Hoffotografie im Journalismus

Medienkritik und Medienkunde zu Bildjournalismus in der MedienpädagogikMedienkritik und Medienkunde sind wichtige Teilaufgaben der Medienpädagogik für mehr Medienkompetenz, die umso wichtiger werden, je weiter der Journalismus auf dem Rückzug ist. Meiner Meinung nach gibt es aktuell eine Tendenz im Bildjournalismus, die ein hervorragender Anlass ist, mit Jugendlichen über die Entstehungszusammenhänge zu diskutieren: offensichtlich inszenierte Bilder von PolitikerInnen, die für mich die Grenze zur Hoffotografie ganz klar überschreiten.

Das hervorstechendste Beispiel liefert Verteidigungsminister Guttenberg mit Bilderserien aus Afghanistan: In einem dpa-Pressefoto, das auch die Bundesregierung weitergibt, steht er in bestem Licht mit knitterfreiem Anzug im Truppentransporter wie andere in der Straßenbahn zur Arbeit. Andere Bilder zeigen ihn mit RayBan-Brille wie einen TopGun-Piloten.

Ähnlich titelt die FAZ zur Amtsübergabe im Jugendministerium mit einem Bild der Ministerinnen, das so eher in ein kitschiges Familienalbum passen würde:

Bei den Bildern drängen sich meiner Meinung nach kritische Fragen geradezu auf: Wer hat dieses Bild für wen gemacht? In welcher Situation ist es entstanden? Inwiefern ist es inszeniert oder realitätsnah? Wie wirkt es? Was ist die Aussage? Wieso wird das Bild auf der Titelseite abgedruckt? Handelt es sich um einen Agentur- oder eigenen Beitrag der Zeitung? Was sind die Entstehungszusammenhänge von Titelmeldungen? Die Antworten bringen uns schnell in die Kernbereiche von Medienkunde und -kritik. Inspirierend hierbei kann ein Interview mit dem Fotografen Oliviero Toscani über Realität und inszenierung in der Pressefotografie sein.

Welche ähnlichen Pressebilder und weiteren Beispiele kennen Sie? Ergänzen Sie einfach mit einem Kommentar.