Do It Yourself – eine Woche Makerspace in der Jugendeinrichtung (Handbuch Making-Aktivitäten)

Eine Woche lang drehte sich im Haus der Jugend in Monheim am Rhein alles um „Do It Yourself“. Im Makerspace konnten verschiedene Zielgruppen selbstbestimmt in digitalen Bereichen wie Kunst, Technik, Games und mehr arbeiten.

Setting offene Jugendeinrichtung
Dauer pro Zielgruppe mindestens zwei Stunden
Zielgruppe für Kinder zwischen 6 und 13 Jahren sowie für Jugendliche ab 14 Jahren
Zielsetzung Die Teilnehmenden setzten sich kreativ und selbstbestimmt mit Technik auseinander und erleben sich selbst als produzierende Individuen.
Notwendige Ausstattung großer Saal oder mehrere Räume für Tischgruppen, Strom, bestenfalls Internet
Aufwand Vorbereitung je nach Thementischen mit hohem Aufwand verbunden. Jede Aktion (Thementisch) selbst muss von mehreren Erwachsenen betreut werden, mindestens drei Personen, abhängig von der Zielgruppe.

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Vorbereitung

Etwas selbst erschaffen übt nicht nur auf Kinder und Jugendliche, sondern auch auf Erwachsene eine enorme Faszination aus. Aus dem Bereich der offenen Kinder- und Jugendarbeit kommen schon lange Bastel- und Kreativangebote von Kerzengießen bis zum Traumfänger gestalten. Der Makerspace setzt im Grunde genau an dieser Stelle an, erweitert die Erfahrungen allerdings um eine technische Komponente, die, gerade in der heutigen Zeit, den Interessenschwerpunkt bei Kindern und Jugendlichen trifft. Makerspaces und FabLabs für Kinder und Jugendliche bringen, im Vergleich zu klassischen Veranstaltungen für Erwachsene, eine besondere Herausforderung mit sich, da zwar von einem hohen technischen Grundverständnis ausgegangen werden kann, tiefere Einblicke in bestimmte Themenfelder aber meist fehlen und dadurch auch die Einordnung der Ideen in „was ist möglich und was nicht?“.

Aus diesem Grund wurde beim Makerspace in Monheim am Rhein mit verschiedenen Thementischen gearbeitet. Pro Thema gibt es hier festgelegte Beispiele und Ideen, welche die Kinder und Jugendlichen frei und mit Unterstützung nachbauen können. Dabei orientierten sich die Angebote stark an den Interessen der Kinder und Jugendlichen und konnten je nach Zielgruppe individuell ausgetauscht werden. Zusätzlich boten die Thementische aber auch immer die Möglichkeit, eigene Ideen umzusetzen und zu verfolgen beziehungsweise im Internet nach weiteren Projekten Ausschau zu halten.

Neben dem klassischen Vorbereiten der einzelnen Thementische hat es sich als sehr wichtig herausgestellt, dass die Mitarbeiter/innen im Vorfeld geschult werden und alle Beispiele selbst einmal ausprobiert haben, um den Kindern und Jugendlichen vor Ort bei Fragen helfen zu können.

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Ablauf

Die Aktionswoche wurde unterteilt in verschiedene Slots, sodass Kinder zwischen 6 und 13 Jahren je 2,5 Stunden an drei Tagen und Jugendliche ab 14 Jahren je 4 Stunden an zwei Tagen den Makerspace nutzen konnten. Dabei ist der Makerspace auch als komplett offenes Angebot zu verstehen. Die Teilnehmenden konnten in den vorgeschriebenen Zeiten ohne Anmeldung kommen und gehen und auch die üblichen Angebote im Haus nutzen. Zusätzlich zum offenen Angebot wurde ein Vormittag mit einer festen Gruppe geflüchteter Kinder gestaltet, die von Lehrkräften begleitet wurden, um Sprachbarrieren gering zu halten.

Bevor die eigentliche Zielgruppe allerdings an der Reihe war, wurde der Aktionsmontag genutzt, um den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern im Haus, sowie weiteren interessierten Pädagoginnen und Pädagogen, wie auch Fachkräfte aus Bibliotheken und weiteren Einrichtungen den Makerspace vorzustellen. Grundlage der Fortbildung war ein theoretischer Input zum Thema Jugend- und Maker-Kultur, um die Relevanz des Themas zu verdeutlichen. Neben der Theorie stand das Selbermachen auch hier im Vordergrund, um den Erwachsenen die Faszination des eigenen Schaffens näher zu bringen. Im Anschluss daran wurde das Erlebte ausgiebig reflektiert und Möglichkeiten für die eigene pädagogische Praxis erörtert. Wichtig ist diese Kombination aus Theorie, Ausprobieren und Austausch, um vor Ort ein Netzwerk knüpfen zu können, aus dem später eigene Ideen und Projekte entstehen.

Beim offenen Angebot selbst ist es wichtig, den Überblick zu behalten. Daher registrierten sich die Kinder und Jugendlichen bei ihrem ersten Besuch pro Tag. Hier bekamen sie ein Namensschild, eine Übersichtskarte über die unterschiedlichen Angebote und wurden auf die wichtigsten Verhaltensregeln hingewiesen, wie „Bitte keine Gegenstände aus den Räumen mitnehmen“ oder „Sich gegenseitig helfen“. Zur Veranschaulichung wurden die gesamten Regeln dafür auch noch einmal auf einem Plakat veranschaulicht. Die Registrierung diente auch dazu, den Kindern und Jugendlichen ihre anfängliche Angst zu nehmen. Da es, wie bei vielen Angeboten sonst üblich, keine Kennenlernphase gab, sollten die Teilnehmenden freundlich empfangen werden und direkt das Gefühl bekommen, willkommen zu sein.

Die Tische teilten sich auf in die Bereiche: „Digitale Kunst“, „Games und mehr erschaffen“, „Smartphone Gadgets“, „Drucke und 3D“, „Elektronik“, sowie „Video und Film“. Als zusätzlichen Tisch gab es eine Bastel- und Kreativecke, der besonders bei der Kindergruppe gut ankam. Hier konnten die haptisch erstellten Gegenstände noch zusätzlich angemalt oder anderweitig verziert werden, um sie noch individueller und persönlicher zu gestalten.

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Mögliche Varianten und Ergänzungen

Durch die einzelnen Thementische ist es auch für kleinere Einrichtungen oder Schulen möglich, Teile des Projektes aufzugreifen und zu erweitern. Ebenso können, die angegebenen Beispiele frei erweitert, ausgetauscht oder komplette Thementische ergänzt oder weggelassen werden. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass die einzelnen Beispiele in den vorgegebenen Zeitslots zu schaffen sind.

Ebenso bietet sich das Setting für unterschiedliche Zielgruppen an. Hier können, wie am Beispiel von Monheim am Rhein, verschiedene Zeitslots für unterschiedliche Altersgruppen angeboten werden. Ebenso ist es aber auch möglich, Slots für Schulklassen frei zu halten oder das Angebot speziell für Jungen oder für Mädchen in einem vorgegebenen Zeitfenster zu öffnen.

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Tipps und Tricks

Beim Ausprobieren, Tüfteln und Entwickeln ist es wichtig, den Kindern und Jugendlichen auf Augenhöhe zu begegnen. Als Pädagogin oder Pädagoge ist es auf solch einer Veranstaltung nicht wichtig, alle möglichen Fragen ad hoc beantworten zu können. Viel wichtiger ist es, dass die Teilnehmenden in den Betreuenden kompetente Ansprechpartner sehen, die gewillt sind, gemeinsame Lösungswege zu suchen und zu gehen.

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Raum für kreatives Gestalten

Durch die verschiedenen Thementische ist es für die Kinder und Jugendlichen möglich, sich schnell einen Überblick über die bestehenden Angebote zu verschaffen und sich dann, je nach ihrem Interessenschwerpunkt, einem Thema hinzugeben. Dabei setzen alle Angebote auf das kreative Gestalten, sei es digital oder analog. Durch die begrenzte Zeit des Angebotes dient der Makerspace eher dazu, Vorlieben zu finden und zu festigen, um sie dann ggf. in der Freizeit weiter zu entwickeln.

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Weitere Materialien dazu

  • Unter www.Gecheckt-NRW.de finden Sie einen ausführlichen Projektbericht und weitere Anregungen zur kreativen Medienarbeit mit Kindern und Jugendlichen

cover_handbuch_klein Dieser Beitrag ist ein Ausschnitt aus dem Buch „Making-Aktivitäten mit Kindern und Jugendlichen. Handbuch zum kreativen digitalen Gestalten“ (herausgegeben von Sandra Schön, Martin Ebner und Kristin Narr, März 2016). Das Buch steht seit 1.3.16 komplett als PDF offen lizenziert zur Verfügung (http://bit.do/handbuch) und ist auch als Printausgabe im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783739236582). Das Handbuch entstand im Rahmen einer Kooperation des BIMS e.V., der Technischen Universität Graz, von Kristin-Narr.de, des Medienpädagogik Praxisblog, des fsm e.V. und seinem Projekt „Medien in die Schule“ sowie mit Unterstützung der HIT-Stiftung.

Dieser Artikel steht unter der CC BY 3.0 Creative Commons Namensnennung 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Markus Sindermann für medienpaedagogik-praxis.de
Verfasst am 16.03.2016

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