Videos im Liegen updated

Videos im Liegen in der Medienpädagogik

Screenshot aus "Jump 'n' Rum"

Endlich: Wir haben einen weiteren „Videopunk“-Workshop gemacht und diesmal unter anderem mit Videos im Liegen/Liegevideos gearbeitet. Das nutzen wir als Anlass, unseren HowTo-Artikel zu überarbeiten und mit unseren neuen Erfahrungen zu ergänzen. Wir bieten damit eine Anleitung für die Umsetzung in der Medienpädagogik – inklusive einer Materialliste.

Die Produkte

Als kleines Appetithäppchen zuerst die Ergebnisse unseres Videopunk-Workshops: zwei „Remakes“ von klassischen Computerspielen – Super Mario

und Tetris

außerdem hier noch unsere ersten Kreationen beim Medienpädagogik-Praxistag – mit einem Menschenturm

und Kettensägenjonglage

Liegevideos in der Medienpädagogik

Videos im Liegen sind geeignet, um damit medienpädagogisch zu arbeiten. Zwar sind die zu erzählenden/erzählbaren Geschichten begrenzt und damit die inhaltliche Arbeit an einem Thema nur eingeschränkt möglich. Dafür bietet das „Genre“ sehr schöne Möglichkeiten kreativ zu spielen, Grenzen (bspw. der Schwerkraft) und auch abgefahrene Ideen zu realisieren (Kettensägenjonglage geht mit richtigen Menschen nur auf diesem Weg).

Gleichzeitig sind die Ideen relativ leicht umzusetzen. Alle Videos hier sind in Tagesworkshops möglich; gerade bei aufwändigen StopMotion-Produktionen gerät mensch bei einem Tag jedoch an seine Grenzen.

Insgesamt können Liegevideos als faszinierende Produkte, die leicht realisiert werden können, ein schönes Appetithäppchen für Jugendliche sein, in die Videoarbeit einzusteigen.

Die Zeit

Planen Sie zeitlich nicht zu knapp, alleine die Konstruktion und die Sicherung der Kamera benötigen rund eine Stunde. Außerdem empfiehlt sich eine Vorbesichtigung der Location, um am Workshoptag klar zu haben was wie wo aufgebaut/-gehängt wird.

Auch die Umsetzung ist nicht ohne, auch wenn schnell Ergebnisse zu sehen sind. Wenn das Konzept aufwändiger ist und mit StopMotion gearbeitet wird. Sollte die Gruppe zum ersten Mal mit StopMotion animieren und zum ersten Mal ein Video im Liegen produzieren, will beides geübt sein, hier muss also die doppelte Zeit eingeplant werden.

Idee und Inhalt

Passende Ideen, die auch dem „Genre“ gerecht werden, sind anfangs nicht leicht zu finden. Spätestens nach einigen Beispielfilmen kommen sie aber fast wie von selbst. Unserer Erfahrung nach sind folgende Inhalte besonders geeignet:

  • Tätigkeiten, die leicht ikonografisch darstellbar sind. Also insbesondere Sportarten (Flatolympics), aber auch die Menschenturm-Akrobatik.
  • Alles was ohne Schwerkraft leichter funktioniert: Akrobatik, Sprünge, KungFu, aber auch Weltall-Szenen.
  • Musikvideos, Computerspiele oder Filmszenen, die sich in 2D leicht nachstellen lassen.

Wie immer erleichtert auch hier bei allem Spaß ein kleines Drehbuch und/oder Storyboard die Planung und den Ablauf des Drehs. Gerne kann das Konzept kurz und einfach sein – lieber auf einen Aspekt konzentrieren und den richtig ausarbeiten.

Ort/Raum und Aufbau

Selbstverständlich muss die Kamera senkrecht über dem Boden hängen und das relativ hoch. Wir haben einen Raum mit entsprechender Deckenhöhe ausgewählt – einmal einen Veranstaltungsraum, einmal eine Turnhalle. Der Kameraplatz sollte gut zu erreichen sein – über Treppe, Empore oder Leiter, in der Turnhalle sind bewegliche Basketballkörbe eine Steilvorlage. Im Sommer ist bei gutem Wetter auch ein Fenster mit einem freien Platz davor eine gute Liegevideo-Location.

Die Kamera muss erstaunlich hoch hängen: Mindestens fünf Meter sollten es schon sein, sonst ist der Bildausschnitt nicht groß genug um entweder groß gewachsene AkteurInnen oder das Geschehen ganz abzubilden.

Ausserdem sollte an die Möglichkeit gedacht werden, einen Monitor, Beamer oder PC mit dem aktuellen Kamerabild so zu installieren, dass er von der Aktionsfläche eingesehen werden kann. Dann kann nämlich der/die Regieanweisende seine Anweisungen zuverlässig einbringen und die AkteurInnen können sich selber beim Spielen beobachten und bekommen so einen besseren Eindruck ihrer Bewegungen und dem Wirken im Bild.

Setting und Filmhintergrund

Der Bildausschnitt/die Aktionsfläche sollte, einmal festgelegt, zur Orientierung abgeklebt oder anderweitig auf dem Boden gekennzeichnet werden. So kann souverän mit dem Bildausschnitt gespielt werden, insbesondere mit Auf-/Abtritt. Ausserdem erleichtert es den Aufbau der Requisiten.

Der Hintergrund, also in unserem Fall die Unterlage, sollte abhängig von der Handlung mit Bedacht gewählt werden. Ist viel Bewegung im Spiel (Rollbretter oder zappelnde AkteurInnen), muss der Untergrund glatt und hart sein und darf keine Falten werfen. Hier scheidet eine Decke oder ähnliches aus, es muss schon eine Plane sein.

Bewegung

Das ist die zentrale Herausforderung bei Liegevideos: Bewegung. Wer schon mal versucht hat im Liegen eine Gehbewegung zu machen, wird sich schnell wie ein Marienkäfer auf dem Rücken vorgekommen sein. Um trotzdem Bewegung ins Spiel bzw. den Film zu bekommen, gibt es zwei Möglichkeiten: Rollbretter oder StopMotion.

Bewegung auf Rollbrettern ist weitgehend selbsterklärend, die Hauptaufgabe ist, die (gezielte) Bewegung in verschiedene Richtungen zu bewerkstelligen. Dafür sind HelferInnen empfehlenswert, die entweder schubsen, an Gliedmaßen ziehen – oder die Rollbretter mit stabiler Angelschnur bewegen.

Mit Stopptrick ist alles möglich, allerdings nimmt die Animation ein wenig den Spaß des im-Liegen-Schauspielens. Den Liegenden sollten präzise Anweisungen von den Außenstehenden gegeben werden oder „AnimatorInnen“ eingesetzt werden, die die Liegenden bewegen.

Die Gruppe sollte sich früh für eine der beiden Bewegungsvarianten entscheiden und diese dann ausprobieren mit mit den jeweiligen Möglichkeiten experimentieren.

Auch der Hintergrund kann auch für scheinbare Bewegung sorgen, indem er unter den AkteurInnen weggezogen wird. Die Maus zeigt das sehr schön in „Skispringen im Liegen“ mit der Sprungschanze, den ZuschauerInnen und dem Schnee beim Landen.

AkteurInnen

Wie bei fast allen Videoprojekten sind 5-8 Menschen pro Liegevideo eine gute Zahl, abhängig von der Zahl der Figuren im Film. In der Gruppe sollten konkrete Aufgaben/Rollen vergeben werden: Regie, SchauspielerInnen, Kamera/Computer, Ton (optional), AnimatorInnen/SchubserInnen/ZieherInnen, Basteln, Continuity, etc.

Umgekehrt gilt auch: Hat mensch trotz aller Organisationsbemühungen nur einen eng begrenzten Personenpool, macht es mehr Sinn einen Stopp-Trick zu machen als einen Flat-Movie, bei dem dann – aufmerksame Beobachter werden es sicher stellenweise in unserem Beispiel gesehen haben – mangels HelferInnen entweder die AkteurInnen etwas verloren im Bild herumdümpeln oder ihre Bewegungen inadäquat einsetzen.

Materialliste

  • ausreichend Zeit
  • eine lange (Bock)Leiter
  • eine Kamera, die sich (an der Decke) nicht von selbst regelmäßig in den Standby-Modus schaltet
  • Spanngurte um die Kamera zu befestigen
  • Gaffa für den Notfall (sollte ohnehin immer am Menschen sein, siehe MacGyver)
  • ggf. ein langes Kabel, um die Kamera mit einem Monitor, Beamer o.ä. zu verbinden (S-Video, Cinch).
  • der dazu passende Beamer oder Monitor
  • Bei der StopMotion-Variante muss die Kamera direkt mit einem langen (!!!) FireWire oder USB-Kabel an den Computer angeschlossen werden!
  • Kopfunterlagen für Liegende (bei StopMotion), Decken, Kissen für Rollbretter
  • Planen, Decken, Folien oder ähnliches um die „Leinwand“ zu gestalten
  • Rollbretter, die nach Möglichkeit nicht breiter sein sollten als die darauf zum Einsatz kommenden Personen (Skateboards empfehlen sich nicht, da sie nur bi- und nicht multidirektional sind)
  • dünne aber dennoch stabile Schnüre um die Rollbretter zu bewegen (dicke Angelschnur, Paketschnur, dünne Stahlseile)
  • Pappe(n), Krepppapier
  • Stifte, Schere, Kleber, etc.

Dieser Artikel wurde zeitgleich auch auf der Website des Instituts für Medienpädagogik und Medientechnik beim Landesfilmdienst Rheinland-Pfalz e.V. veröffentlicht.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Eike Rösch für medienpaedagogik-praxis.de
Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Ein Kommentar

  1. thob am 29.11.2010:

    Hallo,

    danke für diesen sehr Detaillierten und ausführlichen Bericht. Vor allem die „Spezieltricks“ wie: eine Kamera, die sich (an der Decke) nicht von selbst regelmäßig in den Standby-Modus schaltet!
    Sind Gold wert!

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