Linux (endlich) ausprobieren – Teil 2
"these two lanes" von JKönig auf flickr.com (cc by-nc-sa)
In der vergangenen Ausgabe habe ich versucht den „Noch-nicht-Linux-Usern“ eine Möglichkeit vorzustellen wie man sich, ohne Gefahren für den eigenen Computer, Linux ansehen und damit arbeiten kann.
Für alle die sich nun mit Linux vertraut gemacht haben und einen Schritt weiter gehen möchten, soll in dieser Ausgabe eine weitere Variante der Linux-Installation vorgestellt werden: DualBoot. Durch Ausführen dieser Methode können nun Einstellungen am Betriebssystem vorgenommen werden, ohne dass diese nach dem Neustart wieder verschwunden wären. Aber auch die Installation von Programmen und das Speichern von Dokumenten ist hiermit möglich – kurz: Es handelt sich nun um ein „richtiges“ Betriebssystem.
2. Dual Boot
Wenn Sie sich für die Arbeit mit Linux entschieden haben, sich aber nicht völlig von Ihrem bisherigen Betriebssystem trennen möchten, bietet Linux die Möglichkeit zwei Betriebssysteme auf Ihrem Computer zu installieren. Dies geschieht im sogenannten Dual-Boot Modus. Sprich, wenn Sie auf Ihrem Computer zwei Betriebssysteme installiert haben und beim Starten des Computers gefragt werden, mit welchem Betriebssystem Sie arbeiten möchten. Der Vorteil eines solchen Systems besteht darin, dass beide Systeme ihre volle Leistung entfalten können, Sie also „zwei“ Computer in einem haben.
Um diese Variante zu nutzen, wird die Linux-CD/DVD in das Laufwerk eingelegt und der Computer neugestartet. Der Computer bootet nun von der CD/DVD und startet Linux. Jedoch soll Linux nun installiert und nicht wie in der letzten Ausgabe „Live“ gestartet werden. Beim Bootvorgang werden Sie wieder gefragt wie Sie die CD/DVD verwenden wollen, klicken Sie hier auf „installieren“. Der Computer fragt nun wie Linux installiert werden soll. Als Möglichkeiten stehen „ganze Festplatte verwenden“, „Partition manuell festlegen“ oder „nebeneinander“ zur Auswahl. Beim Klicken auf „ganze Festplatte verwenden“ wird Linux über Ihr System geschrieben. Zu bedenken ist: dabei gehen alle Daten verloren.
Klicken Sie also auf „nebeneinander-installieren“. Für unerfahrene Nutzer ist es möglich, den Computer selbst die Größe der Festplatte bestimmen zu lassen, auf die installiert werden soll. In diesem Fall wird Ihre Festplatte einfach geteilt (partitioniert). Eine Partition gehört dann Ihrem Standartbetriebssystem, die andere Linux. Die folgenden Schritte können Sie nach den Anweisungen auf dem Bildschirm durchgehen – es handelt sich dabei um Fragen nach Ihrem Namen, dem gewünschten Passwort usw. Ist die Installation abgeschlossen, können Sie den Computer herunterfahren, am Ende werden Sie gebeten die CD/DVD zu entfernen.
Beim nächsten Start erscheint als Erstes ein ungewohntes Bild – der sogenannte „Grub“; Sie werden gefragt mit welchem Betriebssystem der Computer starten soll. Standardmäßig ist Linux eingestellt, Sie können jedoch mit den Pfeil-hoch- bzw. Pfeil-runter-Tasten auch Windows auswählen. Ist dies geschehen, startet der Computer mit dem von Ihnen gewählten System und Sie können arbeiten.
Die Vorteile dieser Art der Installation sind darin zu sehen, dass Sie beide Systeme vollständig installiert haben und somit auch vollständig nutzen können. Im Klartext bedeutet das, Sie können Programme installieren, Dokumente speichern und Änderungen vornehmen, die auf dem System gespeichert bleiben. Auch eine Geschwindigkeitserhöhung werden Sie feststellen, im Gegensatz zum Live-Betrieb.
Nachteilig erscheint auf den ersten Blick, dass bei dieser Variante mehr Know-How vom Nutzer verlangt wird. Jedoch sind die Anweisungen bei der Installation so verständlich, dass auch ein geringes Computerwissen ausreicht, um Linux auf Ihren Computer zu installieren. Das gilt vor allem für die neuste Version von Ubuntu.
Ein weiteres Problem, zumindest für die User, die öfter mit Windows als mit Linux arbeiten, ist, dass bei der Installation automatisch Linux als erstes Betriebssystem gesetzt wird. Das bedeutet, dass nach einer bestimmten Zeit, Linux automatisch ausgeführt wird – verpasst man es also beim Starten Windows auszuwählen, startet der Computer Linux. Jedoch finden sich auch für dieses Problem viele Lösungen im Netz.
Zum Schluss soll noch darauf verwiesen werden, dass gerade unerfahrene Nutzer den Computer vor den Linux-Versuchen absichern sollten, d.h. eine Sicherungskopie der Festplatte anfertigen sollten. So können Sie sicher sein, dass ihre Daten nicht verloren gehen, sollte bei der Installation aus Versehen der falsche Knopf geklickt werden. Sehr zu empfehlen sind ausgediente Computer; diese eignen sich bestens als Linux-Versuchs-Plattformen und es kann kein Schaden entstehen.



6 Kommentare
T.Driewer am 05.04.2011:
Schöne Anleitung zum einen, aber mir stellt sich da ein anderes Problem ganz klar in Vordergrund.
Windows ist und wird es auch noch lange Zeit bleiben Marktführer. Schulen nutzen in ihrem Unterricht (wenn sie denn welchen geben) Windows. Die Schüler nutzen zu meist Windows am heimischen PC (was nicht zuletzt mit den Kosten für einen Mac) verbunden ist. Da erscheint es auf den ersten (und bei mir auch auf den zweiten) Blick recht unsinnig, in meine pädagogische Arbeit auf Linux zu setzen. Vor allem jüngere Teilnehmer, wie es bei mir der Fall ist kommen mit einer solchen Umstellung nur schwer zurecht.
Trotzdem bin ich sehr von Linux angetan, wenn auch leider nur privat.
Bernd Dörr am 06.04.2011:
Hallo Ronny!
Vielen Dank für den 2. Teil im wie gehabt gut und ‘vorsichtigen Sprachstil, denke mal, damit niemand gleich Linux abwehrt, sondern erstmal zu Ende liest.
Eine Anmerkung zum 2. Teil habe ich noch: Du schreibst über die Installation von einer Live-CD, nennst aber nicht die Distribution. Ich kann abschätzen, dass Ubuntu gemeint ist, aber selbst dort ist nicht immer alles gleich. Bei anderen installierbaren Distributionen von Live-CD’s gibt es aber keine Option “nebeneinander installieren”, die sucht mensch vergeblich und sollte gleichzeitig aber wissen, dass es trotz der Verbesserungen der Partitionsprogramme zu Datenverlusten kommen kann, genauso wie unter Windows-Programmen. Ausnahmen gibt es bei beiden Betriebssystemen.
Daher empfehle ich für ein Dual-Boot System den Einbau einer zweiten Festplatte, die dann nur für Linux genutzt wird. Damit öffnet mensch auch einmal den “Zauberkasten” und sieht ihn von innen, zweitens reicht der Hinweis “Bitte Linux auf Festplatte sdb installieren” ungefähr aus, um die richtige zu treffen.
Wenn es denn Ubuntu sein soll: die Community ubuntuusers.de hat Antworten auf alle möglichen Fragen, wie aber auch alle anderen Linux-Distributionen immer Support anbieten und Fragen untereinander geklärt werden können.
Als Argumentationshilfe können auch immer solche Artikel gelten: “Wie man Linux und Freie Software am besten an den Mann und die Frau bringt” unter: http://www.aptosid.de/index.php?module=news&func=display&sid=10
Den Artikel verlinke ich gerne in meinem blog: http://digitalareal.wordpress.com
@T. Driewer: habe nach kurzer Meckerphase bei den Kindern und Jugendlichen gute Erfahrungen mit Linux gemacht: Spiele, Office, Browser, Chat > alles schon da + funktioniert!
T.Driewer am 06.04.2011:
@Bernd Dörr: Nette Anmerkung, danke! Eine Frage: Wenn man Linux auf einer zweiten Festplatte installieren kann, müsste es dann nicht auch möglich sein, dies auf einer SD Karte bzw. einem USB Stick zu installieren? Oder handelt sich hierbei dann nur um die Live Lösung? Habe nämlich mehrere Netbooks, die ich dann bestücken könnte
Bernd Dörr am 11.04.2011:
@T.Driewer: ja, natürlich kann Linux auf einem usb-stick installiert werden! Voraussetzung ist ein einigermaßen neues BIOS, das das Booten von usb-stick erlaubt. Anleitungen per Suchmaschine Deiner Wahl oder hier: http://www.linuxusbstick.de/ oder hier: http://www.linux-usb.de/Anleitung oder hier: http://www.lidux.de/linux-usb-stick-download:::177.html
Mehrere Linux Distributionen haben eigene Anleitungen für die Installation auf usb-sticks oder SD-Karten. Bei Fragen auch mal die örtliche Linux User Group ansprechen, vielleicht veranstalten sie ja bald (wieder) eine Installationsparty! Verzeichnis hier: http://www.linux-magazin.de/Heft-Abo/Service/Linux-User-Groups oder hier: http://www.linux.de/groups/ oder hier: http://linuxwiki.de/LinuxUserGroup
Jens Wiemken am 11.04.2011:
Eine der ungefährlichsten und für Windows-Nutzer-innen nachvollziehbare und leicht auch zu löschende Variante ist die Installation über Windows mit Wubi (http://wiki.ubuntuusers.de/WUBI) und einer Ubuntu-Distribution. Installiert auch Grub und kann einfach über die Systemsteuerung von Windows gelöscht werden. Ist zwar ein bisschen langsamer als eine reine Linux-Installation, aber auch ein bisserl schneller als eine Live-CD. Ich habe das selbst auf einem Netbook zu Testzwecken laufen.
Pieter am 28.05.2011:
@T.Diver
da die Open Source Produkte wie Libre Office etc sowohl unter Linux wie auch unter windoof laufen und diese teils stark an Office Produkte von MS angelehnt sind, macht es durchaus Sinn sich mit Linux als kostenloser Alternative zu windoof zu beschäftigen.
Hier gibt es brauchbare Alternativen für wenig(kein) Geld.
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