Der selbstgemachte Projektor (Handbuch Making-Aktivitäten)

Mit einer Linse und einem Karton können nicht nur optische Prinzipien vermittelt werden, sondern ganz praktisch auch ein Projektor für Smartphones gebaut werden.

Setting Projektarbeit in der Schule oder Jugendeinrichtung
Dauer ca. eine Stunde
Zielgruppe Kinder und Jugendliche ab 8 Jahren
Zielsetzung Kenntnisse in der Projektion (Optik) vermitteln, Arbeiten im Team
Notwendige Ausstattung
  • Smartphones der Schüler/innen bzw. Teilnehmer/innen, je Gruppe von 2 bis 3 Teilnehmer/innen möglichst ein Smartphone, wenn möglich WLAN,
  • je Gruppe eine Schachtel, Größe: kleine Schuhschachtel, Pappkarton, Cutter, Klebefilm, ggf. Kassettenhülle, Draht, (schwarze) Farbe
  • eine größere Linse (z.B. aus der Becherlupe oder zum Lesen)
  • abdunkelbarer Raum
Aufwand Materialbeschaffung (v.a. Linse)

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Vorbereitung

Während die Schachteln, Kleber und sonstige Bastelmaterialien wohl in jedem Haushalt zur Verfügung stehen, sind die Linsen ggf. mit mehr Aufwand zu besorgen. Geeignet ist hier bei jedoch jede Vergrößerungslinse, wie sie z.B. in Leselinsen, beim Fotografieren oder in den Becherlupen verwendet werden. Ggf. können sie auch mit Griff montiert und später wieder dem ursprünglichen Gebrauch zugeführt werden.

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Ablauf

Die Teilnehmer/innen werden zunächst grob in die Idee und den Bauplan eingeführt. Im Schulunterricht kann dies auch eine Einführung in die Projektion im Rahmen der Beschäftigung mit der Optik sein. Je nach Größe des Smartphones sowie der Linse sind die Abstände, Halterungen und Ausschnitte anzupassen. Es kann auch eine Skizze gemalt oder gezeigt werden, wie der Projektor grob aussieht. Das weitere Arbeiten verliert jedoch deutlich an Spannung, wenn ein existierender Projektor vorgeführt wird.

Schwarzes Klebeband für die Befestigung der Linse sowie schwarze Farbe für die Schachtel (innen) sorgen für eine bessere Bildqualität des Projektors. Falls keine weißen Wände zur Verfügung stehen, sollte weißes Papier für die Projektion zur Verfügung stehen.

Da die Projektion das Originalbild auf den Kopf und spiegelverkehrt stellt, ist es notwendig, den Film am Handy auf dem Kopf stehend und ggf. auch spiegelverkehrt abzuspielen. Bei iPhones kann dazu recht einfach in den Einstellungen die automatische Bildschirmausrichtung gesperrt werden. Bei Android-Geräten müssen dazu eigene Apps installiert werden (Stichwort „auto rotate app“), wofür WLAN hilfreich sein kann.

Bildschirmfoto 2016-06-06 um 22.01.28

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Mögliche Varianten und Ergänzungen

Arbeiten mehrere Gruppen parallel, können weitere Aufgaben gestellt werden, z.B. in Form eines Wettbewerbs, um den Preis für das

  • detailgetreueste, ausgefallenste, schönste oder benutzerfreundlichste Produkt;
  • für die beste Akustik und Darstellung (hängt auch vom Handy ab) oder
  • für die originellste oder praktischste Halterung für das Smartphone.

Die Projektoren könnten z.B. auch in einer Ausstellung zum Einsatz kommen, bei der selbstgedrehte Handy-Videos der Kinder gezeigt werden. Es gibt den DIY-Projektor übrigens auch als kompletten Bausatz zu bestellen – aber mit Making hat es dann nur noch wenig zu tun.

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Tipps und Tricks

Die Erwartungen an die Qualität der Projektion sollten nicht hochgeschürt werden, damit es keine Enttäuschung gibt. Ansonsten: Bei den „Maker Days for Kids“ (siehe Projektbeschreibung in Einheit 1) haben wir die Erfahrung gemacht, dass ein DIY-Projektor im Vergleich zur VR-Brille als weniger attraktiv erlebt wurde. Beim gemeinsamen abendlichen familiären Basteln am Küchentisch hat der DIY-Projektor jedoch schnell die Aufmerksamkeit von allen.

Audiokassettenhüllen sind „aufgedreht“ hingestellt ganz wunderbare Halter für Smartphones! Als Mini-Ständer eignen sich auch verbogenen Büroklammern. Für den Dauereinsatz empfiehlt sich auch ein Loch für das Ladekabel.

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Raum für kreatives Gestalten

In diesem Projekt gibt es vergleichsweise wenig Raum für kreatives Gestalten. Eher geht es darum, für die eigenen Bedingungen (Smartphone, Linsengröße, Schachtel) experimentell die bestmögliche Lösung zu finden. Insbesondere bei der Halterung der Handys sowie Optimierung der Akustik gibt es Potenzial für eigenständige und neuartige Lösungen. Das Selbermachen eines Projektors ist in schönes Making-Beispiel, weil es gelingt, mit vorhandenen digitalen Geräten und einfachen Mitteln ein smartes Produkt zu schaffen.

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Weitere Materialien dazu


cover_handbuch_klein Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten“ (herausgegeben von Sandra Schön, Martin Ebner und Kristin Narr, März 2016). Das Buch steht seit 1.3.16 komplett als PDF offen lizenziert zur Verfügung (http://bit.do/handbuch) und ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783739236582). Das Handbuch entstand im Rahmen einer Kooperation des BIMS e.V., der Technischen Universität Graz, von Kristin-Narr.de, des Medienpädagogik Praxisblog, des fsm e.V. und seinem Projekt „Medien in die Schule“ sowie mit Unterstützung der HIT-Stiftung.

Dieser Artikel steht unter der CC BY-ND 3.0 Creative Commons Namensnennung-KeineBearbeitung 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Sandra Schön für medienpaedagogik-praxis.de
Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.

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