Tipps für gute Webinare und Online-Barcamps

Foto von flickr, Danny Jackson (CC BY-NC-ND 2.0-Lizenz)

Im Jahr 2020 werden wohl überdurchschnittlich viele medienpädagogische Online-Angebote durchgeführt. Sicherlich sind zahlreiche gute, aber auch einige langweilige und einschläfernde Veranstaltungen dabei. Denn analog geplante Angebote, die einfach in den digitalen Raum transferiert werden, können leicht mißglücken. Einige Tipps und Ideen, mit denen ihr gelingende Online-Seminare und -Barcamps gestalten könnt, sind in diesem Beitrag zusammengestellt.

Ideen für Webinare

Ein Webinar kann eine analoge Veranstaltung nicht 1:1 online abbilden, sondern muss individuell und nach eigenen Regeln geplant und durchgeführt. Zugleich sollte aber auch nicht zu viel Neues auf einmal ausprobiert werden. Das sind zwei von vielen guten Tipps, die Katharina Bluhm in ihrem Webinar „How to Webinar“ gibt. Das Meta-Webinar ist als Video, Podcast und Text beim Jugendmedienverband Mecklenburg-Vorpommern zu finden.

Doch warum sind Videokonferenzen immer so anstrengend? Wie lassen sich Präsenz- und Fernunterricht kombinieren? Und welche weiteren Faktoren sind bei der Durchführung digitaler Bildungsangebote zu beachten? Damit beschäftigt sich der Schweizer Fachdidaktiker Philippe Wampfler in seiner YouTube-Reihe DigiFernunterricht.

Anregungen für Online-Barcamps

Wer plant, ein Barcamp in rein digitaler Form durchzuführen, findet im Netz ebenfalls hilfreiche Tipps und Erfahrungswerte, beispielsweise bei den beiden Gründern dieses Blogs:

Die Eindrücke eines Teilnehmenden/Teilgebenden und daraus abgeleiteten Empfehlungen für Veranstalter*innen hat Eike Rösch in einem Blogbeitrag zusammengestellt. Er betont u.a. die Bedeutung des gemeinsamen virtuellen Raumes und gibt weitere methodische und technische Anregungen.

Aus Sicht eines Veranstaltenden schildert Tobias Albers-Heinemann seine ersten Schritte und Erfahrungen bei der Durchführung eines Online-Barcamps. In seinem Artikel beschreibt er, wie eine analog geplante Vor-Ort Veranstaltung kurzerhand in den digitalen Raum verlegt wurde und welche Hürden dabei zu bewältigen waren, zudem hat er hier weitere Ideen über sinnvolle Online-Bildungsformate gesamme.t

Interessante Anregungen zum produktiven Lernen bei Online-Barcamps gibt auch Nele Hirsch, die im ebildungslabor ihre Erfahrungen aus dem Educamp 2020 beschreibt. Sie hat zudem ihre Tipps für die Durchführung eines Online-Barcamps in den FAQ Online Lernen der Edunauten zusammengefasst.

Warm-Ups & Energizers

Wie immer beim Lernen gilt auch für digitale Angebote, dass der Spaß nicht zu kurz kommen darf. Einige spannende und witzige Anregungen für digitale Warm-Up-Übungen und Energizer zwischendurch sind in einem Padlet-Pad zusammengestellt, das Kristin Hirschmann initiiert hat. Auch in einem Blogbeitrag von Mural.co sind zahlreiche Ideen ansprechend dargestellt.

Wie Video-Calls mit Freunden und Familie zu einer unterhaltsamen Kreativ-Session werden können, hat Zeit-Online in einem Videoclipaufbereitet. Auch diese Tipps lassen sich gut in digitale Lernformate integrieren.

my two cents

Zum Schluß noch ein paar Worte aus eigener Erfahrung: Auch wir haben im „SIN – Studio im Netz“ in den vergangenen Wochen zahlreiche Erfahrungen mit unterschiedlichen digitalen Formaten gesammelt, z.B. mit einstündigen Webinar-Inputs, digitalen Schulklassenprojekten und mehrtägigen Online-Seminaren. Als Zwischenfazit kann ich festhalten:

  • Experimentierfreude ist derzeit von elementarer Bedeutung. Wir befinden uns gerade alle in einer plötzlichen, nicht vorhergesehenen Phase des Um- und Aufbruchs. Digitale Angebote (nicht nur im Bildungsbereich) sind gefragt wie nie zuvor, was Herausforderung und Chance zugleich ist. Diese Chance sollten wir konstruktiv angehen.
  • Technik ist nur Mittel zum Zweck. Dieser Satz ist eine altbekannte Plattitüde, und doch möchte ich nochmal auf seine Bedeutung hinweisen. Wir diskutieren derzeit exzessiv über Videokonferenztools, Austauschplattformen usw., und natürlich muss die Auswahl der verwendeten Hard- und Software wohl überlegt sein. Im Zentrum unserer Arbeit müssen aber die Menschen und die Lehr-Lern-Prozesse stehen.
  • Aktive Beteiligung darf nicht fehlen. Die Online-Darbeitungsform verführt dazu, die Angebote v.a. mit frontalen Präsentationen zu gestalten. Die aktive Einbeziehung der Teilnehmenden ist aber unkompliziert realisierbar: In manchen Videokonferenz-Lösungen lassen sich Arbeitsräume und Break-Out-Gruppen gestalten, ansonsten können bei der Zeitplanung abwechelnd Online- und Offline-Phasen vorgesehen werden, um die Teilnehmenden zwischendurch eigenständig arbeiten zu lassen.
  • Der Wohlfühlfaktor muss mitgedacht werden. Viele Bildungsangebote sind nur auf Effektivität getrimmt und möchten möglichst viele Inhalte in möglichst kurze Zeit pressen. Diesen Fehler habe auch ich schon gemacht, doch er rächt sich. Bei aufgezeichneten und online abrufbaren Angeboten ist das verzeihbar, für Live-Veranstaltungen über einen längeren Zeitraum ist jedoch das Wohlbefinden der Teilnehmenden ein wesentlicher Faktor.
  • Offenheit und Nachsicht von allen sind gefragt. Viele von uns experimentieren derzeit mit neuen Möglichkeiten und bislang nur selten eingesetzten Verfahrensweisen. Viele stehen am Anfang einer Entdeckungsreise und müssen digitale Lernformate erst noch erlernen. Dabei ist es wichtig, dass die Veranstaltenden wie auch die Teilnehmenden offen für Neues und nachsichtig gegenüber mißglückten Experimenten sind. Wer viel macht, macht auch Fehler, und nur wer nichts tut, kann nichts falsch machen – noch so eine Binsenweisheit, aus der ihr eure eigenen Schlüsse ziehen dürft. Mein Ratschlag wäre:
  • Seid mutig und kreativ, seid innovativ und wagt Neues. Das ist unsere Zeit, und wir haben derzeit die Gelegenheit, der Gesellschaft zu zeigen, wie bedeutend und gewinnbringend Medienpädagogik sein kann.

Weiterhin viel Energie, Zuversicht und Erfolg für die Gestaltung und Durchführung digitaler Lernangebote wünsche ich euch!