Papp-VR – Datenbrillen einfach selber machen

Papp-VR ist eine ziemlich coole Idee. Anstelle einer Datenbrille wie zum Beispiel der Oculus Rift, verwendet man einfach eine Halterung aus Pappe, in die man das Handy als Bildschirm setzt. Das einzige was man noch zusätzlich benötigt sind zwei optische Linsen aus Kunststoff  und schon kann man in virtuelle Welten “tauchen”. Mit dem Cardboard hat Google diese Idee auf der I/O14 bekannt gemacht. Kurze Zeit später kursierten bereits einige Nachbauten der Brille. Wir von medien+bildung.com fanden die Ideen ziemlich gut und wollten sie auch in unseren Workshops einsetzen. Aber Kosten zwischen 15 und 25 Euro pro Stück, fanden wir für ein bisschen Pappe immer noch recht teuer. Außerdem wollten wir, dass man in Workshops nicht einfach nur ein paar fertige Teile zusammensetzen, sondern sich aktiv mit dem Thema auseindersetzen muss. Darum haben wir eine Selbstbauanleitung für Papp-VR entwickelt und ins Netz gestellt.
201502_Guckkasten_fertigeBrille

Von der Idee zum medienpädagogischen Konzept

Aus der Idee, eine Bauanleitung für Papp-VR zu erstellen, ist ein kleines Projekt geworden. Unter mein-guckkasten.de wollen wir Methoden und Ideen sammeln, um Papp-VR-Brillen im medienpädagogischen Bereich einzusetzen. Um selber solche Brillen bauen zu können, findet ihr bei uns eine Bastelvorlage. Ihr könnt sie einfach ausdrucken und auf einen Pizzakarton kleben (am besten mit Sprühkleber). Anschließend werden die Teile  ausgeschnitten und zusammengeklebt. Das einzige Problem sind die optischen Linsen. Da diese nicht ganz einfach zu bekommen sind, haben wir uns entschlossen auch die Linsen über unsere Seite zu vertreiben. Das Angebot an Methoden ist noch überschaubar, wir arbeiten aber daran und hoffen auch auf die ein oder andere gute Idee von euch. Natürlich werden alle namentlich benannt, die uns mit Ideen und Tipps unterstützen. Alle Materialien auf mein-guckkasten.de stehen unter CC-BY. Ihr könnt die Bastelvorlage gerne nach euren Vorstellungen anpassen.

Erste Erfahrungen: Durch Basteln der Brille wird die Technik und das Thema  (be)greifbar

Unsere ersten Erfahrungen in Workshops waren ziemlich positiv. Die Teilenehmer/innen verstehen durch den Bau einer eigenen Datenbrille nicht nur wie die Brillen funktionieren sondern setzten sich aktiv mit dem Thema Virtual Reality auseinander. Einige Jugendliche sehen die Entwicklung dieser Technik durchaus kritisch und sprechen über ihre Befürchtungen. Andere entwickeln eigene Ideen, wie die Technik eingesetzt werden kann. Wir glauben, dass der Bau eigener Papp-VR-Brillen ein guter Einstieg ins Thema ist. Mit weiteren Übungen, wie zum Beispiel die Erstellung von Kugel-Panoramen mit der google Kamera-App, können die Teilnehmer/innen bereits eigene Inhalte produzieren und merken, dass die Technik nicht nur zum Spielen geeignet ist.

Virtual Reality: ein Thema für die  Medienpädagogik?

Noch vor wenigen Jahren wurde Virtual Reality (VR) als reine Science-Fiction abgetan. Zu teuer, zu umständlich, zu komplex: nicht für den Massenmarkt geeignet! Die Prognosen von vielen Experten und Expertinnen sahen eher das Thema Augmented Reality (AR) in den Startlöchern. Sie gingen davon aus, dass schon bald viele Menschen lieber ihre Umwelt durch ein Smartphone betrachten, um die Realität durch digitale Informationen im Display zu ergänzen, als das sie in rein virtuelle Welten abtauchen. Doch gerade das Smartphone brachte Bewegung in die Sache. Denn durch dessen Massenproduktion wurden die benötigten hochauflösenden Displays und Sensoren erschwinglich. Plötzlich ist das Thema so aktuell wie noch nie. Auch für die Medienpädagogik zeichnet sich ab, dass hier ein Thema aufkommt, das die Fachwelt in den kommenden Jahren beschäftigen wird. Am wahrscheinlichsten ist, dass es im Bereich Games ein großes Thema wird und hier recht bald vorallem die möglichen Gefahren in den Fokus mediader Berichterstattung geraten. Für die Medienpädagogik wird es auch Interessant sein, die Potentiale dieser Technik im Bereich der Bildung und Gestaltung auszuloten.

VR – ein Thema mit Vorlaufaber, aber aktuell mit rasanter Entwicklung

In den 90er Jahren beflügelte das Thema Virtual Reality die Kinowelt. Filme wie der Rasenmähermann vermittelten den Eindruck, dass die Technik zum Greifen nahe sei und wir alle bereits zu Beginn des  20sten-Jahrhunderts in virtuellen Welten leben. Doch lange Zeit blieb die teure Technik Universitäten und Entwicklungsabteilungen vorbehalten. Das Interesse in der Öffentlichkeit schwand und es wurde ruhig um das Thema. 2012 macht in den Kreisen einiger Technikenthusiasten das Startup-Projekt Oculus Rift von sich Reden. Das Projekt verspricht durch Smartphone-Technologie, eine VR-Brille für den Consumerbereich hervorzubringen. In kurzer Zeit wird das Projekt über Kickstart finanziert. Als Facebook im Jahr 2014 mit 2 Milliarden Dollar das Projekt kauft, wird eine Diskussion über die Grundsätze des Crowdfunding ausgelöst und das Thema gerät in das Bewusstsein einer breiteren Öffentlichkeit.

Durch diese Entwicklung kommt auch Sony aus seiner Deckung und stellt  das Projekt Morpheus vor. Bei ihrer VR-Brille für die Playstation 4 nutzt das japanische Unternehmen blaue Positionslichter, die das Head Tracking in Kombination mit ihrem Kamerasystem erheblich verbessern soll. Fast parallel zu diesen Entwicklungen macht Stefan Welker mit seinem Projekt Open Dive auf sich aufmerksam. Er verfolgte einen noch radikaleren Plan als die Macher der Oculus Rift: Eine Kunststoff Brille aus dem 3D-Drucker, in die man einfach ein Handy einsetzen kann. Das Tracking erfolgt mit den im Handy integrierten Sensoren für die Positionsbestimmung und die Beschleunigungsmessung. Welker entwickelt seine Idee weiter und veröffentlichte schließlich unter dem Markennamen Durovis ein kommerzielles Produkt mit einem eigenen SDK.

Angeregt durch die Durovis Dive planen Mitarbeiter/innen von Google für die I/O Entwicklerkonferenz 2014 eine besondere Überraschung. Sie greifen die Idee der Open Dive-Brille auf und entwickelten einen einfachen Bausatz aus Pappe, den man mit wenigen Handgriffen zusammen bauen kann. Passend zu dem auf den Namen Cardboard getauften Bausatz stellten die Entwickler auch gleich eine App zu Verfügung, mit der verschiedene Anwendungsideen der virtuellen Realität vorgestellt werden. Auch diese Entwicklung zeigt, welches Potential sich aktuell hinter dem Thema verbirgt. Einige Experten/innen (u.A. c´t 4/2015, S. 80 ff.) sehen gar das Jahr 2015 als das Jahr der virtuellen Realität.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Steffen Griesinger für medienpaedagogik-praxis.de
Steffen Griesinger Kurzbio
Seit 2007 arbeite ich als Medienpädagoge bei medien+bildung.com und leite seit 2015 das Haus der Medienbildung in Ludwigshafen. Ich interessiere mich schon lange für Medien und Technik. Vor meinem Studium der Sozialen Arbeit in Freiburg machte ich eine Ausbildung zum Industrieelektroniker. Während des Studiums arbeitete ich im Bereich Medienpädagogik des wissenschaftliche Institut des Jugendhilfswerks Freiburg e.v. (wi-jhw) als Studentische Hilfskraft.

13 Kommentare

  1. murat am 01.03.2015:

    Hallo,

    ich möchte das Bauset (Linsen und Klettverschluss) mein-guckkasten.de bestellen (per E-Mail). Aber leider is die Adresse ungültig.

    Wer kann mir hier mir einer aktuellen Adresse aushelfen??

    Danke!!!

  2. Steffen Griesinger am 03.03.2015:

    Hallo Murrat,
    danke für dein Interesse. Warum die Adresse nicht funktioniert, kann ich gerade nicht sagen. Hier ist aber nochmal der Link zu den Bestellinformationen: http://medienundbildung.com/weitere-projekte/mein-guckkasten/bestellungen/

    Herzlichen Gruß

    Steffen

  3. Frank am 13.09.2015:

    Leider funktionieren die Links auch nach einem halben Jahr nicht. Schade, eure Mühe fast umsonst.

  4. Gerrit Neundorf am 13.09.2015:

    Habe die Links aktualisiert, denke die Kolleg_innen von M+B hatten kurz nach Release des Artikels ihre Seite umgebaut… Sorry, dass wir es erst jetzt gecheckt haben. Viel Spaß mit den Brillen – habe erst kürzlich selbst bei einem Workshop mit dem Material gearbeitet 🙂

  5. Frank am 13.09.2015:

    Perfekt! Danke für die sonntägliche Blitzreaktion.

  6. Steffen Griesinger am 14.09.2015:

    Es tut uns leid. Die Projektseite ist innerhalb von unserer Webseite von „weitere Projekte“ zu „Projekte“ gewandert:(

    Hier nochmal der Link zur Projektseite: http://medienundbildung.com/mein-guckkasten/ und hier der Link, wenn man Linsen bestellen möchte: http://medienundbildung.com/mein-guckkasten/bestellungen/

    sollten alle Stricke reißen, einfach eine Mail an info@medienundbildung.com

    Beste Grüße

    Steffen Griesinger

  7. Gert M am 12.12.2015:

    Ein guter Beitrag 🙂 und ich habe auch etwas dazu geschrieben:

    Einen Überblick über aktuelle VR Brillen, mit denen man sich die Zeit am besten vertreiben kann, bis die großen Produkte auf den Markt kommen, gibt´s hier: http://vrbrillen-test.com/die-besten-vr-brillen-fuer-smartphones

  8. VR Brille am 05.02.2016:

    Um noch eine kleine Ergänzung nachzureichen. Bausätze für VR Brillen habe ich unter http://vrbrillen-test.com/vr-brille-selber-bauen aufgelistet. Könnte für manche ein interessanter Link sein. 🙂

  9. Felix am 31.05.2016:

    Hallo ich kann den link für die Linse… nicht öffnen

  10. Lambert Zumbrägel am 19.06.2016:

    Hallo Felix, wir gehen mal davon aus, dass Du einen Link in der Bastelanleitung der Kollegen meinst. Im Artikel verweisen wir nämlich nicht auf die Linsen. Hier ist aber ein Link über den die Linsen für den Guckkasten zu beziehen sind. http://www.epic-stuff.de/produkte/mein-guckkasten/ Bei Amazon erhält man die Linsen aber auch.

  11. Steffen Griesinger am 19.06.2016:

    Hallo Lambert,
    danke, dass du Felix anfrage beantwortet hast. Zur Erklärung: Wir sind sehr froh, dass epic-stuff.de den Verkauf der Linsen übernommen hat. Als gemeinnützige Einrichtung hat der Verkauf von Linsen unser Verwaltung unnötig belastet. Bei Epic-stuff.de können nun auch private Personen die Linsen kaufen. Wir kümmern uns lieber darum, ein paar Ideen rings um die Brillen zu spinnen. Wer mit „spinnen“ möchte, ist herzlich zu unserem Ideenwettbewerb konzept-mb.de eingeladen.

    Beste Grüße

    Steffen

  12. Rainer am 14.07.2016:

    Wozu denn die Linsen ?
    bei mir funktioniert das auch ohne 🙂
    Allerdings wird das Bild dann erst scharf wenn ich die Brille weiterweg halte … sind dafür die Linsen ?

  13. Steffen Griesinger am 19.07.2016:

    Die Linsen verstärken den räumlichen Eindruck und kompensieren die Nähe zum Bildschirm. Für ein optimales Ergebnis werden sie leider benötigt.

Kommentieren

*

Zusatzinfos

Pat-O-Meter

Monats-Archiv