Medienprojekte mit geflüchteten Kindern und Jugendlichen

In den letzten Monaten sind viele Menschen nach Deutschland geflüchtet, darunter auch viele Minderjährige.
Ihre mobilen Endgeräte fungieren in der Fluchtsituation nicht nur als Alltagsbegleiter, sondern sind vor allem auch nützliche Hilfsgegenstände, die die Orientierung, das Verständnis und die Kommunikation erheblich erleichtern. Oft ist das Smartphone oder das Tablet die einzige Möglichkeit, mit Freunden oder Familie in Kontakt zu bleiben und sich auszutauschen. Aber auch am Ankunftsort dienen die Geräte dazu, sich zu informieren und einzuleben.

In zwei medienpädagogischen Projekten des SIN – Studio im Netz e.V. wurden diese Tatsachen berücksichtigt, um die Jugendlichen aktiv mit einzubinden. Bei beiden Angeboten haben sich unbegleitete minderjährige Flüchtende mit verschiedenen Thematiken, wie der neuen Umgebung oder den Angeboten vor Ort auseinandergesetzt. Auf diese Weise lernten sie auch die Stadt und die Sprache besser kennen. Im kreativen Umgang mit den Smartphones und Tablets wurde gleichzeitig die Medienkompetenz der Flüchtenden gestärkt.

Refugee QR-Code-Poster

Um herauszufinden, welche Themen und Angebote für die geflüchteten Kinder und Jugendliche interessant sind, haben wir diese in einigen Unterkünften direkt befragt und mit ihnen zusammen die wichtigsten Schwerpunkte herausgearbeitet. Zum einen ging es darum, zusammenzutragen, welche Infos für die Jugendlichen wichtig sind, aber auch welche Unterstützungs- oder Freizeitangebote in der Stadt bereits vorhanden sind. Uns ging es dabei nicht nur um die pure Sammlung der Infos, sondern vor allem, wie diese in die Einrichtungen möglichst gut hineingetragen werden können. Wir entschieden uns für einen Verknüpfung aus analog und digital: Ein Poster mit QR-Codes.

Die dazu gesammelten Informations- und Angebotsseiten lassen sich in unserem Projekt in vier Kategorien unterteilen: München, Deutschland, Freizeit und Organisation. Diese Link-Sammlung haben wir in 34 QR-Codes umgewandelt und je nach Katgeorie farbig markiert.

  • Unter dem gelben Themenbereich „München“ finden sich Sehenswürdigkeiten, genauso wie Listen zu den nächsten Gotteshäusern oder zu offenen WLAN-Hotspots.
  • Orange steht für die Rubrik „Deutschland“. Dahinter verstecken sich vor allem Youtube-Videos zum Leben in Deutschland oder auch Links zu Deutschkursen.
  • Kostenlose Rechtsberatungsstellen oder eine Fahrradregeln-Übersicht finden sich unter den lila Codes zur „Organisation“.
  • Die grünen Codes führen zu den Freizeittipps, wie Sport- und Kulturangeboten oder zu einer Übersicht der Freizeitstätten.

Allerdings verweisen nicht alle Links nur auf externe Seiten. Über die Plattform LearningApps.org wurde auch selbst ein Online-Quiz über München erstellt. Aus den bunten QR-Codes entstand schließlich das „Refugee QR-Code“-Poster mit über 30 wissenswerten und interessanten Seiten und Videos.

Da die meisten Jugendlichen eigene Smartphones haben, können sie, ganz in der BYOD-Mentalität, mit ihren Geräten diese QR-Codes selbstständig aufrufen und die Links weiterverfolgen, die sie interessieren. Das Plakat wurde bereits vielen Münchner Einrichtungen wie Flüchtlingsunterkünften, aber auch Schulen und Kitas zur Verfügung gestellt.

Ü8_QR-Plakat
Dieses Plakat entstand in Kooperation mit Wohngruppen der hpkj und den sozialpädagogischen Betreuer_Innen sowie dem IniKo-Projekt von Refugio.
Das Projekt wurde realisiert in Kooperation mit www.POMKI.de, gefördert von der LH München, Stadtjugendamt, Sozialreferat, Jugendkulturwerk.

Das fertige Refugee-Plakat kann als JPG-Datei heruntergeladen und unter freier Lizenz genutzt werden (CC BY-SA 4.0-Lizenz), die Projektbeschreibung finden Sie hier.

 

muc-welcome

„muc-welcome“, ein weiteres Medienprojekt, das mit geflüchteten Jugendlichen zusammen entstanden ist, konnte mit der Augmented-Reality-App „Aurasma“ durchgeführt werden. Mit Aurasma lassen sich virtuelle Botschaften, wie Texte, Bilder oder Videos an realen, öffentlichen Plätzen hinterlegen und mithilfe der App diese Nachrichten wieder aufrufen.

Nach einer grundlegenden Einführung in die App, hatten die Jugendlichen die Möglichkeit, die nähere Umgebung ihrer Einrichtung sowie zentrale Plätze Münchens aktiv selbst zu erforschen, sich untereinander auszutauschen und so die Stadt und die deutsche Sprache besser kennenzulernen. Die Jugendlichen konnten unter medienpädagogischer Anleitung mit der App eigene Botschaften im öffentlichen Raum hinterlassen. Diese können von anderen Nutzern vor Ort auch wieder abgerufen werden.

Mit der kostenlosen Aurasma-App, die für Android und iOS erhältlich ist, waren die Jugendlichen bei der Auswahl und Erstellung ihrer Botschaften relativ frei. Vorgegeben waren nur Denkansätze wie: „Welche Information würdest du Jugendlichen, die gerade in München angekommen sind, geben wollen?“ oder „Was gefällt dir an München oder in deinem Stadtviertel am besten?“

Die jungen Menschen hinterließen Bilder-, Text- oder Videobotschaften, die zeigen, was sie in München besonders gut finden oder auch, wie man einen Einzelfahrschein am Ticketautomaten löst. Um auch denjenigen mit schlechteren Deutschkenntnissen ein gutes Verständnis zu ermöglichen, wurden die Botschaften meist in mehreren Sprachen aufgenommen. Der integrative Ansatz bereitete einerseits den beteiligten Jugendlichen viel Freude und Erfolgserlebnisse, andererseits hilft er anderen, gerade Ankommender Münchner, sich in der neuen Stadt zu orientieren.

ÜKlasse_Aurasma

Um sich die Botschaften der Jugendlichen anzusehen, kann man in Aurasma dem Channel „muc-welcome“ folgen und beispielsweise direkt vor Ort das Münchner Rathaus einscannen.

Wie man selbst Auras in der App erstellt, erfahren Sie in diesen Videos in deutscher und englischer Sprache. Zur Projekt-Website kommen Sie hier. Auch dieses Projekt wurde gefördert von der LH München, Stadtjugendamt, Sozialreferat, Jugendkulturwerk.

 

re:publica-Session

Die beiden Projekte wurden auch auf der Internetkonferenz re:publica 2016 näher vorgestellt. Den Videomitschnitt finden Sie hier.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Sonja Di Vetta für medienpaedagogik-praxis.de

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