Übersetzungsapps auf den Zahn gefühlt

Für mobile Geräte gibt es mittlerweile eine Vielzahl an Apps, die das gesprochene und geschriebene Wort direkt in eine andere Sprache umwandeln. Da ich in meinem letzten Praktikum auch unmittelbaren Kontakt mit Flüchtlingen hatte, stellte sich mir die Frage, wie diese Apps in der Praxis arbeiten und ob ein medienpädagogischer Einsatz überhaupt realistisch ist. Ist es beispielsweise möglich, sich über die Sprachfunktion der Apps mit Flüchtlingen zu unterhalten? Können ausländische Mitbürger die Apps für Arztbesuche oder zum Einkaufen verwenden? Aus diesem Grund habe ich mir einige Apps für Android und iOS angesehen und diese mit unterschiedlichen Dolmetschern getestet.

So wurde getestet

Es wurden sieben Kategorien Smalltalk, Probleme, Bus und Bahn, Unterkunft und Wohnen, Essen, Einkaufen und Gespräche erstellt. In jeder Kategorie befinden sich bis zu zehn kleine Sätze oder Wörter. Jeder Satz bzw. jedes Wort wurde per Spracheingabe von jeder App übersetzt. Jede Übersetzung wurde von einer Person in dessen Muttersprache in der Qualität bewertet. Im Test stehen für iOS die Anwendungen iTranslate, Google Übersetzer, Say Hi und für Android die Apps Speak & Translate, Multi-Sprachen-Übersetzer und Konversationsübersetzer. Die iOS Apps wurden mit einem iPad getestet und die Android Apps auf einem HTC Smartphone. Getestet wurden die Anwendungen in den Sprachen Persisch, Arabisch, Rumänisch und Türkisch.

iTranslate (iOS)

Diese App bietet eine Übersetzung von geschriebenen Sätzen und Wörtern in 90 Sprachen und benötigt eine aktive Internetverbindung. Die Sprachfunktion iTranslate Voice ist in der freien Version nicht verfügbar aber gegen einen Aufpreis von 4,99 € erhältlich. Wörter und kleine Sätze in der Kategorie Smalltalk meistert die App ohne Probleme. Auch einfache Sätze wie zum Beispiel „Ich brauche Hilfe.“ stellen kein Problem dar. Auffällig ist, dass die Übersetzung vor allem auf Persisch im Satzbau häufig nicht korrekt ist oder Verben nicht mit in die Übersetzung übernommen werden. Leider wurde nach dem dritten Sprachtest die Anzahl der kostenlosen Übersetzungen erreicht. Ab da ist es nur noch möglich mit einem kostenpflichtigem Upgrade weiter zu machen.

Google Übersetzer (iOS / Android)

Der kostenlose Google Übersetzer bietet für iOS und Android-Systeme Funktionen wie Sprach Ein- und Ausgabe, Übersetzung von geschriebenen Wörtern und Sätzen und als neue Funktion auch Übersetzung durch die Fotokamera (Word Lens). Die 90 verschiedenen Sprachen können als Sprachpakete heruntergeladen und somit auch ohne aktive Internetverbindung genutzt werden. Ein weiterer Pluspunkt für die App ist, dass sie erkennt, welche Sprache gerade gesprochen wird und man somit die App als Schnittstelle für die Kommunikation nutzen kann. Zudem ist die App komplett kostenlos. In der Übersetzung von einzelnen Wörtern oder kurzen Sätzen schneidet sie gut ab. Allerdings fällt auf, dass lange Sätze oder mehrere Sätze die hintereinander gesprochen werden, nicht korrekt übersetzt werden. Im Persischen und Arabischen war es sehr häufig so, dass Verben und Fragestellungen nicht erkannt wurden. Die Sätze werden nicht immer korrekt übersetzt aber mit ein bisschen kreativer Fantasie kann man erahnen was der Gegenüber meint. Es macht Spaß die Funktion Word Lens auszuprobieren da diese die anderssprachigen Wörter direkt auf dem Foto übersetzt. Hier brauch man allerdings ein ruhiges Händchen da man das Smartphone bzw iPad genau positionieren muss. Eine Übersetzung von längeren Texten ist mit dieser Funktion nicht möglich.

Say Hi (iOS)

Diese App mit integrierter Spracherkennung bietet eine Übersetzung in 30 verschiedenen Sprachen. Gegen einen Aufpreis sind noch weitere Sprachpakete erhältlich. Eine aktive Internetverbindung ist Voraussetzung für die Nutzung der App. Im Test hat die App eher weniger gut abgeschnitten, da sie Fragestellungen nicht erkennt und im Persischen und Arabischen die Aussprache oft Fehlerhaft ist. Auffällig war das die App die Rumänische Sprache sehr häufig nicht erkannt hat.

Speak & Translate (Android)

Hier werden 100 Sprachen für die Übersetzung mit der Sprachfunktion angeboten. Eine aktive Internetverbindung wird vorausgesetzt. Leider ist die App im Vergleich zu den anderen Apps sehr langsam. Hier ist auffällig, dass der Übersetzungstext in der Ausgangssprache richtig erfasst wird, allerdings die Aussprache nicht korrekt ist. Häufig erscheint bei der Spracheingabe eine Fehlermeldung und man muss die zu übersetzenden Texte noch einmal deutlicher einsprechen. Dafür erkennt die App Fragestellungen besser als andere Apps.

Multi-Sprachen-Übersetzer (Android)

Ein großer Vorteil dieser App ist es, dass sich Wörter und Sätze gleichzeitig in mehrere Sprachen übersetzen lassen. Die Übersetzung erscheint dann als Text und lässt sich auch in einigen Sprachen anhören. Die App braucht eine aktive Internetverbindung und bietet 70 Sprachen zur Auswahl. Die App schneidet im Test gut ab. Einzelne Wörter und kurze Sätze sind kein Problem. Längere Sätze und Fragen sind wieder etwas schwieriger. Aber im Großen und Ganzen kann man die Übersetzung verstehen.

Konversationsübersetzer (Android)

Auch hier werden 70 verschiedene Sprachen angeboten, allerdings nicht alle mit Sprachfunktion. Einzelne Wörter und kurze Sätze werden richtig übersetzt, längere Sätze und mehrere Sätze hintereinander sind wieder etwas schwieriger. Im Persischen gab es leider keine Sprachausgabe. Die Aussprache im Arabischen war oft nicht richtig.

Fazit:

Die Apps liefern zwar nicht immer eine einwandfreie Übersetzung, können aber sehr hilfreich sein, um nicht nur mit Händen und Füßen kommunizieren zu müssen. Bei der persischen und arabischen Sprache war auffällig, dass bei der Übersetzung vom Deutschen sehr häufig die Verben nicht mit übersetzt wurden. Auch der Satzbau wurde nicht korrekt übersetzt. Dies liegt an der unterschiedlichen Satzbaustellung und der eh recht komplexen deutschen Grammatik. Manche Wörter, die es im Deutschen gibt haben zudem in einer anderen Sprache eine ganz andere Bedeutung –  oder es gibt sie dort gar nicht. Eine eins zu eins Übersetzung ist also schwierig. Aber wenn man den Übersetzungen ein bisschen Kreativität entgegenbringt, kann man mit seinem Gegenüber zumindest einfache Dinge kommunizieren.

Das sollte für jeden klar sein, der beispielsweise plant, Übersetzungsapps im internationalen Jugendaustausch einzusetzen. Auf der anderen Seite kann gerade dies ein jugendfreundlicher, zielgruppenorientierter und vor allem amüsanter Einstieg in multilinguale Projekte sein.

Mein persönlicher Favorit ist der Google Übersetzer, den es kostenlos für iOS und Android Systeme gibt. Nichts desto trotz sollte man sich bei der Verwendung von Übersetzungs Apps im Klaren sein, dass ggf. die Sprache über firmeninterne Server ausgewertet und gespeichert wird. Vertrauliche Texte, Firmengeheimnisse oder unveröffentlichte Konzepte sollten deshalb vielleicht doch mit einem Wörterbuch übersetzt werden.

Am Schluß natürlich noch die Frage nach Ihren Erfahrungen. Welche Apps bevorzugen Sie? Welche Erfahrungen im praktischen Einsatz haben Sie gemacht?

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Meike Reinhardt für medienpaedagogik-praxis.de
Meike Reinhardt Kurzbio
Studiert Erziehungswissenschaften mit Schwerpunkt Medienpädagogik an der Universität Mainz

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