Teens-Talk: Diskussion im Radio

"Teens-Talk in der Medienpädagogik" 1. Vorbereitung
Die Betreuerinnen und Betreuer treffen sich eine Stunde vor dem Start. Sitzmöglichkeiten, Mischpult, Mikros und Stative werden aufgebaut.

2. Start
Sechs Jugendliche treffen sich mit den Betreuerinnen und Betreuern. Nach einer kurzen Vorstellungsrunde wird ein teens talk ausprobiert; die Themen werden per Brainstorming und Gruppenwunsch ermittelt. In Rotation können alle Jugendlichen unterschiedliche Rollen testen (Moderation, Diskutierende). Zwischen den Rollenwechseln wird kurz reflektiert: Was ist gut gelaufen an der Diskussion? Warum (nicht)? War das Thema für eine Diskussion geeignet? Warum (nicht)? Ergebnisse festhalten.

3. Themenfindung
Anschließend an eine kurze Pause geht es an die Themenfindung für die ausführlichere Diskussion. Worüber wollen die Teilnehmenden diskutieren? Hier gilt es ein Thema zu finden, mit dem sich möglichst alle identifizieren können. Im Idealfall findet man ein spezielles, eventuell auch aktuelles Thema, das die Jugendlichen gerade besonders interessiert und das auch ein gewisses Potenzial an Kontroverse birgt, damit es tatsächlich zu einer Diskussion kommen kann. Gemeinsam mit den Jugendlichen wird erarbeitet, welche Subthemen sich aus dem Hauptthema ergeben (z.B. Hauptthema =„Taschengeld“. Mögliche Subthemen wären „Verhältnis zu Eltern“, „Auswirkungen auf Freundeskreis und Freizeitverhalten“, „Selbstständigkeit“ et cetera). Wichtig ist uns, dass es eine ‚echte‘ Diskussion wird und keine Satireshow oder ein Rollenspiel (etwa fiktive Charaktere diskutieren über das gerade erfundene Heilmittel gegen Krebs).

4. Rollenfindung
Steht das Thema fest, kommt es zur Rollenfindung. Wer möchte moderieren? Wer möchte diskutieren? Wir sehen die Rolle der Moderation übrigens nicht so streng hinsichtlich ‚Objektivitätsgebot‘. Um an der Diskussion teilnehmen zu können, ist es der Moderation gestattet, ebenfalls eine Meinung zu äußern. Sind die Rollen gefunden, wird die Gruppe geteilt. Eine Betreuerin oder ein Betreuer bereitet sich gemeinsam mit der Moderation vor (Fragen überlegen, Fragen in eine thematisch geblockte Reihenfolge bringen, Grundlagen der Moderation im Radio besprechen), während sich alle anderen zusammensetzen, zum Thema brainstormen (etwa mit Fragen wie: „Welche Erfahrungen habt ihr mit dem Thema gemacht?“, „Was ist mein Standpunkt zu dem Thema?“), Grundregeln der Diskussion im Radio besprechen (aussprechen lassen, aber gleichzeitig auch ermutigen, mal ins Wort zu fallen. Achtung: die Jugendlichen sollten in dieser Vorbereitungsphase noch nicht zu intensiv diskutieren, sonst fehlt die Energie bei dem eigentlichen talk.).

5. Aufnahme
Start der Aufnahme, bei sechs Teilnehmenden reicht es je nach Gruppe und Thema für etwa 15 bis 30 Minuten. Nach einer kurzen Pause wird reflektiert. Für die Jugendlichen ist der teens talk nach einer kurzen Feedbackrunde zu Ende.

6. Reflexion
Die Betreuerinnen und Betreuer hören kurz in die Aufnahme hinein und passen mögliche Lautstärkenunterschiede an, greifen aber inhaltlich nicht mehr in die Diskussion ein. Diese bleibt im Wesentlichen so, wie sie aufgenommen wurde (Kürzungen bzw. Schnitt von Passagen, die für die Jugendlichen unvorteilhaft wären, sind in Ordnung).

7. Ausstrahlung
Der teens talk wird möglichst im freien Radio ausgestrahlt und auf der Website/Blog veröffentlicht.


Zielgruppe

  • Jugendliche

Eingesetzte Medien

  • Audio
  • Web

Ziele

  • Reflexion
  • Exploration
  • Artikulation
  • Medienanalyse und -kritik

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Ein teens talk kann auch mit größeren Gruppen (etwa Schulklassen) umgesetzt werden. Für diesen Fall kann man ein Publikum einbauen, das sich aktiv einbringen kann, natürlich muss dafür ein Publikumsmikrofon reserviert sein und die Moderation muss dem Publikum auch die Möglichkeit geben, Fragen zu stellen.

Tipps & Tricks

Eines der wichtigsten Anliegen von teens talk ist die Förderung von Diskussionskultur. Die Jugendlichen machen die Erfahrung, dass die eigene Meinung wichtig ist; sie wird gehört und veröffentlicht. Jugendliche werden sich oft erst im Laufe der Diskussion ihrer Meinung zu bestimmten Themen bewusst, da sie zu einem Thema intensiv Stellung beziehen und sich mit Standpunkten anderer Jugendlicher konfrontiert sehen, auf die es zu reagieren gilt. Sie sind sich dadurch selbst – hinsichtlich ihrer Meinung zu einem Thema – bewusster.

Immer wieder kommt es im Laufe der Diskussion zur Einsicht, dass sowohl Pro- als auch Kontraargumente ihre Berechtigung haben. Im Idealfall entsteht aus dem dialogischen Prinzip eine neue Erkenntnis – eine intensive Gesprächssituation kann also zu einer veränderten Einschätzung hinsichtlich des Themas führen. Wichtig ist, in der Betreuung vor allem auf die essentielle Frage „Warum?“ hinzuweisen und deren Beantwortung wiederholt einzufordern (speziell während der Vorbereitung mit den Jugendlichen, die die Diskussion moderieren). Durch die freie Themenwahl bei teens talk werden Themen, die Jugendliche interessieren, an die Öffentlichkeit gebracht.

Schwierigkeiten

  • Aufpassen bei vorgegebenen und vorgefertigten Themen z.B. aus dem Schulkontext. Das Gelingen der Diskussion steht und fällt zu einem großen Teil mit der Identifikation der Jugendlichen mit dem Thema, es sollte daher von ihnen kommen.
  • Achtung vor allgemeinen Themen wie „Liebe“; die Diskussion könnte dann sehr oberflächlich bleiben. Subthemen erarbeiten (wie „erste Liebe“ oder „Eifersucht“)
  • Achtung bei Situation ohne Stative: werden die Mikros in der Hand gehalten und sollen mehrere Personen in nur ein Mikro sprechen, dann ergibt sich eine Machtsituation: es liegt an der Person, die das Mikro in der Hand hält, ob die andere Person hineinsprechen kann oder nicht. Daher: Mikros (am besten nummeriert) auf Stativen befestigen und dazu sagen, dass die Stative nicht berührt werden, deren Standort nicht verändert wird.
  • Aufpassen bei erwachsenen Betreuerinnen und Betreuern (Lehrkräfte, Jugendarbeiterinnen und -arbeiter), die sich während der Diskussion einbringen wollen. Bereits im Vorfeld klären, in welcher Form sie dabei sein können – oft ist es besser, sie sind bei der Diskussion selbst nicht anwesend.
  • Erwartungen an das fertige Produkt realistisch halten.

Feedback

Die Jugendlichen sind im Allgemeinen sehr zufrieden mit den Diskussionen. Bei den Moderatorinnen und Moderatoren ist zudem oft ein gewisser Stolz zu erkennen, die schwierige Aufgabe gut gemeistert zu haben. Werden teens talks im Rahmen von Workshops aufgenommen, gibt es ab und an abweichende Vorstellungen vonseiten mancher Jugendlicher, die sich mehr Einführung in Richtung Formatradio erwartet hätten.

"Teenstalk in der Medienpädagogik"


Checkliste

  • mindestens drei Stunden für Projekt, etwa eine halbe bis eine Stunde Vorbereitung
  • circa vier bis 25 Jugendliche
  • Vorkenntnisse der Durchführenden: Audiogrundlagen, Diskussionsleitung, Moderationstechnik
  • ruhiger Ort zur Aufnahme der Diskussion

Technische Ausstattung:

  • Mischpult (im Idealfall mit vier Mikroeingängen)
  • Aufnahmegerät / Computer
  • Mikros (im Idealfall vier Stück) inklusive Kabel
  • Stative für Mikros (im Idealfall Bodenstative, Tischstative tun es auch)
  • Computer mit Audiosoftware zum groben Nachbearbeiten der Aufnahme

Links & Material

http://teenstalk.medienzentrum.at: Der Blog des Projekts teens talk. Mit allen Sendungen zum Nachhören, Fotos und Informationen.


About

Barbara Schubert, Florian Danhel
WienXtra-medienzentrum
teenstalk@wienxtra.at
www.medienzentrum.at, http://teenstalk.medienzentrum.at

WienXtra-medienzentrum ist eine auf Medienpädagogik / handlungsorientierte Medienarbeit spezialisierte Einrichtung der Wiener Jugendarbeit. Wir unterstützen Jugendliche kostenlos bei ihren Medienprojekten, bieten medienpädagogische Fortbildungen für PädagogInnen an und erproben in unseren Projekten laufend neue Methoden und Zugänge für die aktive Medienarbeit

Barbara Schubert
Studien Internationale Entwicklung und Französisch, Lehramt Deutsch und Französisch. Lehrgang Medienbildung. Tätigkeiten im Kulturbereich (Filmfestival, Filmvermittlung, Theater), in der Politischen Bildung für Jugendliche und in der Medienpädagogik mit Schwerpunkt Audio.

Florian Danhel
Studium der Film- und Medienwissenschaft, Lehrgang Medienbildung. Arbeitet als freier Medienpädagoge mit den Schwerpunkten Audio, Video und Film in Wien.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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