2 oder 3 | alt oder neu: Die SIMS

"The Sims at Alton Towers" von Sevenupcan auf flickr.com

Wir haben schon öfters über Machinima geschrieben, eine klasse Methode für medienpädagogische Videoprojekte. Unsere bisherigen Projekte haben wir mit Die SIMS 2 realisiert und positive sowie negative Erfahrungen gemacht. Nun haben wir das letzte Machinima in Die SIMS 3 erstellt und waren überrascht – und an so mancher Stelle enttäuscht bis frustriert. Aber der Reihe nach.

Allgemeine Anmerkungen:

Die SIMS 3 kommt in einer Mac- und in einer Windows-Version, auf der selben DVD, ohne Mehrkosten. Das ist sehr praktisch. Wir haben uns für die Mac-Version entschieden, weil in den vergangenen Projekten die Datentransfers von Windows zu Mac zeitraubend und nervig waren. Geschnitten haben wir mit Final Cut Pro, daher auch die Notwendigkeit des Transfers. Die folgenden Kritikpunkte können also auch macspezifisch sein, Windowsfilmer würden unter Umständen keine oder andere Punkte anführen.

Das Bild:

Die Bildqualität ist deutlich besser als in Die SIMS 2, in der maximalen Auslösung sieht das Bild wirklich klasse aus. Allerdings geht damit auch eine verzögerte Darstellung und Reaktionszeit während der Aufnahme einher. Wenn die Szene gerade aufgenommen wird, läuft das Bild in Zeitlupe ab, was zu einigen anfänglichen Irritationen bei den TeilnehmerInnen geführt hat. Das alleine ist nicht weiter schlimm. Wenn allerdings die Sims (in Neusprech) on demand gesteuert werden sollen, sind die Latenzen mit unter so groß, dass der Befehl mehrmals gegeben wird, aus Angst die gute Szene durch eine fehlende Aktion unbrauchbar zu machen. Das führt zu Dopplungen, die Szene wird unbrauchbar. Das ist sicherlich auch von unserer verwendeten Hardware abhängig, erwähnt werden sollte es dennoch.

Im Spiel:

Die Sims können teleportiert werden, das zeit- und klickaufwendige Umziehen vom einen zum anderen Ort erübrigt sich. Allerdings ist das Importieren von unterschiedlichen Häusern und/oder Gründstücken etwas fummelig. Wir haben die Personen und Häuser in Arbeitsteilung erstellen lassen, die eine Gruppe hat an einem Rechner die eine Familie erstellt, während eine andere Gruppe an einem anderen Rechner ein Haus eingerichtet hat und so weiter. Die Personen bzw. Häuser auf einem anderen Rechner zu importieren, auf dem die Szene gedreht werden sollte, hat nicht einwandfrei funktioniert. Es waren zwar alle Daten im Library-Ordner enthalten, das Spiel hat aber nur entweder das eine oder das andere erkannt, selten beides zusammen.

Die Cheats sind weitgehend andere als in der Vorgängerversion, es sind weniger, und die sind auch noch weniger mächtig. Der Spielraum wurde deutlich beschnitten. Besonders deutlich wurde das bei dem Versuch die Sims Emotionen zeigen zu lassen, gestisch und mimisch. Ebenfalls problematisch war der eigene Wille der Sims. Um zu verhindern, dass eine Person ohne ersichtlichen Grund aus dem Zimmer rennt (meistens genau dann, wenn die Aufnahme läuft) kann er deaktiviert werden. Allerdings funktioniert das nicht so souverän wie in der Version 2. Ein – besonders aus der Distanz des Beobachters – lustiges Beispiel ist das Auftreten der Polizei. Während mensch andere Institutionen wie den Schulbus, der die schulpflichtigen Sims in die Schule kutschiert, unabhängig davon was man ihnen gerade zu tun gegeben hat, einfach löschen kann, geht das mit der Polizei nicht. Wir haben eine Szene erstellt, die Personen an die entsprechenden Positionen gestellt. Es wurde Abend, dann Nacht. Die Personen waren minderjährig, haben die Sperrstunde mißachtet. Konsequenz: sie wurde abgeholt und auf die Polizeistation gebracht. Konsequenz davon: Um nicht Ewigkeiten warten zu müssen die Szene neu laden, neu einrichten, Personen an Ort und Stelle bringen. Befehle verteilen und immer die Tageszeit im Auge behalten.

Die erstellten Szenen:

Sind die Szenen im Kasten können sie aus dem entsprechenden Ordner einfach herausgenommen und gesichtet bzw. in das Schnittprogramm importiert werden. Klingt gut, aber: Die SIMS 3 hat ein Problem mit der Dateigröße der erstellten Filmsequenzen. Das äußert sich so, dass die Sequenzen entweder gar nicht laufen, das Bild grau, braun oder schwarz ist, ein willkürlicher Splitscreen zu sehen ist oder Zeilen im Bild verrutscht sind. Die Grenze für eine fehlerhafte oder nicht fehlerhafte Sequenz liegt zwischen 2 und 2,5 GB. Das klingt viel, aber in der höchsten Auflösung entspricht das etwa einer Länge von einer Minute, vielleicht etwas mehr. Wenn mensch nun bedenkt, dass die Sims nicht immer gleich das machen was sie sollen oder sich zwischendrin reichlich Zeit lassen, dann ist eine Minute wahrlich knapp. Dazu kommt die Slow-Motion-Wiedergabe während der Aufnahme. Den Faktor haben wir nicht errechnet, würde aber eventuell helfen die Sequenzdauer abschätzen zu können.

Fazit:

Mein Fazit ist klar und knapp formulierbar: Finger weg von Die SIMS 3 bei der Machinima-Produktion, drehen Sie lieber in der älteren Version 2. Hier ist zwar das Bild etwas schlechter, dafür sind die Macken (die gibt es hier durchaus auch) nicht so zahlreich, fallen nicht so stark ins Gewicht und sind mit ein wenig Improvisation zu umgehen bzw. handhabbar.

Wenn Sie andere Erfahrungen gemacht haben oder ergänzen möchten, nur zu!

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Mario von Wantoch-Rekowski für medienpaedagogik-praxis.de
Mario von Wantoch-Rekowski Kurzbio
Mario von Wantoch-Rekowski zog es von Berlin nach Rheinland-Pfalz und er arbeitet hauptberuflich beim Landesfilmdienst RLP e.V.. Er studierte Medienkommunikation und kam über seine Studienschwerpunkte Medienpsychologie und -ethik zur Medienpädagogik. Neben seiner praktischen Arbeit versucht er sich auch immer wieder an neuen medialen Entwicklungen und deren möglichen medienpädagogischen Nutzen. Seine Schwerpunkte im Blog sind Medienpsychologie, Jugendschutz und (freie) Spiele.

Ein Kommentar

  1. Björn am 19.08.2010:

    Danke für den ausführlichen und guten Erfahrungsbericht. Wir haben in medienpädagogischen Machinima-Projekten auch schon mit den Sims 3 gearbeitet, und im Prinzip kann ich die Erfahrungen nur bestätigen: Die zeitverzögerte Aufnahme ist wirklich problematisch, zwar bemerkt man das nach den ersten Versuchen und kann darauf reagieren, aber die Jugendlichen vergessen es im Eifer des Gefechts manchmal eben doch, was zu hektischen (Kamera-)Bewegungen führt. Zudem muss man darauf achten, die maximale Aufnahmezeit auf 60 Sekunden zu begrenzen, damit die Aufnahme später auch wirklich abgespeichert ist. Dennoch finde ich die Grafik von Sims 3 faszinierend, so dass ich nur ungern zu Version 2 zurückgehen möchte…
    Hier eines unserer Ergebnisse, das Theater-Game-Projekt „Geschwister-Switch“: http://www.medien-bilden.de/video/Geschwister-Switch—Das-Theater-Game—/10c7c82d7d9e7ba1340f7701fb1866e7

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