iTunes und der Kinderschutz

itunesDurch die Netzsperren-Diskussion wurde bei manchen NetzaktivistInnen der Jugendschutzbegriff diskreditiert. Aber es muss eine Unterscheidung getroffen werden zwischen nötigem Jugendmedienschutz und der Zensur von Inhalten. Die Netzsperren-Idee ist da sicher übers Ziel hinaus geschossen, dadurch dürfen aber andere Maßnahmen nicht in Frage gestellt werden.

Aus diesem Grund muss, unabhängig der Vermittlung von Medienkompetenz, die Schutzfunktion vor allem gegenüber Kindern berücksichtigt werden. Kinder gehen weniger sorgsam mit Inhalten um, klicken mal einfach drauf los und werden dann mit Inhalten konfrontiert, mit denen der kindliche Geist überfordert ist. Eine mediendidaktische Erziehung, eine Förderung der Medienkompetenz, wie sie bei Jugendlichen praktiziert wird, findet bei Kindern keinen Nährboden. Daher benötigen Kinder einen besonderen Schutz.

Aber unabhängig der Diskussion um Schutzmaßnahmen im Internet möchte Ich heute auf die Schwachstelle der sehr bekannten Software iTunes von Apple aufmerksam machen.

Seit einiger Zeit ist es dort möglich, im Store Filme anzusehen und auszuleihen, z.T. auch Filme, die eine Altersfreigabe FSK 18 haben. Laut Jugendmedienschutzstaatsvertrag (JMStV) dürfen Inhalte, die für Kinder und Jugendliche nicht geeignet sind, nur Erwachsenen zugänglich gemacht werden.

Um im Store einkaufen zu können, muss sich der Benutzer mit einer Kreditkartennummer anmelden. Die Schwachstelle des Systems liegt nun in der Möglichkeit, dauerhaft das Passwort zu speichern, denn diese Zugansdaten bilden zudem die Altersverifikation für die nicht jugendfreien Inhalte.

Wird das Passwort also aus Bequemlichkeit gespeichert, bleibt der Benutzer, sogar nach einem Neustart des Computers, eingeloggt und authentifiziert.

Sitzt nun nach dem Neustart des Computers ein Kind davor, um sich neue Musik auf den iPod zu laden, kann es nicht nur ungehindert auf Papas Kreditkarte einkaufen, sondern auch Medien konsumieren, die erst ab 18 Jahre freigegeben sind.

Nutzen Kinder iTunes? Wenn wir uns betrachten, wie viele Kinder einen iPod haben und hierfür zwangsweise iTunes benötigen, wird klar, wie weit die Software verbreitet ist und verwendet wird.

Das Programm besitzt zwar einen Jugendschutzfilter, der sich (erstmal gefunden und dann richtig eingestellt) allerdings nur auf den Store bezieht, nicht aber auf die bereits heruntergeladenen Medien. Auch ist es möglich, verschiedene Medientypen ein- oder auszublenden, jedoch sind die Dateien für alle Benutzer vorhanden oder verschwunden. Nichts desto trotz wären die Filme über einen Dateimanager im iTunes Ordner zu finden.

Die einzige Möglichkeit, einem Kind ein “sichereres” iTunes zu bieten (neben der Entwicklung eines Kinder-iTunes) ist die Einrichtung eines eingeschränkten Benutzerkontos unter Windows oder MacOS. Über diesen Weg muss auch der iTunes Benutzer neu angelegt werden, der Jugendschutzfilter kann arbeiten und ungeeignete Inhalte sowie Papas oder Mamas Kreditkartennummer bleiben unendeckt.

15 Kommentare

  1. Unkraut am 23.11.2009:

    Na, laß mich mal nachdenken … wie heißt denn gleich diese Jugendschutzmaßnahme, die IMMER funktioniert … und dazu noch kostenlos und und Erwachsene nicht mit idiotischen Einschränkungen belästigt … ?? Achja, ERZIEHUNG, jetzt hab ich’s! Wäre vielleicht mal an der Zeit, daß die lieben Eltern einfach ihre Pflicht tun, anstatt das “Village” mit immer neuen Forderungen nach “Jugendschutz” zu terrorisieren. Es reicht langsam. Weder Itunes noch der Rest Internet ist für Kinder gemacht worden. Also zieht ihnen gefälligst den Netzstecker und laßt uns endlich, endlich mit diesem Jugenschutzgesülze in Ruhe.

  2. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias am 23.11.2009:

    Hallo anonymer Unkraut
    Alkohol und Zigaretten sind auch nicht für Kinder und Jugendliche gedacht, dennoch häufen sich die Fälle, in denen neunjährige mit einer Alkoholvergiftung im Krankenhaus liegen. Diese Probleme lassen sich auch nicht allein durch die Erziehung beheben.
    Das Internet ist nunmal für alle offen und verfügbar, auch für Kinder. Nicht nur in den Schulen, auch schon in Kindergärten entsteht der Kontakt zum Computer und zum Internet. Die Zeiten haben sich halt verändert, ein Aufwachsen ohne Computer ist kaum noch möglich, zumindest nichts ungewöhnliches. Ein elterliches Verbot lässt sich faktisch nicht umsetzen, da spätestens bei Freunden, im Jugendzentrum oder in der Schule wieder ein PC steht. Und da der Jugendmedienschutz ein Teil der Medienpädagogik ist, werde ich noch ein bißchen sülzen müssen…

  3. Korrupt am 25.11.2009:

    Nun ja. “Sülzen” hast du gesagt, dann wirds schon nicht falsch ankommen, wenn ich sage, das triffts, so wie hier “Schwachstellen”, Einrichtungsmaßnahmen, Kinder, Jugendliche usw. durcheinandergeschmissen werden. Am Anfang ist die Rede von einer “Schwachstelle” bei iTunes, und am Ende sehen die Kiddies im Kindergarten Inglorious Basterds. Wenn man schon “Erziehung” und “Medienkompetenz” sinnvoll einsetzen will und selbiges im netz propagieren mag, dann sollte man nicht von Schwachstellen rden, wenn es schlicht um Usermanagement geht. Und selbstredend lassen sich elterliche Verbote umsetzen, oder ist seit neuestem das Jugendzentrum oder die Schule der vielbeschworene rechtsfreie Raum, wo die Kiddies den Hardcoreporn frei Klassenzimmer geliefert bekommen?

    Sorry, wenn das hier die besonnene, wissenschaftlich fundierte Variante der Leyenschen Hysterie sein soll, dann ist das der klassische FAIL und die Medienpaedagogik in keinem besseren Zustand als zu meinen schlimmsten Unizeiten. Auch damals gabs die Ausnahmen, die die Regel bestaetigten, aber bei einer solchen les ich grade offenbar nicht.

  4. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias Albers-Heinemann am 25.11.2009:

    In meinem Artikel geht es nicht um Usermanagement, sondern um eine Schwachstelle bei iTunes, nämlich die, dass hingegen den Vorgaben des JMStV entwicklungsbeeinträchtigende und nicht geeignete Inhalte ohne Altersverifikation (von Kindern und Jugendlichen) abgerufen werden könne, wenn(!) das Passwort beim anmelden gespeichert wird.
    Das Usermanagement ist für medienaffine Menschen eine Selbstverständlichkeit, aber es darf nicht davon ausgegangen werden, dass Ottonormalverbraucher weiß, wie der PC (oder Mac) richtig zu konfigurieren ist.

    Bezüglich deiner Aussage zum “rechtsfreien Raum” in den Jugendzentren – Natürlich sind sie das nicht. Aber der Punkt ist doch, dass (elterliche) Verbote sich dann nicht mehr umsetzen lassen, sobald keine Konrolle stattfindet. In der Regel sollen in den Jugendzentren etc. Jugendliche das Internet nutzen können, dürfen und sollen. Ich denke nicht, dass Eltern, die ihre Kinder vor dem Internet “schützen” wollen, in allen Treffs etc. anrufen und das Computerverbot mitteilen.

    Daher nehme ich dein Gedankenspiel mit dem durcheinanderschmeissen dankend an und gebe es dir besonnen zurück ;-)

  5. Korrupt am 25.11.2009:

    “In meinem Artikel geht es nicht um Usermanagement, sondern um eine Schwachstelle bei iTunes…”
    …da ist der erste Satz noch nicht fertig und schon steht der Fehler da. Es *muss* aber um Usermanagement gehen! Wenn Ottonormalverbraucher sein iTunes nicht konfigurieren kann, dann soll er kein Kind davorsetzen. Oder er soll es verdammtnochmal *lernen*. Manchmal ueberlege ich mir, wie es um die Automobilindustrie bestellt waere, wenn man auf die die Jugendschuetzer loslassen wuerde wie bei Rechnern und Internet.
    Ich neige zur Drastik, aber das entstellt manchmal Wischiwaschialibikrempel zur Kenntlichkeit. Insofern, ums auf den Punkt zu bekommen: Eltern, die ihre *Kinder* von allem fernhalten wollen, was moeglicherweise “jugendgefaehrdend” ist, duerfen sie eben nicht unbeaufsichtigt an die Kiste lassen, wenn sie nicht mal selber wissen, wie das Ding funktioniert. Wenn sie sich nicht dadran halten und anschliessend ueber “Schwachstellen” in Programmen jammern (Himmel, du sprichst selber von der “Bequemlichkeit” wegen der es zu dem “Problem” kommt, sorry, ist “Bequemlichkeit” seit neuestem ein Massstab, nach dem Erziehung von den Eltern an Softwareentwicklung delegiert werden soll?), haben Jugendschuetzer nicht in die wohlfeile Klage einzustimmen, sondern sollten sich drum kuemmern, dass sowas gelernt wird.
    Eltern, die meinen, ihre *Jugendlichen* von Porn und Konsoren medial fernhalten zu koennen, sind medieninkompetent. Man sollte derart inkompetenten Menschen einerseits nicht die vollkommen illusorische Moeglichkeit vorgaukeln, ihre Weltfremdheit eins zu eins auf ihre Kinder uebertragen zu koennen, und man sollte sowas als Jugendschuetzer insbesondere den Kindern nicht zumuten. Es ist wirklich so einfach.

  6. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias am 26.11.2009:

    Guten Morgen

    “… Eltern, die meinen, ihre *Jugendlichen* von Porn und Konsoren medial fernhalten zu koennen, sind medieninkompetent…”

    Diese Aussage steht etwas im Widerspruch mit deinem ersten Kommentar:

    “… Und selbstredend lassen sich elterliche Verbote umsetzen …”

    “… sein iTunes nicht konfigurieren kann, dann soll er kein Kind davorsetzen. Oder er soll es verdammtnochmal *lernen*. …”

    Die Frage, die jetzt kommt liegt nahe: Wie soll denn Ottonormalverbraucher lernen, sein iTunes und Computer richtig einzustellen, wenn er nicht weiß worauf (und warum) er achten soll?

    Irgendwie verstehe ich langsam die Argumentation nicht mehr: Das Internet und die Inhalte sind frei, sollen unreguliert, unkontrolliert und für alle zugänglich sein, nur für die nicht, die nicht damit umgehen können? Wo bleibt die Solidarität?
    Die mediale Unwissenheit (oder das Desinteresse) von Eltern auf die mangelnden Arbeit der Medienpädagogen und Jugendschützer zurückzuführen erscheint mir sehr gewagt.

    Bitte verstehe folgendes nicht in meinem Artikel falsch: Mit Jugendlichen kann ich prima an der Medienkompetenz arbeiten (zumindest mit denen, die ich erreiche).

    Es geht in meinem Hinweis um zweierlei:
    zum einen um Kinder, die iTunes nutzen. Eltern, die dies vielleicht lesen und ein Kind mit einem iPod haben, wissen spätestens nach dieser Diskussion, dass ein separates Benutzerkonto und kein gespeichertes Passwort einen Sinn ergeben.

    zum anderen ist dies ein Hinweis für Erziehende, Multiplikatoren, Lehrer oder Medienpädagogen, die mit in irgend einer Form iTunes arbeiten.

    Und abschliessend verstehe ich auch nicht deine Empörung über den Hinweis auf diese Schachstelle. Täglich liest mensch (z.B. bei Heise) von irgendwelchen Bugs, Fehlern, Lücken etc. von Programmen, Tools und Anwendungen. Ich frage mich, ob die Diskussion hier genau so lebhaft wäre, wenn die Verbindung zum gesetzlichen Jugendschutz und der im Vorfeld geführte Debatte nicht da wäre…

  7. Korrupt am 27.11.2009:

    Hoi, Tobias,

    ich fang von hinten an: Die “Schwachstelle” ist keine. Wenn man die vorhandenen Sicherungsmöglichkeiten nicht nutzt oder falsch nutzt, dann ist es Unsinn, von Schwachstellen zu reden. Es geht um Nutzer-Inkompetenz, wie mehrfach gesagt. Wenn jeder Anwenderfehler als Softwarefehler interpretiert werden würde, dann hätten wir unbenutzbare Betriebssysteme, denn kein Mensch kann an einem Gerät arbeiten, welches vor jeder Idiotie schützen will. Deswegen ist auch die “Aufregung” so groß, denn es kann nicht angehen, dass Jugendschützer nach belieben Features zu Bugs erklären, nur weil sie nicht in der Lage sind, desinteressierten Eltern einen verantwortungsvollen Umgang mit Rechnern beizubringen. Glaub mir: wenn ihr es nicht könnt: die Software kanns schon gar nicht. Am Rande: die Diskussion um *tatsächliche* Fehler und Bugs bei heise ist in der Regel sehr lebhaft, da bist du hier noch bestens bedient :)

    Der Abschnitt davor: ja, der geht in die richtige Richtung. Sag den Leuten, wie man iTunes richtig anwendet, und alles wird gut. Hör auf, nichtvorhandene Fehler zu Fehlern zu erklären, und es wird noch besser. Im Zweifelsfall noch einen Tick praxisnaher werden und dazu raten, die Pornosammlung einfach auf ner externen Platte zu speichern und die sicher zu verstauen, dann kommen wir vermutlich sogar schon fast zusammen.

    Das Missverständnis am Anfang wäre vielleicht klarer geworden, wenn ich zu “Kinder” und “Jugendliche” noch jeweils ein “im Sinne der Definitionen des KJHG” hinzugesetzt hätte, ich dachte, dann wirds zu verschachtelt. Kinder darf man ohne Aufsicht nicht an einen Rechner setzen, auf dem Zeug ist, das sie nicht sehen sollen. Klar lassen sich da auch elterliche Verbote umsetzen.

    Jugendliche von Pr0n, Splatter, $wasauchimmer fernhalten zu wollen, ist hingegen illusorisch. Wer sich ab einem gewissen Alter für sowas interessiert, kommt ran. Das solltest du wissen, du warst auch schon mal in dem Alter :) Hier lese ich immer sehr viel vom irgendwieverhindernwollen, was schlicht und ergreifend Quatsch ist. Das ist ein Spielchen, das Eltern gegen aufwachsende Kinder in jeder Generation gespielt haben und das die Eltern bis heute und in alle Ewigkeit verloren haben und verlieren werden. Man kann alles mögliche der Form halber erschweren, sonst würde es ja auch langweilig, aber ansonsten ist der Fail jeder Verhinderungsmaßnahme von einer Absolutheit, die der des Todes und der Steuern gleichkommt. In Anbetracht dessen fehlt mir gelegentlich die Ausgewogenheit der Bemühungen und der Prioritätensetzung, denn faktisch ist es eine realitätsnahere Fragestellung, wie man a) Jugendlichen ein wenig Hilfestellung beim notwendigerweise anfallenden Verarbeitenmüssen und Wertesortieren gibt und b) dasselbe für die Eltern, die eben einsehen müssen, dass das Leben und das Internetz für ihre *Jugendlichen* kein Ponyhof ist und auch keiner sein soll. In .de lese ich dauernd vom Sperren und Vernindern. Ich lese verdammt wenig davon, wie den geschätzten 100% aller 17jährigen, die trotzdem Hardcorepornos gesehen haben nahegebracht wird, dass in Wirklichkeit nicht jede Frau auf DP steht und nicht alle rasiert sind. Stattdessen eben von “Schwachstellen in iTunes”. Yeah, das bringt uns weiter.

  8. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias Albers-Heinemann am 27.11.2009:

    Hallo Richard

    also von der Länge unserer Kommentare könnten wir schon ein eigenes Blog aufmachen ;-)
    In vielen Punkten die du schreibst gebe ich dir recht, wer an Porn, Snuff etc. rankommen will kommt ran, das ist keine Frage.
    Mir geht es in diesem Artikel inhaltlich nicht um die Vermittlung von Medienkompetenz oder einem Usermanagementproblem, sondern ganz objektiv um eine Schwachstelle, und ich möchte nochmal klarstellen welche das ist:

    Klar gibt es viele Softwarefehler und Bugs in diversen Programmen. Aber in diesem Fall gibt es bei iTunes (ohne dass ich ein Korinthenkacker oder Paragraphenhengst bin) zwei Aspekte, die gegen geltende Bestimmungen verstossen.

    zum einen: es ist nicht sichergestellt, dass Menschen, die FSK 18 Filme sehen auch 18 sind (das steht so im Jugendmedienschutzstaatsvertrag)
    zum anderen gibt es keinen automatischen Logout, wie es den Vorgaben für anerkannte Altersverifikationssystemen entspricht.

    So das ist es erstmal. Nicht mehr und nicht weniger. Jetzt kann jeder Leser selber entscheiden, in wie weit dies eine Schwachstelle oder ein Alibi für desinteressierte, medieninkompetente und Medienpädagogik-resistente Eltern ist.

  9. Korrupt am 27.11.2009:

    …aber immerhin zum Kern des Problems sind wir vorgedrungen, das ist ja auch nicht immer die Regel im Internetz :) Akzeptiert, ich seh, worauf du hinauswillst. Wir setzen da halt unterschiedliche Prioritäten, da meiner Sicht nach der Gesetzesbuchstabe und seine getreuliche Erfüllung auch durch Apple/iTunes vollkommen praxisirrelevant ist. Meine Botschaft, dass die Medienpädagogik sich meiner unbedeutenden Sichtweise doch bitte anschließen möchte, bin ich hiermit losgeworden. Sorry für den aggressiven Ton gelegentlich, und den Rest überlass ich nun auch vollends gern den Lesern.

  10. Charlie am 29.11.2009:

    Von einer „Schwachstelle in iTunes” zu sprechen, verleitet nur dazu, sich woanders sicher zu fühlen. Wer einen Account bei Youtube, Dailymotion etc. hat und den bequemen Weg geht, automatisch angemeldet zu bleiben, dessen Nachwuchs ist immer nur einen Mausklick von 18+ Inhalten entfernt. Dieses Problem auf eine Schwachstelle in einer bestimmten Software zu reduzieren, bedeutet nur, das Problem der automatischen Anmeldung zu verschleiern.

    Man kann sich drehen und winden, geltende Bestimmungen hin und her. Wenn der Sprößling die magischen Worte von „Freunden” bekommen hat, findet er Anstößiges im Internet – ohne iTunes, Youtube & Co. Die Adressen um komplette Filme zu ziehen, sind unter Heranwachsenden allgemein bekannt. Wer belastet da noch die Kreditkarte vom Papa.

    Und dagegen hilft nur, sich als Erziehungsberechtigter mit der Sache auseinanderzusetzen und die Möglichkeiten seines Systems zu kennen und auch zu nutzen.

  11. Hansjürgen Keiling am 30.11.2009:

    Hallo Herr Albers-Heinemann,

    jetzt ist der Blog ja schon ein paar Tage alt und hatte leider nur drei Teilnehmer.
    Ich würde mich gerne mit Ihnen über technische Lösungen für oben angeführte Probleme unterhalten. Ich freue mich auf eine E-Mail.
    Aber vorab zumindest ein paar kurze Kommentare.
    Ich finde die Heftigkeit der gewählten Worte für ein solch wichtiges Thema als störend und unpassend. Ich habe selber 2 Kinder und beschäftige mich nicht nur privat, sondern auch beruflich mit Frage der Medienkompetenz und die fängt viel früher an als das Kinder technische geräte überhaupt bedienen können. Aber Fragen zur Gehirnentwicklung würden diesen log sprengen.
    In einem hat der Blog-Schreiber “Korrupt” recht. Eltern haben leider häufig überhaupt keine Vorstellung was mit heutigen Medien möglich ist. Ich stelle dies immer wieder in Gesprächen mit anderen Eltern fest und habe daher auch bereits Elterninformationsabende angeboten.
    Aber ich finde man kann nicht so einfach alles bei den Erziehungsberechtigten abladen, denn diese sind häufig bei weitem überfordert. Wer sich mit der rasanten Entwicklung der Medientechnik beschäftigt hat, kann leicht nachvollziehen warum dies so ist und daher finde ich die Forderung gerechtfertigt das Firmen in Ihren Produkten darauf achten, dass z.B. deutsche Gesetze eingehalten werden können.
    Eltern brauchen unterstützenden Rat und natürlich auch technische Hilfsmittel.
    Die Statistik sagt, dass Jugendliche heute ca. 4,5 Medien auf einmal nutzen. Das war zu meiner Jugendzeit gerade mal bei 1,3. Das ist ein Fulltimejob für die Eltern, nur um Ihren Erziehungsauftrag in Bezug auf die Medien nachkommen zu wollen.
    Ich denke wenn man sich ein wenig mit dem Thema beschäftigt, dann wird man einen der Gründe leicht heraus filtern können. Es geht um Geld verdienen. Unsere Kinder und Jugendliche sind heute ein Milliarden Absatz-Markt. Es gibt Lösungen die Firmen wie iTunes einsetzen könnten. Die Frage ist nur will man dies? Erschwerend kommt hinzu, dass dies keine deutsche Firma ist.
    m.f.G. HjK

  12. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias Albers-Heinemann am 30.11.2009:

    Hallo
    Was als Artikel über eine Schwachstelle angefangen hat, ist mittlerweile zu einer kleinen, aber auch guten Diskussion über das große Feld des Jugendmedienschutzes geworden. Das Fehlen einer selbstverständlichen Funktion (Stellen Sie sich mal vor, Sie wären nach einem Neustart immer noch in Ihrem online-banking Portal eingeloggt) hat dazu geführt, über die Notwendigkeit vom technischen Jugendschutz, pädagogischen Jugendschutz und der Vermittlung von Medienkompetenz zu reden, und das in einer ohnehin schon sehr emotional und manchmal auch irrational geführten Grunddebatte um Schutz, Sperre und Zensur.

    Die Schwachstelle in einem Programm zu benennen heisst für mich nicht, die von anderen Plattformen zu ignorien oder zu verkennen. Ich denke, wenn wir Handlungsmöglichkeiten (oder Schwachstellen) erkennen, diese an die Zielgruppe weitervermitteln und deren Behebung fordern, ist auf jeden Fall schonmal ein guter Schritt gemacht.

  13. Jürgen am 07.12.2009:

    Auch wenn Jugendschutz grundsätzlich wichtig ist, ist iTunes, so denke ich, ein schlechtes Beispiel. Wie richtig festgestellt wird, benötigt man einen Account – der jedoch nicht automatisch abgemeldet wird. Dennoch besteht zumindest die Möglichkeit sich abzumelden, als Account-Inhaber werde ich per E-Mail über die “Einkäufe” informiert und ansonsten sehe ich spätestens auf der Kreditkartenabrechnung was passiert ist und kann entsprechende Maßnahmen ergreifen. Auch bietet iTunes eine Kindersicherung die im übrigen nicht schwer zu finden ist. In den Einstellungen ist dieser Punkt sofort sichtbar. Da sind 99% der Porno-Webseiten im Netz deutlich schlechter oder gar nicht geschützt …

    Ich verstehe nun dass iTunes durch das fehlende automatische Abmelden kein “anerkanntes Altersverifikationssystem” besitzt. Was ich aber nicht verstehe ist, warum man für alles im Internet neue Maßstäbe setzen muss die bisherige Systeme in der realen Welt um ein vielfaches übertreffen. Wenn ich in meiner DVD-Sammlung im Wohnzimmer einige “Ab 18″ Titel habe, die der Nachwuchs in einer unbeaufsichtigen Stunde konsumieren kann, könnte man mir die Verletzung der Aufsichtspflicht vorwerfen, jedoch keiner würde auf die Idee kommen den Hersteller der DVD anzuklagen. Wenn ich meine Autoschlüssel offen liegen lassen, und mein 9-Jähriger Sohn schnappt sich den für eine Spritztour gilt das gleiche, keiner würde sich bei Audi, BMW oder VW verklagen, nur weil diese kein “annerkanntes Altersverifikationssystem” in ihre Fahrzeuge implementiert haben.

    Das Internet ist ein Medium, welches Kinder lernen sollten sinnvoll zu nutzen – und hierzu sind vor allem die Eltern gefordert. Dass es Jugendliche, wenn Sie es wirklich wollen, noch immer schaffen Pornografie oder Horrorfilme zu konsumieren ist nunmal so – das war aber vor 20 Jahren nicht anders …

  14. Semsyie am 19.12.2010:

    Hallo Herr Albers-Heinemann,
    ich möchte einem 15-jährigen eine Itune Karte schenken, weil er zu Weihnachten ein Ipod bekommt. Ist es dem Jungen mit dieser Karte möglich, Inhalte herunterzuladen, die erst ab 18 sind?
    Ich würde mich über Ihren Rat freuen…

  15. Tobias Albers-Heinemann

    Tobias Albers-Heinemann am 19.12.2010:

    Hallo Semsyie
    Ja das ist prinzipiell möglich. Es wird zwar ein gültiger Account verlangt, dieser kann aber mit der iTunes Karte erstellt werden.
    Meiner Meinung nach spricht aber nichts gegen eine iTunes-Karte für einen 15jährigen. Sprechen Sie doch mit Ihrem Sohn was er vorhat zu kaufen, was er sich wünscht – lassen Sie sich iTunes ruhig zeigen, sofern Ihr Sohn sich besser auskennt.
    Da Ihr Sohn ja einen iPod bekommt, wird sein Interesse wahrscheinlich eh bei der Musik liegen und weniger bei Filmen.

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