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YouTube Direct

Screenshot von der YouTube Direct-Website

Screenshot von der YouTube Direct-Website

Brechts Radiotheorie, Bürgerfernsehen, Blogosphäre: Mit technischen Innovationen entstehen immer neue Möglichkeiten der Demokratisierung der Medienlandschaft und der Veränderung der Kommunikationsstrukturen, die gerade bei MedienpädagogInnen für leuchtende Augen sorgen. Und bei allen Enttäuschungen: Die Utopie rückt mit jeder Innovation näher.

Dazu könnte auch das neueste Angebot von YouTube zählen: „Direct„. Mit dieser Technologie kann das eigene YouTube-Videoangebot um user generated content ergänzt werden; UserInnen können ihre eigenen Videos hochladen. Das ist in der Medienpädagogik nicht nur für Partizipationsprojekte interessant; auch bei Wettbewerben oder dezentralen Videoprojekten könnten Jugendliche so ihre Beiträge leicht auf einer zentralen Website hochladen. Die Einbindung in die eigene Website ist nicht trivial, aber bewältigbar; bei google code findet sich ein Tutorial.

Zum Thema Utopie: Es bleibt die Frage, wer denn hier letztlich die Produktionsmittel in Händen hält. In diesem Sinne empfiehlt sich bei größeren Projekten dann doch ein eigenes Videoportal.

Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

Innenminister auf dem „Kriegspfad“

wahlkampf_wpSo, nun ist es soweit, der ultimativ Schuldige für die Übel dieser Welt, zumindest die in Deutschland im Wahljahr 2009, ist gefunden – die „Killerspiele“ sollen es mal wieder sein. Fast zeitgleich zu einer Demonstration für Jugendkultur und die Anerkennung von eSport als Reaktion auf das abgesagte IFNG in Karlsruhe, beschließt die Innenministerkonferenz, dass es endlich Zeit ist „Killerspiele“ um die Ecke zu bringen – präzisiert um ein Verbot der Herstellung und Verbreitung solcher (ab jetzt ganz klar definierten) eGames.

Für uns, die wir es uns u.a. zur Aufgabe gemacht haben, zwischen Spielern und Nicht-Spielern von eGames zu vermitteln, ist der wirklich erschreckende Punkt an der Debatte der, dass demokratische Mittel genutzt werden sollen, damit wenige Nicht-Spieler für viele erwachsene Spieler eine Entscheidung treffen, nämlich die, ob sie bestimmte Spiele spielen dürfen oder eben nicht. Was zudem in den letzten Monaten alles durch die Presse geisterte, erinnerte schon ein wenig an neuzeitliche Hexenjagd. Da wurde von „Schweinefirmen“ gesprochen, welche u.a. für Kriegstreiberei und Verrohung der Jugend verantwortlich seien und ‚überhaupt wollen die ja alle immer nur Geld machen‘! Zudem ist ja Kinderpornografie auch verboten, was laut einiger hochrangiger Politiker in der selben rechtlichen Ebene einzuordnen ist wie – ja genau, wie die „Killerspiele“, deren einziger Sinn darin liegt, immer so viele Menschen wie möglich zu töten und mit Knüppeln auf wehrlose Rentner los zu gehen!

Ein Kommentar zum Thema mit dem Titel „Ist WahlKAMPF ein Killerspiel?“ finden Sie auf der Internetseite von Spawnpoint.

Gerrit Neundorf Kurzbio
studierte in Leipzig und in Darmstadt Sozialpädagogik, wo er u.a. durch Prof. Dr. Franz-Josef Röll von der Medienpädagogik infiziert wurde. Von 2002 bis Mai 2009 war er als Medienpädagoge beim Landesfilmdienst Thüringen e.V. angestellt und betreute dort mehrere landesweite Projekte. Seit 2007 ist er einer der Leiter des Instituts für Computerspiel - Spawnpoint. Für das Land Thüringen ist er seit 2011 als Jugendschutzsachverständige bei der Unterhaltungssoftware Selbstkontrolle (USK) tätig.

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