Computerspielsucht – eine Mär?

Still aus dem klicksafe-Spot "Wo lebts Du?"

Teilzeitthema Nummer eins, die Computerspielsucht, derzeit etwas ins Hintertreffen geraten. Im Zentrum des Interesses steht die geplante, dann unterbrochene und jetzt neu in Angriff genommene Novellierung des JMStV. Eine gute Gelegenheit sich in Ruhe und entspannt mit der Computerspielsucht auseinanderzusetzten – die nächste aufgeregte Phase kommt bestimmt.

Eine gute Basis für die Meinungsbildung ist die Studie „Computerspielsucht – Befunde der Forschung„. Und sie gibt einen Überblick über den Ist-Zustand in der Forschung. Vom BMFSJ in Auftrag gegeben wird anfangs sehr anschaulich die Problematik in der Begrifflichkeit der Computerspielsucht dargelegt. Dann geht es geht um Zahlen, klar. Und um einen Vergleich der verschiedenen Studienergebnisse.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Mario von Wantoch-Rekowski für medienpaedagogik-praxis.de
Mario von Wantoch-Rekowski Kurzbio
Mario von Wantoch-Rekowski zog es von Berlin nach Rheinland-Pfalz und er arbeitet hauptberuflich beim Landesfilmdienst RLP e.V.. Er studierte Medienkommunikation und kam über seine Studienschwerpunkte Medienpsychologie und -ethik zur Medienpädagogik. Neben seiner praktischen Arbeit versucht er sich auch immer wieder an neuen medialen Entwicklungen und deren möglichen medienpädagogischen Nutzen. Seine Schwerpunkte im Blog sind Medienpsychologie, Jugendschutz und (freie) Spiele.

4 Kommentare

  1. Tim Trabert am 10.03.2011:

    Ja, die Studie ist gut – sollte man vor allem lesen BEVOR man die ganz neue Studie der Landesmedienanstalt NRW und des Hans-Bredow-Instituts sich ansieht, die mir vorkommt wie der reinste Lobbyismus. Wurde auf dem Blog von Electronic Arts bejubelt, weil wir nach dieser Studie eigentlich gar kein Problem mit Computersüchtigen haben. Ist halt alles Definitionssache. Leider sieht die Realität etwas anders aus. Wenn das Kind schon in den Brunnen gefallen ist, dann kenne ich nur einen seriösen Ratgeber, der auch wirklich verständlich ist: „Eltern-Ratgeber Internet- und Computersucht“ von Dr. Thomas T. Tabbert. Eine Sucht kommt übrigens selten allein! Die Leute von http://www.rollenspielsucht.de sehen das Problem meiner Meinung nach schon wesentlich realistischer und bieten auch gute Hilfsangebote.
    Alles Gute und schöne Grüße
    Tim

  2. Gerrit Neundorf am 10.03.2011:

    Hallo Herr Trabert,
    ehrlich gesagt finde ich es etwas weit hergeholt, wenn Sie einer Studie renommierter Institutionen die Glaubhaftigkeit absprechen, weil diese im EA (Spielkultur) Blog und sicherlich auch von vielen Spielern positiv wahrgenommen wird. Im Umkehrschluss dürfte man dann z.B. auch die KfN Studien zum Thema Computerspiel nicht mehr ernst nehmen, weil auch diese ihre Anhänger und Befürworter finden?
    Da wäre es für die Leser dieses Blogs sicherlich hilfreicher klar auf inhaltliche und/oder methodische Mängel hinzuweisen und am besten diese auch aufzeigen zu können.

    Auch der von Ihnen angepriesene „realistische Blick“ der Macher von rollenspielsucht.de erschließt sich mir so nicht ganz. Ich finde es vor allem sehr problematisch, wenn ein Haupttenor bzw. der rote Faden vieler Artikel und Vorträge dort darauf abzielt, Eltern die Verantwortung für den (problematischen) Umgang ihrer Kinder und Jugendlichen mit Medien und vor allem dem Computerspiel zu nehmen. Diese Verantwortung sollen der Staat und die Industrie durch härtere Regelungen, Verbote und Selbstzensur übernehmen. Auch wenn die persönliche Betroffenheit der Familie Hirte durchaus nachvollziehbar ist, finde ich es problematisch, dass die pauschale Abschiebung von Verantwortung an Institutionen ein falsche Bild von Elternmedienkompetenz vermittelt, welches gerade bei jungen Eltern, die mit dem Medienkonsum ihrer Kinder adäquat umgehen wollen, das absolut falsche Signal ist. Dies habe ich so auch schon persönlich mit Christoph Hirte auf einer Tagung diskutiert und wir kamen zumindest auf den kleinsten gemeinsamen Nenner, dass der bewusste Umgang mit Medien (auch und gerade der der Eltern) nicht erst beginnen darf, wenn Eltern keinen Zugang mehr zu ihren Jugendlichen haben.

    Viele Grüße
    Gerrit Neundorf

  3. Frank am 18.03.2011:

    Sucht hin oder her: der Bedarf an Rat und Ratgeberliteratur ist offensichtlich gegeben, wie ein schnelles Googeln nach „Computerspielsucht Therapie“ ergibt …

    Frank

  4. Mario von Wantoch-Rekowski am 22.03.2011:

    Hallo Frank, hallo Herr Trabert,

    Ratgeber sind immer gut. Aber was ist, wenn die Forschungslage ungeklärt, nicht eindeutig ist? Dann besteht meines Erachtens die Gefahr, dass jeder seine persönlichen, mehr oder minder fundierten Einstellungen in Ratschläge formt. Und genau das ist derzeit der Fall. Und genau das war auch die Motivation, zum einen diese Studie in Auftrag zu geben, zum anderen auf sie aufmerksam zu machen.

    Die hier besprochene Studie vergleicht vorhandene Ergebnisse und zeigt, wie ich finde, sehr anschaulich und deutlich, dass wir noch lange nicht an dem Punkt angelangt sind, an dem wir guten Gewissens das eine oder das andere empfehlen können. Und, dass mit Forschungsaufträgen viel Geld verdient und Stellen gesichert werden können. Und, je nach Ergebnis und Bezug zur aktuellen gesellschaftlichen Debatte, das auch langfristig. Stichwort wäre hier selbsterfüllende Prophezeiung.

    Ich bin gespannt wie das weiter geht, bleibe dran, bis dahin viele Grüße
    Mario

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