Let’s-Play-Videos – mit wenig Aufwand zu professionellen Ergebnissen (Handbuch Making-Aktivitäten

Let’s-Play-Videos erfreuen sich nach wie vor größter Beliebtheit bei Kindern und Jugendlichen. Doch für die eigene Durchführung braucht es einige Versuche und Tricks, um vorzeigbare Ergebnisse zu veröffentlichen.

Setting beliebig
Dauer ab 90 Minuten
Zielgruppe ab 9 Jahren
Zielsetzung Die Teilnehmenden setzen sich mit Let’s-Play-Videos auseinander, hinterfragen bestehende Strukturen und lernen Grundlagen der Videoarbeit kennen. Dabei entwickeln sie eigenständig Storyboards, experimentieren mit (Aufnahme-)Technik und Schnittprogrammen.
Notwendige Ausstattung vorbereitete Laptops mit Spiel, Aufnahme- und Schnittprogramm, Headset mit Mikrofon, Maus, ggf. Webcam
Aufwand mittel

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Vorbereitung

Let’s-Play-Videos sind bei Kindern und Jugendlichen seit einigen Jahren ein anhaltender Trend. Laut JIM-Studie 2015 schauen 54 Prozent der männlichen Kinder und Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren regelmäßig Let’s-Play-Videos. Bei den Mädchen sind es laut Studie 21 Prozent. Dabei schauen sie anderen Menschen zu, wie sie sich in einem Spiel bewegen und es dabei kommentieren. Rund um dieses Phänomen hat sich eine neue Star-Kultur gebildet, in der Let’s-Playerinnen und Let’s-Player als Vorbilder dienen und teilweise nachgeahmt werden.

Die Vorbereitung eines Let’s-Play-Angebotes ist in erster Linie technischer Art. Zu Beginn steht die Entscheidung darüber, ob Aufnahmen über Laptop / PC oder über Spielkonsolen geschehen sollen. Je nachdem für welche Variante man sich entscheidet, braucht es ein unterschiedliches technisches Setup. Dabei ist der technische Aufwand bei Laptops meist geringer.

  • Setup Laptop: Laptop mit entsprechenden Spielen zum Aufnehmen, Aufnahmeprogrammen, Maus bzw. Gamepad, Headset mit Mikrofon oder externes Mikrofon, ggf. Webcam
  • Setup Konsole: Konsole mit Spielen, Game Capture Box, Laptop mit Aufnahmeprogramm der Game Capture Box, Headset mit Mikrofon oder externes Mikrofon, ggf. Webcam

Die Auswahl der jeweiligen Spiele sollte dringend im Vorfeld vorgenommen werden. Dabei ist es einerseits entscheidend, ob das jeweilige Spiel eine Internetverbindung zum Starten und Spielen braucht und ob diese vor Ort gewährleistet ist. Andererseits muss der Inhalt eines jeden Spiels beachtet werden. Spiele, die sehr dialoglastig sind, eignen sich weniger, während actionreiche Spiele für ein kurzes Let’s-Play-Video optimal sind. Weiterhin ist es wichtig bereits im Vorfeld zu überlegen, ob die jeweiligen Ergebnisse im Netz veröffentlicht werden sollen. Dafür braucht es die Genehmigung des jeweiligen Publishers. Auf http://lets-plays.net/lets-plays/offizielle-oeffentliche-genehmigungen-fuer-lets-plays.html findet sich eine unvollständige Auflistung von Publishern, die diese Genehmigung online gestellt haben.

Die Auswahl des Aufnahmeprogramms ist bei der Laptopnutzung sehr variabel. Hier gibt es von Premium-Produkten bis hin zur Open-Source Variante eine große Bandbreite. Empfehlenswert ist beispielsweise die Open Broadcaster Software (OBS), die kostenfrei aus dem Internet geladen werden kann. Hiermit haben die Teilnehmenden neben der klassischen Aufnahmefunktion erweiterte Möglichkeiten, wie das Einbinden einer Face-Cam und eines Greenscreens. Für schlankere Produktionen eignet sich allerdings auch das nVidia Programm ShadowPlay, das auf Rechnern verfügbar ist, die eine nVidia Grafikkarte verbaut haben.

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Ablauf

Ein möglicher Einstieg in das Thema ist, dass sich die Teilnehmenden in Kleingruppen über ihre Lieblings-Let’s Play-Videos austauschen und aufschreiben, warum sie sich gerade für dieses Video entschieden haben. Die Ergebnisse können im Anschluss im Plenum vorgestellt werden, um daraus mögliche Do’s and Don’ts für die eigene Praxis zu entwickeln.

Dabei sollten Fragen beantwortet werden wie:

  • Wie lang sollte unser Let’s Play-Videos sein?
  • Ist die Gruppe mit einer Facecam erkennbar?
  • Über was wird sich unterhalten?
  • Darf es Pausen und ruhige Momente geben?
  • Wie spreche ich und wie ist mein Ausdruck dabei?
  • Wie sieht Werbung in Let’s Play-Videos aus und was bedeutet das?
  • Gibt es Themen, die ich nicht ansprechen darf bzw. welche Wörter sollten in einem Let’s Play-Video vermieden werden?
  • Gibt es einen Anfang und ein Ende?
  • Gibt es feste Rituale in Let’s Play-Videos?

Neben dem praktischen Erstellen dieser Videos, ist es vor allem auch im schulischen Kontext möglich, Themen wie Finanzierung von YouTubern, Kommerzialisierung und versteckte Werbung zu behandeln. Kindern und Jugendlichen ist die Vermarktungsstrategie hinter diesen Videos oft nicht klar. Hier können die Teilnehmenden im Vorfeld an die praktische Arbeit für Themen sensibilisiert werden, um einen kritischen und reflektierten Blick auf das Thema zu erlangen.

In einem nächsten Schritt sollten die Teilnehmenden exemplarisch in die Technik eingeführt werden. Hier ist es wichtig, dass das Prozedere einmal beispielhaft vorgemacht wird, damit jedeR einen Eindruck vom Aufwand bekommt. Erst danach sollten die Teilnehmenden auf die verfügbaren Rechner verteilt werden, wobei es kein Problem ist, wenn bis zu vier Personen vor einem Laptop sitzen. Die Gruppe sollte sich hier für ein Spiel entscheiden und einige Probeläufe mitmachen, damit jedes Gruppenmitglied das Spiel kennt.

Die Gruppen können dann erste Testaufnahmen machen, um sich mit dem Programm zu beschäftigen. Daraufhin ist es jedoch zwingend erforderlich, dass die Gruppen einen groben Ablaufplan über ihr Let’s Play-Video verschriftlichen. Hier sollte darauf Wert gelegt werden, dass es sowohl eine Anmoderation mit Vorstellung des Spiels und der Beteiligten, als auch eine Abmoderation mit einer Verabschiedung gibt. Da es Kindern und Jugendlichen beim Spielen oft die Sprache verschlägt und sie nur schwer in der Lage sind, gleichzeitig zu sprechen und zu spielen, kann ein Moderator eingesetzt werden. Dieser spielt dann nicht selbst, sondern stellt den Spielenden Fragen, die sich entweder auf ein vorher festgelegtes Thema oder auf das Spiel beziehen.

Nach den Aufnahmen geht es ans Schneiden der jeweiligen Szenen. Hier gibt es die einfache Variante, dass nur der Anfang und das Ende bestimmt werden müssen und der Rest bleibt. Da die freien Programme Windows Movie Maker (Windows) und iMovie (Apple) allerdings relativ einfach zu bedienen sind, kann der Wunsch der Teilnehmenden, einzelne Sequenzen raus zu schneiden, zügig umgesetzt werden. Die Ergebnisse können nach der Gruppenarbeit im Plenum vorgestellt und diskutiert werden.

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Mögliche Varianten und Ergänzungen

Neben der Nutzung von Laptops können auch Konsolen genutzt werden. Hierfür ist dann aber ein aufwendigeres Setting notwendig. Mit einer Game Capture Box, die zwischen Konsole und TV geschaltet wird, kann das Bild und der Sound auf einen externen PC übertragen werden, der wiederum zusätzlich den Ton der Spielenden aufnimmt.

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Tipps und Tricks

Kinder und Jugendliche schauen Let’s-Play-Videos meist als eine Selbstverständlichkeit und haben viele Kenntnisse im Bereich Inhalt und Technik. Nutzen Sie diese Kompetenzen als Pädagoginnen und Pädagogen und lassen sie sich darauf ein, Unterstützung von den Teilnehmenden zu bekommen.

Die Aufnahme von Let’s-Play-Videos ist erweiter- und wandelbar.

Das entsprechende Setup sollte unbedingt vor dem Einsatz mit Kindern und Jugendlichen getestet werden, damit auch alle Kabel, Adapter, etc. zur Verfügung stehen und die Teilnehmenden nicht enttäuscht werden.

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Raum für kreatives Gestalten

Die Kinder und Jugendlichen erhalten einen Einblick in die Erstellung von Let’s-Play-Videos und lernen den technischen Aufwand dahinter kennen. Sie gestalten ein eigenes Video und lernen im Anschluss daran Schnittsoftware kennen und bedienen. Da die Let’s Play Community sehr groß und bunt ist, können sie nach der Aktion ggf. selbst zum aktiven Medienproduzenten werden und eigene Let’s-Play-Videos erstellen.

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Weitere Materialien dazu

  • Unter www.Gecheckt-NRW.de finden Sie einen ausführlichen Projektbericht und weitere Anregungen zur kreativen Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen
  • Unter www.Spieleratgeber-NRW.de erhalten Sie umfangreiche pädagogische Informationen und Beurteilungen zu digitalen Spielen, sowie Praxisprojekte für unterschiedliche Zielgruppen.

cover_handbuch_klein Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten“ (herausgegeben von Sandra Schön, Martin Ebner und Kristin Narr, März 2016). Das Buch steht seit 1.3.16 komplett als PDF offen lizenziert zur Verfügung (http://bit.do/handbuch) und ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783739236582). Das Handbuch entstand im Rahmen einer Kooperation des BIMS e.V., der Technischen Universität Graz, von Kristin-Narr.de, des Medienpädagogik Praxisblog, des fsm e.V. und seinem Projekt „Medien in die Schule“ sowie mit Unterstützung der HIT-Stiftung.

Dieser Artikel steht unter der CC BY 3.0 Creative Commons Namensnennung 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Markus Sindermann für medienpaedagogik-praxis.de
Verfasst am 24.08.2016

2 Kommentare

  1. Ingo am 25.08.2016:

    Leider schlecht recherchiert. Man merkt, wenn der Autor selbst in der Materie nicht drin ist.
    Wer sich ordentlich informieren will, geht seit jeher ins LPF:
    https://www.letsplays.de/

  2. Markus Sindermann am 26.08.2016:

    Hallo Ingo,
    hier geht es vor allem um die pädagogische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und die Frage, wie Let’s Plays davon Bestandteil sein können.
    Wer sich über Let’s Plays in seiner Tiefe informieren möchte, ist hier sicherlich nicht richtig, aber das ist auch gar nicht der Anspruch von meinem Artikel. Daher verstehe ich deine Kritik nicht wirklich. Was findest du schlecht recherchiert und woran machst du fest, dass ich keine Ahnung habe ?!

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