What’s Web: Comic-Clips zu Medienkompetenz

Bild © Coldmirror, mit freundlicher Genehmigung durch den Hessischen Rundfunk

Wenn Piraten gegen die Datenkrake kämpfen, ein tapferer Ritter von Handy-Pushnachrichten abgelenkt wird und Rapunzel als Influencerin jobbt (die wohl rein zufällig an Bibi erinnert), dann wird schnell deutlich, dass es sich hier um außergewöhnliche medienpädagogische Materialien handelt. Das Projekt What’s Web präsentiert Videoclips aus der Feder von Coldmirror, die mit skurillem Humor zur Selbstreflektion anregen.

Hinter dem Projekt stehen der Hessische Rundfunk und das Hessische Kultusministerium, die die Videoclips zu Themen des Jugendmedienschutzes produziert haben. Um die Inhalte im pädagogischen Kontext vertiefen zu können, stehen ausführliche Unterrichtsmaterialien zum kostenlosen Download bereit. Auch die Videos selbst können kostenlos heruntergeladen werden. Derzeit stehen sechs Clips mit dazugehörigen Materialien online:

  • Im Gaming-Clip finden sich Hänsel und Gretel als zockende Jugendliche in einem Real-Life-Adventure wieder.
  • Think before you post greift die altbekannte Frage auf, welche Daten und Abbildungen online veröffentlicht oder verschickt werden sollten und wo die Grenzen liegen.
  • Im Clip zu Datensicherheit werden persönliche Datenspuren im Netz beleuchtet – mithilfe mutiger Piraten und einer mächtigen Datenkrake.
  • Always on ist ein armer Ritter, der dank seiner Handy-Pushbenachrichtigungen keine Zeit findet, um den Drachen zu bekämpfen und die Prinzessin zu retten.
  • Die Frage nach „Hate Speech vs. Meinungsfreiheit“ wird an Beispielen wie Galileo Galilei und Verschwörungstheoretikern erklärt.
  • Wie Influencer vor langer, langer Zeit geworben hätten, zeigt Rapunzel in ihren Pranks, Produkttests und Musikvideos.

Gegenüber anderen Jugendmedienschutz-Projekten bestechen diese Clips durch ihre schräge Machart. Die YouTuberin Coldmirror, die bereits seit 13 Jahren als Webvideo-Creatorin aktiv ist, hatte hier ihre Finger im Spiel und präsentiert Medienkompetenz in erfrischender Form. Die ergänzenden Arbeitsblätter, Glossare und Hinweise für Lehrkräfte runden das Angebot ab und ermöglichen es, die Clips ohne großen Vorbereitungsaufwand im Unterricht, in Vertretungsstunden oder auch in der außerschulischen Bildung einzusetzen.

Einziges Manko: Die Materialien stehen nicht unter freier Lizenz, sondern sind urheberrechtlich geschützt, was bei einem gebührenfinanzierten Bildungsprojekt durchaus bedauerlich ist. Ansonsten sind die WhatsWeb-Clips und -Materialien überaus empfehlenswert und dürften Jugendlichen wie auch Erwachsenen große Freude bereiten.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Björn Friedrich für medienpaedagogik-praxis.de
Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er mehrere Elternratgeber, zuletzt im August 2018 "Das Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).