Die JMStV-Novellierung aus Sicht der Medienpädagogik

CC-BY-SA tachticaltech.org

CC-BY-SA tachticaltech.org

Gestern haben die Länder überraschend angekündigt, eine Online-Konsultation zur Novellierung des Jugendmedienschutz-Staatsvertrags (JMStV) zu starten. Damit wird ein Prozess öffentlich wieder aufgenommen, der mit dem Scheitern der damaligen Neufassung Ende 2010 ins Stocken gekommen war. Für Kinder, Jugendliche und alle weiteren Zielgruppen im Netz, für Medienproduktionen online und damit für die Medienpädagogik ist die Regelung des Jugendmedienschutzes im Internet zentral, denn es geht um Fragen etwa wie Websites von Jugendlichen aus Medienprojekten veröffentlicht werden können, und etwa wie  Eltern in der Medienerziehung unterstützt werden und wie nicht. Auch die Freiheit und Vielfalt von Information und Kommunikation sind hohe Güter, die durch den neuen JMStV massiv in Gefahr sind.  Daher möchten wir in diesem Artikel die bisherige Entwicklung schildern, wichtige Informationen und Argumentationen zusammenfassen und mögliche Positionen und Handlungsoptionen für Medienpädagoginnen und Medienpädagogen skizzieren – das alles als eine erste Bestandsaufnahme. Wir freuen uns über Artikel, die das Thema aus verschiedenen Perspektiven beleuchten. Den ganzen Beitrag lesen

Mehr Etherpad für alle

Illustration: placeit.net

Illustration: placeit.net

Heute melden wir uns ausnahmsweise mal in eigener Sache, allerdings mit mehrfach guten Nachrichten für viele, denn es geht es geht um unser Medienpad und alle Etherpads basierend auf «Etherpad lite».

In den letzten Wochen und Monaten kam es immer wieder zu kleinen Ausfällen, die sich entweder in einem kurzzeitig nicht reagierenden Pad oder einem «Fehler 502» äußerten. Diese Schluckauf-Phasen konnten recht schnell beendet werden, ließen aber bei allen Beteiligten ein ungutes Gefühl zurück.

Wir denken nun, dass dieser Fehler nun nicht nur im Medienpad, sondern in allen Etherpads behoben ist – es handelte sich nämlich um einen Softwarebug: Sobald die Etherpad-Datenbank eine gewisse Größe erreichte (wie in unserem Fall), konnten uneindeutige Datensätze auftauchen, was den Datenbankserver zum Absturz brachte.

Wir bedanken uns an dieser Stelle einmal ganz besonders bei unserem Pad-Admin Dennis Schubert – für ein im Alltag superschnelles Medienpad, für unbürokratischen und schnellen technischen Support und für tagelanges Ausprobieren, Fehlereingrenzen und schließliches -lösen in diesem Fall! Dank unserer Pat_innen können wir Dennis dafür eine Aufwandsentschädigung zukommen lassen, sind aber sehr dankbar für seinen darüber hinausgehenden großen Einsatz für das Medienpad und damit auch für die Medienpädagogik.

Das erste offene deutschsprachige Schulbuch ist online – und jetzt?

Ausschnitt aus dem Titel; CC BY-SA schulbuch-o-mat

Ausschnitt aus dem Titel; CC BY-SA schulbuch-o-mat

Seit Sommer 2013 ist das erste offene deutschsprachige Schulbuch – für das Fach Biologie 7/8 an Berliner Gymnasien – online. Höchste Zeit, einmal darauf zu schauen, wie es damit weiterging.

Die Aufmerksamkeit der Presse war hoch, als die beiden Berliner Initiatoren Hans Hellfried Wedenig, Medienproduzent und Berater, und Heiko Przyhodnik, Biologie- und Sportlehrer, Anfang 2013 auf der Crowdfunding-Plattform Startnext um Unterstützung um eine Basisfinanzierung ihres Vorhabens baten. Tatsächlich ist das erste offene, das heißt liberal lizenzierte Schulbuch für das Fach Biologie in der Schulstufe 7/8 nun seit letzten Sommer zugänglich.

Bio-Schulbuch mit offenem Content

Das Biologiebuch ist für die Schulstufen 7/8 an Berliner Gymnasien entwickelt. Das Buch liegt als Webpage, als PDF und auch als iBook vor. Und vor einigen Tagen vermeldeten die Initiatoren stolz, dass des nun schon 20.000 Mal herunter geladen wurde. Zur Buchentstehung und dem Projekverlauf wurde eine ausführlicher Bericht erstellt, der insbesondere die Schwierigkeiten beschreibt, aktive Mitmacher/inenn zu finden. Dass das Werk auf Interesse stößt zeigen auch erste Rezensionen des Schulbuchs, beispielsweise in der aktuellen Ausgabe von “Computer + Unterricht”. Das Buch gibt zwar keine Maßstäbe vor, was neue interaktive Gestaltungsmöglichkeiten von Schulbüchern angeht: Es ähnelt in Form und Inhalt den bekannten gedruckten Büchern, mit einigen interaktiven Aufgaben als Zugabe. Und weiterhin werden kleinere Fehler bemäkelt. Aber es wurde auch kein interaktives Wunderwuzzi-Buch versprochen, sondern eben das erste offen zugängliche Buch. Den ganzen Beitrag lesen

Bilder sammeln, präsentieren und diskutieren

bild

Mit bildbild.ch möchte ich heute eine Seite vorstellen, die sich ganz dem Thema Fotografie widmet. Die Seite verfügt über zahlreiche Fotos mit einem Bezug zu aktuellen politischen, gesellschaftlichen, kulturellen Anlässen oder Naturereignissen und bietet zudem sehr gute Hilfestellungen für die Verwendung der Werke im Unterricht. Ein umfangreiches Glossar informiert die Schülerinnen und Schüler über Begriffe wie “Bildausschnitt”, “Motiv”, “Bildargumentation” oder “Inszenierung” während kleine Hilfestellungen und Anregungen der Lehrperson die Verwendung der Fotos im Unterrichts-Kontext erleichtern.

Bildbild ist ein gemeinsames Projekt der Pädagogischen Hochschule Zürich, der Stiftung Bildung & Entwicklung Schweiz und der Fotostiftung Schweiz und bietet allen ein gutes Handwerkzeug, die sich mit dem Thema Fotografie im Bildungsbereich auseinandersetzen wollen.

Ungefilterte Web-Suche mit Million Short

millionshot

Egal welche Suchmaschine wir für unsere Online-Recherchen benutzen – die Ergebnisse, die wir sehen, werden gefiltert und sortiert, je nachdem, welchen Anbieter wir verwenden. Suche ich als alter Ego-Binger beispielsweise nach meinem Namen, finde ich  als erstes die about.me, Amazon und Facebook Resultate – egal welchen Suchdienst ich verwende. Das sagt mir, dass es in Bezug auf die Suchkriterien prominente und weniger prominente Seiten gibt. Was also tun, wenn ich gerne mal eine etwas neutralere Websuche durchführen möchte, eben ohne die favorisierten Platzhirsche?

Eine Möglichkeit bietet zum Beispiel Million Short, eine Suchmaschine, die je nach Einstellung die TOP 100 / 1000 / 10.000 / … Seiten vom Such-Index streicht. Interessant ist dieser Dienst auf jeden Fall für einige medienpädagogische Projekte, beispielsweise zum Thema “Suchen im Netz” oder auch “Gleichberechtigung von Informationen”. Aber gut, mich interessiert: kanntet Ihr diesen oder einen vergleichbaren Dienst? Welche Anwendungsbeispiele in der medienpädagogischen Arbeit fallen Euch dazu ein?

Online Brainstormen und abstimmen mit Tricider

Foto: flickr.com/photos/hdz/   CC BY-NC-SA 2.0

Foto: flickr.com/photos/hdz/ CC BY-NC-SA 2.0

Abstimmungsprozesse können sehr mühsam und langatmig sein, diese Erfahrung haben viele von uns bereits des Öfteren gemacht, vor allem, wenn die beteiligten Personen sich an unterschiedlichen Orten befinden. Webdienste, wie zum Beispiel Tricider erleichtern uns diese kollaborativen Ereignisse, sei es in Arbeitskreisen, Vorlesungen oder medienpädagogischen Projekten.

Die Grundidee von Tricider ist recht einfach. Ein Mensch erstellt eine oder mehrere Fragen oder Thesen und gibt den Link hierfür an die zu beteiligenden Personen weiter. Diese können online Argumente dafür oder dagegen eintragen, darüber diskutieren, liken oder weitere Thesen ergänzen. Am Ende können die Teilnehmer, für die der komplette Dienst kostenlos und ohne Anmeldung nutzbar ist, ihre Stimmen vergeben.

Ich persönlich nutze Tricider sehr gerne bei der Projektplanung, Themenfindung bzw. bei der Koordination von Abstimmungsprozessen und habe beobachtet, dass auch Menschen, die diesen Dienst zum ersten Mal nutzen, sehr gut damit zurecht kommen.

Das GamesLab – Methoden, Materialien und Tools

Screenshot aus dem Material zum GamesLab

Screenshot aus dem Material zum GamesLab

In den letzten beiden Jahren wurde am JFF - Institut für Medienpädagogik in Forschung und Praxis unter der Leitung von Dr. Ulrike Wagner und Sebastian Ring das GamesLab als integrierte Praxis-Forschungs-Aktivität aufgebaut. Unter der Leitfrage, wie 12-16 Jährige Jugendliche souveränen mit digitalen Spielwelten umgehen können, wurden eben mit diesen Zielgruppen Praxisprojekte wie Werkstätten, Jugendtagungen und Fortbildungen umgesetzt. Dabei wurde das Projekt wissenschaftlich begleitet, Expertisen und Evaluationen erarbeitet und der Forschungsschwerpunkte “Vielspielen” etabliert.

Am 28. Februar diesen Jahres wurde auf der Abschlusstagung nicht nur ein durchweg positives Resümee gezogen, sondern auch die über die Projektzeit erarbeiteten Methoden, Materialien und Tools der Öffentlichkeit Online und frei zur Verfügung gestellt. Die Materialien sind sehr gut aufbereitet und auch für medienpädagogische Einsteiger verständlich beschrieben.

Ich würde mir nun noch wünschen, dass dem Material klare Aussagen zur Nutzung und Verbreitung (z.B. per Creative Commons) hinzugefügt werden, um den positiven Gesamteindruck des GamesLab abzurunden.

Cloud Convert: Webdienst konvertiert fast 180 Formate

cloudconvert

Mit Cloud Convert stellen wir heute einen sehr nützlichen Webdienst vor, einen cloud-basierten Dateikonvertierer. Die zu bearbeitende Datei wird einfach in das Browserfenster gezogen und kann in das gewünschte Format umgewandelt werden. Fast 180 Dateiformate stehen derzeit zur Verfügung, umgewandelt werden können ohne Anmeldung pro Tag 5 Dateien, mit Anmeldung 25.

Cloud Convert ist ein simples und nützliches Tool, allerdings gilt hier natürlich wie bei allen Cloud-Diensten eine gewisse Vorsicht was sensible Daten angeht.

Audioprojekte mit Musikvideos

Musiklose Musikvideos (bzw. «musicless music video») hören sich relativ sinnlos an,  können aber eigene Kreationen sein, die den Ursprungswerken einen ganz neuen Dreh geben – und bei den Zuschauer_innen damit eine neue Wahrnehmungs- und Reflexionsebene eröffnen. Und all das ist meiner Meinung nach eine schöne Methode für die Medienpädagogik.

Aber eins nach dem anderen: Bei musiklosen Musikvideos wird die eigentliche Audiospur ersetzt mit den mutmaßlichen Geräuschen des Originalvideos. Diese Videos sind ein eigenes Genre auf YouTube und es gibt zahllose Macher_innen. Besonders schöne Werke produziert meiner Meinung nach Mario Wienerroither – mein absoluter Liebling ist dieses:

Durch das Entfernung der Musik passieren meiner Meinung nach zwei Dinge:

  • Die Bilder wirken nun für sich selbst. Das kann dem Video eine ganz neue Bedeutung geben – oder auch seine Banalität aufzeigen.
  • Der neue Soundtrack bringt die Bilder in einen neuen Zusammenhang. Sehr schön macht das meiner Meinung nach Mario Wienerroither, indem er Geräusche auswählt, die dem Video einen ironischen Dreh geben – oder es einfach lächerlich machen. Sehr gut gelungen finde ich das im obigen Shakira-Video, bei dem durch Fön, quietschende Matratzen und Hintern die Übersexualisiertheit lächerlich gemacht wird.

Und was sind die Potenziale für die Medienpädagogik?

  • In Projekten, in denen Jugendliche musiklose Musikvideos herstellen, können sie sich «ihre» Musikvideos aneignen und ihnen einen neuen Dreh geben. Oder sich solche vornehmen, die sie gerade nicht mögen.
  • Damit haben sie einen Anlass, sich mit Geräuschen und Audioproduktion auseinanderzusetzen.
  • Und schließlich eröffnen solche Projekte eine inhaltliche Ebene, auf der sich die Jugendlichen damit auseinandersetzen können, was sie von sexuell aufgeladenen Videos halten und wie sie sich mit ihrem musiklosen Musikvideo dazu positionieren.

Besonders geeignet sind für solche Projekte Musikvideos, in denen im Bild niemand singt. Ansonsten haben die Macher_innen nämlich die Aufgabe, auch den Originalgesang als «Geräusch» zu besorgen, wie bspw. im musiklosen Gangnam-Style-Video. Aber für entschlossene Jugendliche ist das sicher keine wirkliche Hürde.

Was sagen Sie zum medienpädagogischen Potenzial dieses Videogenres? Ergänzen Sie einfach mit einem Kommentar.

SpielendLernen mit Minecraft

Minecraft Gebäude auf hoch gelegener Plattform aus dem Workshop "Spielen Lernen".

Minecraft ist das meistverkaufte Computerspiel aller Zeiten. Und das ist wunderbar, denn es ist nicht nur ein klasse Spiel (wobei es viele Anteile von Sandkastenspielen oder Legobauen hat), sondern auch noch (medien)pädagogisch sehr spannend.

Bei Minecraft besteht die ganze Welt aus Blöcken, die man abbauen und als Baumaterial nutzen kann. Und das muss man auch, denn nach ein paar Spielminuten (im Survival Modus) wird es Nacht und es kommen Monster. Denen hat man anfangs nichts entgegen zu setzten. Daher ist gut beraten, wer sich am ersten “Tag” eine schützende Höhle oder Häuschen gebaut hat. Und üblicherweise findet man diese Behausung schnell zu klein/unpraktisch/hässlich/nicht repräsentativ. Und so fangen die meisten Spieler ganz automatisch an sich Gedanken zum Thema Gestaltung und Architektur zu machen.

Das lässt sich auch für die Schule nutzen, um lehrplankonform (!) in der 7. Klasse Gymnasium in Kunst das Thema Architektur zu behandeln. Hier beschreiben wir, wie ein solcher Workshop aufgebaut sein kann. Den ganzen Beitrag lesen

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