Jugendliche als Web-MentorInnen für SeniorInnen

Um das Projekt durchführen zu können, benötigt man bereits sehr gute eigene Kenntnisse im Umgang mit Web 2.0-Anwendungen, insbesondere mit Skype, Messenger, Facebook, Youtube, Twitter und Blog. Zudem muss man sich über die Sicherheitseinstellungen zur Privatsphäre, die Persönlichkeitsrechte, den Datenschutz und das Urheberrecht möglichst umfangreich informieren. Von Vorteil ist es auch, wenn man Hintergrundinformationen zu den einzelnen Plattformen bieten kann (z.B. Betreiber, Nutzungshäufigkeit, Chancen, Risiken). Es ist weiterhin von Vorteil, wenn man bereits ein eigenes Profil auf den vorgestellten Plattformen hat, das man zu Demonstrationszwecken einsetzen kann.

Im Vorfeld des Projektes findet ein Gespräch mit den teilnehmenden Jugendlichen statt, in welchem zum einen ihre eigenen Kenntnisse im Umgang mit Web 2.0-Anwendungen erhoben werden und zum zweiten ihnen ihre Aufgaben im Projekt erläutert werden. Als gleichberechtigte Experten betreut jede(r) Jugendliche als Mentorin/Mentor eine Seniorin bzw. einen Senior während des gesamten Projekts.

Beim ersten Seminartermin wird zunächst von den pädagogischen Fachkräften das Projekt kurz vorgestellt und der Ablauf erklärt. Dann erfolgt das gegenseitige Kennenlernen der Jugendlichen und der älteren Menschen. Anschließend geben die pädagogischen Fachkräfte gemeinsam mit den Jugendlichen einen kurzen Überblick anhand ausgewählter Beispiele über die verschiedenen Web 2.0 Anwendungen. Zum Schluss richten die Jugendlichen mit den Seniorinnen und Senioren eine Mailadresse für die Anmeldung in den einzelnen Web 2.0-Anwendungen ein.

Für alle weiteren Termine gilt, dass die einzelnen Anwendungen zunächst exemplarisch von den Jugendlichen gemeinsam mit den pädagogischen Fachkräften vorgestellt werden. Die Chancen und Risiken der einzelnen Anwendungen werden bei der praktischen Anwendung gemeinsam erarbeitet und diskutiert.
Im zweiten Termin lernen die Seniorinnen und Senioren zunächst Skype kennen, sie richten sich mit Hilfestellung ihrer jugendlichen Mentorinnen und Mentoren ein eigenes Profil ein und probieren das Telefonieren untereinander aus. Ferner werden ihnen die nötigen Informationen für die Nutzung von Skype zu Hause bereitgestellt. In der zweiten Hälfte lernen die Seniorinnen und Senioren unter Anleitung der Jugendlichen einen Messenger kennen. Auch hier erstellen die Seniorinnen und Senioren ein eigenes Profil und probieren das chatten untereinander aus. Alle Teilnehmenden vernetzen sich auf den beiden Plattformen, damit die Kommunikation mit diesen auch zu Hause geübt werden kann.

Der dritte und vierte Termin widmet sich Facebook, weil hier das höchste Interesse bei jung und alt besteht. Wiederum erstellen die älteren Menschen unter Anleitung der Jugendlichen sich ein eigenes Profil. Dabei stehen vor allem die Einstellungen zur Privatsphäre, der Datenschutz und das Urheberrecht im Vordergrund. Gemeinsam informieren sich und diskutieren die Teilnehmenden die Chancen und Risiken der Nutzung von Facebook. Das Gründen einer geschlossenen Gruppe bei Facebook für die unbeschwerte Kommunikation der Teilnehmerinnen und Teilnehmer während der Projektphase wird aufgezeigt und im Folgenden wird die Gruppe für Mitteilungen, Kommunikation, Fragen und Hilfestellung als Plattform verwendet.
Im fünften Termin erfolgt das Ausprobieren von Youtube. Hier wird nochmals detailliert zum Urheberrecht informiert und es wird anschaulich erklärt und ausprobiert wie man eigene Filme hier einstellen bzw. löschen kann. Dafür haben wir im Vorfeld einen kleinen Film produziert.

Der letzte Termin widmet sich zunächst dem Ausprobieren von Twitter. Danach werden noch die noch die Nutzungsmöglichkeiten von Blogs vorgestellt, aufgrund des sehr verhaltenen Interesses beider Altersgruppen an dieser Anwendung, aber nicht selber ausprobiert. Den Abschluss bildet dann eine Reflexion über das Seminar sowie die Klärung von offenen Fragen und Themen sowie Anregungen für weitere Seminare.


Zielgruppe

  • Jugendliche
  • SeniorInnen
  • Intergenerativ

Eingesetzte Medien

  • Web

Ziele

  • Reflexion
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Man kann dieses Projekt auch mit Eltern und Jugendlichen durchführen, dabei sollte man aber nicht die eigenen Kinder der Eltern als Mentorinnen und Mentoren verwenden. Aufgrund von Nachfragen von Eltern planen wir ein solches Projekt für das kommende Jahr. Man kann das Projekt auch konzentriert auf bestimmte Anwendungen durchführen und den zeitlichen Rahmen entsprechend verändern.

Tipps & Tricks

Der Einsatz von Jugendlichen als Experten und Mentorinnen hat sich als sehr positiv erwiesen, da sie mit sehr hohem Engagement und Interesse an dem Projekt teilnehmen. Sie können ihre Kenntnisse einbringen und lernen gleichzeitig beim Einrichten der Profile und der Nutzung der einzelnen Anwendungen im konstruktiven Dialog die Chancen und Risiken kennen. Dies führt zu einer kritischen Reflexion des eigenen Umgangs mit dem Web 2.0, was sich bei den Einstellungsänderungen auf den Profilen der Jugendlichen während des Projektes zeigte.

Die Seniorinnen und Senioren fühlten sich kompetent betreut und lernten neben den Web 2.0- Anwendungen auch die Interessen und Themen der Jugendlichen kennen. Durch die intensive Einzelbetreuung kann auf das jeweilige Arbeitstempo der SeniorInnen angemessen eingegangen werden.
Insgesamt herrschte ein sehr gutes und kameradschaftliches Verhältnis zwischen den Jugendlichen und Seniorinnen und Senioren.

Schwierigkeiten

Die größten Schwierigkeiten ergaben sich beim Einrichten der E-Mail-Adresse, hier sollte man unbedingt ausreichend Zeit zur Verfügung haben. Außerdem empfiehlt es sich dringend, dass die Seniorinnen und Senioren sich die Adresse sowie das Passwort korrekt in einer Arbeitsunterlage festhalten, weil doch ein paar Schwierigkeiten hatten sich an die korrekten Angaben zu erinnern.

Wichtig ist die Vernetzung der Teilnehmenden während der Projektphase, damit die Anwendungen auch zu Hause ausprobiert werden. Hierbei ist es wichtig immer wieder Anregungen von Seiten der pädagogischen Fachkräfte anzubieten, da die Kommunikation sonst nicht stattfindet.
Schließlich muss man akzeptieren, dass es einzelne Senioren oder Seniorinnen mit starken Vorbehalten gibt, die sich zwar über die Anwendungen informieren wollen, auch bereit sind in der Gruppe diese auszuprobieren, ihre ablehnende Haltung aber beibehalten und nicht immer konstruktiv mitdiskutieren.

Feedback

Das Feedback war insgesamt sehr positiv, vor allem die Jugendlichen waren hochbegeistert. Auch die Seniorinnen und Senioren lobten die Zusammenarbeit mit den Jugendlichen und die intensive Betreuung.

Gewünscht wurden ausführliche Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die Nutzung zu Hause, da eine regelmäßige Nutzung bei den Senioren und Seniorinnen nicht stattfindet und daher nicht immer alles korrekt erinnert werden kann.


Checkliste

Für das Projekt benötigt man einen Gruppenraum für 16 Personen sowie acht internetfähige Computer inklusive acht Webcams und Headsets. Zur weiteren Ausstattung gehören ein internetfähiger Computer mit angeschlossenem Beamer sowie eine Leinwand für die pädagogischen Fachkräfte und jugendlichen Expertinnen und Experten zur Demonstration von Basis- und weiterführenden Informationen.

Der Kurs setzt sich aus sechs, je zweistündigen Treffen im Abstand von zwei bis drei Wochen zusammen. In den Zeiten zwischen den Treffen haben die Seniorinnen und Senioren die Möglichkeit, die kennengelernten Anwendungen zu Hause auszuprobieren und zu vertiefen.

Damit die Seniorinnen und Senioren sich bei auftretenden Problemen oder Fragen sofort Hilfestellung holen können, empfiehlt es sich eine entsprechende Web-Plattform dafür einzurichten. Wir haben dafür eine geschlossene Gruppe auf Facebook eingerichtet, in der sowohl die pädagogischen Fachkräfte als auch die Jugendlichen als Mentorinnen und Mentoreen zur Verfügung stehen.

Des Weiteren benötigt man eine Digitalkamera, mit der man auch einfache kurze Videos drehen kann.

Wichtig ist zudem, dass die pädagogischen Fachkräfte sehr gut Kenntnisse in den Web 2.0-Anwendungen (Skype, Messenger, Facebook, Twitter, Blog und Youtube) besitzen, um eine kompetente Schulung durchführen zu können.

Die pädagogischen Fachkräfte moderieren und geben inhaltliche Inputs/Einführungen in die einzelnen Anwendungen. Die Jugendlichen sind gleichberechtigte Partner und Mentorinnen. Es sollen sich gemeinsame Lernprozesse von den Seniorinnen, Senioren und Jugendlichen entwickeln, die zu einem reflektierten Umgang mit den Web 2:0- Anwendungen führen.

Idealerweise sollten die pädagogischen Fachkräfte Erfahrungen im Umgang mit Jugendlichen und älteren Menschen haben, ein den Seniorinnen und Senioren adäquates Arbeitstempo muss unbedingt eingehalten werden.


About

Sabine Jörk, M.A, Kommunikationswissenschaftlerin
Patricia Lang-Kniesner, Dipl.-Pädagogin
Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Medienkompetenz im Deutschen Evangelischen Frauenbund LV Bayern e.V., Evangelisches Bildungswerk, München e.V.
sabine.joerk@quamema.de, patricia.lang-kniesner@ebw-muenchen.de
www.def-bayern.de
www.ebw-muenchen.de

Die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Medienkompetenz
richtet sich an medieninteressierte Frauen, die sich aktiv mit den Medien kritisch-reflektiert auseinandersetzen wollen. Arbeitsschwerpunkte sind die Durchführung von medienpädagogischen Seminaren, Tagungen, Vorträgen, Schulungen, internen und externen Veranstaltungen zur Förderung von Medienkompetenz, insbesondere auch bei Seniorinnen.

Das Evangelische Bildungswerk
bietet in Zusammenarbeit mit dem Evang.-Luth. Dekanat München Seminare und Workshops zur Analyse, Wirkung und dem Einsatz von Medien an. Zudem werden medienpädagogische Projekte initiiert und begleitet.

Sabine Jörk,
M.A., Kommunikationswissenschaftlerin und Medienpädagogin arbeitet seit 1994 in der angewandten, qualitativen Medienforschung mit Kindern und Jugendlichen und ist ehrenamtlich seit 1994 für die Evangelische Arbeitsgemeinschaft zur Förderung von Medienkompetenz tätig, seit diesem Jahr auch Vorsitzende der Institution. Meine Arbeitsschwerpunkte sind der Umgang von Kindern und Jugendlichen mit audiovisuellen Medien, insbesondere dem Internet sowie medienpädagogische Schulungen sowohl für Jugendliche als auch SeniorInnen.

Patricia Lang-Kniesner,
Dipl.-Pädagogin mit den Schwerpunkten Medienpädagogik und Erwachsenenbildung, leitet den Fachbereich Medienpädagogik im Evangelischen Bildungswerk München e.V. Schwerpunkte sind neben der Seminarorganisation die Seminardurchführung (Themen wie Medien im Kindergarten- und Vorschulalter und Web 2.0-Anwendungen) und Projektbegleitung in einzelnen Einrichtungen.