Break Out Konzept für Workshops

Das Konzept Break Out wurde hier im Blog bereits besprochen und ist auch bei mir auf großes Interesse gestoßen. Der Anstoß kam aber durch Data Run, dessen Spiel ich zu mir auf die Arbeit nach Sigmaringen geladen hatte. Ich arbeite dort im Landratsamt, in der Kinder- und Jugendagentur ju-max. Die Idee solch eines Abenteuers hat mich sehr beschäftigt und ich wollte das irgendwie auch selbst einmal umsetzen. Da ich viel unterwegs bin, wollte ich das aber etwas kompakter haben.

Gemeinsam mit einer Studentin und unseres FSJ’lers haben wir dann überlegt, wie so etwas im Kleinen aussehen könnte. Es sollte ein Workshop für 3 Schulstunden sein und als Thema hatten wir uns YouTube herausgesucht. Der nachfolgende Ablauf hat noch seine Schwächen, aber ich sehe, dass auch nie wirklich als „fertig“. Ich verstehe den ganzen Aufbau eher als „Plattform“ für viele weitere Themen – aktuell beginnen wir mit dem Thema „Digitale Spiele“.

Material

Neben der Ausstattung braucht es auf jeden Fall eine 2. Person, die durch die Geschichte führt und die am besten an einem PC mit Internetzugang sitzt, zum Beispiel im Lehrerzimmer. Der Zugriff zum Chat erfolgt per Jabber und einem Webchat – wir haben Xabber Web genutzt.

Je nach Klassengröße kann auch Nebenraum sinnvoll sein.

uebersicht-material
  • Ein Raspberry Pi 3, der ein WLAN aufspannt und den größten Teil der Rätsel bereitstellt. Ein fertiges Abbild für den Workshop steht bereit.
  • QR-Codes, mit denen die Teams eingeteilt werden
  • Ein Smartphone mit einer Jabber-App, wir haben Conversations genutzt. Das Smartphone ist im Klassenzimmer versteckt (Wenn kein Internet vorhanden ist, geht es auch mit einer Bluetooth-Chat-App , allerdings muss die 2. Person dann rechte nahe am Klassenraum sein.)
  • DIN-A-Umschläge für Rätsel und Code-Übersicht. Info auf dem Umschlag „Erst öffnen, wenn du zu TEAM X gehörst!“
  • Rätsel (Mal den Code / Kreuzworträtsel)
  • Dokumentencase mit PIN-Schutz (Amazon), der im Klassenzimmer versteckt wird
  • Optional: Tablets für Gruppen-Einteilung mit QR-Code Scanner und TN, sofern kein eigenes Smartphone vorhanden
  • Alter Laptop – wir hatten noch ein Netbook, das findet auch prima im Dokumentencase Platz
  • Übersicht der Codes / Rätsel / Ergebnisse für den Spielleiter
  • Jabber-Accounts für das Smartphone und für die 2. Person, die für Fragen zur Verfügung steht
  • Wikipedia-Artikel zu YouTube (wichtig sind die Seiten mit dem Startdatum von YouTube)
  • Gesprächsleitfaden

Die ganzen Dokumente in einer ZIP herunterladen.

Ablauf

Kurz bevor die Klasse kommt schreibt der/die Referent:in eine Nachricht an die 2. Person. Ein paar Minuten später soll sie dann die Nachrichten schicken.

Der/die Referent:in begrüßt die Klasse. Es soll um YouTube gehen. Er/Sie zeigt den ausgedruckten Wikipedia-Artikel. Die Klasse wird ein bisschen zu YouTube befragt: „Was schaut ihr so?“, „Weiß wer, wann YouTube gegründet wurde?“. Der Wikipedia-Artikel wird an die Tafel gehängt. Irgendwann ertönt das versteckte Smartphone und die Klasse beginnt zu suchen.

Ist das Smartphone gefunden, beginnt der Chat mit der Klasse. Sie wird in die Geschichte eingeführt:

YouTube ist von einem Virus befallen, die Seite wird schwieriger zu erreichen. Es gibt eine Software, um den Virus zu retten. Diese ist auf einem Laptop, der im Klassenzimmer in einem Dokumentensafe sicher verwahrt ist. Die Klasse muss ihn suchen, um an den Laptop zu kommen.

Ist der Safe gefunden, braucht es eine PIN. Diese ist das Gründungsdatum von YouTube. Ist der Safe geknackt, wird das Laptop aktiviert und gestartet. Laut Chat gibt es eine Webseite, die den Virus stoppt. Allerdings braucht es dafür einen Code. Um an diesen zu gelangen, muss die Klasse sich in Gruppen einteilen und verschiedene Rätsel lösen, um den Code zu erlangen. Die Einteilung erfolgt per QR-Codes, die in dem Dokumentensafe sind. Die Aufgaben erhält die Gruppe in einem Briefumschlag, der für sie bestimmt ist. Sind alle Rätsel gelöst, müssen die Codes addiert werden. Der Code, um die Webseite mit der Software zu öffnen, besteht je aus einer Zahl der Gruppenergebnisse.

Abschluss

Wurde YouTube vom Virus befreit, können einzelne oder alle Rätsel mit der Klasse besprochen werden.

Stolpersteine

Anmerkung: Bisher wurde der Break Out erst zweimal durchgespielt. Trotz des frühen Stadiums möchte ich das aber alles veröffentlichen, weil es, glaube ich, keine fertige Variante geben kann, die für alle passt und weil sich die Inhalte sicherlich ändern.

Bei unseren Tests haben wir gemerkt, dass der Anfang noch ausbaufähig ist. Dadurch, dass alles an einem Handy stattfindet, gibt es eine Gruppe, die Sache in die Hand nimmt und die anderen standen außen vor. Beim zweiten Durchlauf haben wir das Handy mittels Dokumentenkamera an die Wand projiziert, aber es wurde intuitiv wieder weggenommen, um zu chatten. Dadurch kommen nicht alle in die Geschichte rein. Falls du eine Idee hast, freue ich mich über einen Kommentar.

Wir hatten außerdem zu viele Rätsel, sodass YouTube zwar gerettet wurde, wir aber kaum Zeit für die wichtige Reflexion hatten. Entweder also weniger Rätsel nehmen oder die Zeit verlängern. Allerdings waren die Klassen (Stufe 6) am Ende ziemlich platt, sodass in dem Alter sicher weniger Rätsel besser sind.

Das Verbinden mit dem WLAN ist kein Problem, allerdings taten sich viele schwer mit der Webseite. Die Browser-App ist etwas, das nicht sehr oft genutzt wird und daher versuchen die meisten die Adresse in die Google-App einzutippen. Das würde ich aber nicht ändern wollen, weil ich es für wichtig halte, dass jede:r weiß, was eine Webadresse ist und wo sie eingegeben wird. Ich denke da an unzählige Links, die per WhatsApp eingeflogen kommen.

Maschinenraum

Das Abbild habe ich auf einem Raspberry Pi 3 erstellt. Dieser erzeugt ein WLAN mit SSID „Workshop“. Das Passwort lautet „mitmachen“.

Auf dem Pi läuft ein Apache-Server mit MariaDB und ein WordPress mit dem H5P-Plugin. Die Webseite für das Retten von YouTube ist eine einfache HTML-Seite.

Das WordPress-Dashboard ist zu erreichen über
youtube.raspi.rocks/wp-admin und die Zugänge lauten:

Benutzername: Administrator
Passwort: change-me

Alle Software wurde am 15.09.2019 aktualisiert und die Logs gelöscht. Ich würde aber nach dem Motto „never touch a running system“ verfahren und einfach keine Updates durchführen. Ist der Pi mit einem Netzwerkkabel verbunden kommt er auch in’s Netz – das würde ich aber während des Workshops nicht empfehlen.

Bei Interesse freue ich mich über einen Austausch zum Beispiel per Mastodon oder in einem privaten humhub Space, für den ich gerne einen Zugang einrichte. Selbstverständlich auch hier in den Kommentaren.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Michael Weis für medienpaedagogik-praxis.de
Michael Weis Kurzbio
Michael ist Sozialarbeiter, der im Bereich der Medienpädagogik tätig ist. Er macht am liebsten Workshops, bei denen vieles direkt ausprobiert werden kann. Er ist begeistert von Freifunk und Freier Software.
Verfasst am 17.09.2019