Digitale Selbstverteidigung: Unterrichtsimpulse und Quellen zur Diskussion über Selbstdatenschutz und mehr digitale Autonomie
„Zu argumentieren, man kümmere sich nicht um seine „Privatheit“ weil man nichts zu verbergen habe, ist nichts anderes als zu sagen, man kümmere sich nicht um „freie Meinungsäußerung“ weil man nichts zu sagen hat.“ – Edward Snowden
„Du musst um deine Privatsphäre kämpfen, sonst verlierst du sie.“ – Eric Schmidt, CEO Alphabet Inc. (Dachorganisation von Google Inc.)
Als Pädagoge steht man heute häufig vor der Tatsache, dass Schülerinnen und Schülern doch recht arglos mit Ihren Daten hantieren und wir nicht immer wissen, wie damit umzugehen ist. In Diskussionen hört man immer wieder die Floskel „ich habe ja nichts zu verbergen“ oder „ist mir doch egal“. Im Gegensatz zu dieser Informations-Arglosigkeit scheint es in der Bevölkerung aber dennoch eine immer stärkere Verunsicherung zu geben, wie sicher unsere Daten im Netz eigentlich aufgehoben sind. Gerade die in der Schule erlebten Diskussionen und Erfahrungen Jugendlicher mit sozialen Netzwerken haben zu pädagogischen Hinweisen geführt, wie man damit umgehen könnte. Studien zum Nutzungsverhalten zeigen, dass bei Jugendlichen ein teils doch recht argloses „Oversharing“ an Informationen vorliegt und Datensicherheit für den einzelnen nicht immer im Vordergrund steht. Und vor allem: Auch Schüler selbst fühlen sich mit zunehmendem Alter in ihren eigenen Communities nicht mehr sicher.
Der hier verlinkte Artikel soll Tipps und Quellen aufzeigen, wie die aktuelle Lage mit Jugendlichen diskutiert und mit o.g. Argumenten umgegangen werden kann. Neben einigen grundlegenden Informationen werden wertvolle Tips in der Arbeit mit Datenschutz und Datensicherheit gegeben. Eine grundlegende Diskussion über Ethik im Rahmen der Digitalisierung sollte durch die hier vorgelegten Quellen möglich sein.
Literal Videos – Videokunst für Wortakrobat_innen
Luksan Wunder @youtube
Ok, dieses Internet… manchmal dauert es halt seine 7-8 Jahre, bevor die ein oder andere Aktion dann auch mal bei mir ankommt. Literal Videos gehören da auf jeden Fall dazu. Wäre ich letzte Woche nicht über einen Post in der Medienpädagogikgruppe auf Facebook (mit dem #Projektidee, dem ich mich hiermit anschließe^^) zu diesem Thema gestolpert, hätte es wahrscheinlich noch länger gedauert.
Egal wie, ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass ich nicht der einzig Nicht-Wissende bin und teile deshalb diese spannende Art der Videobearbeitung gerne mit den Leser_innen hier :-).
Laut Wikipedia wurde das erste Literal Video in 2008 veröffentlicht und hat seitdem im Vergleich zu aktuellen Memes überschaubare 14,5 Millionen Aufrufe. Hier finden sich noch weitere internationale Beispiele KLICK.
Seit Anfang 2017 plant das Projekt WunderTütenFabrik, welche bisher vor allem für ihre „Lifehacks“ und „Korrekte Aussprache“ Videos bekannt sind, alle zwei Wochen die Veröffentlichung deutschsprachiger Literal Videos. Die aktuell verfügbaren Filme entspringen dem Genre des HipHop/Rap, welches augenscheinlich besonders viel Potential bietet ;-).
Viel Spaß damit.
Privatsphäre für Kids
Ausschnitt aus der Broschüre // CC BY EDRi
Gut gemeint ist nicht immer gut gemacht. Als mir «Digitale Defender – Privatsphäre für Kids» in die digitalen Hände geflattert ist, dachte ich, das müsse was gutes sein – für die Broschüre haben sich wichtige, kompetente und engagierte Organisationen in Sachen Datenschutz zusammengetan und Tipps für Kinder und Jugendliche zur Privatsphäre im Internet zusammengestellt.
Das Ergebnis ist auf den ersten Blick im Comicstil jugendgerecht aufgemacht. Auf den zweiten Blick erinnert es mich aber ein wenig an Poochie: Im Grunde werden dröge Texte nur mit pseudocoolen SciFi-Charakteren aufgemotzt, die aber nur wenig inhaltlichen Sinn machen und insbesondere nicht mit den eigentlichen Inhalten verbunden sind. Das Ergebnis ist eine aus meiner Sicht nur mäßig interessante Broschüre.
Inhaltlich sind dabei durchaus praktische Tipps zur Privatsphäre in Sozialen Netzwerken, zu einem sicheren Handy oder zu guten Passwörtern zu finden – deswegen überlasse ich nach diesem leichten Verriss dem/der Leser_in die Entscheidung, ob die Publikation für bestimmte Zwecke in der Medienpädagogik dennoch Sinn macht…
Retro[Gaming] als [Wieder]Einstieg – Part 3
https://de.wikipedia.org
Auf meiner „Mission“ mehr Spiel ins Game der Medienpädagogik (Punkt für schlechte Wortspiele) zu bringen, nöchte ich mit dem 3. Teil meiner Reihe ‚Retro[Gaming] als [Wieder]Einstieg‘ gleich zwei Fliegen mit der berühmten Klappe erwischen.
Zum einen möchte ich Sie auf die (nachdem sie lange wieder offline waren) Veröffentlichung von tausenden Amiga Titeln über The Internet Archive hinweisen. Verbunden mit der Aussagen, dass damit, nach der Veröffentlichung von alten Konsolen Klassikern und MS-DOS Meilensteinen, wahrscheinlich jede/r Videospielveteran_in auf ihre/seine Kosten kommen sollte. Mit Jugendlichen in „alten Zeiten“ schwelgen, Vergleiche zu aktuellen Games heranzuziehen und Spielverhalten zu reflektieren macht damit nicht nur Spaß, sondern ist auch noch (medien)pädagogisch wertvoll ;-).
Zum anderen möchte ich diese Meldung mit einer aufgewärmten (im positiven Sinne) Medienkritik einhergehen lassen. In meinem kleinen „Medienpädagogik-Rant“ in Sachen Spielkultur (vor geraumer Zeit) kam u.a. die mangelnde Auseinandersetzung von journalistischen Redaktionen mit dem Thema Gaming zur Sprache. Genau diese wird am Beispiel der Veröffentlichung der Amiga Games wieder (und zurecht) durch Wolfgang Walk in seinem Blog „Der Blindband“ unter dem Titel „Tradition der Ignoranz“ bemüht. Wenn es darum geht (in Bildungskontexten) bestimmte Medien gesellschaftlich zu verorten, muss auch die Diskussion zum Kulturgut Computerspiel eine entsprechende Rolle spielen.
Ran an Maus und Tablet
Meine liebsten Blogartikel sind solche über Orte, wo Medienpädagog_innen Ideen und Methoden sammeln. Und so empfehle ich heute besonders gerne die Website «Ran an Maus und Tablet». Die Menschen von Blickwechsel haben dort (unterstützt von anderen Institutionen aus Hessen) viele Ideen für die Arbeit mit Medien im Kindergarten und der Primarschule gesammelt. Darunter sind Methodenbeschreibungen, die ein Thema im Fokus haben (nach Bereichen geordnet), wie auch dezidiert medienpädagogische Ideen – alle wunderbar detailliert beschrieben.
Weil sich das Angebot besonders an Einsteiger_innen richtet, sind gleich auch noch praktische Tipps zur benötigten Ausstattung, zu rechtlichen Bedingungen und einigem mehr. Ein dicker Wermutstropfen ist die technische Gestaltung der Seite, die auf dem Desktop recht sperrig ist. Die Inhalte motivieren aber allemal, das durchzustehen. In diesem Sinne eine dicke Empfehlung besonders für alle, die schon immer mal mehr mit Medien machen wollten!
Videokunst mit Smartphone und Beamer
Foto: Patrick Dinnen - - flickr - cc-by-sa
Kunst mit Medien zu machen ist ein interessanter Aspekt medienpädagogischer Arbeit. Wer auf dem PraxisCamp zum zehnjährigem Jubiläum des Medienpädagogik Praxis Blogs letztes Jahr in Mainz war, hat am Abend spielerisch ein bisschen in die VJ- und Mappingsoftware Resolume und Dynamapper reinschnuppern können. Vor allem Dynamapper eignet sich genial, um auch mit Kindern und Jugendlichen kleine aber beeindruckende Raum Installationen zu erstellen. Problem ist nur: Dynamapper gibt es nicht im deutschen App Stores.
Dafür aber Projection Mapper von Optoma (dahinter steckt wohl die gleich eEntwicklerfirma wie für Dynamapper), welches fast die identische einfach Handhabung bietet. Sowohl für iOS wie auch für Android erhältlich, kann man mit Smartphone oder Tablet Flächen definieren und einzeln vorgegebene oder selbstgemachte Bilder und Videos einfügen. Damit lassen sich Räume mit Lichtinstallationen gestalten. Die App kann dann auch als Lichtorgel entweder manuell oder auch via Mikrofonsteuerung variable Lichtprojektionen darstellen. Die erstellten Projektionen sind speicherbar und somit auch wiederholbar aufbaubar.
Die App ist mit 4,99 € noch finanzierbar macht aber in jedem Fall viel Spaß. Ein lichtstarker Beamer vorausgesetzt, kann man spannende Rauminstallationen schnell kreieren.
Das Video zeigt die Handhabung und Wirkung.
https://www.youtube.com/watch?v=Et3u-mrEsBU
«FakeNews» im Unterricht
Ausschnitt aus der Broschüre
«FakeNews» ist aus meiner Sicht sowas wie das medienpädagogische Unwort des Jahres 2016 – und hat einige Eigenschaften eines medienpädagogischen Hypes:
- Gesellschaftliche Phänomene und Probleme werden auf ein Medienphänomen reduziert.
- Obwohl es schon Begrifflichkeiten gibt, wird ein neuer Begriff geprägt.
- Dieser Begriff wird uneindeutig verwendet, obwohl damit gleichzeitig Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird.
- Der Bekämpfung des Medienphänomens werden Heilserwartungen zugeschrieben.
Dennoch ist es grundsätzlich nicht verkehrt, mit Jugendlichen über die Verifikation von Nachrichten und Dynamiken auf sozialen Netzwerken zu reden. Recht umfangreiches Material hierfür bietet die klicksafe-Handreichung «Fakt oder Fake» für den Unterricht. Darin sind zwei Szenarien inklusive verschiedener Materialien zu finden.
(Live-)Berichterstattung für alle
© Ausschnitt aus der Broschüre
Dank Smartphone, Tablet und mobilem Internet war (Live-)Berichterstattung für alle noch nie so einfach wie heute. Und so sind Livestreams von Jugendveranstaltungen, Reportagen von Projekten und andere eher journalistische Formate in der Medienpädagogik häufiger geworden.
Alle, die in die mobile Berichterstattung einsteigen möchten, können ab sofort an Profiwissen anknüpfen. Al Jazeera hat mit «Mobile Journalism» eine kostenlose Handreichung (PDF) herausgegeben, in denen die Grundlagen von journalistischem Arbeiten mit mobilen Medien anschaulich zusammengestellt werden. Dazu gehören Hinweise auf geeignete Apps und Hardware, Tipps und Checklisten für Livestreams und vieles mehr. Leider ist die Publikation auf Englisch verfügbar und zudem unter keiner offenen Lizenz. Aber für die persönliche Weiterbildung und Vorbereitung von Medienpädagog_innen sicher geeignet.
Der Seitenstark-Chat auch auf dem Smartphone
© Seitenstark
Mein Herz schlägt ja eher für die Bescheidenen und Beständigen. Und dazu gehört der Seitenstark-Chat: Seit langen Jahren dabei, bieten die Macher_innen ein verlässliches, professionelles Angebot für Kinder und Jugendliche – einen betreuten, sicheren Chat – und begeistern damit auch die Eltern.
Neben dem Onlineangebot gibt es nun auch eine App, mit der junge Menschen das Angebot auch auf einem Smartphone nutzen können. Das ist sicher nicht der neue hippe Shit, auf den die Medienpädagogik gern mal schielt. Aber genau das, was Seitenstark so gut macht: Ein einfaches, aber verlässliches Angebot. Und das verdient weitergesagt zu werden.
Leider ist die App bisher nur für Android verfügbar – ich bin gespannt, wann es auch eine Version für iOS gibt.
