Trickfilm

"Trickfilm in der Medienpädagogik" In der Vorbereitung ist es notwendig, sich mit der Theorie des Bildaufbaus sowie mit Technik und Software zu beschäftigen. Dabei geht es nicht darum, alles perfekt zu beherrschen, sondern eine grundlegende Idee zum Umgang mit den Arbeitsmitteln zu haben. Der Workshop ist in mehrere Module untergliedert und kann je nachdem ausführlich oder verkürzt durchgeführt werden. Wenn für den Workshop eine ganze Woche Zeit eingeplant ist, können alle Module ausführlich behandelt werden.

Das erste Modul ist die Fotorallye zu Perspektiven, Bildaufbau, goldener Schnitt und Kameraeinstellungen. Günstig ist es für die jeweilige Aufgabe Beispielbilder oder einen Reader zur Verfügung zu stellen, damit die Teilnehmenden sich daran orientieren können. Ein weiteres Modul ist die Trickfilm-Genreshow. Hier kann schon vorgearbeitet werden, indem die Beispielfilme für die verschiedenen Genre (Zeichentrick, Knettrick, Brickfilm et cetera) schon vorhanden sind oder die Teilnehmenden bekommen nach einer Besprechung der Genre die Aufgabe selbständig im Web passende Trickfilme herauszusuchen. Diese Filme werden nach der Recherche angeschaut und gemeinsam werden die Besonderheiten jedes Genre besprochen. Diese beiden Module können durch einen einführenden Vortrag ersetzt werden.

Ein drittes optionales Modul ist die Entwicklung einer Storyboardvorlage, mit der alle Projektgruppen arbeiten können. Da diese Aufgabe sehr theoretisch ist, empfiehlt es sich einfach eine Storyboardvorlage mitzubringen und diese sowie deren Funktion zu besprechen. Der Workshop selbst beginnt am Besten mit dem gemeinsamen Auspacken der mitgebrachten Technik und der Trickfilmmaterialien. Wenn vorhanden sollte eine Trickfilmbox gemeinschaftlich zusammengebaut werden. Dieser Einstimmung folgt die vorbereitete Fotorallye. Hierbei geht es speziell um die erarbeiteten Formate und Perspektiven. Die Teilnehmenden bekommen die Aufgabe, jeweils ein Foto zu den verschiedenen Aufnahmeformaten und Perspektiven zu machen.

Die Ergebnisse der Rallye werden über Beamer in der Gruppe ausgewertet. Die besten Beispielbilder könnten auf Fotodrucker ausgedruckt und dann an einer Moderationswand ausgestellt werden. Der Fotorallye folgt die Besprechung der einzelnen Trickfilmarten (Zeichenrick, Legetrick, Knettrick) Die Teilnehmenden können hier zum Beispiel die Aufgabe bekommen zu den besprochenen Trickfilmarten passende Beispiele aus dem Web herauszusuchen und mit einer Präsentation der Stilmittel den anderen Teilnehmenden vorzustellen. Ansonsten muss die Workshopleitung eigene Beispiele vorbereiten. Anhand eines der Beispielfilme wird das Storyboard eingeführt und über erste Umsetzungsideen gesprochen. Dabei teilen sich die Teilnehmenden je nach Gruppengröße und technischen Voraussetzungen in kleinere Teams, die innerhalb eines gesetzten Zeitrahmens eine Ministory entwickeln. Diese Story wird vorgetragen und alle anderen Teilnehmenden sind angehalten, spannende, lustige oder hilfreiche Tipps zu geben. Diese Tipps können von den einzelnen Gruppen noch in ihre Geschichten eingebaut werden.

Manchmal ist es besser, erst ausführlich eine Geschichte zu entwickeln und diese in das Storyboard zu übertragen. Wenn das Storyboard fertig ist, beginnt die Umsetzungsplanung. Welche Trickfilmart soll verwendet werden? Wer arbeitet sich in die Bedienung der Technik ein? Wer baut Kulisse und wer Figuren? Wer sucht die passende Musik, die passenden Sounds und spricht wichtige Sätze über den Audiorecorder ein? Wer behält den Überblick und denkt an das Drehbuch (Regisseurin bzw. Regisseur)? Nachdem alle Fragen und Zuständigkeiten geklärt sind, kann das Werkeln beginnen. Sind die Kulisse und die Figuren gebaut, werden die Kameras aufgebaut, die ersten Aufnahmen gemacht und geschaut, ob die Perspektive und Einstellung so stimmt. (Hier ist es nützlich ein wenig Panzertape zum Fixieren der Kameras dabei zu haben, da die meisten Webcams nicht stativtauglich sind). Ist alles zur Gruppenzufriedenheit eingestellt, können die einzelnen Szenen aus dem Storyboard abgedreht werden.

Der Szenenschnitt kann gemeinsam über Beamer erfolgen, so dass alle an der Endproduktion beteiligt sind. Zu3D gibt die Möglichkeit, den Vorspann und Abspann einfach einzufügen. Charmanter ist aber ein Intro im selben Stil wie der Film selbst. Zum Abschluss bekommen die Teilnehmenden den selbstproduzierten Film auf CD/DVD gebrannt. Sind mehrere Gruppen beteiligt, gibt es noch eine Werkschau, damit alle bejubelt werden können.


Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche
  • Inklusiv

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Video
  • Audio

Ziele

  • Exploration
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Das schöne bei Trickfilmen ist, dass das Motto frei gewählt werden kann und auch die Zielgruppe nicht eingeschränkt werden muss. Der Workshop kann im
Schnellverfahren ohne intensive Zwischenauswertung und mit allen nötigen Vorbereitungen (Fotorallye vorbereitet, Filme vorsortiert und Storyboard vorentwickelt) innerhalb von drei Stunden durchgeführt werden. Das ist aber nicht empfehlenswert! Besser ist es den Teilnehmenden Zeit zu lassen. Die einzelnen Schritte mit intensiverer Auswertung zu gehen und zum Beispiel die Film- oder Motivauswahl zu besprechen. Dieser Workshop führt ganz oft zu Diskussionen über Weltanschauungen, für die sich auch die Zeit genommen werden sollte.

Tipps & Tricks

Nach dem schwierigen theoretischen ersten Teil macht es grundsätzlich viel Spaß, alle entwickelten Ideen umzusetzen und sich Tricks für die Umsetzung
einfallen zu lassen. In neu zusammengesetzten Gruppen funktioniert der gemeinsam entwickelte Trickfilm sogar als Teambuildingmaßnahme, da die Teilnehmenden die unterschiedlichen Kompetenzen untereinander schätzen lernen.

Schwierigkeiten

Bei kinästetisch lernenden Teilnehmenden ist die Theoriephase am Anfang (auch mit den auflockernden Anteilen) immer schwierig, da hier viel Wert auf Diskussion und Lesen gelegt wird. Wird der Teil aber gekürzt, ist die Unzufriedenheit bei der Umsetzung und manchmal sogar mit den Ergebnissen größer. Hier muss der/die Durchführende einfach den manchmal aufflammenden Unmut aushalten.

Feedback

Es hat den Teilnehmenden grundsätzlich immer Spaß gemacht. Oft wurde der Mangel an Zeit beklagt oder dass die Software nicht so leicht zu bedienen war, wie gehofft. Beides sind Auswirkungen von Außen, die sich leider schlecht ändern lassen. Trickfilmprojekte sind jedoch ein sehr passendes Medium, um Inhalte zu visualisieren (etwa das Wettergeschehen, historische Prozesse, Gedichte, Erklären von Experimenten). Nach den Workshops haben Lehrende diese Einschätzung geteilt und wollten mit dieser lebensweltnahen Umsetzung von Lehrinhalten Abwechslung in den Schulalltag bringen.


"Trickfilm in der Medienpädagogik"


Checkliste

  • Ein bis zwei Arbeitsräume
  • Internetzugang für Recherchen
  • wenigstens ein Arbeitstag, besser eine Projektwoche
  • Arbeitsgruppen von circa sechs Teilnehmenden, je eine Pädagogin bzw. ein Pädagoge für ein bis zwei Arbeitsgruppen

Die Durchführenden sollten

  • die verwendete Technik kennen
  • StopMotionSoftware und Schnittprogramm bedienen können
  • über Bildaufbau und Kameraeinstellungen Bescheid wissen
  • Trickfilmarten kennen und erklären
  • für jede Gruppe sollte ein Laptop plus Webcam zur Verfügung stehen, für die Perspektiven- und Kameraeinstellungsrallye wären Fotoapparate toll (funktionieren auch Handys)
  • Wenn möglich eine Trickfilmbox, Scherenschnittpapier, Buntpapier, Knete und Lego. Wenn man für einen Workshop eine ganze Woche Zeit hat, dann kann man auch mit Folien, um Zeichentrick zu erklären, arbeiten. Für Vor- und Abspann macht sich ein alphabetisches Stempelset gut.
  • Software: Es gibt verschiedene Softwareprodukte. Empfehlenswert ist Zu3D, da es sich von Kindern sehr leicht erfassen lässt. Lizenzfrei kann aber auch mit MonkeyJam oder Heliumfrog gearbeitet werden. Für den Audioschnitt empfiehlt sich Audacity, das ist Open Source und leicht zu bedienen.

About

Peg Koedel
Cyber4Kids
buero@cyber4kids.de
www.cyber4kids.de

Cyber4Kids: Onlinepublikationsportal mit Beteiligungsaspekten für Kinder- und Jugendliche und bietet Workshops sowie Seminare an, die sich mit den Themen Web-Publikation, Social-Communities, Bild-Ton-Bearbeitung, kreative Medienproduktion beschäftigen.

Peg Koedel: Ich gebe Elternabende zum kindlichen und jugendlichen Medienkonsum sowie dessen Auswirkungen auf Entwicklungsprozesse. Ich lege großen Wert auf Workshops für Kinder und Jugendliche, um vom Konsum hin zur Medienprodukion zu kommen. Dabei steht immer die Reflexion der eingesetzten Mittel und bearbeiteten Themen sowie deren Wirkung im Zentrum.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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