Werkstätten zum Web 2.0

Werkstätten zur Medienpädagogik

In den Webhelm-Werkstätten produzieren Jugendliche verschiedenste Medienprodukte zu den Themenbereichen Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte im Web 2.0. Es können beispielsweise Videoclips, interaktive Fotostorys, Comics oder Audio-Beiträge entstehen.

Vorbereitung
Bei einem Vorbereitungstreffen mit den teilnehmenden Jugendlichen kann gegebenenfalls bereits geklärt werden, welche Web 2.0-Angebote sie kennen und nutzen, welche Fragen und Aspekte des Datenschutzes, des Urheberrechts oder der Persönlichkeitsrechte sie für wichtig halten und wo sie Informationsbedarf haben. Dazu können die Jugendlichen beispielsweise gegenseitig kurze Video- oder Audio-Interviews zu ihren Lieblings-Internetplattformen führen. Anhaltspunkte können die folgenden Fragen sein: Was ist deine Lieblingsplattform? Was machst du alles auf…? Was kann man da sonst noch machen? Was gefällt dir auf … am besten? Was findest du nicht so gut? Die Ergebnisse können anschließend in der Gruppe präsentiert und diskutiert werden.

Ablauf
Der genaue Ablauf der Webhelm-Werkstatt sollte an die Rahmenbedingungen der Zielgruppe sowie an ihre Bedürfnisse und Wünsche angepasst sein. Folgende Elemente bieten sich jedoch in allen Fällen an: Zu Beginn des Projekts können in der Gesamtgruppe thematische Inputs zu den Bereichen Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte im Web 2.0 eingesetzt und diskutiert werden. Dazu eignen sich beispielsweise Kampagnen-Videos von Klicksafe, Watch Your Web et cetera, aber auch humorvolle YouTube-Fundstücke oder Medienprodukte, die andere Jugendliche zu dem Thema erstellt haben. Das Ziel sollte hierbei eine diskursive Auseinandersetzung mit Chancen und Potenzialen sowie Risiken und Problembereichen des Web 2.0 sein. Dazu können beispielsweise in Kleingruppen oder Teamarbeit Plakate gestaltet oder kleine Szenarien und Planspiele gespielt werden.

In diesem Zusammenhang können die Jugendlichen gegebenenfalls auch recherchieren, welche Informationsmaterialien es zu den oben genannten Themenbereichen gibt. Beispiele davon können in der Gruppe besprochen und bewertet werden. Anschließend entwickeln die Teilnehmenden mit Unterstützung der Teamerinnen und Teamer eigene Projektideen und setzen sie im Verlauf des Projekts um. Denkbar sind kurze Videoclips, Audiobeiträge, interaktive Video- oder Fotogeschichten oder Comics. Handlungsleitend sind dabei die Prinzipien der themenzentrierten Aktiven Medienarbeit. Das heißt, die Jugendlichen nutzen die Medien aktiv und kreativ. Die Projektarbeit ist handlungsorientiert (‚learning by doing‘) und findet in Gruppen statt. Viele Probleme der Nutzung von Web 2.0-Angeboten wie etwa der Umgang mit der eigenen Privatsphäre oder dem Urheberrecht werden dabei sichtbar und verschiedene Handlungsoptionen werden praktisch angewandt.

Abschluss, Aufbereitung, Präsentation
Zum Abschluss der Webhelm-Werkstatt sollten die fertigen Produkte zunächst in der Gesamtgruppe präsentiert und mit den Teilnehmenden besprochen werden: Was finden die Jugendlichen gelungen an ihren Produkten? Was hätten sie gegebenenfalls anders machen wollen? Anschließend bietet sich auch eine Präsentation in einem größeren Rahmen an (Ausstellung in der Pausenhalle, Präsentation in der Schulaula et cetera), bei der die Teilnehmenden ihre Produkte anderen Jugendlichen vorstellen. Durch die Themenwahl der Webhelm- Werkstätten eignet sich aber auch das Internet ideal als Präsentationsraum. Wenn die Jugendlichen sich mit ihren Produkten identifizieren und stolz darauf sind, wollen sie diese beispielsweise häufig über ihre Facebook-Profile veröffentlichen und mit ihren Freundinnen und Freunden teilen. Außerdem können die Produkte auch auf der nicht-kommerziellen Projektwebseite www.Webhelm.de veröffentlicht werden. Dort haben die Teilnehmenden anderer Werkstätten die Möglichkeit, die Ergebnisse zu bewerten und zu diskutieren.

Exemplarischer Ablauf
Bei einem viertägigen Projekt mit Gymnasiastinnen und Gymnasiasten wurden beispielsweise drei kurze Audioclips zum Thema Urheberrecht mit dem Titel „Egal“ produziert (siehe www.Webhelm.netzcheckers. net/p3972101381_489.html). Zur Einführung in das Thema der Werkstatt spielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer zunächst ein Szenario durch: Sie sollten sich im Hinblick auf eine fiktive Ausschreibung Gedanken über eine für Jugendliche perfekte Online Community machen und ihre Ergebnisse anschließend vor den Auftraggebern – einer fiktiven Agentur, die sich aus den Teamerinnen und Teamern zusammensetzt – präsentieren. Dabei kam zur Sprache, was den Jugendlichen im Zusammenhang mit Communitys wichtig ist und wo sie Problembereiche sehen.

An mehreren Stellen wurde hier zum Beispiel das Urheberrecht im Zusammenhang mit Musik, Filmen und Games angesprochen. Die Jugendlichen diskutierten darüber, was legal und was illegal ist, inwiefern man welchen Personengruppen mit illegalen Downloads schadet und wie ausgeprägt das Unrechtsbewusstsein bei Jugendlichen ist.

Das genaue Thema und die Form des Medienprodukts wurden festgelegt, nachdem sich die Teilnehmenden verschiedene Videoclips, Comics und Fotostorys aus den vorhergehenden Webhelm-Werkstätten angesehen hatten. Anhand dessen sammelten die Jugendlichen Kriterien, die sie für ihr eigenes Produkt wichtig fanden. Beim Planen und Erstellen der Audioclips mussten sich die Teilnehmenden immer wieder mit Fragen des Urheberrechts beschäftigen. Welche Musik darf man beispielsweise verwenden, wenn die Clips veröffentlicht werden sollen? Wo findet man im Internet passende Hintergrundgeräusche, die eingebaut werden dürfen? Das Prinzip der Creative Commons-Lizenzen, das für die meisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer neu war, konnte hier praktisch angewandt werden.

Die fertigen Clips wurden schließlich im Rahmen einer Abschlusspräsentation den Mitschülerinnen und Mitschülern vorgestellt und im Anschluss an das Projekt auf unterschiedlichen Ebenen weitergetragen. Die Teilnehmenden konnten die Ergebnisse als Audiodateien mit nach Hause nehmen. Auf der Webhelm-Webseite wurden die Clips veröffentlicht und zur Diskussion gestellt. Außerdem kamen die Beiträge auch in darauffolgenden Projekten mit Jugendlichen sowie in Fortbildungen mit pädagogischen Fachkräften zum Einsatz.


Zielgruppe

  • Jugendliche
  • Fachkäfte

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Video
  • Audio
  • Web

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Webhelm-Werkstätten können sowohl mit Jugendlichen aus der Hauptschule als auch mit Gymnasiastinnen oder Gymnasiasten durchgeführt werden. Gute Erfahrungen wurden bisher mit Schülerinnen und Schülern der 7. und 8. Jahrgangsstufe gesammelt. Denkbar wären eventuell auch jüngere Zielgruppen, wenn diese bereits die entsprechenden Internetplattformen kennen und nutzen. Die Gruppengröße ist insofern variabel, dass bei der Erstellung der Medienprodukte immer Phasen der Gruppenund Teamarbeit eingeplant sind. Es sollten aber immer ausreichend viele Teamerinnen und Teamer im Projekt sein, so dass alle Kleingruppen gut betreut werden können. Die Zeitdauer eines Projekts richtet sich vor allem nach der Art des Produktes, das dabei entstehen soll. Soll eine Fotostory mit Comic Life entstehen, reichen für die Gesamtdauer der Werkstatt beispielsweise zwei Schultage. Für die Produktion eines Videoclips sollte dagegen mehr Zeit eingeplant werden. Die Werkstatt kann in dem Fall in einer zusammenhängenden Projektwoche durchgeführt werden oder auch an mehreren einzelnen Projekttagen, die über einen längeren Zeitraum verteilt sind.

Tipps & Tricks

Web 2.0-Angebote üben auf Jugendliche eine große Faszination aus. Dies bildet einen guten Ausgangspunkt, um mit ihnen über die Themen Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte ins Gespräch zu kommen und aktiv Medienprodukte zu erstellen. Durch die eigenen Erfahrungen der Jugendlichen mit Online- Communitys gibt es sehr konkrete Ansatzpunkte für die Arbeit am Thema und die Teilnehmenden können an vielen Stellen des Projekts eigene Expertise einbringen. Außerdem hat sich gezeigt, dass sich die in den Werkstätten erarbeiteten Produkte sehr gut als thematische Inputs und Diskussionsanreize in nachfolgenden Projekten eignen. Jugendliche diskutieren und bewerten Medienprodukte, die von anderen Jugendlichen erstellt wurden, mit großem Engagement. So loben oder kritisieren sie an den Ergebnissen aus den Webhelm-Werkstätten beispielsweise inhaltliche, dramaturgische oder medial- gestalterische Aspekte. Dies bietet eine hervorragende Grundlage, um Reflexionsprozesse zum eigenen Umgang der Jugendlichen mit Web 2.0-Angeboten und zu eigenen Projektideen anzustoßen.

Schwierigkeiten

Bei themenzentrierter Aktiver Medienarbeit mit Jugendlichen gilt es, das Thema und den Medieneinsatz gut zusammen zu bringen. Im Fall der Webhelm-Werkstätten besteht eine Herausforderung darin, den gestalterischen Ansprüchen, die man an aktives Produzieren mit Medien stellt, ebenso gerecht zu werden wie dem projektspezifischen Anspruch, es den Jugendlichen zu ermöglichen, eigene Fragen zu den Themenbereichen Datenschutz, Urheberrecht und Persönlichkeitsrechte offen zu stellen. Hierbei sollten Handlungssituationen geschaffen werden, in denen die Jugendlichen sich möglichst aus Eigeninteresse mit den Projektinhalten beschäftigen, damit sich die Aussagen der Medienprodukte nicht auf sozial erwünschte Handlungsempfehlungen oder regelhaftes Wissen beschränken.

Zudem müssen sich die Projektdurchführenden im Rahmen der Webhelm-Werkstätten Gedanken dazu machen, wie man mit der Öffentlichkeit des Internets einerseits und mit pädagogischen Schutzräumen andererseits umgeht. Eine Möglichkeit besteht darin, interne, geschlossene Projekträume im Internet für die Teilnehmenden der Werkstätten einzurichten. Dort können beispielsweise Dokumentationsfotos oder ‚unfertige‘ Produkte online zugänglich gemacht werden. Die Ergebnisse der Werkstatt werden jedoch in öffentlichen Präsentationsräumen zur Diskussion gestellt.

Feedback

Das Feedback der Projektteilnehmenden an den Webhelm-Werkstätten war insgesamt sehr positiv. Vor allem die älteren Teilnehmenden brachten gerne ihre eigenen Erfahrungen mit Online-Communitys ins Projekt ein. Bei den jüngeren Zielgruppen beginnen viele sich erst für Web 2.0-Angebote zu interessieren und hatten dementsprechend noch nicht so viele Erfahrungen mit Aspekten des Datenschutzes oder des Persönlichkeitsrechts im Internet gesammelt. Über alle Altersstufen hinweg war jedoch zu beobachten, dass es für die Jugendlichen motivierend sein kann, eigene Inhalte fürs Web 2.0 zu produzieren.

Da die Medienprodukte explizit zur Veröffentlichung im Internet gedacht sind, waren die Produzentinnen und Produzenten beispielsweise daran interessiert, diese möglichst gut zu gestalten. Bei der Auseinandersetzung mit Produkten aus anderen Werkstatt-Gruppen zeigten sich die Jugendlichen sehr diskussions- und kritikfreudig. Da die Projektergebnisse der Jugendlichen im Internet mit professionell erstellten Medienprodukten konkurrieren, ist der Anspruch der Jugendlichen an ihre eigenen Produkte und an die von anderen sehr hoch.

Werkstätten im Web2.0  in der Medienpädagogik


Checkliste

Raum und Zeit

  • ausreichend großer Gruppenraum sowie ggf. weitere Räume für Kleingruppenarbeit
  •  Zugang zu internetfähigen Computern in ausreichender Anzahl
  • je nach Medienprodukt zwei bis fünf Projekttage.

Gruppengröße

  • Acht bis zwölf Jugendliche und zwei medienpädagogische Teamerinnen und Teamer (Bei einer Schulklasse sollten Kleingruppen gebildet werden) Anforderungen an die Durchführenden
  • Hintergrundwissen zum Medienumgang der jugendlichen Zielgruppe
  • mit Web 2.0-Angeboten vertraut sein, die Jugendliche gerne nutzen
  • mit Aspekten des Datenschutzes, des Urheberrechts und des Persönlichkeitsrechts im Internet vertraut sein (Creative Commons, Recht am eigenen Bild et cetera)

benötigte Hard- und Software:

  • mehrere Computer mit Internetzugang
  • Beamer, Leinwand
  • Plakate, Moderationskärtchen, Stifte

Bei Comics/Fotostorys:

  • Digitale Fotokameras
  • mehrere Computer mit Comic Life, Power Point oder Mediator

Bei Videoclips:

  • Digitale Videokameras
  • mehrere Computer mit Videoschnitt Software
  • mehrere Kopfhörer

Bei Audiobeiträgen:

  • Digitale Audio-Aufnahmegeräte
  • mehrere Computer mit Audio- und/oder Videoschnitt-Software
  • mehrere Kopfhörer

Links & Material

www.webhelm.de

Die Projektwebseite hält in der Rubrik ‚Materialpaket‘ ausführliche Hintergrundinformationen und methodische Anregungen für pädagogische Fachkräfte bereit. Außerdem finden sich dort auch Beispiele für Medienprodukte, die in Webhelm- Werkstätten entstehen können.


About

Name Peter Gerlicher
Institution JFF – Institut für Medienpädagogik
E-Mail Peter.Gerlicher@jff.de
Homepage www.jff.de
www.Webhelm.de

Das JFF – Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis wurde 1949 gegründet und befasst sich seither in Forschung und pädagogischer Praxis mit dem Medienumgang der heranwachsenden Generation. Ein Spezifikum des JFF ist die Verknüpfung von Forschung und Praxis: Die Ergebnisse der Forschung sind Grundlage für pädagogische Modelle in der Erziehungs-, Bildungs- und Kulturarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Aus der pädagogischen Praxis wiederum erhält der wissenschaftliche Bereich wichtige Impulse.

Peter Gerlicher: Nach dem Studium des European Master of Arts in Media, Communication and Cultural Studies an der Universität Kassel und am Institute of Education, University of London seit 2010 als wissenschaftlicher Mitarbeiter in der Forschungsabteilung des JFF tätig. Im Rahmen dieser Tätigkeit unter anderem mit der wissenschaftlichen Begleitung von medienpädagogischen Modellprojekten befasst. Ein thematischer Arbeitsschwerpunkt ist der Umgang Jugendlicher mit Web 2.0-Angeboten.

 

Creative Commons-LizenzDieser Artikel steht unter der Creative Commons Attribution-ShareAlike 3.0 Germany Lizenz. Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de
GastautorIn
Verfasst am 05.12.2012

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