DJ-Battle der Generationen

DJ-Battle in der MedienpädagogikDass die Musik einen entscheidenden Raum im eigenen Leben einnimmt, ist Jugendlichen eher bewusst als älteren Menschen, deswegen ist es von Vorteil in der Durchführung des Projekts, die Gruppe der Jugendlichen Musikerinnen und Musikern im Seniorenalter oder musikaffinen älteren Menschen gegenüberzustellen, da diese Musik als einen bedeutenderen Lebensinhalt erachten und differenzierter über ihr Musikerleben sprechen können und wollen.

Das Projekt basiert auf der Form des DJ-Battle, bei dem zwei DJs ihre Künste am Plattenteller zeigen. Aber nicht auf Scratching und Beatjuggling kommt es beim Radio-DJ-Battle an, sondern auf die treffendsten Songs bezüglich eines gemeinsam gegeben Überthemas. Eine Moderatorin oder ein Moderator gibt den jungen und älteren DJs jeweils ein Thema vor, diese einigen sich auf je ein dazu passendes Musikstück, spielen dieses und müssen natürlich auch erklären, warum sie es für passend halten. Die jeweilige Gruppe muss argumentativ überzeugend für die Battlegruppe und die Radiozuhörerinnen und -hörer darstellen, warum sie findet, dass der jeweilige Song das Thema am besten beschreibt. Die Zuhörenden werden subtil in das Gespräch eingebunden, bekommen den Gerichtshammer in die Hand und entscheiden, welche der beiden Gruppen sie überzeugender finden, so dass eine intermediale Situation entsteht.

Die gemeinsame Diskussion ermöglicht dann eine differenziertere Auseinandersetzung mit der eigenen Musikrezeption und der der jeweils anderen Gruppe. Für die Hörerin und den Hörer wird darüber hinaus der jeweilige Fokus im Bezug auf das Musikverständnis der Battlegegner deutlich. Außerdem werden durch den intergenerativen Charakter des Projekts die Veränderungen in der Musikproduktion angerissen, die verstärkt durch digital geschliffene Sounds beeinflusst wird, so dass durchaus die strittige Frage ungeklärt bleiben kann, ob der Computer ein Musikinstrument ist oder nicht. Genau diese Auseinandersetzungen zur Musikproduktion und -rezeption kennzeichnen dieses Projekt und da das Radio-DJ-Battle auditiv ist, sind hier definitiv die Generationen im Dialog, wie die Projektreihe hieß, in deren Rahmen das DJ-Battle erstmals erprobt wurde.

Das DJ-Battle zu Generationen im Dialog wurde in den vier Redaktionen des Jugendradiomagazins egoFM-Junge Talente realisiert. Der Sender egoFM ist ein Jugendradiosender, dessen Zielgruppe sich im Altersspektrum von 14 bis 20 Jahren befindet. Das Projekt kann aber auch problemlos in anderen Offenen Kanälen adaptiert werden oder ganz außerhalb von Radiostrukturen als ‚Hörspiel‘ aufgezeichnet werden. Die beiden ausgewählten Themen des Pilotprojekts lauteten „Sommerhit“ und „Fahrradsong“.


Zielgruppe

  • Jugendliche
  • SeniorInnen

Eingesetzte Medien

  • Audio

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

Tipps & Tricks

Das Projekt fördert den Dialog zwischen den Generationen und das aus dieser Konstellation erwachsende Verständnis für die jeweils andere Generation. Die Erwartungen im Bezug darauf konnten dabei nicht nur erfüllt, sondern übertroffen werden, da die Teilnehmenden auch in den Pausen des Projekts zum Thema weiter diskutierten und zwischen Pause und ‚Arbeit‘ nicht unterschieden wurde. Für die Teilnehmenden ist Musik eben eine Herzensangelegenheit, so dass ihnen die Auseinandersetzung darüber auch neue Eindrücke zu ihrer eigenen Musikrezeption geben konnte.

Schwierigkeiten

Schwierig erwies sich im Projekt, Seniorinnen und Senioren zu finden, die am Projekt teilnehmen wollten. Hilfreich ist es, Musikgruppen anzusprechen, deren Mitglieder sich im Bereich der ‚jüngeren Senioren‘ befinden. Sie haben keine Scheu, sich mit Jugendlichen über Musik zu unterhalten. Die Gruppe der Jugendlichen wiederum könnten auch aus verschiedenen Jugendbands bestehen, denen die Musik mindestens genauso wichtig ist, wie der älteren Gruppe. Einen Diskurs herzustellen ist im Projekt gar nicht schwer, da alle Musik als einen lebenswichtigen Teil sehen.

Eine sehr große Herausforderung ist, die vorgegebene Zeit für die Radiosendung nicht zu überschreiten und per Punktlandung die Sendung zu beenden, wobei in der Postproduktion auch einiges möglich sein sollte. Es sollte außerdem darauf geachtet werden, dass nicht ausschließlich die Jugend die Technik übernimmt. Musik ist ein sehr emotionales Thema, bei dem die ‚Älteren‘ gern den Joker mit der längeren Lebenserfahrung ziehen und die Musik der Jugendlichen oft als minderwertig betiteln. Hier muss dafür gesorgt werden, dass die Sicht der Jugendlichen auf ihre Musik ausreichend Raum und Respekt bekommt.

Feedback

Radio als auditives Medium bietet die Möglichkeit, sich auf nur einen Sinn zu konzentrieren und für das Gespräch On Air überzeugende Argumente zu finden. Hier haben die beiden Generationen die Möglichkeit, ihre Kultur des Debattierens zu präsentieren. Dabei ist Musik ein dankbares Thema, an dem sich die Geister scheiden und über das sich gut streiten lässt. Prinzipiell kann jeder etwas zu diesem Thema beitragen und argumentativ überzeugen, warum dieser oder jener Titel besser zur gewählten Kategorie passt als der andere. Durch das Projekt kommen die beiden Generationen ohne Umschweife in einen Dialog und unterstreichen, was ihnen wichtig ist und welche Lebenseinstellung sie haben. Die Musik ist dabei nur ein Mittel, das einen Gesprächsanreiz bietet und kann durchaus auch durch andere Themen ersetzt werden. Das Projekt wurde von den Teilnehmenden sehr positiv aufgenommen, so dass die Gespräche über den Rahmen des Projekts hinaus gingen und die Teilnehmenden länger beschäftigten als zuvor angenommen.


Checkliste

Räumlichkeiten

  • Gruppenraum
  • Workshopräume

Zeitlicher Rahmen

  • zwei Tage (müssen nicht zwingend aufeinander folgen)

Zielgruppe/Alter/Gruppengröße

  • Jugendliche mit Affinität zu Musik (eventuell Jungmusiker mit eigenen Bands oder Rapper oder DJs)
  • Seniorinnen und Senioren (etwa aus Seniorenchor oder ehemalige Opernsänger oder ältere Musiker)

Vorkenntnisse

  • Radioerfahrung, Audioschnitt, journalistische Grundlagen, ästhetisches Geschick im Bezug auf Audioproduktionen, Grundkenntnisse zur jüngeren Musikgeschichte und zu Musikgenres

Hard- und Software

  • Hardware: Mikrofone, Mikrostative, Kopfhörer, Mischpult, Laptop mit Cartmachine, Boxen, Beamer, Laptop zum Aufzeichnen, Kabel
  • Software: Audioschnittsoftware
  • Mindestvoraussetzung Technik: Mikrofone, Laptop mit Audioplayer, Laptop mit Schnittprogramm (z.B. Audacity)

Links & Material

#1 Methodentipp Kennenlernen:
Um den Umgang mit der Technik schnellst möglich zu erlenen, sollte die Kennenlernrunde bereits mit der Aufnahmetechnik realisiert werden, die später auch im Projekt genutzt wird. Gegenseitiges interviewen (nicht mehr als drei Fragen) führt dann dazu, dass die Teilnehmenden die Scheu voreinander abbauen. Gemeinsames Anhören hat anschließend den Vorteil, mögliche technische Fehler (z.B. vorzeitiges Entziehen des Mikros vom Gesprächspartner) in der späteren Produktion zu minimieren.

#2 Methodentipp Zeitplan:
Ein Zeitplan sollte gemeinsam ausgehandelt und zu Beginn des Tages besprochen werden. Dieser sollte für alle sichtbar aushängen und die Tagesziele sollten zu Beginn des Tages geklärt werden.

#3 Methodentipp Radiosendung: Für die Planung einer Sendung sollte beachtet werden, welche Zeit vorgegeben ist. Sofern die Sendung eine Stunde beträgt, sollte beachtet werden, dass insgesamt nicht mehr als zwölf Titel in dieser Stunde laufen, um zeitliche Engpässe zu vermeiden.

#4 Methodentipp Kleingruppen:
Bei der Zusammenstellung der Kleingruppen sollte darauf geachtet werden, dass pro Gruppe mindestens eine Seniorin oder ein Senior mit den Jugendlichen
ins Gespräch kommt. Die Anzahl der Jugendlichen kann dabei durchaus variieren, so dass bis zu vier Jugendliche mit einer Seniorin oder einem Senioren arbeiten.

#5 Methodentipp Bewertungskriterien:
Die Bewertungskriterien, die innerhalb der Kleingruppen entworfen werden, können, um eine größere Übersichtlichkeit zu erzeugen, in Form eines gemeinsamen Plakates festgehalten werden.

#6 Methodentipp Kleingruppenarbeit:
Auditiv in Kleingruppen zu arbeiten ist immer damit verbunden, die Gruppen räumlich voneinander zu trennen, so dass für jede Gruppe ein Raum zu Verfügung steht.

#7 Methodentipp Radiosendung:
Um den Verlauf der Sendestunde darzustellen, eignet sich vor allem eine Sendeuhr. Sie bildet die Sendung als runden Kreis ab, der im Verlauf nach Wort- und Musikanteil unterschieden ist.

#8 Methodentipp Gesprächsinhalte:
Da jede Kleingruppe nur einen festgelegten Gesprächsanteil in der Sendung haben wird, ist es von Vorteil, diesen Gesprächsanteil per Stoppuhr zu überprüfen.

#9 Methodentipp Songauswahl:
Den passenden Song für ein Thema zu wählen ist eine sehr schwierige Entscheidungsfrage, so dass den Teilnehmenden möglichst viel Zeit gegeben werden sollte. Deswegen wäre es vorteilhaft, wenn die Themen am Ende des ersten Projekttages präsentiert werden und die Teilnehmenden quasi über Nacht ein Liedlein finden.


About

Eva Claudia Dechant
Medienzentrum PARABOL
dechant@parabol.de
www.parabol.de

Das Medienzentrum PARABOL
arbeitet seit über 25 Jahren nach den Prinzipien der Aktiven Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen. Dabei konzentriert sich die Arbeit auf die Bereiche Video, Audio und Multimedia. In Kooperation mit dem JFF München konnten dabei schon viele exemplarische Projekte auf den Weg gebracht werden.

Eva Claudia Dechant
arbeitet im Medienzentrum PARABOL seit 2009 vorwiegend in der Audioarbeit, sie betreut die Jugendradioredaktionen FUNKENFLUG und egoFM-Junge Talente Nürnberg sowie den fränkischen Hörwettbewerb Hört Hört! und ist für alle auditiven Projekte zuständig. Vorher arbeitete sie bei der Kindersprachbrücke Jena e.V. und im Projekt RABATZ der Thüringer Landesmedienanstalt.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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