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Was tun für die Netzneutralität

Medienpädagogik muss politisch sein, insbesondere in Zeiten von Mediatisierung. Ein gutes Beispiel ist der aktuelle Kampf um Netzneutralität, der auf dem europäischen Festland noch nicht entschieden ist. Ohne diesbezügliche gesetzliche Regelungen wird es immer wahrscheinlicher, dass Netzbetreiber in Datenströme eingreifen und bestimmte Daten bevorzugen und andere benachteiligen – und Nutzer_innen damit erpressen, mehr Geld für die Nutzung von Videoportalen oder andere Dienste zu bezahlen. Medienpädagog_innen sollten dafür sorgen, dass das nicht passieren kann – im eigenen Sinne und im Sinne von Kindern und Jugendlichen als Nutzer_innen und Produzent_innen.

Alexander Lehmann, bekannt für seine hervorragend gestalteten und inhaltlich brillianten Videos zu netzpolitischen Themen, hat jüngst ein Video zum Thema veröffentlicht, das über die Hintergründe informiert, Argumente liefert und dazu aufruft, politisch aktiv zu werden und etwa EU-Parlamentarier_innen zu informieren. Das ist eine hervorragende Ressource für den Kampf für Netzneutralität und hat es sicher verdient, eine große Verbreitung in der Medienpädagogik und auch unter Jugendlichen zu finden.

Tipps zum Umgang mit Hate Speech

Trolle, Shitstorms, böse Kommentare – drei Phänomene, in der sich eine dunkle Seite des Internet zeigt: Die teilweise sehr verbreitete hasserfüllte Kommunikation im Netz, auch bezeichnet als Hate Speech. Nicht nur Betreiber_innen von Nachrichtenwebsites sind betroffen und haben begonnen, die Kommentarfunktion zu deaktivieren. Auch Produzent_innen von YouTube-Videos oder politisch engagierte Menschen können ein Lied davon singen.

Daher ist Hate Speech ein klassischer Gegenstand von Medienpädagogik – im Sinne der Prävention bei potenziellen «Täter_innen», aber auch zur Stärkung und Unterstützung von Betroffenen. Die Amadeu Antonio-Stiftung hat hierfür nun eine hilfreiche Broschüre veröffentlicht, in der zahlreiche Expert_innen das Problem aus verschiedenen Winkeln betrachten und hilfreiche Tipps geben. Die Publikation steht kostenlos zum Download zur Verfügung.

Phrasen dreschen rund um Medien(pädagogik)

Rund um Medien und Pädagogik wird aktuell landauf, landab viel diskutiert und das soll auch so sein. Gelegentlich klaffen aber doch – gerade in der Bildungspolitik – Worte und Taten auseinander und wer länger hinhört, bekommt den Eindruck, immer wieder das gleiche zu hören, aber nicht immer Taten zu sehen.

Der «Blahfaselgenerator» von Beat Döbeli macht bewusst, wieviele Phrasen rund um die Medienpädagogik aktuell gedroschen werden – und motiviert, genauer hinzuschauen, welche Konsequenzen denn folgen. Insofern eine wertvolle, augenzwinkernde und durchaus selbstironische Ressource für Referate und Diskussionsrunden in der Medienpädagogik und Bildungspolitik. Einzig optisch bzw. in der Usability könnte der Blahfaselgenerator noch etwas gepimpt werden, denn es ist nicht unbedingt klar, wie neue Phrasen zustande kommen. Ein simpler Reload der Seite hilft aber.

Im zugehörigen Blogpost gibt Beat Döbeli der Idee der digitalen Phrasendreschmaschine noch eine weitere Ebene: Er meint, dass der Blahfaselgenerator auch eine Inspiration sein kann, im Sprachunterricht selbst eine ähnliche Anwendung nachzubauen – und sich damit gleichzeitig mit Informatik und Sprachstrukturen auseinanderzusetzen. Eine gute Idee – und auch das zugrundeliegende Anliegen stimmt: Informatik darf sich nicht nur mit Zahlen und mathematischen Gegenständen beschäftigen.

Schritt für Schritt mit dem Roboter

Lego Mindstorms («EV3») ist ein wunderbares Material, um sich handlungsorientiert und projektbezogen mit Robotern, Programmen und damit letztlich mit Informatik auseinander zu setzen. Ein Wermutstropfen dabei ist allerdings, dass es recht schwierig ist, freies und kostenloses pädagogisches Begleitmaterial zu finden, wodurch meist auf recht teure Bücher zurückgegriffen werden musste.

Spätestens mit der Website EV3Lessons ändert sich das aber. Denn dort stellt ein Team der «First Lego League» eine umfangreiche Sammlung von (Unterrichts)Einheiten zusammen, mit denen (auch in Schule und Medienpädagogik) Schritt für Schritt die Arbeit mit Lego Mindstorms gelernt werden kann. Das alles inklusive Arbeitsblättern, Powerpoint-Präsentationen (!), Bauplänen usw. und mit mehreren Erfahrungsstufen. Noch dazu stehen alle Materialien unter einer CreativeCommons-Lizenz und sind damit frei weiter verwendbar. Obendrein sind auch mehrere Sprachen verfügbar, allerdings (bisher?) kein Deutsch. Insgesamt also ein fast paradiesisches Angebot – und der pädagogischen Arbeit mit Lego Mindstorms steht fast nichts mehr im Wege.

Politische Partizipation Jugendlicher im Social Web

Das Thema «ePartizipation» bzw. Partizipation mit Medien hat die Hypephase hinter sich gelassen und nun bietet sich hier noch mehr Raum, um mit Ruhe und Fachlichkeit gute Projekte zu machen – mit einem fundierten theoretischen Hintergrund. Genau hierzu liefert aktuell das DJI und die TU Dortmund einen neuen Beitrag: In der Publikation «Politische Partizipation Jugendlicher im Web 2.0 – Chancen, Grenzen, Herausforderungen» (PDF) werden drei Studien publiziert, die wichtige Beiträge zur theoretischen Weiterentwicklung des Feldes liefern.

Dabei wird zum Einen die grundsätzliche Bedeutung des Internet für die politische Partizipation und Sozialisation von Jugendlichen herausgearbeitet, zum Anderen werden zahlreiche Studien zum Thema zusammengetragen und schließlich konkrete Beteiligungsformen von Jugendlichen dargestellt (basierend auf Interviews). Meiner Meinung nach ein wertvoller Beitrag zu einer weiteren Fundierung von Partizipation mit Medien.

Computer(teile) wieder zum Laufen bringen

Wenn Computer und andere elektronische Geräte zum letzten Mal ihr Lebenslicht aushauchen, sollten sie schnell dem fachgerechten Recycling zugeführt werden. Zuvor können sie aber noch als Anschauungsmaterial dienen, wie denn so ein Gerät aufgebaut ist, welche Komponenten es enthält, was wie mit was verbunden ist usw. So können schon Kinder schnell und anschaulich Basics der Informatik lernen.

Ein Weg dahin kann sein, mit Schraubenziehern, Schraubenschlüsseln und anderen Werkzeugen dem Gerät zu Leibe zu rücken, unter Umständen auch sehr handfest und ohne Rücksicht auf die Bauteile. Aber an dieser Stelle kann es noch weitergehen: Jüngst ist mir ein schönes Beispielvideo über den Weg gelaufen, in dem einzelne Smartphone- und Computerbauteile mit Legetrick animiert werden. So kann die Auseinandersetzung mit Computertechnik eine sehr ästhetische Ebene bekommen – und können Computer auf eine etwas andere Art wieder zum Laufen gebracht werden. :-) Den ganzen Beitrag lesen

Streetview Animation

Sorry Deutschland. Hallo Welt! Dieser Tipp ist wahrscheinlich nur in internationaler Perspektive umsetzbar: Der «Google Maps Streetview Player» von Brian Folts automatisiert das, was ich schonmal in einem anderen Artikel geschildert habe: Aus Google Streetview-Ansichten werden im StopMotion-Verfahren Kamerafahrten, Verfolgungsjagden oder ähnliches produziert.

Der Streetview Player macht das automatisiert nach der Eingabe von zwei Koordinaten und wahlweise der Fortbewegungsart. Je nach Location und Fortbewegungsart funktioniert das besser oder schlechter, die Ergebnisse sind aber ansehnlich. Die kleinen Filme können zudem als animated GIF heruntergeladen und weiter bearbeitet werden.

Dank der heroischen Bemühungen deutscher Datenschutz-Aktivist_innen ist das in Deutschland fast nicht möglich, aber genau das kann ja ein Benefit für die Medienpädagogik sein: In ein selbstproduziertes Video wird eine Autofahrt in Amerika, Asien oder sonstwo eingebaut.

Eike Rösch
01.04.2015
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Mit dem Computer auf Du und Du

Der Raspberry Pi ist eine grandiose Entwicklung für die Medienpädagogik: Der kleine Computer hat vom Programmieren übers Basteln bis hin zum einfachen Server vielfältigste Anwendungsmöglichkeiten und regt dabei durch sein Konzept fast immer zum Selbermachen und Verstehen an. Und obendrein ist das kleine Wunderwerk so unglaublich günstig, dass auch mit kleinem Budget intensive Projekte möglich sind.

Tobias Hübner hat eine komplette Sequenz konzipiert, wie mensch mit Jugendlichen so Programmieren mit Scratch, Python und Minecraft lernen kann und dabei auch technische Hintergründe des Computers kennenlernt. Das Konzept ist als OER-Publikation (CC BY-SA) frei zum Download verfügbar. Das Heft ist grundsätzlich zwar nicht mehr ganz taufrisch, wird aber ständig aktualisiert. So sind auch mit dem allerneuesten RaspberryPi schöne Tüftelprojekte keine Hexerei.

Lightbot: Programmieren lernen Schritt für Schritt

Eine Figur – meist einen Roboter – mit Befehlen zu steuern, gehört mittlerweile zu den didaktischen Standards wenn es um das Programmierenlernen geht. Die Metapher funktioniert immer wieder gut (auch wenn mir noch nicht klar ist, wieso das so ist :-)) und wird in diversen Lernangeboten zum Thema umgesetzt – allerdings mal besser und mal schlechter.

Eine der gelungeneren Angebote in diesem Zusammenhang ist der Lightbot: Der kleine Roboter muss in verschiedenen Umgebungen Lichtfelder anschalten und dabei laufen und springen. Das ist an sich nicht revolutionär, aber in diesem Fall sehr liebevoll gemacht: Der Roboter ist süss animiert, die User_innen erwarten geeignete Aufgaben, die fehlertolerant und auch mit mehreren Varianten gelöst werden können. So können also im Selbstlernzusammenhang mit Spass Programmiergrundlagen gelernt werden.

Lightbot ist als Webangebot sowie als App für iOS und Android (letztere kostenpflichtig im einstelligen Bereich) verfügbar.

Schöner fotografieren

…viel mehr muss mensch eigentlich nicht sagen über die Website von Andreas Hurni. Denn der Fotograf stellt unter dem Titel «Schöner fotografieren» wertvolle Informationen zur Verfügung, mit denen schönere Fotos gelingen: Basics wie Bildgestaltung, Licht, Farbe, Geometrie, Schärfe oder Perspektive – aber auch grundlegende Dinge wie Ästhetik, Kultur oder Medium werden in informativen und kurzweiligen Texten inkl. Beispielen besprochen. Und beim Lesen stellt sich immer wieder das Gefühl ein «Wow, und alles auf einer Seite!».

Die Website ist damit eine sehr wertvolle Ressource für die Medienpädagogik – sei es als Inspiration und Informationsbasis für Medienpädagog_innen, sei es als Lernquelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nach dem ersten Fotoworkshop mehr wissen möchten.

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