Autorenarchiv »

Lightbot: Programmieren lernen Schritt für Schritt

Eine Figur – meist einen Roboter – mit Befehlen zu steuern, gehört mittlerweile zu den didaktischen Standards wenn es um das Programmierenlernen geht. Die Metapher funktioniert immer wieder gut (auch wenn mir noch nicht klar ist, wieso das so ist :-)) und wird in diversen Lernangeboten zum Thema umgesetzt – allerdings mal besser und mal schlechter.

Eine der gelungeneren Angebote in diesem Zusammenhang ist der Lightbot: Der kleine Roboter muss in verschiedenen Umgebungen Lichtfelder anschalten und dabei laufen und springen. Das ist an sich nicht revolutionär, aber in diesem Fall sehr liebevoll gemacht: Der Roboter ist süss animiert, die User_innen erwarten geeignete Aufgaben, die fehlertolerant und auch mit mehreren Varianten gelöst werden können. So können also im Selbstlernzusammenhang mit Spass Programmiergrundlagen gelernt werden.

Lightbot ist als Webangebot sowie als App für iOS und Android (letztere kostenpflichtig im einstelligen Bereich) verfügbar.

Schöner fotografieren

…viel mehr muss mensch eigentlich nicht sagen über die Website von Andreas Hurni. Denn der Fotograf stellt unter dem Titel «Schöner fotografieren» wertvolle Informationen zur Verfügung, mit denen schönere Fotos gelingen: Basics wie Bildgestaltung, Licht, Farbe, Geometrie, Schärfe oder Perspektive – aber auch grundlegende Dinge wie Ästhetik, Kultur oder Medium werden in informativen und kurzweiligen Texten inkl. Beispielen besprochen. Und beim Lesen stellt sich immer wieder das Gefühl ein «Wow, und alles auf einer Seite!».

Die Website ist damit eine sehr wertvolle Ressource für die Medienpädagogik – sei es als Inspiration und Informationsbasis für Medienpädagog_innen, sei es als Lernquelle für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, die nach dem ersten Fotoworkshop mehr wissen möchten.

Mit FlappyBird und anderen programmieren lernen

code.org hat sich gemausert! Was am Anfang nach einem Papiertiger aussah, ist mittlerweile ein breites und wertvolles Angebot geworden, das ich für die Medienpädagogik empfehlen kann: Auf der Website finden sich zahlreiche Übungen bzw. Kurse, mit denen Programmieren gelernt werden kann.

Bei allen Angeboten handelt es sich um Schritt-für-Schritt-Tutorials vor allem zum Selbstlernen, bei denen spezifische Aufgaben gelöst werden müssen. Zusätzlich gibt es Komplett-Kurse mit kompletten Unterrichtssequenzen, die (auch Kindergarten-Kinder) Schritt für Schritt an die Online-Umgebung heranführen. Dabei gibt es auch Einheiten, die ohne Technik («unplugged») funktionieren.

Wie so oft gibt es bei den Angeboten deutliche Anleihen bei Scratch, allerdings sind sie bei weitem nicht so offen. Vieles ist dennoch schön motivierend, etwa die FlappyBird-Aufgabe –   und im PlayLab kann am Ende frei ein eigenes Spiel programmiert werden.

code.org ist daher zwar keine so flexible und einladende und offene Plattform wie etwa Scratch, aber sicher ein gutes Werkzeug, mit dem Interessierte Kinder und Jugendliche innerhalb eines größeren Angebots in mehr oder weniger kurzen Selbstlernphasen Aspekte von Programmieren lernen können.

Wahl-O-Mat selbst machen mit dem Mahlowat

Der Wahl-O-Mat ist ein bewährter Glücksfall für die politische Bildung: Der Masse der Nutzer_innen hilft er bei der Wahlentscheidung und für die Gruppe der Macher_innen sorgt er für eine intensive Auseinandersetzung mit den Inhalten der Parteien. Bei so viel Erfolg wäre es ja schön, daraus ein Projekt für die Medienpädagogik zu machen und einen Wahl-O-Mat für die Stadtratswahl oder bei anderen politischen Prozessen zu machen.

Das geht! Mit dem «Mahlowat» gibt es eine Open-Source-Version des Informationstools zum Selbermachen auf dem eigenen Server. Ursprünglich nur für den eigenen Gebrauch (an der Uni?) entwickelt, hat der Macher Sven Zemanek die Software weiterentwickelt und dokumentiert (inklusive der Funktionsweise des eigentlichen Wahl-O-Mat), so dass es an ein lokales Setting angepasst werden kann. Dabei darf nicht verschwiegen werden, dass die Usability nicht sehr hoch ist (es müssen Code-Dateien angepasst werden), aber dafür finden sich bei einem entsprechenden Projekt, etwa in der Jugendarbeit, sicher interessierte Macher_innen. Und so bietet sich mit dem Mahlowat für die Bildungs- und Partizipationsarbeit ein schönes Tool, um politische Inhalte zu thematisieren und aufzubereiten – oder das Tool selbst zu thematisieren, etwa zusammen mit den Unterrichtsmaterialien der BpB.

Den Mahlowat gibts hier zum Download und hier als Demoinstallation.

Lightpainting von der Maus erklärt

Lightpainting, das Malen mit Licht auf langzeitbelichteten Fotos, bringt wunderschöne Ergebnisse und macht Kindern und Jugendlichen sehr viel Spaß. Zudem setzen sich die Macher_innen automatisch und recht niedrigschwellig mit den Basics von Fotografie auseinander: Blende, Verschlusszeit usw., was aus Sicht der Medienpädagogik wiederum sehr wertvoll ist.

Trotzdem ist es nicht unbedingt ein Kinderspiel, auf Anhieb das Grundprinzip zu verstehen. Aber gottseidank gibt es die Maus und den Elefanten: Der hat nämlich zu seinem 40. Geburtstag ein Lightpainting-Video geschenkt bekommen – und wir und zukünftige Lichtkünstler_innen bekommen ein wertvolles Erklärvideo, das auf unnachahmliche Maus-Art das Grundprinzip von Langzeitbelichtungsfotos erklärt und in Ausschnitten seinen Platz in medienpädagogischen Projekten finden kann.

Der Blick in den analogen Alltag

Die Auseinandersetzung mit dem Alltag zu verschiedenen Zeitpunkten der menschlichen Geschichte ist ein immer wiederkehrender Gegenstand in Bildungsprozessen – und auch in der Medienpädagogik werden in der Auseinandersetzung etwa mit lokaler oder eigener Geschichte viele Bilder und Videos zu neuen Medienprodukten verarbeitet.

Wenn es um die jüngere Geschichte geht, hat mensch es dabei einfach, weil vielfach auf digitale Materialien zurückgegriffen werden kann. Aber schon in den 1980er Jahren wird das schwierig. Der WDR hat mit Digit ein wertvolles Angebot geschaffen, um den zu begegnen und auch analoge Fotografien breit zugänglich zu machen: Innerhalb des Projektes werden Fotos digitalisiert, verschlagwortet, lokalisiert und auf der Website verfügbar gemacht. Damit sind sie ein wertvoller Fundus für die Bildungsarbeit, wenn es darum geht, sich mit verschiedenen Gegenständen auseinanderzusetzen.

Der einzige Wermutstropfen ist die Lizenz der Werke: Die Bilder stehen unter keiner freien Lizenz, können aber ausdrücklich von Schulen innerhalb der Bildungsarbeit genutzt werden. Das ist nicht brilliant, aber sicher ein guter Mittelweg im Sinne des Projekts.

eBooks selbst machen (4/4): iBooks Author und Book Creator

Eine Artikelserie über eBooks in der Medienpädagogik wäre zur Zeit nicht vollständig, wenn darin nicht auch auf «iBooks Author» eingegangen würde. Schließlich ist Apples Software zur Zeit wohl mit das angenehmste und mächtigste Tool für die eBook-Erstellung: Das Programm ist intuitiv zu bedienen, bietet attraktive Vorlagen und macht es möglich auch Videos und interaktive Elemente in die Bücher einzubinden.

Gleichzeitig spiegelt iBooks Author das ganze Dilemma rund um eBooks (und wohl auch bewährte Strategien von Unternehmen im digitalen Bereich): Das eigentlich offene Format EPUB3 wird von Apple abgewandelt und einen quasi-eigenen Standard geändert, der dann nur noch von eigenen Geräten abgespielt werden kann. Damit kommen die Vorteile der Entwicklung nur Nutzer_innen von (neueren!) Apple-Geräten zu Gute. Und der Drang zu Apple-«Ökosystemen» (ein schöner Euphemismus für abgeschlossene Monokulturen), wo alle Geräte einer Institution von Apple stammen, wächst. Daher: So wie in «iBooks Author» sollte die eBook-Erstellung aussehen. Aber so lange die Software EPUB3 nicht offen unterstützt, hat sie meine Unterstützung ebenfalls nicht. :)

Eine weitere, komfortable Möglichkeit, eBooks zu erstellen, ist die App «Book Creator», die für iOS und Android verfügbar ist. Die App jongliert gut mit den verschiedenen Formaten und macht auch multimediale eBooks möglich, die dann aber nur auf Apple-Geräten lesbar sind. In der komfortablen Version kostet der BookCreator Geld, das aber recht gut angelegt ist.

eBooks selbst machen (3/4): freie und kostenlose Software

eBooks selbst zu erstellen macht – wie alle aktive Medienarbeit – einen spannenden inhaltlichen Prozess möglich. Mit dem E-Book-Creator gibt es zwar ein gutes Tool für den Einstieg, das aber für viele medienpädagogische Projekte schnell zu sperrig werden dürfte. Doch auch sonst sind zahlreiche Softwareangebote verfügbar, die frei oder OpenSource sind – und damit auch die Erstellung von freien Materialien (OER) ermöglichen.

Eine kleine Unterscheidung lässt sich dabei treffen – in solche Tools, mit denen sich das «klassische» EPUB-Format (Text, Bild) produzieren lässt, und solche, die auch mehr möglich machen. «Klassische» Möglichkeiten bieten:

  • Die Erweiterung «Writer2epub» zu den freien Office-Suites, insbesondere LibreOffice: Damit eröffnet sich wohl die einfachste und gleichzeitig mächtigste Möglichkeit, ein eBook zu erstellen. Der Text und das Layout können wie gewohnt im Writer erstellt werden, anschliessend wird das Ergebnis in ein eBook exportiert.
  • Mit der freien und offenen eBook-Verwaltung Calibre lassen sich auch eBooks erstellen. Der Editor ist sehr mächtig, aber nicht ganz so niedrigschwellig bedienbar wie Office.

Um Geschichten etwas «greifbarer» zu erzählen (insbesondere etwa bei OralHistory-Projekten) und die eBook-Erstellung für Jugendliche attraktiver zu machen, sollte die Einbindung von Audio und Video möglich sein. Das geht mit dem EPUB2-Format, was die folgenden beiden Programme exportieren können (genauso wie auch «klassische» EPUB-eBooks natürlich):

  • Der freie Editor Sigil wird für alle gängigen Plattformen angeboten und beherrscht das EPUB2-Format. Einmal installiert, ist das Programm sehr leicht zu bedienen und etwa die Einbindung von Videos ein Kinderspiel. Die Oberfläche von Sigil ist für mich sogar angenehmer zu nutzen als die von Calibre.
  • Calligra Author soll ebenso EPUB2 inklusive einer Erweiterung nach EPUB3 möglich machen. Allerdings ist die Installation unter Windows und OSX überhaupt nicht niedrigschwellig, was für mich den Test nicht umfänglich ermöglicht hat und wohl für viele Nutzer_innen die Anwendung nicht nahelegt.

Fazit: «Einfache» und offene eBooks lassen sich gut und einfach mit LibreOffice und Calibre erstellen. Sigil kann nicht nur zusätzlich Audio und Video einbinden, sondern ist für mich insgesamt das angenehmste Angebot.
Niedrigschwellige und freie Editoren, die das EPUB3-Format vollumfänglich ausnutzen, sind derzeit meiner Wahrnehmung nach noch nicht zu finden.

Welche Lösungen kennen Sie noch? Ergänzen Sie gerne mit einem Kommentar.

(Nicht) mit dem Programmieren starten (können)

Diesen Artikel habe ich zweimal geschrieben. Vor vier Wochen stand hier noch ein Totalverriss (dabei mache ich das eigentlich nie), heute ist es «nur» noch ein halber: Die Website «start-coding.de» hat nur wenige sinnvolle Angebote und macht weiterhin einen so unausgereiften Eindruck, dass ich mich frage, wieso sie schon online ist.

Namhafte Hersteller_innen und Promis beschwören beim Start in Hochglanz, dass mensch ja programmieren können solle. So weit, so gut. Wenn der/die Nutzer_in dann aber wirklich und voll motiviert chauf das zentrale «Lerne jetzt programmieren» klickt, erscheint eine Übersicht von Lektionen für verschiedene Altersgruppen. Davon sind alle bis auf zwei von anderen Anbieter_innen (einer sogar sehr gut, dazu in einem anderen Artikel mehr), und die meisten davon wiederum allgemeine Videotutorials oder Websites (zum Raspberry Pi, zu Arduino allgemein)! Bleiben zwei eigene Angebote von «start coding», wovon eines ein – teilweise recht gut gemachtes, teilweise anstrengendes – Tutorial ist, das zweite eine pädagogische Programmierumgebung ohne klares Ziel und mit fehlenden Links, die es an anderer Stelle ohnehin besser gibt. Zudem funktioniert nicht alles in gängigen Browsern.

Mein Fazit ist daher: Gut gemeint (das ist es sicher) ist nicht gut gemacht. Bleibt abzuwarten, wo die Website in einem halben Jahr steht. Aber bis sie gut ist, muss sie nicht unbedingt online sein.

eBooks selbst machen (2/4): im Browser

Sich mit den Basics der eBook-Erstellung auseinander zu setzen ist sicher gut – noch wichtiger ist aber, die elektronischen Bücher auch wirklich zu produzieren. Und für einen schnellen, einfachen und niedrigschwelligen Einstieg in die eBook-Produktion gibt es seit Kurzem ein schönes Angebot:  Der «E-Book-Creator» ist ein browserbasierter eBook-Editor aus Österreich, der kostenlos und nach nur sehr rudimentärer Registrierung genutzt werden kann.

Der erste Blick lässt ein Webangebot aus den 1990er Jahren vermuten, aber der E-Book-Creator bietet ein durchaus souveränes Nutzungserlebnis und schnelle Ergebnisse: Formularbasiert können nach und nach die Inhalte Klick für Klick zusammengestellt werden. Das ist anfangs super und leicht, je komplexer die Inhalte werden, desto sperriger gestaltet sich die Bedienung allerdings. Daher ist der E-Book-Creator gut für den Einstieg zu empfehlen und für Produktionsprozesse, wo ein promptes Ergebnis im Vordergrund steht.

Die fertigen eBooks lassen sich in gängigen Formaten ausgeben und auch direkt auf der Plattform veröffentlichen. Entgegen der Selbstbeschreibung ist kein wirkliches «Multimedia» (Film, HTML5-Quizzes) im EPUB3-Format möglich, allerdings können Links auf solche (Online-)Angebote eingebunden werden.

Zusatzinfos

Pat-O-Meter

Monats-Archiv