Fotoprojekt «Tableaux vivants» mit Medienikonen

Fotografische Abbilder prägen unser Weltbild. Viele Ereignisse der Menschheitsgeschichte sind uns in Form von Fotos präsent. Durch Globalisierungsprozesse zirkulieren solche Medienikonen weltweit und lassen Menschen in verschiedensten Ländern an einem kollektiven Bildwissen und Bildgedächtnis teilhaben. Über das Nachstellen von Bildern („tableaux vivants“) werden Medienikonen lebendig und in die aktuelle Lebenswelt geholt. Über diesen spielerischen Zugang können sich junge Menschen historischen Dokumente aneignen.

Zielgruppe und Kontext

  • Das Projekt kann sowohl in schulischen als auch in außerschulischen Bildungskontexten umgesetzt werden.
  • Zielgruppe: Kinder / Jugendliche ab 11 Jahren
  • Gruppengrösse: 10-20
  • Thema: Berühmte Fotografien und ihre Geschichte kennen lernen
  • Zeit: ca. 2 Stunden

Ziele

Tableaux vivants bedeutet „lebendige Bilder“. Normalerweise werden Gemälde nachempfunden bzw. nachgestellt. Bei diesem Projekt geht es darum, sich mit bekannten Fotografien (Medienikonen) auseinanderzusetzten und diese nachzustellen.

„Als Medienikone werden in Kulturwissenschaften und Medienwissenschaften medial herausragend präsente Bilder bezeichnet. Sind sie dauerhaft im kollektiven Bildgedächtnis eingeschrieben, können sie als „Ikonen des kollektiven Bildgedächtnisses“ bezeichnet werden.“http://de.wikipedia.org/wiki/Medienikon (Zugriffsdatum: 2.7.2014)

Die Teilnehmenden lernen Medienikonen kennen und setzen sich mit ihnen auf spielerische Art auseinander. Sie erkunden die Geschichten hinter den Bildern und stellen die Frage nach dem Wirklichkeitsbezug: Ist ein Bild fiktional, wurde es für die Kamera inszeniert, ist es ein dokumentarisches Foto?

Mögliche Vorlagen

Pressefotos / Dokumentarische Fotos

  • Zidanes Kopfstoss auf dem Fussballfeld (2006)
  • Balotelli mit Nacktem Oberkörper auf dem Fussballfeld (2012)
  • Erster Mann auf dem Mond mit US-Flagge (1969)
  • DDR-Soldat (Conrad Schumann) springt über Stacheldraht in den Westen (Peter Leibing, 1961)
  • Frau mit Blume steht Soldaten mit gerichteten Bajonetten gegenüber (Marc Riboud, 1967)
  • Mittagspause auf einem Wolkenkratzer (Charles C. Ebbets, 1932)
  • Migrant Mother (Dorothea Lange, 1936)
  • Junge in Peru mit Flöte (Werner Bischof, 1954)
  • Kniefall von Willy Brandt in Warschau (1970)
  • Albert Einstein mit Herausgestreckter Zunge (1951)

Inszenierte Fotos

  • Raising the flag on Iwo Jima (Joe Rosenthal, 1945)
  • Beatles auf dem Zebrasteifen (Plattencover Abby Road, 1969)

Standbilder aus einem Spielfilm

  • Titanic (1997): Paar an der Spitze des Schiffes
  • Forrest Gump (1994): Forrest Gump mit wartender Frau auf einer Bank
  • Pulp Fiction (1994): Zwei Männer in Anzügen mit gerichteten Pistolen
  • Forrest Gump (1994): Forrest Gump schüttelt J. F. Kennedy die Hand
  • Drei Nüsse für Aschenbrödel (1973): Prinz hält verschleiertes Aschenbrödel an der Hand

Ablauf

Die Teilnehmenden bekommen die Projektidee erklärt und dürfen in Kleingruppen Bilder zum Nachstellen aussuchen. Die Personenanzahl auf dem Bild sollte der Anzahl von Personen in der Kleingruppe entsprechen.

Immer 2 Gruppen arbeiten parallel so dass sie sich beim Fotografieren unterstützen können.

Je nach dem wie viel Zeit zur Verfügung steht können die Requisiten improvisiert oder aufwendig vorbereitet werden. Eine größere Abweichung zum Vorbild kann genauso reizvoll sein, wie eine sehr sorgfältige Aneignung.

Die Ergebnisse werden zusammen mit dem Original präsentiert- entweder ausgedruckt und im Raum aufgehängt oder am Beamer projiziert.

Die Teilnehmenden bekommen den Auftrag, die jeweilige Geschichte zu ihrem Bild im Internet zu recherchieren. Wikipedia ist hier eine nützliche Internetseite. Wenn genug Zeit zur Verfügung steht kann auch das Thema Internetrecherche oder Bildrecherche intensiver behandelt werden.

Der Ablauf als PDF zum Download.

Checkliste

  • Fotovorlagen (ausgedruckte Medienikonen)
  • Fotoapparate
  • eventuell Requisiten (Es können auch vor Ort vorhandene Objekte spontan zu Requisiten werden)
  • Beamer
  • Internetfähiges Gerät für die Recherche der Geschichten hinter den Bildern (auch Handy oder Tablet sind möglich)

Eingesetzte Medien

  • Foto
Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Peter Holzwarth für medienpaedagogik-praxis.de
Peter Holzwarth Kurzbio
http://www.phzh.ch/personen/Peter.Holzwarth http://phzh.educanet2.ch/peter.holzwarth/ - Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich - Lehrbeauftragter an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg - Interessengebiete: Aktive Medienarbeit (Fotografie, Video, Audio), Filmbildung, Migration im Film, interkulturelle Bildung, visuelle Forschungsmethoden, Werbung und Werbekompetenzvermittlung, globales Lernen - Autor des Buchs "Kreative Medienarbeit mit Fotografie, Video und Audio."

Ein Kommentar

  1. Daniel Bernsen am 05.11.2014:

    Schöne Idee! Alternativ können historische Bildikonen auch in einer Neuinszenierung in die Gegenwart übertragen werden, was zudem eine umfangreiche, analytische Auseinandersetzung mit der Bildaussage und den einzelnen Elementen notwendig macht und daher natürlich auch einen deutlich höheren Zeitansatz erfordert. Wir haben das vor ein paar Jahren mit dem berühmten Gemälde von Delacroix „Die Freiheit für das Volk“ versucht:

    http://geschichtsunterricht.wordpress.com/2011/12/13/von-den-historischen-zur-digitalen-revolution/

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