ePartizipation als neue Möglichkeit der medialen Beteiligung von Jugendlichen

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Der Begriff der Partizipation ist im sozialen Bereich seit vielen Jahren ein wichtiges Schlagwort. Besonders die Jugendarbeit profitiert mittel- und langfristig von der Beteiligung Jugendlicher an Planungs- und Durchführungsprozessen. Zum einen ist ebenso gewährleistet, dass sich Handlungsstrategien nah an der Lebenswelt betroffener Jugendlicher befinden, zum anderen wird so eine verbindliche Glaubhaftigkeit geschaffen, die Jugendliche weiterhin motiviert, an Projekten teilzunehmen.

Durch die mediale Entwicklung der letzten Jahre hat sich nicht nur unser konsumierendes und produzierendes Verhalten verändert – es ist eine komplett neue Form der Kommunikationskultur entstanden. Medien wie soziale Netzwerke, Blogging- und Microblogging Dienste, aber vor allem auch immer mobiler werdende Hardware (Smartphones, Tabletts, Netbooks) prägen unser kommunikatives Verhalten und ermöglichen eine völlig neue Form der (e)Partizipation. Um sich an einem Entscheidungsprozess zu beteiligen, ist es nicht mehr zwingend erforderlich, an einem bestimmten Termin an einem bestimmten Ort zu sein. Gezielt eingesetzte Medien ermöglichen Jugendlichen eine orts- und zeitunabhängige Möglichkeit, ihren Beitrag zu einem bestimmten Prozess zu leisten.

Der Einsatz von Weblogs

Ein schönes Beispiel für eine ernstgenommene Beteiligung von Jugendlichen ist das Projekt „WahlkreisTACKtiker“ des Vereins Politik zum Anfassen e.V. in Hannover. Schülerinnen und Schüler agieren als Politikberater, recherchieren zu ausgewählten Themen und unterbreiten der Bundestagsabgeordneten Kerstin Tack in einem WordPress Blog multimediale Vorschläge, deren Umsetzung ebenso dokumentiert werden. Für Jugendliche, die politisch aktiver werden wollen, wurde das Planspiel „Pimp your Town“ konzipiert. Einmal im Jahr schlüpfen hannoveranische Schülerinnen und Schüler an verschiedenen Orten in die Rolle von Ratsmitgliedern, beraten analog zur Ratsarbeit und treffen Entscheidungen, die dem wirklichem Rat als Drucksache vorgelegt werden. Monika Dehmel, die Projektleiterin von Politik zum Anfassen e.V. meldet zurück, dass ein sehr großer Prozentsatz der Kommunalpolitiker die direkte Arbeit mit den Jugendlichen als äußerst positiv bewertet, allerdings ist in ihren Projekten eine ständige und qualifizierte Begleitung der Jugendlichen absolut notwendig.

Facebook-Seiten

Qualifizierte Begleitung als Basis der Beteiligung. Diese Einschätzung teilt auch Tilmann Pritzens, Streetworker bei Gangway e.V. in Berlin-Marzahn. Obwohl dort die Social Media Dienste überwiegend zur Kontaktpflege und Beratung genutzt werden, finden auch kollaborative und partizipative Angebote statt. „Oft wird der Fehler gemacht, dass Handlungsstrategien ohne Mitwirkung der Betroffenen beschlossen werden. Die Beteiligung ist zwar mühsam, aber darüber hinaus sehr fruchtbar und wertvoll“ so Pritzens. Aktuell arbeitet das Team Marzahn mit den Jugendlichen unter anderem über eine Facebook Seite mit an der Zukunft des Skateparks in Marzahn. „Wichtig ist es, die Kommunikationswege der Jugendlichen zu wählen, nur so erreichen wir die Menschen wirklich dort, wo sie sich befinden“ argumentiert der Streetworker.

Stadt-Wikis

In gleich mehreren Projekten zeigt medien+bildung.com, wie Jugendgruppen einer ganzen Stadt sich langfristig beteiligen können. LudwikishafenGerpedia und Speyerpedia sind Stadt-Wikis, also Online-Nachschlagewerke wie Wikipedia, die allerdings ausschließlich von Kindern und Jugendlichen betrieben werden. Durch diese Wikis können Schülerinnen und Schüler ihre Stadt aus ihrer Sicht präsentieren, sei es durch Textbeiträge, Audiodateien, Videointerviews etc. Genau wie bei Wikipedia kann sich jedes Kind und jeder Jugendlicher dort anmelden und neue Beiträge verfassen, verändern und kommentieren.

Portale

Nicht nur die Mitarbeiter des Kreisjugendrings, des Jugendamtes und des Medienzentrums Parabol in Nürnberg, sondern auch viele Jugendliche wünschen sich eine Möglichkeit, ihre Wünsche und Bedürfnisse mitzuteilen und sich an wichtigen Prozessen zu beteiligen. Mit dem Online Portal „laut“ werden vier Module der Mitwirkung angeboten, die sich an den Interessen und Lebenswelten Jugendlicher ganzheitlich orientieren. Kleine, stadtteilorientierte Beteiligungsprojekte holen die Jugendlichen direkt vor Ort ab, selbst-produzierte Politsendungen mit dem Franken Fernsehen schaffen eine öffentlich wahrnehmbare Jugendlobby. Diskutiert, artikuliert und gesammelt werden jugendspezifische Themen auf der online Plattform und einmal im Jahr stehen Politiker den Jugendlichen im Forum live Rede und Antwort. In diesem Projekt werden digitale Kommunikationsmöglichkeiten als Ergänzung einer ganzheitlichen Jugendbeteiligung eingesetzt.

Was braucht also eine erfolgreiche ePartizipation?

EPartizipation ist, und das zeigen alle genannten Projekte, ein dynamischer und interaktiver Prozess. Es reicht jedoch in aller Regel nicht aus, Jugendlichen lediglich das Medium der Beteiligung zur Verfügung zu stellen. Nur durch eine konstante und vor allem qualifizierte Begleitung gelingt auch eine nachhaltige Beteiligung. Das bedeutet, dass auch erwachsene Bezugspersonen in ihrer eigenen Medienkompetenz gestärkt werden müssen. Es reicht zudem nicht aus, die Motivation zur Beteiligung nur bei Jugendlichen zu wecken, auch Institutionen, Einrichtungen und Behörden, sowie deren Vertreter und Ansprechpartner müssen ihre Haltung verändern und eine ernstgemeinte Partizipation überhaupt erst zulassen. Ernstgemeint auch in dem Sinne, dass Social-Media Dienste und Web 2.0 Angebote ihren Hype-Status loswerden und als normale Mittel einer sich ständig ändernden Kommunikationskultur und Lebenswelt angesehen werden.

 

Diese(s) Werk bzw. Inhalt von Tobias Albers-Heinemann steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Keine Bearbeitung 3.0 Deutschland Lizenz und wurde zuerst im Dialog-Internet veröffentlicht.
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Weitere Projekte gesucht:

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