Let’s Play-Workshops mit Jugendlichen

Lets Play-Videos in der Medienpädagogik

„P365x52-27: Portal 2 Break“ von kurafire auf flickr.com (cc by)

Für viele Jugendliche hat YouTube den Fernseher abgelöst. Bei computerspielaffinen Jugendlichen sind dort insbesondere Let’s Play-Videos beliebt – sei es zum Anschauen oder beim selber Erstellen. Let’s Plays lassen sich medienpädagogisch gut nutzen. So zeigt das Erstellen von Let’s Play Videos Beteiligungsmöglichkeiten im Internet auf, während man sich kritisch mit Computerspielen auseinandersetzt. Hier wird ein Let’s Play-Workshop beschrieben, den das spielbar-Team (bpb) bei der play 12 Konferenz in Potsdam in ähnlicher Form durchgeführt hat. 

Was sind Let’s Plays?

Let’s Plays (Engl. „lasst uns spielen“) sind kommentierte Gameplayvideos. Das heißt: Spieler „filmen“ ihren Bildschirm beim Spielen während sie live kommentieren. Bei einigen Let’s Play-Videos sieht man zusätzlich zum Spiel auch das reale Gesicht des Spielers.

(Ein Let’s Play von Gronkh, der hier Minecraft spielt)

Durch Let’s Plays bekommt man beim Zuschauen schnell ein Gefühl für ein Spiel. Gute Let’s Plays sind dabei oft kurzweilig und machen einfach Spaß. Sie sind ein Ausdruck der aktiven Gamer-Kultur. Let’s Plays geben dem Zuschauer das Gefühl dem Spieler direkt über die Schulter zu sehen – dabei zu sein. Verstärkt wird dieser Eindruck, da viele Let’s Player einen sehr engen und aktiven Umgang mit der Community pflegen. Dazu kommt, dass praktisch jeder ein Let’s Play Video kostenlos herstellen und veröffentlichen kann, was auch viele tausende junge Menschen in Deutschland tun.

Einige Let’s Player sind sehr bekannt geworden. So sind Gronkh und Sarazar unter Computerspiel interessierten Jugendlichen Superstars. Sie gehören zu den erfolgreichsten deutschen Youtubern mit gemeinsam 1,8 Mio. Abonnenten und 650 Mio. angesehenen Videos.

Zielsetzung und Vorbereitung

Das Erstellen von Let’s Plays ist eine gute Gelegenheit, den eigenen Konsum von Computerspielen zu reflektieren und die Ausdrucksfähigkeit zu schulen.

Im Vorfeld sollten sich die ProjektleiterInnen mit der benötigten Technik vertraut machen. Es gibt viele Wege Let’s Plays aufzunehmen. Eine Möglichkeit ist mit einem spielefähigen Laptop oder PC und einer Screen Capturing Software (z.B. Bandicam oder Fraps) zu arbeiten. Ein externes Mikrofon verbessert die Tonqualität. Nun stellt sich die Frage welche Spiele zur Wahl stehen sollen. Dabei sollte man das Alter der Jugendlichen und deren Interessen beachten. Oft würden die Jugendlichen gerne Let’s Plays von Spielen machen, die für ihr Alter nicht freigegeben sind. Eine gute Möglichkeit über dieses Thema ins Gespräch zu kommen.

(Ein Let’s Play entstanden auf der play12)

Der Workshop

Zum Start des Workshops kann man das Expertenwissen der Jugendlichen nutzen und gemeinsam erarbeiten, was gute Let’s Plays ausmacht. Wie viel Unterhaltung, wie viel Information sollte enthalten sein. Welche Spiele eignen sich? Welche Fähigkeiten sollte ein guter Let’s Player mitbringen?

Anschließend können ausgewählte Spiele in Zweierteams probegespielt werden. Ist man sicher genug geht es ans Aufnehmen. Durch die Einteilung in Zweierteams können sich die Jugendlichen gegenseitig unterstützen und die Bälle beim Kommentieren zuspielen. Bei play12 wurde die Aufnahmedauer auf 2-5 Minuten beschränkt. So müssen die relevanten Infos ausgewählt und kompakt wiedergegeben werden.

Weiter geht es an das Verarbeiten der Videos. Dies können die MedienpädagogInnen übernehmen, wie bei der play Konferenz geschehen. Hat man genügend Zeit und Ressourcen, kann hier aber auch der Workshop weitergeführt werden.

Normalerweise haben Let’s Plays keine Schnitte. Oft lohnt es sich aber einen Nachspann mit Informationen zum Projekt einzufügen. Hat man zusätzlich zum Spielbildschirm auch die Gesichter der KommentatorInnen aufgenommen kann man diese nun mit einem Schnittprogramm auf das Video des Spieles legen. Das können aber nicht alle einfach zu bedienende Schnittprogramme. So besitzt der Windows Movie Maker von Microsoft diese Option nicht, iMovie von Apple dagegen schon. Bei dem genannten Workshop wurden schon beim Aufnehmen des Workshops die beiden Videos mittels eines Video-Mix-Gerätes kombiniert.

Sind die ErstellerInnen des Videos mit diesem zufrieden und einverstanden, so stellt der finale Schritt das Veröffentlichen im Internet dar auf einem Videoportal wie Youtube dar. Eine gute Möglichkeit sich mit Themen wie Datenschutz und Copyright auseinander zu setzen. Die Spielehersteller haben in der Regel nichts gegen Let’s Play Videos, denn sie werden als kostenlose Werbung gesehen. Will ein erfolgreicher Let’s Player aber Geld mit seinen Videos verdienen, so wird es kompliziert. Denn die Spielehersteller wollen einen Teil von den Einnahmen abhaben. Mehr dazu findet sich in dieser FAQ.

Für eine Veröffentlichung muss natürlich im Vorfeld auf die schriftliche Zustimmung der Eltern geachtet werden.

Zielgruppe

  • Jugendliche

Eingesetzte Medien

  • Games
  • Video

Ziele

  • Reflektion
  • Exploration
  • Artikulation

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Man kann das Let’s Play Konzept auf Spiele ausweiten, die keine Computer oder Videospielkonsolen benötigen. So haben Jugendliche beim Projekt YOUKistE TV eine bei ihnen übliche Fußball-Variante gespielt und sich dabei gefilmt. Um dem Let’s Play Konzept treu zu bleiben sollte das Geschehen live kommentiert werden. Eventuell muss also einE „KommentatorIn“ abgestellt werden.

Die im Artikel verlinkten Videos von der Play gehen in Richtung von Spielebesprechungen und sind eher informativ. Dagegen steht bei den meisten Let’s Plays der Unterhaltungswert im Vordergrund.

Grundsätzlich, kann man auch Videospielkonsolen für Let’s Plays nutzen. Das ist aber etwas komplizierter als mit einem PC, da man ein zusätzliches Gerät wie einen PC mit TV Karte oder einen Video Grabber benötigt.

Tipps & Tricks

  • Gerade bei jüngeren TeilnehmerInnen ist eine Unterstützung bei der Erstellung der Videos wichtig. So kann eine Gliederungshilfe bei der Vorbereitung helfen.
  • Technisch sehr einfach wäre es, den Bildschirm mit einer Kamera abzufilmen statt ihn mit einem Screen Capturing Programm oder Grabber direkt abzunehmen. Darunter leidet aber die Qualität erheblich.
  • Nicht alle Videoportale sehen gameplay Videos gerne. So entsprechen sie z.B. nicht den kreativen Ansprüchen von Vimeo und werden eventuell entfernt.

Schwierigkeiten

Die erstellten Videos sind natürlich nur selten so professionell wie von bekannten Vertretern des Genres. Daher sind sie ein gefundenes Fressen für negative Kommentare und „Hater“. Ein guter Anlass das Thema zu diskutieren. Auf jeden Fall sollte man darauf achten, welche Kommentare zu den Videos abgegeben werden und diese gegebenenfalls moderieren. Dabei  freundlich aber bestimmt vorgehen.

Es gibt einige technische Probleme, die bei Let’s Plays auftreten können (z.B. PC nicht schnell genug für gleichzeitiges Spielen und Aufnehmen, schlechte Tonqualität durch Nebengeräusche…). Daher unbedingt vor dem Einsatz mit Jugendlichen den Aufbau mit den angebotenen Spielen testen.

Feedback

Let’s Plays sind bei Erwachsenen bislang nur wenig bekannt. Jugendliche reagieren meist sehr positiv, wenn sich PädagogInnen für dieses Thema interessieren und sich auf diese Weise mit ihnen auseinandersetzen. So eignet es sich gut als Rahmen für Gespräche über Computerspiele.

Die audiovisuellen Let’s Plays bieten für viele Jugendliche mehr Anreize als textbasierte Spielebesprechungen und motivieren auf eine andere Weise diese zu erstellen oder anzusehen.

Checkliste

  • Spielefähiger Laptop bzw. PC
  • Falls zusätzlich Gesichter aufgenommen werden sollen: VGA Kamera (in aktuellen Laptops meist eingebaut) oder Digitalkamera
  • für bessere Tonqualität externes Mikrofon
  • Screen Capturing Software, TV Karte oder Video Grabber.
  • Schnittsoftware
  • Spiele

Links und Material

About

Ulrich TausendDer Soziologe Ulrich Tausend befasst sich seit vielen Jahren mit Computerspielen. Als 20-jähriger gründete er 2000 die Onlinespiele Firma Neodelight.com, die im Jahr 2008 verkauft wurde. Seitdem erstellt er Lernspiele und konzipiert medienpädagogische Projekte. Er ist medienpädagogischer Referent am JFF – Institut für Medienpädagogik. Außerdem betreut er das Musikstudio der Freizeitstätte KistE und unterrichtet an der Mediadesign Hochschule. Er engagiert sich in den Initiativen Creative Gaming und gameLabor.

Vielen Dank für die Unterstützung durch Tobias Helmlinger und der Freizeitstätte KistE (Katholisches Jugendsozialwerk München e.V.).

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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