Geocaching mit Bildungsinhalten

Educaching in der MedienpädagogikEducaching ist eine Adaption von Geocaching auf den Bildungsbereich, mit der Inhalte erlebnisorientiert vermittelt werden können. Jugendliche können so ortsbezogene Inhalte für andere (Jugendliche) aufbereiten.

Vor der eigentlichen Erstellung der Cache-Route steht die Themenfindung. Die beteiligten Kinder und Jugendlichen wählen sich ein Thema, das sie aufbereiten möchten. Dabei kann es um lokale Geschichte aus verschiedenen Epochen gehen, anhand eines Windparks kann Energiepolitik greifbar gemacht oder im Wald die Natur erkundet werden. Nach der Themenfindung erarbeiteten die Jugendlichen die Caches.

Zuerst wird das Gebiet, in dem der Cache versteckt werden soll, erkundet. Dabei ist zu recherchieren, ob das Gebiet nicht Privatgelände ist und/oder dort gejagt wird oder ob es zu einem Naturschutzgebiet gehört. Ebenso sollten die Gruppen darauf achten, ob in der Nähe nicht schon Dosen eines auf einem der Geocaching-Portale gelisteten Caches liegen. In städtischer Umgebung sind diese an markanten Orten oft schon relativ dicht verlegt. Recherchieren kann man dies auf den bekannten Portalen www.geocaching.com oder www.opencaching.de.

Nachdem dies geklärt ist, geht es mit einer ersten Erkundungstour los. Mit dabei eine Digitalkamera, um damit schon eventuelle Versteck zu fotografieren. Im Wald eigenen sich zum Beispiel Hohlräume an Bäumen gut um dort etwas zu verstecken. Aber auch mit Magneten versehene kleine Dosen kann man gut z.B. an Schildern o.ä. anbringen. Wie und wo man die Dosen versteckt und wie man sie mit dem Rätsel verbindet, da sind der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt. Nur an einige der Regeln, die es vor allem bei den Cacheportalen gibt, sollte man sich halten, auch wenn man den Cache dort nicht veröffentlichen möchte. Denn die dort erstellten Regeln (auch Guidelines genannt) sind sinnvoll! Dazu gehört, dass die Dosen nicht vergraben werden sollen, nicht auf einem Privatgrundstück liegen dürfen und der Naturschutz beachtet werden soll. Guidelines finden sich im Internet etwa auf www.gc-reviewer.de.

Vor Ort, bei einer der ersten Begehungen des Geländes, sammeln die Gruppen schon erste relevante Informationen, die für einen Cache oder Educache wichtig sind. Diese werden dann in das Rätsel eingebaut. Educaches können an Orte führen, die etwas erzählen können oder eine geschichtliche, ökologische, soziale und/oder politische Bedeutung haben. Die Orte, an denen die Caches ausgelegt werden, sind ein zentraler Aspekt. Durch das Gehen des Caches wird sich dem Ort genähert und er wird greifbar. Erweitert werden kann der Lern- und Bildungsprozess noch durch Begleitmaterial, historische Dokumente oder andere Hintergrundinformationen. Diese Materialien können auch in die Beschreibung des Caches eingebaut werden.

Nach dieser Vorarbeit kann es auch schon an das Erstellen der Rätsel oder Geschichte gehen. Nachdem für die Zwischenstationen gute Verstecke gefunden wurden, ermitteln die Jugendlichen die Koordinaten der Stationen mit einem GPS-Gerät. Sicherheitshalber werden diese mehrmals aufgenommen. Wichtig dabei ist darauf zu achten, dass das GPS-Gerät mindestens von vier Satelliten Signale empfängt. Anhand dieser gesammelten Informationen vor Ort werden Plakate erstellt, auf denen der Cache konzipiert wird. Auf diesen werden die möglichen Verstecke mit den Koordinaten und den dazugehörigen Rätseln zusammengestellt. Die Stationen (etwa Dosen) werden mit den Aufgaben ausgestattet, dabei wurden diese von außen gut beschriftet und außerdem mit einem Zettel (sog. Stash-Note) ausgestattet, auf dem erklärt wird, dass es sich um ein Spiel handelt. So wissen Zufallsfinder sofort Bescheid und die Verwechslung mit einem „gefährlichen Gegenstand“ kann verhindert werden.

Zum Verstecken der Rätsel und Zwischenstationen eignen sich die unterschiedlichsten Behälter. Die Auswahl reicht von der Filmdose über Plastikbehälter bis hin zur Munitionsbox, die sich sehr gut für ein Final eignen könnte. Wichtig bei der Auswahl der Behälter ist, dass sie gut verschließbar sowie wind- und wasserdicht sind. Tarnen kann man sie, falls notwendig mit dunklem Tape. Das Einpacken in Plastiktüten ist dagegen nicht zu empfehlen, da durch Staunässe die Dosen gammlig werden. Die Finaldosen der vier Caches werden mit einem Logbuch und Kleinigkeiten zum Tauschen oder als Belohnung für die Suchenden ausgestattet.

Nach Abschluss dieser Recherchearbeit, die immer von einem oder zwei Pädagoginnen und Pädagogen begleitet wird, legen die Jugendgruppen die Caches aus. Wichtig sind anschließend Praxistests mit den Beteiligten. Dabei geht es insbe- sondere um:

  • die mögliche Größe der Gruppen oder Teilgruppen, die die Cache-Route gehen können
  • die Dauer des Caches
  • den Schwierigkeitsgrad der zu lösenden Rätsel
  • den Schwierigkeitsgrad der Verstecke
  • den Erlebniswert

Nach einer evtl. Korrekturrunde kann die Educaching-Route mit anderen Jugendlichen gespielt oder generell zugänglich gemacht werden. Dies kann über ein Faltblatt passieren oder eine Educaching- Website.

Die in unserem Projekt entstandenen Routen sind über ein eigenes Internet- Portal, www.grad-gefunden.de, abrufbar. Das Portal ist in Kooperation mit dem Jugendserver-Saar entstanden und für alle diejenigen gemacht, die Lust haben mit ihrer Jugendgruppe einen Cache/Educache zu suchen.

Um Zugang zum Portal zu haben meldet sich eine interessierte Gruppe dort an und erhält als Download Begleitmaterial für die Gruppe und den Jugendleiter bzw. die Jugendleiterin. Dabei geht es sowohl um organisatorische und pädagogische Hinweise als auch um themenbezogenes Begleitmaterial. Interessierte Gruppen erhalten auf dem Portal also alle notwendigen Informationen. Wenn sie den Cache gefunden haben, dokumentieren sie ihre Beteiligung (Fund des Caches, Beurteilung der Route etc.) schließlich dort.


 Zielgruppe

  • Kinder
  • Jugendliche

Eingesetzte Medien

  • Foto
  • Web
  • Mobile

Ziele

  • Exploration

Varianten, Erweiterungen, Modulationen

Seit Start des Projektes haben einige Jugendverbände die Idee des Educachings aufgegriffen. So macht die aej saar verschiedene Geocaches zu religiösen und ökologischen Themen. Dabei werden Bildungsinhalte der Jugendreferate mit aktuellen Themen der Jugendgruppen verbunden. Das Entwickeln von Educaches bietet sich nicht nur für Jugendgruppen an, sondern kann auch im Rahmen von Seminaren mit erwachsenen Seminarteilnehmern erstellt werden.

Es muss nicht immer ein Cache sein, um einen Bildungsprozess anzuregen: Von einigen Mitgliedsverbänden des Landesjugendring Saar werden Stadtrundgänge zu bestimmten Themen (Erinnerungsorte/Stolpersteine oder konsumkritisch) angeboten.

Ein eigenes Portal ist nicht die einzige Möglichkeit, um Educaches für Gruppen zu veröffentlichen. Man kann Caches auch auf den bekannten Portalen (www.geocaching.com oder www.opencaching.de) veröffentlichen oder auf der eigenen Webseite.

Tipps & Tricks

Viele Anfragen von Gruppen und Fachkräften zeigen ein großes Interesse oder einfach auch nur Neugierde, ob es gelingen kann Bildungsprozesse mit digitalen Medien durch gemeinschaftliche Erlebnisse in Stadt- und Naturlandschaften zu vereinen. Die vier Routen/Caches sind nicht von der Projektgruppe gelegt worden, sondern sie wurden von Kinder und Jugendlichen selbst erdacht und konzipiert.

Welche Form ein Educache letzten Endes dann hat, ob es ein Cache oder ein Stadtrundgang zu historischen Orten ist, liegt am Ort und den vorhandenen Möglichkeiten. Dabei konnten sich die Kinder und Jugendlichen einerseits intensiv mit dem Thema beschäftigen, aber andererseits auch selbst entscheiden, wie intensiv sie sich mit dem Ort auseinander setzen möchten.

Dies gilt auch für die Gruppen, die diese Caches in Zukunft suchen möchten. Die Caches führen an Orte, die etwas erzählen können oder eine geschichtliche, ökologische, soziale und/oder politische Bedeutung haben. Die Lerninhalte können ohne pädagogische Hilfe vermittelt werden, sie können ergänzt und erlebnisorientiert angereichert werden. Die Beschäftigung mit einem Ort, seiner Geschichte und das aktive Auseinandersetzen damit, macht diese Form der Wissensvermittlung interessant. Der „Lernende“ kann selbst entscheiden, wie tief er sich in das Thema einarbeiten möchte und erhält wenn er möchte ergänzend Begleitmaterial, historische Dokumente oder andere Hintergrundinformationen.

Diese Möglichkeiten bieten die vier Caches, die im Rahmen des Projektes gelegt wurden. Auf dem Internetportal und in den Begleitheften kann jeder, der dies möchte, sich noch intensiver über die Orte informieren. Dies kann mit oder ohne einen Pädagogen geschehen. Die GPS-Technik verlagert digitale Erkundungen in die reale Welt – und das interessiert nicht nur den Autofahrer mit dem Navi, sondern auch jugendliche FußgängerInnen.

Schwierigkeiten

Die aufgetretenen Probleme gab es in der Arbeit mit den Jugendgruppen. Da zwei Projektgruppenmitglieder keine Leitung einer Jugendverbandsgruppe innehatten, kam es zu Schwierigkeiten in der Abstimmung und Verabredung von Terminen. Da diese Gruppe vor allem aus FÖJlern eines Jugendverbandes bestand, die nach ihrem FÖJ nicht mehr zur Verfügung standen. Caches sind wartungsintensiv und müssen regelmäßig überprüft werden. Dabei konnten trotz Zusagen für die Pflege der Caches von einigen Mitgliedern der Jugendgruppe keine Verbindlichkeit erreicht werden, so dass immer mal wieder ein Cache über einen zu langen Zeitraum nicht begehbar war. Dies sollten Paten aus den Jugendgruppen aber auch der Projektgruppe übernehmen. Ein kleiner Nachteil ist, dass die Caches auf keinem Portal (z.B. geocaching.com oder opencaching.de) gelistet sind. Wären sie dort veröffentlicht, dann würden die Caches öfter gesucht werden und es käme regelmäßig ein Feedback zum Zustand der Behälter o.ä. Diese Möglichkeit wurde zu Beginn des Projektes innerhalb der Projektgruppe stark diskutiert und aufgrund von schlechten Erfahrungen eines Jugendverbandes, der dieses probiert hatte, wurde sich dagegen entschieden. Auch um die gelegten Caches nicht zu gefährden.

Vor Start des Projektes gab es einige, nicht nur positive Reaktionen, aus der Geocaching-Szene. Mit diesen Reaktionen hatte die Projektgruppe, die aus erfahrenen Geocachern bestand, allerdings gerechnet und konnte dementsprechend reagieren. Die Educaches auf einem eigenen Portal (www.grad-gefunden.de) zu listen, erwies sich somit als gute Entschei- dung. Wobei noch nicht ausgeschlossen ist, die Caches auch noch auf einem der bekannten Portale zu veröffentlichen.

Feedback

Das Feedback war überwiegend positiv. Die klassische Schnitzeljagd mit aus Astgabeln gelegten Pfeilen in freier Natur und versteckten Quizfragen, mit der man eine Jugendgruppe in der Gruppenstunde oder einem Zeltlager ein kurzweiliges Erlebnis schaffen kann, gehört zur Jugendarbeit. Die neue Form mit anderen Möglichkeiten und technischen Spielereien wurde nicht nur von den beteiligten Jugendverbänden, sondern von allen Mitgliedsverbänden des LJR aufgenommen.

Die Jugendlichen der unterschiedlichen Jugendverbände waren hochmotiviert und begeistert bei der Sache. Nach dem Start des Projektes wurden die Routen regelmäßig gegangen. Dabei erwies sich auch die Anschaffung von zehn GPS-Geräten als hilfreich. Mittlerweile zeichnet sich ab, dass die Internetseite www.grad-gefunden.de weitere Funktionen erfüllen wird. So soll ein Referentenpool zum Thema angeboten werden, da die Nachfrage bezüglich Geo- und Educaching in der Jugendarbeit sehr gestiegen ist. Ebenso sollen Tipps und Methoden für kurzeitpädagogische Maßnahmen dazu aufbereitet werden.


Checkliste

Rahmenbedingungen:

  •  mehrere Wochen
  • Gruppengröße: 10- 15 Personen

Vorkenntnisse und Anforderungen:

  • Kenntnisse in der didaktischen Aufbereitung eines Themas
  • Erfahrungen im Geocachen
  • Umgang mit einem GPS-Gerät
  • Spaß am Erstellen von Rätseln

benötigte Hard- und Software:

  • GPS-Gerät oder Smartphone
  • Internetzugang zur Recherche
  • Digitalkameras
  • Plakate, um die Route auszuarbeiten

Materialien:

  • wind- und wasserdichte Behälter, die sich zum Verstecken eignen (Filmdosen, Plastikbehälter unterschiedlicher Größe etc.)
  • Ggf. ein Laminiergerät, damit die Rätsel oder Aufgabenzetteln wasserdicht sind
  • Notizbücher um die Final-Dose damit auszustatten. Für kleine Dosen eignen sich auch sogenannte Logstreifen. Vorlagen dafür sind im Internet kostenlos zu finden

Links & Material

www.grad-gefunden.de Weitere Informationen zum Projekt und genauere Beschreibungen der Educaches.

www.zwanziger.de Geschichte des Geocaching

www.pb21.de Web 2.0 in der politischen Bildung. Dort sind Beispiele zu finden, wie Geocaching in der politischen Bildung eingesetzt werden kann. PB21 ist ein Projekt der Bundeszentrale für politische Bildung und des DGB Bildungswerks.

www.dotcomblog.de Bildung an der Schnittstelle von Analog und Digital. Zu finden sind dort viele Berichte über den Einsatz von Geocaching in der Jugendarbeit aber auch Fachaufsätze über Educaching.

www.cachelabel-generator.de Mit Hilfe des auf der Seite eingebauten Generators können Labels für die Cachedosen oder auch Logbücher erstellt werden.


About

Name Claudia Eisenstein
Institution Landesjugendring Saar
E-Mail info@landesjugendring-saar.de
Homepage www.landesjugendring-saar.de 

Der Landesjugendring Saar e.V.

ist die Arbeitsgemeinschaft von 24 Kinder- und Jugendverbänden im Saarland. Er ist anerkannter Träger der Jugendhilfe im Saarland und gemeinnützig. Die Mitgliedsverbände sind konfessionell, gewerkschaftlich, sozial, ökologisch, freizeit- oder musisch-kulturell orientiert. Aufgabe des Landesjugendrings ist es u.a., die gemeinsamen Interessen der Kinder- und Jugendverbände und ihrer Mitglieder in Politik und Gesellschaft zu vertreten und öffentlich zu machen. Dies betrifft Fragen der Kinder- und Jugendarbeit, aber auch quer durch alle Lebensbereiche die Interessen von Kindern und Jugendlichen

Claudia Eisenstein

betreut beim Landesjugendring Saar das Projekt Jugendserver-Saar. Diese im September 2000 gegründete Internetseite richtet sich an junge Menschen, im Alter zwischen 13 und 26 Jahren im Saarland, drum herum und darüber hinaus und bietet eine Orientierung über Möglichkeiten der Freizeitgestaltung.

Die Arbeitsschwerpunkte der Projektleitung liegen in der Beratung der Redakteure und der technischen Betreuung der Internetseite und den „Geschwisterportalen“ (grad-gefunden.de, www.saarclip.de usw.). Neben redaktionellen Tätigkei- ten ist die Vermittlung von Medienkompetenz durch verschiedene medienpädagogischer Projekte ein weiterer Schwer- punkt der Projektleitungstätigkeit.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: GastautorIn für medienpaedagogik-praxis.de

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