Thema Computerspiele »
BAJ-Zeitschrift: „Wenn der Kontakt zum realen Leben verloren geht“
So lautet der Untertitel der ersten Ausgabe der Zeitschrift “Kinder- und Jugendschutz in Wissenschaft und Praxis” (KJug) des Bundesarbeitsgemeinschaft Kinder- und Jugendschutz (BAJ). Der „Internetsucht“ widmen sich die sechs Beiträge von Praktikern, Wissenschaftler und Dozenten.
Der kleine Unterschied

"Bathroom sign at Pix..." von Andrei Z auf flickr.com
Dieser Beitrag hat zugegebenermaßen länger in meinem Themenpool geschlummert, aber das Thema Gender Mainstreaming verliert nicht an Aktualität. Inwiefern gehen Jungen und Mädchen unterschiedlich mit Medien um? Inwiefern ist Intervention nötig? Wie können Angebote der Medienpädagogik gendersensibel gestaltet werden? Das sind einige der Fragen, die sich MedienpädagogInnen immer wieder stellen müssen.
Erste Antworten liefert mekonet mit dem Dossier “Geschlechtersensible Medienkompetenzförderung” mit vielen Hinweisen auf Hintergrundliteratur, Methoden und Beispielprojekte. Einen anderen Ansatz bietet “BIBER” mit einem Artikel über gender-faire Kindersoftware. Die AutorInnen liefern darin Hintergrundinformationen und Kriterien, um Software und Videospiele gendersensibel einzuschätzen.
USK vs. PEGI oder: Deutschland allein in Europa

"Call of Duty 4: Modern Warfare" bie USK und PEGI
Alterskennzeichnungen haben in Deutschland einen festen Platz in der Spiele-, aber auch in der Film- und Fernsehindustrie. Was für das Fernsehen die FSF und für Filme die FSK ist für die Spiele die USK (Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle). Das ist eine rein deutsche Institution um Eltern eine Orientierungsmöglichkeit zu geben was Kinder und Jugendliche ab einem bestimmten Alter spielen dürfen. Darüber hinaus sind die Angaben bindend, d.h. an den 14-jährigen Jugendlichen dürfen keine Spiele mit einer USK 16 oder gar 18 abgegeben werden. Was im Einzelhandel im Großen und Ganzen auch recht souverän zu funktionieren scheint. Etwas anders sieht es aus, wenn mensch in die Kinderzimmer schaut oder sich mit Kindern und Jugendlichen unterhält. Insbesondere MedienpädagogInnen kennen das, wenn Sprößlinge auf sie zu kommen und ein 16′ner oder 18′ner Spiel auf den Einrichtungscomputern spielen möchten (mit dem Hinweis, dass er/sie das zu Hause auch spielen dürfe). Fast alle kennen Spiele und haben sie auch schon mal gespielt die laut USK für sie noch nicht freigegeben sind, sehr viele haben solche Spiele auch zu Hause.
Die heilsame Wirkung von Computerspielen – Studienergebnisse

von Joachim S. Müller auf flickr.com
Reflektierte ComputerspielerInnen und MedienpädagogInnen haben es wahrscheinlich schon geahnt: Das Spielen von Computerspielen kann bei der Stressbewältigung helfen. Doch nun ist das keine unfundierte und auf Selbstbeobachtungen gestützte Behauptung mehr, sondern ist in einer Studie bestätigt gefunden worden. Im Heft 03/09 des Journal of Media Psychology (ehemals Zeitschrift für Medienpsychologie) hat Leonard Reinecke von der Hamburg Media School eine Studie mit dem Titel „Games and Recovery“ veröffentlicht. Darin galt es herauszufinden inwieweit sich beim Spielen von Computerspielen ein Erholungszustand einstellt.
Broschüren für Informationsveranstaltungen

Broschürenüberblick bei mekonet
MedienpädagogInnen wissen immer alles was mit Medien und deren Nutzung zu tun hat. Deshalb werden sie auch immer wieder gerne und auch rege dazu befragt. Die Schwierigkeit besteht nun darin das weitreichende Wissen kurz und knapp auf den Punkt zu bringen – beispielsweise bei einem Informationsabend für Eltern. Um seitens der ZuhörerInnen die besprochenen Inhalte noch einmal ins Gedächtnis zu rufen und damit zu verfestigen bieten sich Handreichungen oder ähnliches an. Das mekonet (Medienkompetenz-Netzwerk NRW) hat sich die Mühe gemacht und zu unterschiedlichen Themen Broschüren zusammengestellt, die sind maximal sechs Seiten dünn. Unter anderen werden darin Internetsicherheit, Filtersoftware, Datenschutz, Computer- und Onlinespiele und Handy behandelt.
Die Angst vor der Kritik?

Umstrittene Flughafenszene in Call of Duty: Modern Warfare 2
Heute ist es also soweit, Call of Duty: Modern Warfare 2 steht in den Regalen und wartet darauf (zumindest laut Herstelleraussage) alle Verkaufsrekorde zu brechen. An sich ist das Spiel ein ganz normaler Shooter, zweifelsohne für Erwachsene klasse inszeniert, der aktuelle, moderne Szenarien aufgreift jedoch dabei offen lässt, ob er eine Karikatur, eine reine Provokation, ein Propagandamittel oder doch ein Anti-Kriegsspiel ist. Dennoch gibt es bei MW2 einen Diskussionspunkt, der zuerst von einer Seite aus aufgegriffen wurde, von der man diesen so nicht erwartet hätte – von den Spielern selbst – ah Moment, zur Zeit eigentlich nur von deren Sprachrohr den Computerspiel-Fachjournalisten. Grund des Anstoßes ist ein Level im Spiel, in welchem der Spieler als Doppelagent mit ansehen muss (zumindest in der deutschen Version – in der Originalfassung kann der Spieler unsanktioniert selbst schießen), wie seine Kollegen auf wehrlose Zivilisten schießen und ein Blutbad anrichten.
Das Spannende für uns ist die Tatsache, dass die angesprochenen Meinungsbildner fast schon präventiv medienpädagogische Arbeit leisten, indem sie Herangehensweisen, Verarbeitungsmöglichkeiten sowie Ethik und Moral ansprechen und diese Überlegungen an die Spieler weitergeben.
Die entsprechenden Links finden Sie hier:
Aus unserer Sicht ist ist zumindest fraglich, ob das (in der deutschen Version) passive Mitlaufen dem Spieler nicht mehr Gewalt aufdrängt als die Wahl, selbst zu entscheiden wie man vorgehen möchte – zusehen ist eben nicht spielen! Oder was meinen Sie?
Monatlich ein neuer Zeitvertreib

"Post IT Shooter" von Petri Purho
“Monatlich ein Spiel entwickeln, das haben sich die freien Spieleentwickler Alan Blomquist, Kyle Gabler, Kyle Gray, Petri Purho und Shalin Shodhan von “Experimental Gameplay Project” vorgenommen. Sie sind nicht gänzlich unbekannt, zumindest Petri Purho sollten durch Crayon Physics Deluxe und Kyle Gabler durch World of Goo und 2D Boy nicht nur in der Szene ein Begriff sein. Die Regeln nach denen der kleine Wettstreit ausgetragen wird: das Spiel muss innerhalb von sieben Tagen entstanden sein, es darf nur eine Person beteiligt gewesen sein und es muss mit dem Monatsmotto zu tun haben.
Alle Spiele konnte ich aus zeitorganisatorischen Gründen leider noch nicht testen, ein kurzer Blick jedoch genügt und medienpädagogisch Interessierte folgen dem einen oder anderen Link. Und natürlich sind wir immer dankbar für Rezesionen treuer LeserInnen.
Ungenaue Begriffsnutzung und ihre Folgen

Are you serious?
Je öfter Begriffe rezipiert und auch benutzt werden, desto fester sind sie mit Deutungen verbunden. Das ist insbesondere dann unerfreulich, wenn in der Einprägungsphase Begriffe wahllos genutzt und in unklare Zusammenhänge gestellt werden. So mehrfach geschehen rund um die Ego-Shooter Diskussion.
Dieser Beitrag auf Stigma Videospiele richtet sich zwar ausdrücklich an Journalisten, aber auch Eltern und besonders MedienpädagogInnen möchte ich die Lektüre und das Weiterdenken ans Herz legen. Denn hier wird schonungslos offenbart wie sinnfrei manche Äußerungen zu Killerspielen, Verbotsforderungen und angeblich wissenschaftlich nachgewiesenen Zusammenhängen zwischen dem Spielen von gewaltverherrlichenden Spielen und tatsächlichem gewalttätigem Verhalten sind.
Computerspiele bewegen

Screenshot aus "Immersion"
Dass Computerspiele schnell begeistern (wenn sie gut sind) und auch emotional bewegen, ist keine sensationelle Neuigkeit. Die New York Times hat ein Video des Künstlers Robbie Cooper veröffentlicht, das zeigt, wie konzentriert, involviert und bewegt Kinder und Jugendliche von Videospielen sein können. Gut oder schlecht? Kommt drauf an. In jedem Fall ist der kurze Film ein hervorragender Input für medienpädagogische Veranstaltungen, um genau darüber zu diskutieren, auch wenn er nicht mehr ganz taufrisch ist.
Da ist vorne

Screenshot aus "The Orchard"
Ich habe mich in der letzten Zeit gefragt, ob das Machinima-Zeitalter in der Medienpädagogik nicht schon wieder vorbei ist. Bei Vorträgen mit PädagogInnen in den vergangenen Wochen ist mir allerdings bewusst geworden, dass es zum Teil noch nicht mal richtig angefangen hat.
Das ist Grund genug, mal wieder einen Blick darauf zu werfen, was in der Szene gerade so State of the Art ist, und ein gelungener Anlass sind die aktuellen Auszeichnungen des Digitalfilm-Festivals “Bitfilm 09” in der Kategorie Machinima. Gewinner ist der WoW-Film “The Orchard” – selbstredend gut gemacht und eine schöne medienpädagogische Inspiration zum Wochenende.

