Medienpädagogik unplugged #3 – CS-unplugged „Informatik ohne Stecker“

Kinder erkunden Vernetzung

Wie können wir sortieren? www.csunplugged.org - (CC BY-SA 4.0)

Traditionelle Medienpädagogik hat den kritischen und souveränen Umgang mit informationstechnischen Geräten zum Thema. Die damit verbundenen Ziele der Medienbildung sind essentiell für die demokratische Entwicklung einer Gesellschaft. Leider berücksichtigt die traditionelle Medienpädagogik nicht die rasanten Entwicklungen in den Informationstechnologien der letzten Jahre.

Wir befinden uns in einer ähnlichen Umbruchsituation wie in der industriellen Revolution vor 200 Jahren, die auch in der Pädagogik einen Wandel herbei führte. In Folge der Anforderungen der industriellen Entwicklung entwickelten sich die naturwissenschaftlichen Schulfächer. Heute vermittelt der Flaschenzug im Physikunterricht die grundlegenden Kenntnisse zu Kraft, Weg oder Masse als physikalische Einheiten. Im Chemieunterricht lernen die SchülerInnen den Unterschied zwischen Laugen und Säuren. Und was erfahren sie über die elementaren Begriffe der Informationstechnologien wie Vernetzung, Programmieren oder Datenbanken:? Nichts.

Anders als die Bundeskanzlerin vor ein paar Jahren formulierte, müssen Jugendliche zwar nicht Programmieren lernen. Aber ein paar grundlegende Kenntnisse über die Funktionsweise digitaler Geräte und Strukturen sollten dennoch bekannt sein. Ein Mittel ist dazu ist die Methode „CS unplugged“, die Verdeutlichung informationstechnischer Grundlagen ohne die Nutzung von Computern (https://www.csunplugged.org/de/).

Es reicht nicht, Kindern und Jugendlichen zu erklären, warum Facebook oder Insta böse sind, dass Whatsapp sowieso nur spioniert und TikTok ausbeuterisch ist. Die neuen „Neuen Medien“ sind nicht mehr nur Einbahnstraßen der Informationsvermittlung wie früher das Buch, Radio, Fernsehen oder Filme. Vielmehr gibt es einen Rückkanal, der bei Nutzung der neuen „Neuen Medien“ ständig Informationen von den NutzerInnen an Betreiber von Servernetzen, Webseiten oder App-Herstellern liefern. Dies ist ein von der traditionellen Medienpädagogik weitgehend unbegriffener Teil der Lebenswelt von Jugendlichen.

Medienkompetenz wird häufig noch verstanden als die Fähigkeit, Software oder Angebote aus dem Netz sozial kompetent „bedienen“ zu können. Es soll der richtige „Einsatz“ gelernt werden. Damit bleibt der Umgang mit Geräten und Programmen defensiv und endet häufig in unverstandener und hilfloser Abwehr.

Um sich kompetent in der von Digitalem strukturierten Welt bewegen zu können, ist ein grundlegendes Verständnis der technologischen Basis notwendig. Informationstechnische Grundbildung muss daher essentieller Bestandteil einer Medienbildung sein, die auf der Höhe der Zeit ist. Es kann nicht nur um Teilhabe an vorgegebenen Geräten und Strukturen gehen, gefragt ist vielmehr eine kompetente Aneignung.

Kinder und Jugendliche sollten die Erfahrung machen, dass Hard- wie auch Software nicht vom Himmel fallen, sondern von Menschen erstellt werden. Wenn die informationstechnischen Geräte und Anwendungen als Produkte von menschlicher Tätigkeit unter vorgegebenen Rahmenbedingungen erkannt werden, dann können auch die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umstände deutlich werden. Und dann kann auch kompetent geurteilt und gehandelt werden.

An Hand von Alltagsmaterial und Situationen, denen wir täglich begegnen, können strukturierende Faktoren des digitalen Wandels wie z.B. Algorithmen oder Netze begriffen werden. Der Aufwand ist sehr gering: Stifte, Papier, eine Packung Spaghetti oder ein Wollknäuel reichen meist aus.

Im Folgenden ein paar Beispiele:

Algorithmus

Der Begriff „Algorithmus“ ist heute in der öffentlichen Diskussion häufig emotional besetzt und wird mit Überwachung oder Bedrohung der persönlichen Freiheit konnotiert.

Auf seinen eigentlichen Gehalt reduziert ist aber ein Algorithmus lediglich die Festlegung von Verhaltensregeln, die dazu dienen, einen eindeutig definierten Zweck zu erreichen. Ampelsteuerungen oder Kochrezepte sind Algorithmen.

Wenn ein Algorithmus als von Menschen erstelltes Regelwerk verstanden wird, kann auch deutlich werden, dass kommerzielle oder politische Anwendungen von Algorithmen nicht vom Himmel fallen. Vielmehr stecken hinter jedem Algorithmus Institutionen und Menschen, die entscheiden, welcher Algorithmus wie angewandt werden soll.

Die Beschäftigung mit Algorithmen in der Medienbildung trägt also dazu bei, die Informationstechnologien zu entmystifizieren und auch selbst aktiv zu werden.

Zwei Beispiele: Regeln für das korrekte Essen einer Banane und wie kann ich Spaghetti am schnellsten sortieren.

Bananenessen (15 Min): Download Bananenessen.zip-Datei

Spaghetti sortieren(45 Min): Download Spaghetti.zip-Datei

Internet

Die Nutzung des Internets ist Alltag. Doch was geschieht eigentlich wenn wir einen Browser oder auf dem Tablet eine App nutzen?

Ein über etwa zwei Unterrichtsstunden gehender Workshop verdeutlicht, wie bei der Nutzung von Browsern/Apps die Verbindungen zwischen eigenem Gerät und dem Internet geschehen. Dabei wird neben dem Verständnis für die technischen Zusammenhänge deutlich, wie Tracking funktioniert.

Projekt „Browser/App“ (90 Min): Download Browser-Internet.zip

Weiterführende Links

Das Original der University of Canterbury in Neuseeland: https://www.csunplugged.org/de/

Der Biber-Wettbewerb der Gesellschaft für Informatik liefert hervorragendes Material, um jüngeren Menschen (ab 3.Klasse) Fragen der Informationstechnologien zu erläutern. Das Material eignet sich sehr gut dafür, um innerhalb von größeren Workshops kurz einzelne Aspekte zu verdeutlichen.

Allgemeines:https://bwinf.de/informatik-biber/

Material:https://bwinf.de/biber/downloads/

Einen Überblick gibt es vom Landesmedienzentrum Baden-Württemberg:

https://www.lmz-bw.de/nc/newsroom/aktuelle-beitraege-aller-bereiche/detailseite/informatik-ohne-stecker/

Viel Material findet sich auf der Webseite von Peter Tröger. Es ist allerdings sehr mathematiklastig und sollte in medienpädagogische Konzepte eingebettet werden.

https://troeger.eu/unplugged

Dieser Beitrag ist Teil der Artikelserie „Medienpädagogik unplugged“. In dieser Artikelserie werden in unregelmäßigen Abständen und von unterschiedlichen Autor*innen Methoden, Materialien und Settings der (medien-)pädagogischen Praxis vorgestellt, die digitale Inhalte und Themen der Digitalität und Medienpädagogik aufgreifen – mit Hilfe von „Offline-Methoden“ und analogen Medien und ohne den expliziten Einsatz digitaler Geräte und Werkzeuge.