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Fakes und was dahintersteckt

Die Filter-Bubbles, die zB Facebook und Google mit ihren Algorithmen generieren, gehören meiner Meinung nach zu den gesellschaftlich gefährlichsten Entwicklungen von Social Media. Und Medienpädagogik kommt hier oft die Rolle der Feuerwehr zu.

Das gilt insbesondere, wenn Gerüchte, Falschmeldungen und gefälschte Inhalte im Umlauf sind. Die Aufklärung über so genannte Fakes und die Verifikation von Inhalten ist aktuell ein wichtiges Thema für Medienpädagog_innen.

In der Reportage «Wie gefährlich sind Fakes im Netz?» vom Bayrischen Rundfunk werden viele Aspekte rund um gefälschte Inhalte, die Dynamiken in Sozialen Netzwerken und mögliche Folgen thematisiert. Das alles spannend erzählt, gut verständlich und dann auch noch in einer guten Länge. Deswegen ist das Video meiner Meinung nach ein guter Einstieg in die thematische Arbeit mit Jugendlichen zu Fakes.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Doppelt bevormundet durch Facebook

Aus gesellschaftlicher bzw. demokratischer Perspektive finde ich nach wie vor den Facebook-Newsfeed eine der problematischsten Aspekte des sozialen Netzwerks: Das Unternehmen entscheidet in einem kaum zu durchschauenden Algorithmus darüber, welche Inhalte die Nutzer_innen sehen sollen und welche nicht. Was ich also in meinem Newsstream sehe, sind nicht die Neuigkeiten, die ich, sondern die Facebook für relevant hält – eine riesige Manipulation von Informationen und Öffentlichkeit.

Eine Meldung der letzten Wochen hat zunächst den Eindruck entstehen lassen, mensch könne sich nun alle abonnierten Informationen ansehen: Facebook bietet einen weiteren Stream an, der «Ungelesene Meldungen» heißt. Wer genau hinschaut, wie etwa mimikama, der/die stellt fest, dass das Angebot eine zweite Bevormundung ist: Es werden Artikel angezeigt, die laut Facebook sehenswert sind, aber noch keine ausreichende Aufmerksamkeit des/der Nutzer_in bekommen haben. Die vermuteten «versteckten» Meldungen bekommen die Nutzer_innen also auch hier nicht zu sehen – eigentlich auch kein Wunder, denn durch das Zurückhalten von Informationen verdient Facebook sein Geld (indem Unternehmen dafür zahlen, dass sie sichtbar bleiben).

Bei aller Häme sind für mich die «Ungelesene Meldungen» auch ein Glücksfall für die Medienpädagogik. Denn sie liefern schönes Anschauungsmaterial, um mit Jugendlichen und Erwachsenen die Manipulation durch Facebook sichtbar zu machen und schließlich zu reflektieren.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Wie Facebook Informationen filtert

Der so genannte «Newsfeed Algorithmus» (früher «Edge Rank») ist für mich eines der Hauptargumente gegen Facebook an sich und insbesondere gegen die Nutzung von Facebook-Seiten (aber auch Profile) in der pädagogischen Arbeit: Mit einer nicht transparenten Formel (mit 100.000(!) Faktoren) legt Facebook fest, ob der Beitrag eines/einer Benutzer_in oder einer Fanpage im Newsfeed eines Fans oder «Freund_in» sichtbar ist oder nicht. Das ist relevant für alle Facebook-User_innen: Zum Einen kann ich mir als Nutzer_in nicht sicher sein, ob ich alle Nachrichten meines Umfeldes wahrnehme – zum Anderen erreichen Betreiber_innen einer Fanpage (etwa für eine Jugendeinrichtung) immer weniger Menschen mit den eigenen Beiträgen, ohne dafür zu bezahlen.

Über den Newsfeed-Algorithmus zu informieren ist daher ein wichtiger Gegenstand in der Medienpädagogik – sowohl für Jugendliche und andere Nutzer_innen, als auch für Fachkräfte, die ihre Zielgruppe per Facebook informieren möchten oder gar (Beteiligungs)Projektkommunikation über die Plattform laufen lassen möchten. Josh Constine hat hierzu in der letzten Woche bei TechCrunch wertvolle Hintergrundinformationen veröffentlicht (auf Deutsch zusammengefasst von allfacebook). Das Beste an seinem Artikel ist aus meiner Sicht jedoch die obige Grafik, die die fünf wichtigsten Faktoren sehr gut visualisiert. Damit kann Nutzer_innen nicht nur gut deutlich gemacht werden, nach welchen Kriterien ihre Informationen gefiltert werden; Seitenbetreiber_innen bekommen auch Anhaltspunkte für erfolgreichere Arbeit (die aber leider immer aufwändiger wird).

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.
Verfasst am 07.04.2014

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