.

15 Kommentare

  1. René am 31.10.2011:

    Informativer Artikel! Folgende Ressourcen finde ich noch hilfreich: http://www.podcast.de/stichwort/wissen/ http://www.schulpodcasting.de.

  2. michele am 01.11.2011:

    Spannender Artikel über die verschiedenen Werkzeuge aus dem Bereich des partizipativen Webs. Die didaktischen Konzepte für einen Einsatz von all diesen Tools müssten allerdings ein wenig umfangreicher kommentiert werden. Habe festgestellt, dass sich viele Lehrerinnen und Lehrer einen solchen Unterricht einfach nicht zumuten. Projekt-basierte Lernsequenzen haben sich bei mir als gute Einstiegsmethode geeignet. Sehr wertvoll hat sich erwiesen, wenn ein oder mehrere Lerner eine gewisse Affinität zur Umgangsform mit dem partizipativen Web haben. Offensichtlich macht es vielen Lernenden Mühe nicht fertige Arbeiten zugänglich zu machen (z.B. in Wikis) und andere Arbeiten ‚öffenltich‘ zu kommentieren. Das Unterrichtssetting sollte so ausgelegt werden, dass diese ‚Publikations‘- und‘ Kommentierkultur‘ gefördert wird.

  3. Schulen in der Urheberrechtsfalle « Piratenpartei Radevormwald am 01.11.2011:

    […] http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/ […]

  4. Kinderschutzsoftware Dolphin Secure am 17.11.2011:

    Social Media im Unterricht…

    Eignen sich Social-Media-Anwendungen wie Blogs, Wikis, Communities und Medienportale nicht hervorragend für den eigenständigen Wissenserwerb in der Schule? Oder werden diese Tools in der Freizeit der Schüler/innen in ausreichendem Maße genutzt, so dass…

  5. [Web] PiratePad - gemeinsam an Texten arbeiten am 22.01.2012:

    […] […]

  6. PiratePad im Seminareinsatz « gophis Versuch einer Methexis am 23.01.2012:

    […] Dokument erarbeitet. Auf dem Blog von Medienpädagogik-Praxis wird in dem Artikel „Social Media im Unterricht„ genauer auf die kollaborative Zusammenarbeit, als besondere Eigenschaft von Social […]

  7. PiratePad im Seminareinsatz? am 23.01.2012:

    […] Dokument erarbeitet. Auf dem Blog von Medienpädagogik-Praxis wird in dem Artikel “Social Media im Unterricht“ genauer auf die kollaborative Zusammenarbeit, als besondere Eigenschaft von Social […]

  8. Social Media im Unterricht | minglermedia am 06.03.2012:

    […] Formen, die Sozialen Medien im Unterricht einzusetzen. Weitere Infos dazu findet ihr auf medienpädagogik-praxis.de. Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. […]

  9. Social Media im Unterricht « karolineatzl am 12.03.2012:

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  10. Soziale Medien im Unterricht « verenakonrad am 29.03.2012:

    […] http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/  Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser post gefällt. Bookmark the permalink. Hinterlasse einen Kommentar […]

  11. Sozial Media im Unterricht « yaboz am 11.04.2012:

    […] http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/ […]

  12. Social Media im Unterricht | carmengoetz am 17.04.2012:

    […] euch diesen Artikel durch und schreibt, was ihr darüber denkt! Hier der Link: http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/ Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser gefällt. Dieser […]

  13. facebook und Co im Unterricht | christianehutter am 24.04.2012:

    […] http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/ Share this:TwitterFacebookGefällt mir:Gefällt mirSei der Erste, dem dieser Artikel gefällt. Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Uncategorized von chutter. Permanentlink. […]

  14. Praktische Beispiele aus dem Schulalltag « irouschektheresa am 22.05.2012:

    […] http://www.medienpaedagogik-praxis.de/2011/10/31/social-media-im-unterricht/ %5B22.Mai 2012] […]

  15. Marcel Hanitzsch am 01.03.2015:

    Ein sehr interessanter Artikel. Social Media ist leider noch nicht so stark in der Schule angekommen. Ich habe mir da ein wenig Gedanken gemacht zum Thema der Aspekte von Social Media.

    Welche Strukturen bzw. welche Topologien lassen sich in sozialen Netzwerken erkennen? Wenn davon ausgegangen wird, dass der Anbieter, also z.B. Facebook, Twitter oder Youtube als Zentrale fungiert, dann lässt sich dieses Medium als Stern-Topologie bezeichnen. Der Anbieter tritt dabei als Zentrale auf, der einen Account auf seiner Plattform dem Benutzer zur Verfügung stellt. Alle Interaktionen der Nutzer laufen dann über die Zentrale zusammen und die Zentrale leitet die Interaktion, z.B. eine Nachricht an den Verbraucher, also an den Nutzer, der die Nachricht erhalten soll weiter.
    Schaut man sich die Struktur unter den Nutzern bzw. von einem Nutzer aus an, dann lassen sich die meisten sozialen Netzwerke in die Maschen-Topologie gliedern. In dieser Topologie sind die Nutzer mit jeweils mehreren anderen Nutzern direkt verbunden. Hierbei muss diese Topologie allerdings differenziert betrachtet werden, da laut der Definition aus der Vorlesung es bedeuten müsste, dass z.B. Nutzer 1 mit Nutzer 5 verbunden, also in Kontakt stehen müsste. Dies muss allerdings nicht der Fall sein, da bei sozialen Netzwerken nicht alle Nutzer miteinander “befreundet“, also verbunden sind. Denn laut der Definition der Maschen-Topologie würde es dann heißen, dass alle Nutzer bei einem Anbieter untereinander in Kontakt stehen würden, man könnte auch von einer vollständigen Vermaschung sprechen. Wenn nun betrachtet wird, dass Facebook 1 Milliarde Nutzerkonten hat, dann würde es bedeuten, dass jeder über eine Milliarde Freunde hätte. Da dies nicht der Fall ist und auch nicht sein wird, muss diese Maschen-Topologie abgeändert werden. Man könnte anstatt von einer Maschen-Topologie von einer “Halbmaschen-Topologie“ sprechen. Diese würde besagen, dass einige Nutzer untereinander direkt und andere nicht mit einander verbunden sind. Alle Nutzer sind jedoch mit einer Zentrale verbunden, die es ihnen ermöglicht in direkten Kontakt mit anderen Nutzern, zu treten.
    Nachdem die Vernetzungsstrukturen unter den Nutzern in sozialen Netzwerken erläutert wurden, geht es nun darum, „ob der Signalfluss durch die Leitungen uni- oder bidirektional erfolgt“. Bei einer großen Anzahl von sozialen Netzwerken lassen sich bidirektionale Signalflüsse betrachten. Im weiteren Verlauf werden Beispiele gezeigt wo ein uni- und wo ein bidirektionaler Signalfluss vorhanden ist. Unidirektional heißt, dass es nur eine Signalflussrichtung gibt, bei dem ein Nutzer sendet und ein anderer Nutzer die Signale, also die Interaktion empfängt. Eine Bidirektionalität liegt dann vor, wenn vom Nutzer nicht nur gesendet wird, sondern er auch in der Lage ist zu empfangen. In den meisten sozialen Netzwerken liegt die Bidirektionalität vor, da dies ein Hauptaspekt dafür ist, dass die jeweiligen Nutzer untereinander kommunizieren können und in Verbindung stehen, denn das macht wohl den Erfolg von sozialen Netzwerken aus. Es geht nicht nur darum, dass eine Person nur sendet und die andere Person nur empfängt, sondern es geht darum, dass sich die “Freunde“ austauschen bzw. kommunizieren und so auch Inhalte untereinander tauschen können. So ist Facebook z.B. aufgebaut, dass “Freunde“ eines Nutzers die jeweiligen Statusmeldungen kommentieren und “liken“ können. Dabei ist der Sender der Nutzer, der eine Statusmeldung abgibt und der Nutzer, der sie liest der Empfänger. Reagiert der Empfänger, indem er die empfangene Statusmeldung kommentiert, dann wird der Empfänger zum Sender und der Sender zum Empfänger. Es liegt also in diesem Fall eine bidirektionale Signalflussrichtung vor. In Facebook gibt es allerdings auch die Möglichkeit, dass nur unidirektionale Leitungen verwendet werden. Wenn ein Radiosender z.B. nur Statusmeldungen abgibt und er seinen “Fans“ nicht die Möglichkeit gibt diese zu kommentieren, dann liegt eine Unidirektionalität vor, denn der Sender bleibt Sender und der Empfänger bleibt Empfänger. Auf Youtube lassen sich solche Signalflüsse oft erkennen. Ein Sender stellt ein Video auf diese Plattform und die Empfänger haben meist nicht die Möglichkeit auf den Inhalt des Videos zu antworten bzw. zu reagieren. Hier ist die Unidirektionalität deutlich, denn dem Sender kommt es nur darauf an, dass die Empfänger die Inhalte empfangen und konsumieren. Dies ist das klassische Prinzip einer Fernsehstation. Die sozialen Netzwerke geben den Nutzern auch die Möglichkeit an Lernprozessen teilzunehmen. Für diesen Punkt wird auf Youtube oder Internetforen hingewiesen. In Netzwerken oder Foren lassen sich Videos oder Thread‘s finden, die darauf abzielen, dass der Empfänger Wissen vom Sender erhält. Dieses Transportieren von Wissen lässt sich als unidirektionale Verbindung darstellen. Das Wissen wandert vom Sender, dem Lehrenden durch eine Leitung zum Empfänger, dem Lernenden. Erst wenn der Lernende auf ein Video oder einen Thread antwortet, wenn es denn vom Ersteller freigeschaltet wurde, dann wird der Lernende vom Empfänger zum Sender und der Sender zum Empfänger. An dieser Stelle kann dann derjenige, der antwortet auch die Funktion einnehmen, dass er das Wissen zu diesem Thema erweitert. Es kann also dann auch Wissen vom eigentlichen Empfänger zum eigentlichen Sender “wandern“. Eine Kommunikation zwischen den Nutzern kann also stattfinden, ob das nun uni- oder bidirektional abläuft ist immer Abhängig davon, ob es vom Ersteller erwünscht ist oder nicht. Auch wenn nur eine Unidirektionalität vorliegt findet eine Kommunikation statt, man könnte dies auch einen Monolog nennen, denn der Sender gibt Inhalte preis, die der Empfänger aufnimmt aber nicht darauf reagieren kann. Unidirektionle Kommuntikationen lassen sich auch in einer face-to-face Begegnung, wie bei einem Frontalunterricht in der Schule oder einer klassischen Vorlesung in der Universität beobachten.
    Die Frage, die sich nun stellt ist: Kann es eine Sozialisation in sozialen Netzwerken geben? Diese Frage lässt sich eigentlich mit einem einfachen “Ja“ beantworten, denn da wo Menschen miteinander kommunizieren, miteinander in Verbindung treten, sich aufeinander einlassen, da findet Sozialisation statt. In der Universität an der TU Darmstadt wurde in einem Seminar zur Allgemeinen Pädagogik folgende Definition zur Sozialisation erstellt: „Sozialisation bezeichnet den Lernprozess und die Entwicklung, die ein Mensch in Auseinandersetzung mit seiner Umwelt, z.B. der Gesellschaft, in seiner ganzen Lebenszeit durchläuft. Tritt ein Mensch einem sozialen Netzwerk bei, er wird also zum Nutzer, dann findet für ihn eine Sozialisation in einem Social Media statt, ob nun bewusst oder unbewusst sei mal dahingestellt. Es findet ein Lernprozess statt, indem er sich mit den Inhalten, die ihm die Plattform bietet aktiv auseinandersetzen muss, denn sonst würde er die Funktion dieser Plattform nicht verstehen. Man könnte sagen, dass das reine Anmelden, also sich mit einem Thema auseinandersetzen, eine passive Bildung ist. Der Nutzer lernt nicht aktiv, sondern passiv. Er erfährt, wie er sich anmelden muss, wie diese Plattform funktioniert und was der Sinn dieser Plattform ist – und das alles nur, wenn er sich durch diese Plattform “durchstöbert“ und sie “entdeckt“. Das muss der Nutzer auch machen, denn sonst würde er diese Plattform nicht verwenden können. Ein Lernprozess findet auch dann statt, wenn der Nutzer Inhalte von anderen Nutzern abruft, die er noch nicht kannte bzw. die seinen Blickwinkel für ein Thema verändern oder ausbauen könnten. Es findet also ein Prozess beim Nutzer statt. Sozialisation ist also ein Prozess der wechselseitigen Vermittlung von Individuum und Gesellschaft. Hierbei geht es darum, dass Veränderungen durch das Individuum vorgenommen werden können, welche die Gesellschaft prägen. Dass soziale Netzwerke die “Macht“ haben eine Gesellschaft zu verändern liegt auf der Hand. Es gibt viele Beispiele dafür, dass aus einer “Welle“, die in sozialen Netzwerken “losgetreten“ wurde eine Gesellschaft verändert haben. Hier sei z.B. auf die Revolution (Arabischer-Frühling) in Ägypten verwiesen. Ein weiteres Beispiel für eine Veränderung, die Nutzer von “Social Media“ hervorbrachten war der “Shitstorm“ gegen die Internetfirma Amazon. In einer Dokumentation der ARD wurde veröffentlicht, dass Amazon seine Leiharbeiter schlecht bezahle, sie “Menschenunwürdig“ unterbringe und dass die Leiharbeiter keine Rechte hätten. Dabei kam heraus, dass Amazon eine Sicherheitsfirma beschäftigte, die die Leiharbeiter auf “Schritt und Tritt“ verfolgten. Nach der Erstausstrahlung setzte dieser sog. “Shitstorm“ in allen gängigen Netzwerken ein. Amazon reagierte fünf Tage später und lies verlauten, dass man sich von der Sicherheitsfirma getrennt habe und weitere Veränderungen im Unternehmen folgen werden. Diese Welle der Entrüstung, die von den Internetnutzern sozialer Netzwerke ausging, bewegte wohl Amazon dazu, dass es Veränderungen geben musste. An diesen zwei Beispielen ist ersichtlich, welche “Macht“ die Nutzer der sozialen Netzwerke inne haben. Bei dieser großen Anzahl an Nutzern kann es keinem Unternehmen mehr gelingen, schlechte Nachrichten über das Unternehmen “auszusitzen“, wie es früher zum größten Teil üblich war. Vor dem Internetzeitalter musste der Mensch das Haus verlassen, um mit andern Menschen zu kommunizieren. Heute ist es so, dass der Mensch vieles im Internet erledigen kann. Sei es, dass er seine Bestellungen, wie Bücher, Nahrung oder Kleidung aufgibt oder Informationen über das Tagesgeschehen auf der Welt im Netz erhält. Vieles ist möglich! Auch die Sozialisation ist möglich. Menschen können mit anderen Menschen im Internet in Kontakt treten. Es ist nicht mehr nötig das Haus zu verlassen, wie es in der Antike z.B. üblich war um am gesellschaftlichen Leben teilzunehmen.
    An dieser Stelle müssen noch zwei Aspekte geklärt werden: Welche Identität nimmt ein Nutzer in einem sozialen Netzwerk an und welche Voraussetzungen, also welche Kompetenzen benötigt er, um an sozialen Netzwerken teilnehmen zu können? Virtuelle Räume ermöglichen es, eine Identität zu erzeugen, die so fließend und mannigfaltig ist, dass es fraglich wird, ob man hier überhaupt noch von Identität sprechen kann. Schließlich setzt Identität die Gleichheit zwischen zwei Eigenschaften voraus, in diesem Fall zwischen einer Person und ihrer gespielten Rolle. Ein jeder kann sich unter Identität etwas vorstellen. So kann zu einer Identität der Name, das Geschlecht, die Körpergröße, oder auch die eigenen Interessen gehören. Ein Mensch wird durch die eigene Identität unterscheidbar zwischen anderen Menschen. Zu einem Teil kann ein Mensch seine eigene Identität in einer face-to-face Begegnung nicht verstecken, da er für seinen Kommunikationspartner sichtbar ist. Damit ist gemeint, dass ein Teil der Identität, wie Körpergröße, Augenfarbe u.s.w. u.s.f. für das Gegenüber sichtbar ist. Allerdings kann auch ein Teil der Identität in solch einer face-to-face Begegnung im verborgenem bleiben. Hiermit sind z.B. die eigenen Interessen gemeint, also alles was nicht sichtbar wird in einer face-to-face Begegnung. Meldet sich ein Mensch in einem sozialen Netzwerk an, dann kann er seine Identität vollständig verbergen, indem er den anderen Nutzern vorspielt etwas zu sein, was er eigentlich überhaupt nicht ist. Er kann seine Identität im Netzwerk so verändern, wie er es möchte. Er kann der sein, der er sein will. Hierbei muss allerdings auch wieder unterschieden werden auf welche sozialen Netzwerke es zutrifft. Bei Youtube z.B. geht es darum, dass Nutzer Videos online stellen und diese auch teilweise kommentieren können. Es ist kein Social Media, was darauf abzielt, dass Freunde untereinander in Kontakt treten. Bei Facebook z.B. ist der Hauptaspekt der, dass Freunde, die sich eigentlich schon in der realen Welt kennenglernt haben in Kontakt bleiben. Bei dieser Art von sozialem Netzwerk gibt der Nutzer immer ein Teil seiner “wahren“ Identität im Netz preis, weil ihn seine Freunde ja auch in der realen Welt kennen. Die sozialen Netzwerke bieten dem Nutzer die Möglichkeit, dass Identitäten frei konstruiert werden können. Durch die Anonymität, die im Internet vorhanden ist, ist die Gefahr für Störfaktoren größer als in der realen Welt. Das bedeutet, dass die Selbstdarstellung immer ein Moment der Fiktion ist. Daraus ergibt sich die Folgerung, dass eine “falsche Identität“ eine Fiktion ist, bei der sich der Nutzer so darstellt, wie es ihm passt.
    Damit ein Nutzer eines sozialen Netzwerks überhaupt mit anderen in Kontakt treten kann benötigt er einige Kompetenzen, die es ihm ermöglichen an diesen Netzwerken teilnehmen zu können. So muss der Nutzer den Umgang mit den Medien verstehen und anwenden können. Weitere Kompetenzen, die ein Nutzer haben sollte, damit er mit sozialen Netzwerken umgehen kann ist, dass er versteht worum es dabei überhaupt geht. Des Weiteren muss er die Sprache können, damit eine Kommunikation mit anderen erst möglich wird. Bei einer face-to-face Begnung reicht es meistens aus, dass die Dialogpartner die Sprache verstehen. Im Social Media benötigt der Nutzer die Kompetenz des Lesens und Schreibens. Denn das sind zwei wichtige Kriterien, die ein Nutzer besitzen muss, damit er in die Welt der Social Media “eintauchen“ kann. Dabei ist es wichtig, dass sein Gegenüber die gleiche Sprache verwendet, die er auch verwendet. Sie müssen also bei dasselbe Medium verwenden. Es lassen sich in sozialen Netzwerken oft Akronyme oder Wortneuschöpfungen unter den Teilnehmern erkennen. Versteht ein Nutzer in einer Kommunikation als Empfänger eines Inhaltes diese Wörter nicht, dann besteht die Gefahr, dass er den Sinn dieser Kommunikation nicht mehr versteht und so seinem Gegenüber, der der Sender ist, nicht mehr folgen kann. Der Nutzer muss also in der Lage sein, dass er sich mit in den Wandel der Sprache begibt, wenn es denn nötig ist. Der Sender muss also so senden, dass der Empfänger den Inhalt auch empfangen kann.

    Eine Sozialisation und Bildung kann in Social Media auf einer bestimmten Ebene stattfinden, wenn die erläuterten Aspekte eingehalten werden. Soziale Netzwerke haben in unserer Gesellschaft einen hohen Stellenwert und sind für viele Nutzer ein wichtiges Kommunikationsmittel, welches aus der heutigen Sicht nicht mehr wegzudenken ist. Die Kommunikation unter den Menschen kann schneller erfolgen als es noch vor 10 Jahren möglich war. Die Welt rückt also ein Stück näher bzw. die Welt wird ein Stück kleiner.

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