Snapchat #2: vernetzen

Snapchat: vernetzen

CC-BY-SA 4.0, Studio im Netz

Wer die Grundlagen von Snapchat verstanden hat, steht bald vor einer neuen Herausforderung: Wie vernetzt man sich hier eigentlich mit Freunden und Gleichgesinnten? Wir wurden von Portalen wie Facebook, Twitter und Instagram daran gewöhnt, dass uns gleich bei der Anmeldungen andere User vorgeschlagen werden, denen wir folgen oder mit denen wir uns befreunden können. Bei Snapchat ist das befremdlicherweise nicht der Fall. Hier gibt es noch nicht mal eine ordentliche Suchfunktion, über die wir nach Freunden, Stars oder Politikern suchen könnten. Wie die Vernetzung dennoch klappt, möchten wir heute im zweiten Teil der Snapchat-Artikelreihe erläutern.

Schließlich sind es längst nicht mehr nur Jugendliche, die dieses Tool nutzen. Insgesamt verzeichnet Snapchat derzeit wohl mehr als 200 Millionen weltweite User, davon sind angeblich 100 Mio. täglich aktiv. Die Zahl der Nutzer/innen in Deutschland wurde im Januar 2016 auf rund 3 Millionen geschätzt. Wie groß der Anteil jugendlicher User ist, lässt sich schwer sagen, aber aufschlussreich ist, dass bereits die (der Medienpädagogik bestens bekannte) JIM-Jugendstudie 2015 Snapchat zu den vier populärsten Smartphone-Apps deutscher Teenager zählte – nach WhatsApp, Facebook und Instagram. (Da die Erhebungen der JIM-Studie immer im Mai/Juni durchgeführt werden, sind diese Zahlen bereits ein dreiviertel Jahr alt und heute vermutlich deutlich höher. Eigene Praxiserfahrungen der beiden Autoren zeigen, dass hinter WhatsApp derzeit Instagram mit Snapchat um Platz 2 der populärsten Dienste kämpft.) Eine weitere interessante Infographik liefert die Seite “How big is snapchat”, derzufolge über Snapchat pro Sekunde mehr Fotos geteilt werden als über sämtliche anderen Apps, wobei die Zahlen bereits aus dem Jahr 2014 stammen. Festzuhalten ist jedenfalls, dass die App in den letzten Jahren einen erstaunlichen Aufstieg erlebte, der spätestens im vergangenen Jahr auch Deutschland ereichte.

Dieser Boom macht Snapchat natürlich für Werbetreibende und Marketing-Expert/innen interessant. Wer im Netz nach dem Stichwort “Snapchat-Marketing” sucht, stößt auf unzählige Treffer. Die Werbeindustrie hat rasch erkannt, dass sich hier ein spannender neuer Markt eröffnet hat, und versucht nun, die Potentiale möglichst rasch zu erkennen und zu nutzen. Auf diese Variante der Snapchat-Nutzung möchten wir an dieser Stelle aber nicht näher eingehen.

Anregungen sammeln & Pioniere abonnieren

Sehen wir uns lieber an, welche Innovationen und optischen Experimente bei Snapchat zu beobachten sind, welche User es wert sind, abonniert zu werden, und welche Schlüsse sich daraus für die Bereiche Medienpädagogik, Medienkunst und Kulturpädagogik ziehen lassen. Das Angebot an Snapchat ist bereits unüberschaubar groß, daher fällt es zugegebenermaßen schwer, einen einigermaßen guten Überblick zu erlangen und wiederzugeben. Wir möchten an dieser Stelle aber auf einige aktive Snapchatter_innen hinweisen, die in unseren Augen interessante Inhalte produzieren. Die Snapchat-Profile sind im Text verlinkt und können – am Smartphone geöffnet – direkt abonniert werden:

Übrigens gibt es mittlerweile zahlreiche Artikel und Listen mit Snapchat-Empfehlungen. Das bis dato größte Userverzeichnis ist Snapgeist.com, das die Journalisten Philipp Steuer und Sven Giesen in der vergangenen Woche gestartet haben.
Weitere Sammlungen sind diese Artikel über Journalisten sowie Politiker bei Snapchat.

Snapcodes scannen

Zum Schluss noch ein Tipp zum Vernetzen mit dem persönlichen Umfeld: In der App gibt es nicht nur die Möglichkeit, nach Usernames zu suchen, sondern die sog. Snapcodes (quadratische Grafiken, die ähnlich wie QR-Codes auslesbar sind) führen ebenfalls direkt zum jeweiligen Profil. Wenn Sie sich mit Freunden und Bekannten verbinden möchten, öffnen Sie beide Snapchat. Eine Person muss ihren Snapcode anzeigen (zu finden im Profil, oben im Startbildschirm), die andere Person hält im Aufnahmemodus ihren Finger auf den Bildschirm gedrückt, um den Code einzuscannen. So funktioniert das auch, wenn Sie einen Snapcode am Monitor oder auf einem Flyer sehen.
Alternativ können Sie die Codes auch abfotografieren und dann innerhalb der Snapchat-App über die Galerie aufrufen. Das alles ist gewöhnungsbedürftig, funktioniert aber ganz gut.
Zudem gibt es inzwischen auch die Möglichkeit, im eigenen Menü unter „Freunde adden“ > „Aus Adressbuch adden“ nach der Bestätigung der eigenen Handynummer Freunde zu suchen, deren Kontakt aus dem Adressbuch mit Snapchat verknüpft ist. Dies erleichtert den Einstieg in Snapchat als persönliches Netzwerk deutlich.

to do

snapcodes-sondala-bjoern_frLast but not least: eine kleine Aufgabe bzw. Bitte an alle Teilnehmenden unseres Snapchat-Experiments. Verraten Sie uns Ihre eigenen Usernames sowie User-Tipps und -Favoriten! Schreiben Sie diese in die Kommentarspalte oder verlinken Sie Ihren Snapcode, damit wir weitere spannende Snaps sehen können.

Über die Codes rechts im Artikel können Sie den Autoren dieser Artikelreihe folgen, bjoern_fr und sondala.

Im nächsten Teil widmen wir uns dann einigen Tipps und Tricks zum Produzieren sehenswerter Snaps und Stories.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Die Namen der Autor_innen sollen wie folgt genannt werden: Björn Friedrich, Daniel Seitz für medienpaedagogik-praxis.de
Daniel Seitz Kurzbio
lebt in Berlin, hat Mediale Pfade gegründet und brennt für eine freie, politisierte Gesellschaft, die ihre Verantwortung wahrnimmt. Als Medienpädagoge ist er überzeugt, dass Medienbildung einen wichtigen gesellschaftlichen Anteil zu politischer Teilhabe, Selbstentfaltung und Kreativität leisten kann.
Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er mehrere Elternratgeber, zuletzt im August 2018 "Das Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).

3 Kommentare

  1. Michael Weis am 22.03.2016:

    +1 für das Lostreten des Versuchs!
    Ich versuche mich als „michi.wtf“ (freiberufler/privates) und im Namen unserer Jugendagentur „jumax.sig“.

    Leider stürzt mein Smartphone bei jedem Video ab, sodass ich das bisher nicht machen könnte. Ich teste aber weiterhin, weil ich gerne mehr Videos machen möchte.

  2. Stefan Gotthold am 05.04.2016:

    Hallo, tolle Artikel Reihe. Ich bin übrigens über Twitter drauf aufmerksam geworden. Ich beschäftige mich seit einigen Wochen mit Snapchat und der Wissenschaftskommunikation. Leider ist das neue Netzwerk dort noch gar nicht angekommen. Mein Snapchat-Account liefert Inhalte aus der Astronomie – clearskyblog
    LG
    Stefan

  3. Tobias Thiel am 07.04.2016:

    Und hier ein weiteres interessantes Snapchat-Bildungsformat: Content Creation: Making of SNPCHT WSSN – Die Entwicklung eines Bildungsformates für Snapchat by Patrick Breitenbach: http://blog.patrickbreitenbach.de/content-creation-snapchat-bildung-formatentwicklung/

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