Trickfilm-Workshop mit Smartphone oder Tablet (Handbuch Making-Aktivitäten)

Trickfilm am Smartphone oder Tablet ist kinderleicht. In diesem Einführungsworkshop soll das breite Trickfilm-Spektrum gezeigt und ausprobiert werden.

Setting Kinder ab 8 Jahren
Dauer Ab 90 Minuten / 2 Unterrichtseinheiten
Zielgruppe Je nach Vorerfahrungen der Kinder mit Smartphone-/App-Bedienung und Trickfilm-Apps, bei absoluten Anfänger/innen nur 6, bei Erfahrung mit Smartphones bis zu 26 (bei einer Betreuungsperson)
Zielsetzung Einblicke in Medien- bzw. Filmproduktion, kreatives Gestalten
Notwendige Ausstattung Je Gruppe von 2 bis 3 Kindern ein Smartphone oder Tablet, jeweils mit geeigneter Halterung oder Stativ; Beamer zur Präsentation der Videos, je nach Stationen u.a. Puppen, Legofiguren, Knete, Papier, Stifte und Schere, Whiteboard und abwischbare Stifte, für Pixilation ggf. ein eigener Raum, evt. ein Besen, ggf. Ausdrucke von Daumenkino-Vorlagen und Scheren, Tacker, evt. Hebelschneidemaschine für eine saubere Kante, oder alternativ ein Daumenkino zum Herzeigen.
Aufwand Niedrig – wenn die Filme noch vertont und veröffentlicht werden sollen, kann der Aufwand bzw. die Nachbereitung ggf. höher sein.

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Vorbereitung

Bei der Vorbereitung sind ggf. Tablets oder Smartphones auszuleihen, wenn die Kinder selbst nicht über die Ausrüstung verfügen. Wenn man sich auf die Ausstattung der Kinder verlassen muss/möchte, ist ein WLAN zur Verfügung zu stellen, damit eine der Trickfilm-Apps installiert werden kann. Werden kostenpflichtige Apps genutzt, ist zudem zu überlegen, wie diese Kosten übernommen werden bzw. zu berücksichtigen, dass gerade jüngere Kinder oft keine kostenpflichtigen Apps installieren dürfen/können.

Es sind zudem in einem vorgelagerten Projekt Stative zu bauen oder für geeignete Konstruktionen zu sorgen. Beim Einsatz von Tablets ist die Nutzung von gekauften Halterungen und Stativen empfehlenswert, da provisorische Halterungen wegen des höheren Gewichts der Geräte unzuverlässiger sind als mit Klebeband u.a. befestigte Smartphones.

Schließlich sollten entweder mehrere Trickfilm-Stationen vorbereitet werden – oder man lässt die Kinder spontan entscheiden, was sie gerne ausprobieren möchten, dann sollte das notwendige Material aber ggf. ausreichend zur Verfügung stehen.

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Ablauf

Was ist eigentlich ein Trickfilm? Und was ist „Stop Motion“? Mit diesen beiden Fragen kann man den Workshop starten. Ein wenig vorbereitet sollte man selbst sein und zum Beispiel wissen, dass „Stop Motion“ in der Wikipedia folgendermaßen beschrieben wird: „Stop-Motion ist eine Filmtechnik, bei der eine Illusion von Bewegung erzeugt wird, indem einzelne Bilder (Frames) von unbewegten Motiven aufgenommen werden. Sie kommt bei Trickfilmen, aber auch als Spezialeffekt bei Realfilmen zum Einsatz.“ (siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Stop-Motion, 15.11.2012).

Dass und wie man aus einzelnen Bildern einen Film macht bzw. ein Film aus einzelnen Bildern besteht, lässt sich dann schnell an einem Daumenkino zeigen. Im Workshop dauert es auch nicht lange, bis alle aus der Daumenkino-Vorlage ein Daumenkino gebastelt haben. Gerade bei jüngeren Kindern ist das ein hilfreicher Schritt – bei älteren genügt es evt. auch, ein Daumenkino herzuzeigen.

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Gemeinsam werden dann unterschiedliche Formen von Trickfilm angeschaut und kennengelernt. YouTube bzw. das Internet ist eine Quelle zahlreicher Videos, die dafür geeignet sind. Viele Beispiele wurden auch von Kindern selbst gemacht.

Gezeigt werden können zum Beispiel folgende Trickfilm-Techniken, am Ende der Projektbeschreibung finden Sie einen Link zu Beispielvideos für jede Technik.

  • Puppentrickfilm: Das „Sandmännchen“ oder auch „Shaun das Schaf“ sind Puppentrickfilme. (Toy Stories ist hingegen ein computeranimierter Trickfilm). Dann gibt es auch eine ganze Reihe von Leuten die Stop-Motion-Filme mit Lego-Figuren machen (nach “lego brick” suchen), das geht natürlich auch mit Playmobil- oder anderen Figuren.
  • Knetetechnik (engl. Clay Motion): Das sind Trickfilme mit Figuren aus Knete. Wenn man es professionell macht, haben die Knetfiguren übrigens Skelette aus Draht.
  • Legetechnik: Dabei wird allerhand auf den Tisch „gelegt“ und arrangiert, z.B. Bilder, Buchstaben, aber auch Gegenstände, z.B. Kochzutaten, mit denen ein Gericht „gekocht“ wird. Oft wird auch in den Videos geschrieben.
  • Pixilation: Stop-Motion-Filme mit Menschen nennt man „Pixilation“: Wenn Menschen in Stop-Motion aufgenommen werden, können dabei ganz ulkige, „pixie-mäßige“ Bewegungen entstehen. In der Wikipedia steht dazu: „Das Wort basiert auf den englischen Begriff pixilated – leicht verrückt, skurril, exzentrisch und spielt auf die zappeligen, verrückten Bewegungen an, die bei dieser Technik entstehen. Der Begriff pixilated wiederum entstammt dem Wort Pixie – ein koboldartiges Wesen aus der keltischen Mythologie.“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Pixilation, 2012-11-18)
  • Whiteboard-Technik: Dabei wird am Whiteboard mit abwischbaren Stiften gemalt und mit Hilfe von Trickfilm-Technik animiert. Bei vielen Beispielen im Internet ist dabei nicht klar, ob es sich um Animationen oder manuellen Trick handelt – aber mit ein wenig Aufwand lässt sich vieles nachstellen.

Jetzt wird es aber höchste Zeit, dass die Kinder selbst aktiv werden. Dazu stehen eine Reihe von Apps zur Verfügung, die mit den Stichworten „stop motion“ gefunden werden können.

Bevor die Teilnehmer/innen mit ihren eigenen Geräten bzw. in kleineren Gruppen arbeiten, sollte in jedem Fall die gewählte App noch gemeinsam an einem Gerät demonstriert werden (Beamer!) und im besten Fall ein gemeinsames erstes Projekt durchgeführt werden.

Zunächst zur App: Hier sollten die Betreuer/innen sich an aktuellen Tipps und Empfehlungen für Apps orientieren, evt. auch daran, welche App kostenfrei für die Geräte zur Verfügung steht.

Eine geeignete App für iOS-Geräte ist zum Beispiel „iMotion HD“, die für iPads bzw. iPhones zur Verfügung steht. Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, einen neuen „Frame“ (ein neues Bild) zu machen: (time lapse) automatisch alle paar Sekunden – Stunden, (manual) per Hand, (remote) z. B. mit dem iPhone („ferngesteuert“) sowie (mic) auf Ansage (Lautstärke kann geregelt werden). Bei „Optionen“ ist es empfehlenswert, die „Zwiebelhaut“ (onion skin) zu wählen, dann kann man immer sehen, wie das letzte Bild aussah. Nachträglich kann eingestellt werden, wie schnell der Film laufen soll (wieviele Bilder/Sekunde), auch können Fehlaufnahmen (einzelne Frames) gelöscht werden. Die vorgestellte App ist jedoch nur eine von vielen Apps – es gilt hier, nach aktuellen Empfehlungen zu suchen und selbst auszuprobieren (vgl. Weblinks).

Bevor an eigenen Projekten gearbeitet wird, steht ein gemeinsames Projekt an, bei dem möglichst alle Kinder zum Zuge kommen. Wir haben dafür einen Abspann mit den Kindern gedreht, bei dem die Kinder Ausdrucke in die Kamera halten, auf denen das Logo (im Film) rotiert. Jedes Kind darf zunächst vor die Kamera, dann hinter die Kamera (bzw. das Tablet/Smartphone), damit alle das Geschehen mitbekommen, ist auch der Beamer angeschlossen.

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Im Anschluss an ein solches oder ähnliches gemeinsames Projekt werden kleine Teams gebildet und darum gebeten, dass jede Gruppe selbst Technik und Umsetzung entscheidet oder der Stationenparcour für die unterschiedlichen Techniken vorgestellt (z.B. Whiteboard, Knete, Lego, Kuscheltier, Pixelation – z.B. mit einem Besen für „fliegende Kinder“ – weil da viel gehüpft wird, ist ein eigener Raum dafür empfehlenswert!). Je nachdem wieviel Zeit zur Verfügung steht, können die Stationen gewechselt werden – 20 Minuten ist jedoch das Minimum je Station.

Zum Abschluss des Workshops werden die Filme exportiert, d.h. der Film wird bei „Fotos und Filmen“ abgelegt. Handelt es sich um Geräte der Bildungseinrichtung, können die Dateien ggf. auch gesammelt werden (über einen Clouddienst oder den Schulserver, bzw. ggf. per E-Mail). Ein schöner Workshop-Abschluss ist, wenn alle Videos vorgeführt werden. In Folgeprojekten können die Filme noch vertont und ggf. veröffentlicht werden.

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Mögliche Varianten und Ergänzungen

Vor dem Trickfilm-Workshop können gemeinsam Stative und Halterungen gebaut werden. Für Trickfilme mit kleinen Figuren ist dazu z.B. auch die im Making-Handbuch beschriebene 3D-Scan-Vorrichtung geeignet.

Im Anschluss auf den Trickfilm-Workshop kann ein Workshop zu Schnitt und Vertonung mit Smartphone und Tablet folgen (vgl. Making-Handbuch-Beschreibung vom Projekt „Ich zeig es Dir – Hoch 2“).

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Tipps und Tricks

Bei der Aufnahme der Trickfilme ist folgendes zu beachten:

  • 24 Bilder/Sekunde und sehr kleine Veränderungen zwischen den einzelnen Aufnahmen sind optimal für einen realistisch wirkenden Film – für unsere Zwecke (z. B. Legetechnik) genügen auch weniger. Das Zahl der Bilder pro Sekunde können Sie später auch einstellen.
  • Auf gleichmäßiges, daher am besten künstliches Licht achten. Am besten: Rolladen runter und alle Lichter an – dabei auf die Schatten achten (und vermeiden)!
  • Vor Windstößen in Acht nehmen und Smartphone und Tablet stabil und rutschsicher stellen – aus der Hand heraus wird der Film sehr wackelig!

Die Trickfilm-Apps sind auch gut für Zeitraffer-Aufnahmen einsetzbar. Allerdings benötigen diese Aufnahmen eben auch Prozesse, die länger dauern – und entsprechend lange bzw. längere Filmaufnahmen, um diese Prozesse, z.B. den Sonnenaufgang oder den Verkehr der Straße, darzustellen.

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Raum für kreatives Gestalten

Erfahrungsgemäß setzt erst nach dem Workshop und der Einführung ein Nachdenken darüber ein, was man da eigentlich gelernt hat und was man noch tun könnte. Zum einen werden Filme genauer und kritischer nach solchen Tricks angesehen, zum anderen entstehen dann oft erst Ideen für eigene Projekte. Um den möglichen, sehr großen kreativen Spielraum zu nutzen, den die Trickfilmtechnik bietet, sollte man ggf. weitere Folge-Workshops oder -Projekte ansetzen.

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Weitere Materialien dazu


cover_handbuch_klein Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten“ (herausgegeben von Sandra Schön, Martin Ebner und Kristin Narr, März 2016). Das Buch steht seit 1.3.16 komplett als PDF offen lizenziert zur Verfügung (http://bit.do/handbuch) und ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783739236582). Das Handbuch entstand im Rahmen einer Kooperation des BIMS e.V., der Technischen Universität Graz, von Kristin-Narr.de, des Medienpädagogik Praxisblog, des fsm e.V. und seinem Projekt „Medien in die Schule“ sowie mit Unterstützung der HIT-Stiftung.

Dieser Artikel steht unter der CC BY 3.0 Creative Commons Namensnennung 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Sandra Schön für medienpaedagogik-praxis.de
Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.

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