Das Escape Game “Humanus”

Escape Games sind zur Zeit extrem beliebt. In den großen Städten machen ständig neue Räume auf, in denen Besucher Rätsel lösen müssen, um wieder aus den Räumen heraus zu kommen. Das Erleben von neuen Situationen steht im Mittelpunkt der Escape Rooms. Der Ansatz ist nicht neu und reicht schon seit Jahrzehnten in verschiedene Bildungskontexte hinein. Escape Games können Teilnehmende von Bildungsveranstaltungen in neue Lernkontexte und Reflektionsprozesse führen. Besonders im Bereich der Persönlichkeitsentwicklung können Escape Games eine Rolle spielen.

Auf dem Spiel- und Lernblog “A Playful Path” wurde vor kurzem ein sehr gutes Escape Game / Serious Game veröffentlicht. Es heißt „Humanus“ und kommt aus dem Jahr 1973.

Humanus ist ein unaufwendiges Escape Game, das Medienpädagog_innen schöne Ansatzpunkte bietet, um über verschiedenste politische und gesellschaftliche Themen ins Gespräch zu kommen (z.B. unser Verhältnis zu einer technisierten Welt, „Technikhörigkeit“ oder auch künstliche Intelligenz). Das „Spiel“ ist mit einer Gruppengröße von ca. 5 – 15 Teilnehmenden spielbar. Das gesamte Spiel läuft über eine einzige (digitale) Tonbandaufnahme, die von Spielleiter mit Unterbrechungen über Lautsprecher eingespielt wird.

Das Szenario

Die Apokalypse hat stattgefunden. Eine kleine Gruppe Menschen hat sich in einen Luftschutzbunker gerettet. Der Bunker und das Leben darin, werden nun von einem Computer gesteuert (der Computer und seine Handlungsanleitungen sind Inhalt des Tonbands). Das Spiel dauert ca. 80 Minuten – ein anschließendes Debriefing ist dringend notwendig, wenn aus Erlebnis Erfahrungen werden solenl. (Hier eine Auswahl von Debriefing und Evaluationsmethoden, die bei der Auswertung unterstützen können.)
Wir spielen das Spiel in einem alten Keller, den wir entsprechend eingerichtet haben. Spiele wie dieses, leben häufig von der Atmosphäre in der sie stattfinden. Macht euch einfach ein bis drei Gedanken zu dem Ort an dem ihr spielt und ihr werdet feststellen, dass die Ergebnisse immer besser bzw. anders werden.

Die Anleitung

Ich habe eine kleine Anleitung für Game Master ins Unreine getippt, um „Humanus“ wirklich spiel- und organisierbar zu machen. Hier kommt ihr zur Anleitung. Spiel und Anleitung sind in Englischer Sprache. Und hier ist auch noch die Original-Anleitung aus den 70er Jahren.

Die Einsatzbereiche

Erfahrungen haben wir mit diesem „Spiel“ in interkulturellen Kontexten. Wir haben es gespielt, um Gruppen gemeinsam eine Situation bewältigen zu lassen, um junge Menschen zur Selbstreflektion zu ermutigen und um Gruppendynamiken aufzubauen und zu erproben. In dem Spiel selbst sind Themen wie Demokratie, Fremdbestimmung, Technikhörigkeit, Menschlichkeit, Solidarität, Frieden, Kooperation etc. angelegt. Die Bögen, die sich in einer guten Evaluation schlagen lassen, können Teilnehmende in tiefe Lernprozesse führen. Die Anknüpfungspunkte in unsere Zeit hinein sind deutlich, weil die großen Themen sich eben nur selten ändern.

Spiele wie Humanus sind nicht unumstritten. Humanus führt Teilnehmende in eine neue und mitunter extreme Situationen. Kaum etwas ist, wie es scheint. Dinge ändern sich und Informationen kommen nur verzögert. Dennoch ist “Humanus” kein Experiment. Es ist vielmehr die Möglichkeit, junge Menschen und auch sich selbst in neue Lernsituationen zu bringen, die eine Reflektion des Selbst, der eigenen Einstellungen und Meinungen ermöglichen. Aus diesem Grunde ist die Evaluation nicht nur essentiell, sondern erfordert auch Erfahrung und Fingerspitzengefühl.

”Humanus“ kann ab einem Alter von 15/16 großes Lern-potential entfalten. Jenseits von interkulturellen und non-formalen bzw. Außerschulischen Bildungskontexten kann “Humanus” auch in der Schule Mehrwerte liefern. Als inhaltlicher Einstieg in dystopische Lektüren wie zB Brave New World, 1984, Slaughterhouse 5 oder auch als Sprachübungseinheiten kann “Humanus” funktionieren.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Anselm Sellen für medienpaedagogik-praxis.de
Anselm Sellen Kurzbio
Anselm Maria Sellen arbeitet als Studienleiter für das Europahaus Marienberg. In seiner Arbeit geht es um die Verbindung von politischer, kultureller und digitaler Bildung. Anselm "Pottkastet" zu Bildungstehemen unter EUducation I Anselm bloggt als Bildungsmensch unter amsellen und als Vater unter wortinfarkt

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