Die Wahrheit hinter der Wahrheit


Screenshot von www.wahrewelle.tv

WahreWelle.tv ist ein merkwürdiges Videoportal: Bei „Bielefeld Tag und Nacht“ wird über Reptiloiden und die Flacherde diskutiert, in „Zurück in die Jewkunft“ suchen Doc Brown und Martin nach den „Protokollen der Weisen von Zion“, und in der Reality-Show „Such den Sündenbock“ ist die Islamisierung an allem schuld. Am Ende der Clips taucht ein vielsagender Hinweis auf: „Lass dir keinen Scheiss erzählen. Wer Wissen will, braucht Bildung.“ Hinter der Seite steckt die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), die hier ein neues Projekt zur Aufklärung über Verschwörungstheorien und zur Stärkung der Medienkompetenz realisiert.

Kern des Projekts sind rund 4-minütige Clips, die sich auf satirische Weise mit populären Verschwörungstheorien beschäftigen. Die Clips sind aufwendig produziert und bedienen sich in Stil und Aufbereitung bei populären Vorlagen wie „Berlin Tag und Nacht“ oder „Frontal 21“. Die Website WahreWelle.tv ist die Projektseite, eigentlich sind die Videos bei YouTube gespeichert, wo sie vermutlich ein viel größeres Publikum erreichen.

Das einzige Problem bei diesem Projekt ist aus meiner Sicht, dass die Filme nicht selbsterklärend sind. Das Stilmittel der Satire wird hier gekonnt eingesetzt, allerdings erschließt sich den ahnungslosen Zuschauer*innen wohl nicht auf den ersten Blick, welche Intention tatsächlich hinter den Clips steckt. Nur wer bis zum Ende kuckt, sieht den aufklärenden Hinweis und den Verweis auf die bpb-Seite.

Für den Einsatz im pädagogischen Kontext eignen sich die Videos jedoch hervorragend, um über Verschwörungstheorien und Falschmeldungen im Netz aufzuklären und dafür zu sensibilisieren. Zudem gibt es aufklärende Texte, die gut recherchierte und aufbereitete Fakten für die Nachbesprechung liefern.

In der einer Pressemeldung erklärt die bpb, dass WahreWelle ein „niedrigschwelliges medienpädagogisches Angebot“ für Zielgruppen sei, „die konventionellen Medien oft nur noch wenig Beachtung schenken“. Thomas Krüger, Präsident der bpb, erläutert: „Über Webvideos und Satire erreichen wir vor allem die Netzcommunity. Sie wollen wir dafür sensibilisieren, nicht alles zu glauben, was man in sozialen Netzwerken liest und hört.“ Es bleibt zu hoffen, dass dieses Ziel erreicht wird und möglichst viele Leute zum kritischen Nachdenken angeregt oder gar von der Wahrheit überzeugt werden.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Björn Friedrich für medienpaedagogik-praxis.de
Björn Friedrich Kurzbio
Björn Friedrich arbeitet als Medienpädagoge im SIN - Studio im Netz, München, mit den Schwerpunkten Social Media, mobile Anwendungen und Games. Daneben ist er als Referent für Vorträge und Fortbildungen tätig. Zusammen mit Tobias Albers-Heinemann veröffentlichte er mehrere Elternratgeber, zuletzt im August 2018 "Das Elternbuch zu WhatsApp, YouTube, Instagram & Co." (O'Reilly Verlag, Köln).

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