Linux (endlich) ausprobieren – Teil 1

Linux per Live-CD in der Medienpädagogik

"CD_2008060805" von 邪恶的正太 auf flickr.com

In den letzten Artikeln wurde auf verschiedene Programme eingegangen, die für Linux erhältlich sind und welche für die medienpädagogische Arbeit interessant sein könnten. Das Problem, dass sich einigen Leserinnen und Lesern gestellt haben dürfte war, dass nicht klar wurde, wie man die Software auf den Computer installieren kann.

Aus diesem Grund soll hier nun eine kleine Serie entstehen, welche die verschiedenen Möglichkeiten zur Installation von Linux auf dem eigenen Computer darstellen soll. Ziel ist es den Leserinnen und Lesern einen möglichst leichten Einstieg in die Linux-Welt zu geben. In dieser Ausgabe soll zunächst mit der einfachsten und auch sichersten Methode begonnen werden – die „Live-CD-Variante“.

Eine Anmerkung sei noch gestattet: die dargestellten Methoden richten sich zunächst an die Windows-Welt, da ich davon ausgehe, dass die meisten Leserinnen und Leser dieser angehören.

1. Live-CD

Die einfachste Variante, um sich Linux einmal „aus-der-Nähe“ ansehen zu können, besteht im Einsatz einer Live-CD. Eine Live-CD meint dabei eine CD oder DVD (aber auch USB-Stick oder Ähnliches) auf der ein komplettes Betriebssystem enthalten ist. Diese CD/DVD ermöglicht es eine Linux-Distribution auf Ihrem Computer auszuführen, ohne dieses jedoch installieren zu müssen. Das Betriebssystem (Live-CD) wird hierbei einfach in den RAM Ihres Computers geladen. Nach dem Ausschalten wird der Computer wieder in den Ausgangszustand gesetzt, sodass Sie wie gewohnt weiterarbeiten können. Zu beachten ist jedoch, dass dabei alle Änderungen die Sie in Linux vorgenommen haben verloren gehen – da sie ja nicht auf der Festplatte gespeichert wurden. Das gilt natürlich auch für angefertigte Dokumente und Ähnliches. Um diese Daten zu sichern empfiehlt es sich die Dokumente auf einen USB-Stick zu speichern. Besonders geeignet ist diese Methode für Interessierte die Linux nicht kennen und sich einen ersten Überblick verschaffen möchten.

Schematischer Ablauf: Linux per Live-CD starten (klicken für größere Ansicht)

Schematischer Ablauf um Linux als Live-Version zu testen

Wie gehen  Sie nun vor, wenn Sie Linux auf diese Weise „antesten“ möchten? Zunächst wählen Sie sich eine passende Linux-Distribution aus. Da sich im Internet viele solcher Distributionen tummeln, finden Sie im Anhang eine kleine Liste solcher Distributionen, die Ihnen die Auswahl erleichtern sollen.

Die gewünschte Distribution laden  Sie sich als ISO-File aus dem Internet und brennen diese. Zu beachten ist dabei, dass Sie in Ihrem Brennprogramm den Punkt „iso-datei-brennen“ (wahlweise CD/DVD-Abbild brennen) auswählen. Die gebrannte CD/DVD wird anschließend einfach in das Laufwerk eines Computers eingelegt und der Computer heruntergefahren. Beim nächsten Starten bootet der Computer von CD und startet als „Linux-Rechner“. (Hierfür ist es notwendig, dass der Computer so eingestellt ist, dass dieser von CD-ROM startet.) Manche Distributionen fragen Sie nach dem Booten ob Sie das System als Live-Version testen wollen, oder aber das Betriebssystem installieren möchten. Klicken Sie hier bitte auf Live-Version testen um Datenverluste an Ihrem System zu vermeiden. Hat der Computer das Betriebssystem gebootet, können Sie das System ausprobieren.

Diese Variante ist, nach meiner Meinung, die einfachste Möglichkeit  um sich einen Überblick zu verschaffen, da die Einstellungen des Computers nicht verändert werden und somit ein Datenverlust ausgeschlossen ist. Natürlich hat diese Methode aber auch Nachteile die nun besprochen werden. Das erste Problem besteht darin, dass der Nutzer keine Möglichkeiten hat weitere Programme zu installieren und diese zu verwenden. Dies hat einen technischen Grund: da das Betriebssystem nicht auf dem Computer installiert ist, können auch keine weiteren Programme hinzugefügt werden. Im Normalfall ist dies auch nicht nötig, da die meisten Linux-Distributionen eine große Anzahl an Software mitbringen, die zumindest für ein erstes Herantasten ausreichen sollten.

Des  Weiteren kann das Betriebssystem bei diesem Verfahren nicht seine volle Leistung entfalten, da immer wieder Daten vom CD-ROM eingelesen werden müssen – das macht das Betriebssystem langsamer als gewohnt – es sollte aber für einen ersten Test ausreichen.

Im Großen und Ganzen betrachtet, eignet sich diese Art der Arbeit mit Linux für erste Einblick e und Linux-Anfänger. Die Daten auf Ihrem Rechner sind geschützt und Sie können unbesorgt Linux testen. Nach einem Neustart (CD wieder entfernen!) des Computers ist dieser in dem von Ihnen gewohnten Zustand.

Anhang: Live-Distributionen

  • UBUNTU – Eine der derzeit bekanntesten und beliebtesten Distributionen. Ich nutze diese selbst und kann sie unbedingt weiterempfehlen. Gut auch für Einsteiger.
    http://www.ubuntu.com/desktop
  • KNOPPIX – Eine Distribution von Klaus Knopper.
    http://www.knopper.net/knoppix/index-en.html
  • SEMINARIX – Eine Distribution (nicht nur) für Lehrer und den Bildungsbereich. Leicht und intuitiv.  „Die Schule quasi in der Lehrertasche.“
    http://www.seminarix.org/files/download.html
  • Alle die sich als neues Hobby „Distributionshobbing“ ausgesucht haben können sich unter folgendem Link eine Vielzahl von Live-Distributionen herunterladen und diese ausprobieren.
    http://www.livecdlist.com/
Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Ronny Krug für medienpaedagogik-praxis.de
Ronny Krug Kurzbio
wohnt in Halle (Saale) und ist in der (aktiven) Medienarbeit und -weiterbildung tätig. Er studierte Sozialpädagogik an der FH Neubrandenburg sowie an der FH Erfurt und spezialisierte sich dabei auf Medienpädagogik. Seine Themenschwerpunkte liegen in den Bereichen Freie- und Open Source Software und Freie Bildungsinhalte (OER). Im Moment arbeitet er an seiner Promotion an der TU Dresden, zum Thema “Freie Bildungsinhalte und die Ökonomisierung des Bildungssystems".

4 Kommentare

  1. Ronny am 28.03.2011:

    Oder man nimmt den lernstick (http://www.imedias.ch/lernstick), das ist ein Live-System, dass man auch einfach auf einen USB-Stick installieren kann.

  2. Uwe am 29.03.2011:

    Hallo,

    von besonderem Interesse mit Blick auf Medienprojekte dürfte Ubuntustudio http://ubuntustudio.org/ sein: Eine Ubuntu-Distro, die eine Vielzahl an Werkzeugen für die Bearbeitung von Audio, Video, Foto, Print mitbringt. Die Package List ist umfangreich: https://help.ubuntu.com/community/UbuntuStudio/Applications
    Ob man alles wirklich braucht, sei dahingestellt 😉
    Nebenbei kommt die Distribution auch noch in einem sehr gefälligen und dennoch funktionalen Layout.

    Es gibt auch eine vergleichbare Distro auf Debian-Basis: http://www.64studio.com/ – die kenn ich aber nicht aus eigenem Erleben.
    Enjoy 🙂
    Uwe

  3. Tutorial: Linux ausprobieren und "nebeneinander installieren" per DualBoot-Option | Medienpädagogik Praxis-Blog am 04.04.2011:

    […] der vergangenen Ausgabe habe ich versucht den „Noch-nicht-Linux-Usern“ eine Möglichkeit vorzustellen wie man sich, […]

  4. Kerem G. am 24.05.2017:

    Hallo Herr Krug,

    herzlichen Dank für den informativen Artikel. Ich möchte aber eine kurze Anmerkung zu einem Satz in ihrem Betrag hinzufügen:

    „Das erste Problem besteht darin, dass der Nutzer keine Möglichkeiten hat weitere Programme zu installieren und diese zu verwenden.“

    Das ist leider so nicht ganz richtig. Es ist z.B. in Ubuntu (aktuell 17.04) und Derivate aktuell ohne weiteres möglich, in einer laufenden Live-Session Programme zu installieren. Dabei werden diese in den Arbeitsspeicher, bzw. in den (Ram-)Cache entpackt und können problemlos in der aktuellen Live-Session benutzt werden. Diese Programme gehen aber natürlich mit einem Reboot, bzw. Ausschalten des Computers wieder verloren.

    Herzlichst

    K.

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