Kreative Kurzvideos ohne Filmschnitt produzieren: Snapchat Stories

Eine Hand, in der ein Smartphone mit der Snapchat-App gehalten wird. Neben der Hand befindet sich der Schriftzug "Was ist der Untschied zwischen Kaffee und Kakao"

Eigenes Bild, Lizenz: CC0 Public Domain. Verwendete Grafik von Terovesalainen (CC0 Lizenz, Pixabay).

Das Storyboard wurde gemeinsam entwickelt, der Videodreh macht allen Spaß, das Material ist schließlich fertig aufgezeichnet – und dann ist der Arbeitsschritt des Schneidens fällig. In der großen Gruppe macht diese zeitaufwändige Aufgabe dann meist wenig Sinn, u.a. weil sie viel Konzentration erfordert. Mit der Smartphone-App Snapchat kann für kleinere Videoprojekte im Kontext der Medienpädagogik ein anderer Weg gewählt werden, der ohne Filmschnitt auskommt. So können zum Beispiel Erklärvideos mit wenig Zeitaufwand produziert oder Storyboardentwürfe kurz getestet werden.

Wie das genau funktioniert erklärt der folgende Artikel mit einigen Beispielen und Erfahrungen aus der praktischen Arbeit.

Der Snapchat Storymodus

Screenshot der Erstellung eines Fotos bei Snapchat mit dem Hinweis, wo das Foto zur Story hinzugefügt werden kann

Screenshot von Snapchat (eigenes Foto)

Snapchat bietet mit dem Storymodus eine relativ einfach und schnelle Möglichkeit, Videos ohne den sonst nötigen Arbeitsschritt des Filmschnitts zu produzieren. Kurze Foto- oder Videosequenzen (sogenannte Snaps) werden einfach hintereinander aufgenommen. Diese werden dann von Snapchat automatisch zu einer Story zusammengefasst, die für andere Nutzer*innen 24 Stunden lang abrufbar ist.
Das Tolle: Die Story kann aber ebenfalls als Filmdatei auf den lokalen Smartphone- oder Tabletspeicher exportiert werden. Somit bietet sich die einfache Möglichkeit, die produzierten Inhalte aus Snapchat zu “befreien” und auf anderen Plattformen wie Youtube zu veröffentlichen.

Wie funktioniert das Erstellen einer Story und der Export genau? Für einen Workshop auf der digilog16-Tagung hat die Heilpädagogin Judith Vitek mit mir ein Erklärvideo für den Snapchat-Storymodus erstellt (steht unter freier Lizenz, gerne weiterverwenden):

Für das Video haben wir insgesamt ungefähr 10 Minuten Arbeitszeit benötigt (bei einer Szene fehlt der Ton, wir waren noch am Üben. Niemand ist perfekt! ;-)). Die Story wurde anschließend exportiert und auf Youtube hochgeladen. Eine Anleitung für den Export findet sich u.a. hier (englischsprachig): Snap oder Story exportieren

Kreative Möglichkeiten?

Bei Snapchat Stories können Fotos mit Videosequenzen kombiniert werden, sodass vielfältige Erzählformen möglich werden. Die Angezeigedauer von Fotos kann über das Timericon unten links variiert werden. Text-, Smilie- oder Farbeinblendung über Foto- oder Videosequenz wurden im Erklärvideo bereits gezeigt. Weiterhin gibt es die Möglichkeit, Smilies an Objekte im Video zu heften (Motiontracking von Smilies), Filter sowie Gesichtseffekte. Musik oder Soundeffekte können während der Aufnahme manuell eingespielt werden, z.B. mit einem anderen Smartphone. Im Netz finden sich hierzu zahlreiche Anleitungen.

Themen behandeln, Storyboards ausprobieren und „Snapdokus”

Die Videoproduktion ohne nachträglichen Filmschnitt bietet sich für kleinere Videoprojekte besonders an, aber auch für größere Projekte kann die Produktion mit Snapchat eine gute Übung sein: So kann die Umsetzung von erarbeiteten Storyboards, das Erproben von Einstellungsgrößen oder das Experimentieren mit Erzählmustern schnell praktisch vollzogen werden. Da das Video nach dem Aufnehmen und Export bereits präsentiert werden kann (siehe unten), können Ergebnisse zeitnah diskutiert werden.

Ein Praxisbeispiel: Judith Vitek und ich haben das Thema “Barrierearme Erklärvideos” im digilog16-Workshop thematisiert. Barrierarme Videos sollten bestimmte Anforderungen erfüllen, bspw. in Bezug auf die Bildgestaltung. Teilnehmende konnten mit Snapchat sich selbst an einem kurzen, barrierearmen Erklärvideo versuchen. Ein Erfahrungsbericht sowie Präsentationsfolien finden sich hierzu im Blog des Media Literacy Labs (Inhalte unter freier Lizenz, gerne weiterverwenden): Erklärvideos mit Snapchat produzieren – barrierefrei und ohne Filmschnitt? (Workshopdokumentation).

Snapchat eignet sich durch das einfache Filmen und Fotografieren mit dem Smartphone aber auch für für die Erkundung von Orten. Wie das aussehen kann, haben die Kulturfritzen mit ihren „Snapdokus“ im letzten Jahr vorgemacht:

Die Grenzen von Snapchat

Grundsätzlich zeichnet sich Snapchat durch eine etwas irritierende Benutzerführung aus, die auf Wischgesten (links-rechts sowie oben-unten) setzt. Eine kurze Eingewöhnungszeit sollte also bei unerfahrenen Nutzer*innen eingeplant werden. Snapchat ist für Android- und iOS-Geräte verfügbar.

Ein großes Manko war die geringe Qualität: Während unseres Workshops im letzten Jahr war die Videoqualität auf 360p beschränkt. Inzwischen hat der Export in 720p-Qualität (HD) funktioniert (Testgerät: iPad Mini 4). Die Foto- und Videoqualität kann aber von Smartphone zu Smartphone unterschiedlich ausfallen, hier hilft nur testen.  

Eine Snapchat-Accountregistrierung ist nötig, um die Funktionen der App zu nutzen. Bezüglich des Datenschutzes und der Persönlichkeitsrechte ergibt sich bei Snapchat ein Spannungsfeld: Alle Fotos und Videosequenzen werden beim Aufnehmen direkt an den Snapchat-Server übertragen, falls Verbindung zum Internet besteht. Entgegen früherer Tests ist es inzwischen aber möglich, dass die Aufnahmen auch offline produziert und direkt exportiert werden können als Datei – Erfahrungen mit dem Arbeit offline gerne in den Kommentaren ergänzen.

Am Ende: Filme präsentieren!

Im digilog16-Workshop haben wir iPads an ein Macbook angeschlossen. Das Macbook war mit einem Beamer verbunden. Mit Quicktime kann der Bildschirm sowie der Sound des iPads übertragen werden: Anleitung Quicktime mit iPad verbinden. Für Windows- oder Linux gibt es ebenfalls Lösungen, ansonsten kann auch die Datei versendet oder hochgeladen werden.  

Fazit: Bitte mehr davon?

Bei Instagram wurde die Story-Funktion von Snapchat kopiert, dort gibt es aber zum jetzigen Stand noch keine Exportfunktion. Apps wie Snapchat, die ohne das direkte Hochladen auf externe Server auskommen, wären meiner Ansicht nach eine große Bereicherung für den Einsatz in der Medienpädagogik. Falls jemand bereits solche Apps kennt, gerne in den Kommentaren ergänzen! 

Weiterhin können in den Kommentaren gerne Praxisbeispiele für Erklärvideos gepostet werden, die in medienpädagogischen Workshops oder Projekten entstehen – ich würde mich sehr darüber freuen! Viel Erfolg bei der praktischen Arbeit!