Videos online schneiden und nachbearbeiten

Online Videos schneiden in der MedienpädagogikEigentlich alle Medienprodukte lassen sich mittlerweile online bzw. im Browser herstellen, was für Projekte der Medienpädagogik ein immenses Potenzial bedeutet. Für Videoprojekte gilt das meiner Meinung nach sehr eingeschränkt, weil hier die größten Datenmengen bewegt werden müssen, die Bandbreite an vielen Projektlocations eher eingeschränkt ist – und weil mit fast allen Betriebssystemen ein kostenloses Videoschnittprogramm mitgeliefert wird.

Dennoch kann es Momente geben (und sei es nur zum Selbstzweck), wo Online-Videoschnitt mit Jugendlichen angesagt ist. Mit diesem Artikel möchte ich einen Überblick über die derzeitigen Angebote geben inkl. eines Kurztests. Kennen Sie weitere Dienste? Ergänzen Sie gerne mit einem Kommentar.

Ein paar Gedanken vorweg

Getreu unseren Prinzipien liste ich hier nur kostenlose Angebote auf. Das Dilemma der kostenlosen Webanwendungen zeigt sich jedoch auch hier – und mit besonderen Implikationen: Ist ein Angebot kostenlos, wird oft mit den Daten der NutzerInnen Geld verdient. Und im Fall von Videodaten gehen manche AnbieterInnen sogar so weit, dass die UserInnen weitestgehende Verwertungsrechte an dem Material an den Dienst abtreten und/oder versteckt – etwa beim Export – Kosten entstehen. Beides ist etwa beim GoogleDrive-Angebot WeVideo der Fall, wie ein SlashCam-Test gezeigt hat. Verwertungsrechte werden auch bei Masher, Loopster, Shotclip und Pixorial abgetreten; von all diesen Angeboten ist also für die pädagogische Nutzung abzuraten. In jedem Fall ist ein genauer Blick in die Nutzungsbedingungen empfehlenswert und ich kann insbesondere nicht garantieren, dass ich hier nichts übersehen habe.

Das Feld ist außerdem sehr dynamisch. Für diesen Artikel sammele ich seit mehr als drei Jahren Links. In dieser Zeit sind etwa die Hälfte der AnbieterInnen wieder offline gegangen. Auch aus diesem Grund empfiehlt sich in jedem Fall ein Backup der Daten.

Online-Videoeditoren

YouTube Editor
Das Angebot der Videocommunity ist sicher das naheliegendste: Sind die Videos ohnehin dort hochgeladen, können sie auch mit dem Videoeditor geschnitten werden. Neben den klassischen Bearbeitungsfunktionen bietet YouTube darüber hinaus CC-Video- und -Audiomaterial. Der Editor orientiert sich am klassischen Aufbau von Videoschnittprogrammen und ist intuitiv bedienbar. Auch an YouTube werden umfangreiche Rechte abgetreten, aber immerhin kann das Videomaterial hier auch unter eine CC-Lizenz gestellt werden.

JWPlayer editor
Für mich der überzeugenste Editor, allerdings mit großen Einschränkungen: JWPlayer editor basiert auf einem Freemium-Modell, beansprucht dafür keine Rechte, die Filmlänge ist allerdings auf 30 Sekunden beschränkt. Wer sich in diesem Rahmen bewegt, bekommt eine gute Schnittoberfläche mit klassischer Struktur.

Kaltura
Diese Videoplattform ist kommerziell und bietet einen begrenzten Testaccount, bei dem ebenfalls umfassende Rechte am Material abgetreten werden (unter CC-Lizenz). Allerdings: Der Code des Angebots ist OpenSource und kann auf einem eigenen Server installiert werden.

TubeChop
Wenn es „nur“ darum geht, YouTube-Videos zu beschneiden und zu teilen (um Ausschnitte zu zeigen), ist TubeChop ein kleines aber feines Angebot.

Stroome
ist derzeit offline für eine grundlegende Überarbeitung und konnte deswegen nicht getestet werden.

Fazit

Das auf den ersten Blick breite Angebot von Online-Videoeditoren schrumpft nach einem Blick auf die Nutzungsbedingungen auf eine Handvoll zusammen. MedienpädagogInnen sollten also genau überlegen und hinschauen, bevor sie mit Kindern und Jugendlichen in Projekten Videos online schneiden.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Eike Rösch für medienpaedagogik-praxis.de
Eike Rösch Kurzbio
ist Dozent für Medienbildung an der Pädagogischen Hochschule Zürich und war zuvor mehrere Jahre als Medienpädagoge in der Jugendarbeit tätig. Er arbeitet an seiner Promotion an der Universität Leipzig zu Jugendarbeit in der digitalen Gesellschaft und hatte und hat Lehraufträge verschiedener Hochschulen.

6 Kommentare

  1. Sandra Schön am 20.03.2013:

    schau dir das mal an: https://popcorn.webmaker.org/ :o)
    lg
    sandra

  2. Eike Rösch am 20.03.2013:

    Stimmt, Sandra, das hatte ich völlig vergessen. 🙂
    Stimmt aber auch nicht, weil es mir vor allem um den Schnitt von Filmdateien ging, die nicht online verfügbar sind. Für den Remix von Online-Medien ist es allerdings der definitive Testsieger. 🙂

  3. Carsten Sass am 24.03.2013:

    Danke für den Artikel! Was meinen Sie dazu: 1. http://memplai.com/, 2. http://www.creazaeducation.com/this-is-creaza/MovieEditor/?

  4. Eike Rösch am 24.03.2013:

    Sieht beides sehr vielversprechend aus, danke! Auch bei diesen beiden muss mensch natürlich auf die Nutzungsbedingungen schauen, beim ersten Lesen bin ich aber auf nichts verdächtiges gestoßen.

  5. Florian S. am 04.12.2013:

    Für mich macht diese Seite einen vielversprechenden Eindruck:
    http://online-video-cutter.com/de/

    Man kann Filme bis 500 MB hochladen oder eine Video-URL angeben.

  6. Paul am 14.09.2016:

    Also ich habe selber früher immer solche Online Video Editoren verwendet, allerdings habe ich persönlich nach einer Zeit gemerkt dass ich normale Schneideprogramme viel besser finde. Klar ist es geschickt sein Video hochzuladen und schnell fertig zu sein, allerdings bin ich einfach einer der Personen welche lieber sein Video komlett selbstständig erstellt.

    Sowas lässt sich ganz einfach mit Freeware-Programmen wie z.B. Lightworks machen.

    Gruß und noch schönen Abend, Paul

    Wer eine

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