Plattformen für Spiele-Entwicklung

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Photo by Caspar Camille Rubin on Unsplash

Digitale Spiele sind ein Dauerbrenner. Natürlich muss und wird das Thema aufgegriffen. Das kann verschiedentlich gemacht werden. Eine beliebte Herangehensweise ist die der aktiven Medienarbeit. Dabei geht es um’s Selbermachen, selbst kreativ werden und selbst Spiele entwickeln. Dafür gibt es eine Reihe toller Plattformen, die sich dafür eignen. Bei Facebook ist eine Sammlung entstanden (siehe Anmerkungen), die mich dazu veranlasst hat, diese in das freie Internet zu übertragen. Nachfolgend kommt nun eine Reihe von Apps, Webseiten, Diensten, Anbietern und Plattformen, mit denen Kinder und Jugendliche selbst Spiele entwickeln können. Nicht alles davon habe ich im Detail geprüft, sodass hier jeder für sich auch überlegen muss, ob er z.B. einen kommerziellen Anbieter einsetzen möchte oder nicht.

Mir persönlich gefällt an der aktiven Herangehensweise ist, dass viele Fragen rund um das Spiel thematisiert werden können. Es geht um Schwierigkeitsgrade und Spielspaß, Ästhetik, Grafik, Inhalte (bei Spielen, die eine Geschichte ermöglichen), Finanzierungsmodelle und alles, was auch für den Bereich Jugendmedienschutz relevant ist. Meine Erfahrung ist, dass die Teilnehmenden auch von den eigenen Spielen und damit verbundenen positiven wie negativen Erfahrungen berichten und man dadurch auch eine tolle Gesprächsgrundlage hat.

Scratch

Dazu braucht ich denke ich nicht viele Worte verlieren, Scratch dürfte den meisten ein Begriff sein. Mit Scratch lassen sich Spielen, Animationen und Geschichten entwickeln. Infos dazu gibt es hier im Blog.

Plattform: Browser, ScratchJr für iOS & Android
Kosten: Keine

Draw Your Game

Das Spielprinzip steht schon im Namen: Zeichne dein Spiel. Hier werden die Levels auf ein Blatt gemalt und mit der App gescannt, um sie anschließend zu spielen. Bevor das gemacht werden kann, müssen ein paar Levels gespielt werden, um den Aufbau zu verstehen. Es gibt 2 Spielmodi. Bei „Flucht“ muss der Spieler das Level durchlaufen. Bei „Zerstörung“ müssen blaue Blöcke in rote gestoßen werden, um sie zu zerstören. Zu Draw Your Game gibt es auch hier im Blog Infos.

Plattform: Android, iOS & Steam
Kosten: bis zu 5€

Bloxels

Damit können Jump’n’Run Spiele erstellt werden. Die Levels setzen sich aus quadratischen Räumen zusammen, von denen jeder mit farbigen Blöcken bestückt werden kann. Jede Farbe steht für eine Funktion. Zum Beispiel ist Grün die Erde/Spielfläche, Rot ist Gefahr, Lila sind die Gegner oder Gelb sind Münzen. Auch Bloxels wurde hier im Blog bereits erwähnt.

Quelle: Presskit Pixel Press Technology, LLC

Die Räume gibt es auch als reale Plattform, genannt „Game Board“. Damit können Levels, Hintergründe, Gegner, Spielfiguren und Landschaften erstellt werden. Anschließend werden diese über die App gescannt und können gespielt bzw. genutzt werden. Das Spielbrett ist inzwischen günstig für 18 Euro bei Amazon (und wohl nur dort?) zu bestellen.

Levels, Gegner und Figuren etc können auch ohne das Game Board erstellt werden. Persönlich empfinde ich das bauen mit dem Game Boards schöner, da ich das Level oder die Figur mit den Händen erstelle und auch anfassen kann. Persönliche Erfahrung aus Workshops mit 8 – 14 Jährigen: je älter die Teilnehmenden sind, desto uninteressanter ist das Game Board.

Was ich gerne mit Gruppen mache, ist eine Game Challenge. Wir geben uns ein Zeitlimit (z.B. 45 Minuten), in dem ein Spiel mit bestimmten Kriterien (16 Münzen, keine Gegner) erstellt werden muss. Anschließend werden die Level gegenseitig gespielt und eine Rangliste erstellt (wer hat alle Münzen wer war am schnellsten…).

Plattform: Android, iOS
Kosten: Keine, das Gameboard kostet allerdings 18 Euro.

GB Studio

Hiermit lassen sich Retro Adventure Spiele erstellen. Das Spiel kann dann z.B. im Browser oder auch auf einer Spielkonsole (z.B. dem RetroPie) gespielt werden. Es steht nur in englischer Sprache zur Verfügung.

Plattform: Windows, macOS, Linux
Kosten: Keine.

Bitsy

Beschreibung von der Webseite: „Bitsy ist ein kleiner Editor für kleine Spiele oder Welten. Ziel ist, möglichst einfach Spiele machen zu können, in denen man umherlaufen, mit Figuren reden und sich irgendwo wiederfinden kann.“

Plattform: Browser
Kosten: Keine.

Twine

Mit diesem Tool können interaktive Textadventures erstellt werden. Zu Twine gibt es bereits 2 ausführliche Blogartikel von 2016, auf die ich an der Stelle verweise.

Plattform: Windows, macOS, Linux, Browser
Kosten: Keine

MiniWorldMaker

Der MiniWorldMaker richtet sich an alle, die sich mit Python und der Bibliothek pygames auseinandersetzen möchten. Hier kann nebenher gleich auch spielerisch Python gelernt werden. Mit der Software lassen sich kleine 2D Welten und auch Spiele erstellen. Vom Entwickler gibt es ein ausführliches Tutorial in deutscher Sprache.

Plattform: Python via PIP (Windows, Linux, macOS)
Kosten: Keine.

Game Builder

Der Game Builder kommt aus dem Hause Google und kann kostenlos über Steam bezogen werden. Hier soll es ganz ohne programmieren, rein über Drag & Drop möglich sein, 3D-Welten zu erschaffen.

Plattform: Steam
Kosten: Keine.

Gamefroot

Die Webseite begrüßt die Besucher mit dem Slogan „Gamefroot is the Platform for Kids to code games“. Und das geht per Drag & Drop ziemlich schnell. Die Plattform hat mich für einige Zeit kurz gefesselt, weil ich ziemlich schnell ein kleines Jump’n’Run Spiel zusammenklicken konnte. Allerdings habe ich mich gefragt wo ich nun „coden“ kann? Ein Klick mit der rechten Maustaste, anschließend auf „edit Script“ und schon gibt es etwas mehr zu klicken. Nun stehen mir die aus Scratch bekannten Anweisungsblöcke zur Verfügung.

Ich kann mir gut vorstellen, dass Gamefroot eine Menge Spaß machen kann, weil man das Ergebnis immer gleich spielen kann.

Plattform: Browser
Kosten: auf den ersten Blick keine. Es gibt eine Edu-Netzwerk, vielleicht kostet das dann Geld?

MakeCode Arcade

Die Plattform MakeCode von Microsoft „verbindet die Magie der Hardwareentwicklung mit dem Vorteil der codegleichen Programmierung verschiedener Produkte.“ Die Plattform wurde Anfang des Jahres um „Arcade“ erweitert, mit der kleine Retrospiele (160×120 Pixel, 16 Farben, 8 Tasten und 4-Kanal-Retro-Sound-System) entwickelt werden können.

screenshot-webseite-arcade.makecode.com
Screenshot arcade.makecode.com

Plattform: Browser
Kosten: Keine

Sploder

Retrospiele lassen sich auch mit der Plattform Sploder erstellen. Es gibt eine Community, mit der man sich über die gemachten Spiele austauschen kann und die Spiele auch von dieser Bewerten lassen kann. Für das Erstellen im Browser Flash notwendig, das mir nicht zur Verfügung steht und ich die Software keinem Kurztest unterziehen kann, es gibt aber auch Apps für iOS und Android.

Inwieweit die Plattform noch weiter entwickelt wird, ist mir nicht klar. Die Android-App hat ihr letztes Update 2014 erhalten. Die entwickelten Spiele werden aber noch gespielt, im Forum wird noch diskutiert.

Plattform: Browser, Android, iOS
Kosten: iOS App kostet 2,29€, Android-App kostet 1,51€

Construct

Construct ist eine ziemlich umfangreiche und komplexe Plattform, die auch nicht kostenlos zur Verfügung steht. Es gibt aber günstigere Edu-Lizenzen. Eine Besonderheit ist, dass die erstellten Spiele auch über die Plattform vetrieben werden können.

Plattform: Browser, iOS, Android
Kosten: Edu-Lizenz 36€ im Jahr (25 Plätze) / Privat-Lizenz: 89,99€ im Jahr oder 7,50€ im Monat

Roblox Studio

Hierzu gibt es als nächstes einen eigenen und ausführlichen Artikel, seid gespannt!

Anmerkung

Der Ursprung dieses Beitrags ist eine Frage in der Gruppe Medienpädagogik. Es wurde nach Plattformen und Apps gefragt, die sich eignen, um selbst Spiele zu erstellen.

In dem Beitrag kamen ziemlich viele tolle Tipps zusammen. Ich will an dieser Stelle dem Wunsch eines Nutzers nachkommen: „Diesen Thread sollte man eigentlich runterladen können. Danke auch von mir für diese vielen tollen Vorschläge!“

Runterladen kann man ihn nicht, aber er ist so zumindest „griffbereiter“. Falls du mehr zu einer Plattform sagen kannst oder die Liste ergänzen möchtest: gerne in die Kommentare.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Michael Weis für medienpaedagogik-praxis.de
Michael Weis Kurzbio
Michael ist Sozialarbeiter, der im Bereich der Medienpädagogik tätig ist. Er macht am liebsten Workshops, bei denen vieles direkt ausprobiert werden kann. Er ist begeistert von Freifunk und Freier Software.
Verfasst am 02.07.2019

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5 Kommentare

  1. Dennis am 02.07.2019:

    Man muss bei Bloxels leider sagen, dass die App voraussichtlich bald eingestellt wird, da man mehr die EDU Version verfolgen möchte. Leider ist die in Deutschland so in der Form nicht erhältlich.

  2. Michael Weis am 02.07.2019:

    Hi, das wusste ich nicht. Schade, mache gerne Angebote mit Bloxels.
    Danke für die Ergänzung.

  3. Heiko Wolf am 04.07.2019:

    Hi!
    Was Dennis sagt stimmt, es gibt jedoch ein ABER: mit der EDU Version kann auch im Browser entwickelt werden. Jedoch benötigt man einen EDU Account und für diesen muss man mindestens 5 Bloxels Bretter erwerben.

  4. Michael Weis am 04.07.2019:

    Danke für die Ergänzung, Heiko.
    Wo steht das mit den 5 Brettern? Ich finde nur einen Account für 250$ für eine Schulklasse oder einen Account für 50$, bei dem sich dann 5 Leute anmelden können.
    Aber ich fand es bisher halt cool, dass ich jeder die App installieren konnte – ich als Referent würde mich auch einen Acc kaufen, würde es halt gut finden, wenn sich die TN dann die App einfach so installieren könnten…

  5. Stefan Berendes am 08.07.2019:

    Kurze Ergänzung noch zur neuen EDU-Version von Bloxels: Mir wurde, obwohl ich erst relativ kurz die „alte“ Version von Bloxels genutzt habe (dank einer Fortbildung von Heiko übrigens 😉 ) von Bloxels per Mail der Umzug auf die EDU-Variante angeboten — allerdings erst einmal nur mit einem kostenlosen Account für mich. Wenn ich also zusätzliche Accounts für WorkshopteilnehmerInnen bräuchte, dann müsste ich sie auch dazukaufen. Aber vielleicht lohnt noch mal die Recherche nach dieser Early Adopter-Variante.

    Die EDU-Version finde ich dann auch noch einmal eine Ecke ausgereifter als das alte Bloxels — auch wird die 2D-Retrooptik jetzt rundherum noch konsequenter umgesetzt, und das Schießen fällt als Spielmechanik weg. Macht eher noch größeren Spaß, damit herum zu experimentieren als bisher. Das Board wird bei alledem allerdings eher noch optionaler.

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