Ethische Fragen, Medien und Digitalisierung – Kreatives Schreiben zum Thema „digitale Dystopie“

Foto: Vom Kameramann zum Kameraroboter. (nicht unter freier Lizenz)

Im Folgenden wird eine Lernaktivität beschrieben, bei der sich die Teilnehmenden auf kreative Art und Weise mit ethischen Fragen und Digitalisierung auseinandersetzen. Sie beziehen sich auf vorhandene gesellschaftliche Problembereiche und entwerfen narrativ ein Negativszenario für das Jahr 2030. Auch Erfahrungen mit Spielfilmen und Romanen zu Digitalisierungs- und Robotikthemen könnten dabei aufgegriffen werden. Zielgruppe sind Jugendliche und Erwachsene in verschiedenen pädagogischen Kontexten.

Folgende Lernziele sind mit der Aktivität verbunden:

  • medien- und digitalisierungskritisches Bewusstsein entwickeln;
  • eigene Erfahrungen mit Robotern (z. B. Staubsaugerroboter, Spielroboter) mit einer gesellschaftlichen Perspektive verbinden;
  • ethische Fragen (s. unten) kennen und sich selbst positionieren können;
  • ein Bewusstsein für die „historische Gemachtheit“ von Technik (durch den Menschen) entwickeln; 
  • Verantwortung gegenüber den kommenden Generationen erkennen bzw. übernehmen;
  • eigene Mitverantwortung an digitalen Entwicklungen bewusst machen (heute werden die Weichen für morgen gestellt); 
  • Bewusstsein für Technikfolgenabschätzung entwickeln;
  • Geschichten schreiben lernen;
  • das literarische bzw. filmische Genre der Dystopie kennen lernen;
  • eigene Medienerfahrungen (z. B. Spielfilm Blade Runner, Serie Real Humans, Black Mirror, Roman Quality Land) reflektieren und literarisch-produktiv verarbeiten können.

Aufgabenstellung:

Lesen Sie die Fragen zu Medienethik (hier auf dem Blog steht eine PDF zum Download zur Verfügung). Entwickeln Sie im Rahmen einer Kurzgeschichte ein Negativszenario (eine Dystopie) für das Jahr 2030, das Sie gerne vermeiden möchten. Lassen Sie sich von den Fragen, aber auch von Filmen und Romanen inspirieren (vgl. Blade Runner, Black Mirror, Better than Us, Love, Death & Robots, Ex Machina, Real Humans, Her, Aldous Huxley: Brave New World, George Orwell: 1984, Marc-Uwe Kling: Quality Land, Marie Darrieussecq: Unser Leben in den Wäldern, Sibylle Berg: GRM, Ian Mc Ewan: Maschinen wie ich).

Sie können die Beispielgeschichte (hier auf dem Blog steht eine PDF zum Download zur Verfügung) am Ende als Inspiration verwenden. Wichtig ist aber, dass Sie Ihren eigenen Stil finden. In vielen gesellschaftlichen Kontexten stellt sich die Frage, welche Art von digitaler Zukunft wünschenswert ist und wie menschliche Werte und Lebensqualität erhalten werden können. Zum einen erfordern neue digitale Phänomene ethische Reflexion und Aufarbeitung, zum anderen ist ethische Reflexionskompetenz entscheidend, um digitale Wandlungsprozesse gestalten zu können und bestimmte negative Szenarien zu verhindern. Daher ist es wichtig, Wertefragen stärker in die Ausbildung von pädagogischen Fachkräften zu integrieren. Die Medienpädagogik mit ihrer medienkritischen Denk- und Handlungstradition im Sinne von Dieter Baacke kann hier einen wertvollen Beitrag leisten. Eine intensive Auseinandersetzung mit ethischen Problemdimensionen und medialen Beispielen erfordert Zeit. Dies gilt ebenso für das kreative Schreiben.

Eine Variante könnte darin bestehen, eine Selbstlernphase einzubauen, in der Teilnehmende sich eigenständig mit ethischen Themenfeldern und medialen Texten (z.B. Blade Runner) beschäftigen können. Bei beschränkten Zeitressourcen könnte auch eine Eingrenzung bzw. Vorauswahl der ethischen Fragen helfen.

Die unterstützenden Materialien stehen hier auf dem Blog als Download zur Verfügung und stehen unter der Lizenz CC BY 4.0 (Peter Holzwarth muss als Urheber genannt werden):

  1. Fragenkatalog
  2. Beispielgeschichte

Im Jahr 2018 wurde das Konzept mit Studierenden der Pädagogischen Hochschule Zürich erprobt. Sie besuchten die Veranstaltung „Medien und Informatik“, in der sie unter anderem auch das Programmieren mit Scratch und das Arbeiten mit Roboterlernumgebungen kennenlernen konnten. Ich danke Tobias Schifferle und Bettina Waldvogel für spannende Erfahrungen und Inspirationen im Schnittfeld Medien und Informatik.