Trickfilm im Geschichtsunterricht

"Legotrickfilm in der Medienpädagogik"Allgemein:
Dieses Konzept dient als Einblick in die Möglichkeit des Zusammenwirkens von Schule (unterrichtsübergreifend: Deutsch, Kunst, Geschichte), Medien (Offener Kanal) und Verein (Heimatverein) und soll Ihnen Inspiration für eigene regionalgeschichtliche Projektideen mit Partnern geben:

Projektüberblick/ So war es bei diesem Projekt:
Die Schülerinnen und Schüler der 3.Klasse der Grundschule Tollwitz konnten in Zusammenarbeit mit dem Offenen Kanal Merseburg-Querfurt e.V. einen Monat lang ein geschichtsträchtiges Trickfilmprojekt realisieren. Dabei wurden die Sage von zwei Knutonenbrüdern aus der Region und der Handelsweg der Salzstraße anschaulich, fächerübergreifend und praxisnah vermittelt.

Die Kinder erhielten einen Geschichtsvortrag von einem verkleideten Ritter des Heimatvereins Oberhau, der von ihnen gefilmt wurde. Die Geschichte wurde anschließend im Unterricht erarbeitet, indem die Kinder Dialoge entwickelten und ein Storyboard zeichneten. Danach setzten die Kinder die einzelnen Szenen der Sage mit medienpädagogischer Unterstützung über mehrere Projekttage als Trickfilm aus LEGO (Brickfilm) um. Parallel dazu wurden die vorbereiteten Texte von den Kindern mit einem sogenannten Handyrekorder aufgezeichnet und am Laptop mit der kostenfreien Software Audacity bearbeitet. Zuletzt wurden die Trickfotos noch mit den Tonaufnahmen in einem Programm zusammengebracht (freeware videospin!).

Schritt für Schritt Anleitung
Die Anleitung dient vor allem für motivierte Lehrer, die sich an ein spannendes Trickfilmprojekt wagen wollen und mit außerschulischen Partnern arbeiten möchten.

Unterrichtseinheit 1

  • Themenfindung im Bereich Regionalgeschichte / Angliederung an das Fach Deutsch
  • Kontakte knüpfen zu möglichen Projektpartnern wie Heimatverein und Medienverein (wahlweise die Medienarbeit mit Kolleginnen und Kollegen oder Studierenden gemeinsam realisieren)

Unterrichtseinheit 1

  • Einstieg in die Geschichte im Unterricht

Unterrichtseinheit 2

  • Lebendiger Geschichtsvortrag/ Lesestunde mit einem Figur aus der Geschichte (z. B. Ritter, Bauer, Leibeigener), der zudem von den Kindern mit einer DV-Kamera mitgefilmt wird

Unterrichtseinheit 3

  • Gemeinsame Erarbeitung eines Storyboards bzw. der Geschichte in Bildern (Charaktere, Dialoge, Handlungsschauplätze)

Unterrichtseinheit 4

  • Aufbau der Kulissen
  • Kennenlernen der Trickbox
  • Animationstraining mit den Legofiguren (wie bewege ich die Figur, so dass sie geht)
  • Erstellung von Testaufnahmen, jedes Kind bewegt und fotografiert einmal die Figuren

Unterrichtseinheit 5

  • Gruppenarbeit: Eine Gruppe arbeitet an der Trickbox und den Szenen und die zweite Gruppe (vorher bestimmen) nimmt die Dialoge für die Geschichte auf und sucht von Geräusche CDs passende Geräusche heraus

Unterrichtseinheit 5-10

  • Je nach Umfang der Geschichte können die Einheiten der Medienarbeit sehr variieren

Nachbereitung
Je nach Altersstufe und Projektdauer sollte die Fertigstellung des Trickfilms mit kleinerer bis größerer Unterstützung der Medienpädagoginnen und –pädagogen erfolgen. Kleine Fortschritte beim Film sollte man den Kindern von Einheit zu Einheit zeigen, dies fördert die Motivation und begeistert die Gruppe.

Präsentation
Sobald der Film fertig ist, sollte man sich über die unterschiedliche Präsentationsformen Gedanken machen:

  • kleine Präsentation für alle Mitwirkenden mit Beamer
  • Kinderkino mit selbstgestalteten Kinokarten für mehrere Klassen in der Aula
  • Präsentation bei Schulfesten
  • Einreichung bei Medienwettbewerben

Zielgruppe

  • Kinder

Eingesetzte Medien

  • Video
  • Audio

Ziele

  • Exploration

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Spannende Erweiterungen und Varianten gibt es viele. Voraussetzungen dafür sind stets das Interesse und die Bereitschaft, sich über seine Region zu informieren und passende kleine Geschichten zu entdecken. Die Zusammenarbeit mit Vereinen lässt sich dabei vielfältig gestalten.

Kinder sind stets begeistert, wenn zusätzlich zur Lehrkraft „außenstehende“ Personen den Unterricht durchführen. Anstelle eines Geschichtsvortrages kann man auch einen Wandertag zu einem geschichtsträchtigen Ort durchführen und die Ehrenamtlichen bitten, den Vortrag dort für die Kinder zu halten. Technisch sind ebenfalls Erweiterungen und Varianten möglich. Der Trickfilm kann mit Figuren aus Papier ebenfalls gut erstellt werden. Dabei geht der Planungsphase allerdings eine längere Gestaltungsphase voraus.

Tipps & Tricks

Das Projekt wurde von allen Beteiligten mit hohem Engagement durchgeführt. Der Kontakt zu Schule und zum Heimatverein war angenehm und gut. Die Kinder hatten durch die abwechslungsreiche Unterrichtsgestaltung ein hohes Maß an Motivation, das sich bis zur Präsentation größtenteils beibehielt. Außenstehende Personen wie die Schulleitung oder eine Vielzahl an Eltern äußerten sich begeistert nach der Präsentation. Das Projekt schafft die häufig erwünschte Vernetzung von verschiedenen Projektpartnern, die gemeinsam an einem Ergebnis arbeiten. Dabei kann in der Schule fächerübergreifend gearbeitet werden und zudem noch ein Projektrahmen geschaffen werden, der sowohl soziale Kompetenzen als auch die Medienkompetenz der Kinder fördert. Durch das Zusammenwirken aller Beteiligten entsteht ein lebendiges und kreatives Medienprojekt.

Schwierigkeiten

Schwierigkeiten könnten sich auf unterschiedlichen Ebenen ergeben:

Bei der Projektplanung:

  • Es werden keine Projektpartner gefunden
  • Projektpartner wollen vergütet werden
  • Absprachen sind mühsam und/oder unzuverlässig
  • Einbettung in den Unterricht erweist sich als schwierig
  • fächerübergreifendes Arbeiten ist mit Kollegium nicht machbar

Bei der Projektdurchführung:

  • Technische Probleme bei der Medienarbeit
  • hoher Lärmpegel
  • Schüler stören den Projektrahmen
  • Die Fertigstellung der DVD erweist sich als langwierig

TIPPS:
Das Projekt lässt sich mit einfachen medienpädagogischen Grundlagen durchführen, das technische Knowhow muss allerdings da sein, die Technik sollte vorher getestet werden und für die Arbeit bereit stehen. Die Unterstützung von Medienpädagoginnen oder Medienpädagogen ist sicher kein Muss, jedoch sehr empfehlenswert. Inhaltlich kann man jedoch Projekte dieser Art auch gut alleine im Unterricht vorbereiten (Einführung, Dialoge schreiben, Lesen üben, Storyboard malen etc.). Somit kann man erst im späteren Projektverlauf auf die Unterstützung der Fachkräfte zurückgreifen und evtl. Kosten minimieren (im Falle einer Honorarkraft!).

Feedback

Die Kinder waren fast alle begeistert von der Arbeit mit Medien & Lego. Die Einführung als Ritter (über den Heimatverein) hat die Kinder von Beginn an in die richtige Arbeitsatmosphäre versetzt. Die Kinder freuten sich bei den jeweiligen Besuchen auf uns. Die Kinder äußerten sich bei den Auswertungsrunden jeweils positiv über die Möglichkeit, selbst an der Kamera, dem PC und dem Audioaufnahmegerät arbeiten zu dürfen.

Lego Trickfilm in der Medienpädagogik


Checkliste

Zeitraum:

  • vier bis zehn Projekttage

Raum:

  • Klassenraum und ein bis zwei Arbeitsräume
  • Klassenstufe: drei bis sechs

Gruppengröße:

  • acht bis 16 Teilnehmer

Rahmenbedingungen:

  • schulisch oder außerschulisch

nötige Vorkenntnisse:

  • medienpädagogische Grundlagen in der Trickfilm- und Audioarbeit

Technik:

  • DV-Kamera (wahlweise webcam oder Digitalkamera)
  • Stativ
  • PC oder Laptop (zwei bis vier Arbeitsplätze je nach Gruppengröße)
  • Verbindungskabel von PC zu Laptop (firewire, usb)
  • Audioaufnahmegerät (wahlweise PC Mikrofon)
  • Freeware für Trickfilm und Audioberabeitungsprogramm (z.B. TrickfilmCam und Audacity 2.0)
  • Geräusche CD / Soundpool

Materialien:

  • diverses Bastelzubehör wie Stifte, Papier, Kleber, etc. und
  • thematisch passendes Legospielzeug (von den Kindern mitbringen lassen!)

Links & Material

Ein empfehlenswertes kostenfreies Programm für die Audiobearbeitung: http://www.chip.de/downloads/Audacity_13010690.html


About

Oliver Stanislowski
Offener Kanal Merseburg-Querfurt e.V.
info@okmq.de
Www.okmq.de

Der Offene Kanal Merseburg-Querfurt e.V. ist eine Einrichtung zur Garantie der Meinungsvielfalt im Verbreitungsgebiet, der Förderung der Medienkompetenz der Nutzer und der Konzipierung und Durchführung medienpädagogischer Maßnahmen und Projekte. Der Schwerpunkt unserer Arbeit ist die handlungsorientierte Medienarbeit für diverse Zielgruppen. Dafür bieten wir Arbeitsgemeinschaften, Schulprojekte, Ferienaktionen, Lehrerfortbildungen, Projekte zum Jugendmedienschutz und vieles mehr!

Als Dipl. Kulturpädagoge arbeite ich seit mehreren Jahren sowohl als Medienpädagoge im Offenen Kanal Merseburg-Querfurt e.V. als auch freiberuflich für Träger aus der Jugend- und Erwachsenenbildung im Bereich der Medienpädagogik.
Dabei ist mir die Konzeptentwicklung, Projektdurchführung und Multiplikatorenschulung wichtig.