Plakate gestalten

"Plakate gestalten in der Medienpädagogik" Vorbereitung
Eine Reihe gestalterisch guter Plakate und außergewöhnlicher Schriften (dafont.com) wird zur Einführung zu Demonstrationszwecken gesammelt und bereitgestellt. Ein Arbeitsblatt mit Grundregeln für die Gestaltung von Plakaten in kurzen Merksätzen wird erstellt. Sollen die Plakate zu einem gemeinsamen Thema erstellt werden, wird ein einfaches zweifarbiges Logo zu diesem Thema entwickelt und als Datei (Vektorgrafik) bereitgestellt. Auf den PCs wird Inkscape (OpenSource-Desktop-Publishing Programm) installiert.

Durchführung
1. Arbeitsphase. Gemeinsam werden Merksätze zur Gestaltung von Plakaten anhand von Beispielen für gute/schlechte Plakate am Beamer erarbeitet (30 min). Alternativen: Teilnehmende gehen in die Stadt und fotografieren gute/schlechte Plakate, die im Anschluss präsentiert und diskutiert werden. An diesen Beispielen werden Regeln für gute Plakatgestaltung erarbeitet. Die Teilnehmenden erhalten im Anschluss das Arbeitsblatt mit den Merksätzen zur Plakatgestaltung.Aufgabe für alle ist es, sich in einer Kleingruppe einen der Merksätze auszuwählen und dazu ein Plakat zu gestalten. Wahlweise kann ein anderes Thema vorgegeben oder in der Gruppe abgestimmt werden.

2. Arbeitsphase. Die Teilnehmenden üben den Umgang mit dem Layoutprogramm Inkscape. Dabei gestalten sie farbige Flächen und binden Schrift und Fotos ein (30 min). Hierzu kann Übungsmaterial vorbereitet und vorgegeben werden. Probleme werden gelöst und besprochen. Ideen werden in Kleingruppen entwickelt.

3. Arbeitsphase. Den Teilnehmenden wird am Beispiel von dafont.com oder anhand vorgegebener Schriftbeispiele gezeigt, dass Schriften ein wichtiges Mittel der Gestaltung sind. Sie laden eine Schrift herunter, entpacken sie und binden sie in das System ein (30 min).

4. Arbeitsphase: Im Anschluss haben die Teilnehmenden Zeit, nach gewissen Vorgaben ein Plakat zu entwickeln und in Inkscape umzusetzen. Vorgaben können sein: Plakat nicht kleiner als A3, kein weißer Hintergrund, das Logo muss verwendet werden (1 Stunde).

5. Arbeitsphase: Anschließend werden die Plakate ausgedruckt und besprochen.

Hauptziele
Spaß an Gestaltung, Selbstwirksamkeit, Handlungskompetenz, Kenntnis gestalterischer Regeln und Verfahren und Anwendung, Rechte an Fotos, Recherche nach Schriften, Umgang mit einen Desktop Publishing-Programm.

Plakate sind erst richtig gut, wenn sie groß sind und ausgedruckt werden. Auf die Idee zu diesem Projekt kam ich, weil wir an der Hochschule hervorragende Großformatplotter haben, die von unseren Studierenden nicht genutzt wurden. Alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer gehen mit einem Plakat mindestens in A1-Größe nach Hause. Die Plakate werden in der Hochschule aufgehängt. Und der zukünftige Wandschmuck für die WG-Küche ist sichergestellt.


Zielgruppe

  • Jugendliche
  • Fachkäfte
  • SeniorInnen
  • Intergenerativ
  • Inklusiv

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Classic

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Die Komplexität des Projekts ist sehr variabel, da sich in allen Phasen die Vorgaben einschränken lassen und das Anforderungsniveau variabel gestalten lässt. Für Kinder kann man das Projekt mit Powerpoint als Layoutprogramm und einer Auswahl vorgegebener Schriften (evtl. sogar schon vorinstalliert) und Fotos durchführen. Steht mehr Zeit zur Verfügung, lässt sich das Projekt mit einer Phase der Sozialraumerkundung mit der Kamera verbinden: gute und schlechte Fotos in der Stadt suchen und in der Gruppe präsentieren.

Je nach Anspruch kann auch mehr oder weniger Einführung in Typografie und die Geschichte und Anmutung verschiedener Schriften eingebaut werden. Beispiele für außergewöhnliche Schriften und Schriften, die so eingesetzt werden, dass die Anmutung nicht zum Inhalt passt, kommen gut an und fördern die schon vorhandenen medienkritischen Kompetenzen. Auch kann man nach aktuellen Schriften suchen lassen. Der Umgang mit den einfachen Funktionen von Inkscape ist allen, die mit Powerpoint vertraut sind, meist unmittelbar geläufig.

Der Anspruch an die Software lässt sich beliebig reduzieren (PowerPoint) oder steigern bis zu professionellen Programmen. Das Plakat kann Fotos beinhalten. Fotos können im Internet gefunden werden, allerdings stößt man dabei auf das Thema Rechte. Das Thema Fotos im Netz, Bilderdatenbanken/Rechte an Fotos kannnebenbei oder als separate Einheit thematisiert werden. Wie bei allen Kreativprojekten sind Einschränkungen der Gestaltungsfreiheit sehr sinnvoll, denn sie regen die Kreativität an. So kann man die Größe und Seitenausrichtung des Plakats oder die Hintergrundfarbe (keinesfalls weiß!) oder Schriften vorgeben, man kann Weiß und Schwarz verbieten, oder gemeinsame Gestaltungsmerkmale verbindlich vorgeben. Wie etwa das Logo, das an einer bestimmten Position erscheinen muss, oder eine bestimmte Raumaufteilung.

Tipps & Tricks

Viele Teilnehmende sind dankbar dafür, die wichtigsten Grundregeln der Plakatgestaltung in wenigen griffigen Merksätzen zu bekommen, um die immer wiederkehrenden Fehler zu vermeiden. Sie bekommen etwa ein Dutzend Merksätze in kurzen Sätzen und setzen einen davon in Form eines Plakats um. Ein Beispiel ist „Lieber klotzen statt kleckern.“ (Ein Plakat sollte lieber aus wenigen klaren Elementen als aus vielen kleinen Einzelheiten bestehen.) Weitere Sprüche zur Plakatgestaltung sind: „Ordnung ist das halbe Leben“, „Die Verpackung muss zum Inhalt passen“, „Lass den Edding daheim“, „Besser ins Auge stechen als …“

Begonnene Projekte lassen sich zu Hause fortsetzen, wenn nur Open Source Software verwendet wird. Für Studierende bietet sich das an, um ihnen Zeit zu geben, sich je nach Anspruch tiefer in die Software einzuarbeiten und mehr Zeit für die Ausarbeitung zu verwenden. Die Recherche nach Schriften kann unterschiedlich viel Zeit in Anspruch nehmen. Ich habe auch schon Gruppen erlebt, die so begeistert von dem Fundus an Schriften waren, dass sie damit drei Stunden verbracht haben.

Schwierigkeiten

Wenn Teilnehmende anspruchsvolle Plakate erarbeiten wollen, reicht die angegebene Zeit von drei Stunden nicht aus. Plakate wurden nicht ausgedruckt, weil Teilnehmende mehr Zeit in Anspruch nehmen wollten, um sie fertig zu stellen.

Feedback

Die Teilnehmenden stellen fest, dass sie mit wenigen Regeln in kürzester Zeit Ihre Fähigkeiten, Plakate zu entwickeln, erheblich verbessern. Der Zuwachs an Kompetenz macht Freude, die Offenheit des Projekts macht Spaß.


Checkliste

  • Mindestens drei Stunden Zeit
  • Maximal 25 Teilnehmende
  • mehrere Computer mit Layoutprogramm
  • Beamer
  • Internetzugang
  • Drucker (am besten Farbe A3 oder größer)
  • vorbereitetes gemeinsames Logo als Datei
  • vorbereitetes Arbeitsblatt mit Grundregeln der Plakatgestaltung
  • Demobeispiele für gute Plakate
  • Demobeispiele für Schriften

Links & Material

Khazael, Cyrus D. (2001). Crashkurs Typo und Layout. Reinbek b. Hamburg: Rororo.

Video: Geschichte der Typografie (www.youtube.com/watch?v=VEFjzBjqgz4)


About

Prof. Dr. Roland Bader
HAWK, Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim Holzminden Göttingen
bader@hawk-hhg.de
www.medialeproduktion.de

Prof. Dr. Roland Bader
Jahrgang 1958, Diplompsychologe. Seit 2003 Professor an der Fakultät Management, Soziale Arbeit, Bauen der HAWK Hildesheim Holzminden Göttingen. Schwerpunkte: Medienpädagogik, Medienwissenschaft und Mediengestaltung, Kommunikation, Sozialpsychologie, Gestaltberatung, Didaktische Konzepte zu E-Learning. Seit 1987 tätig als Medienpädagoge in der Jugendkulturarbeit, Jugendhilfe mit benachteiligten Jugendlichen und Erwachsenenbildung beim Medienzentrum PARABOL/Nürnberg, am Wissenschaftlichen Institut des Jugendhilfswerks Freiburg und in der Leitung des Weiterbildungsprogramms „Menschen am Computer“ im Studienzentrum Josefstal.

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