Maker-Movement in der Kinder- und Jugendarbeit (Maker Movement Teil 2/2)

CC BY Sandra Schön
3D-Drucker

Immer mehr Fablabs und Maker-Werkstätten öffnen ihre Türen, diese Entwicklung wird auch als „Maker-Bewegung“ bezeichnet. Auch in der Kinder- und Jugendarbeit sowie Schulen werden Workshops und Seminare angeboten, die den Ideen der Maker-Bewegung folgen.

In Maker-Aktivitäten wird in offenen Formaten – also ohne feste Vorgabe von Ergebnissen oder Werkzeug – kreative Ideen umgesetzt. Dies beinhaltet auch Hardware wie Arduino, Rasperry Pi und Lillypads (Hardware für Stoffe) oder Werkzeuge für den Roboterbau und deren Programmierung. Bei der „Maker Bewegung“ in der (außer-) schulischen Bildung werden natürlich auch digitale Produkte entwickelt, beispielsweise als Trickfilm oder Scratch-Programm – und dazu eben auch Smartphones, Tablets bzw. Apps eingesetzt. Und natürlich wird auch gedruckt, geschnitten und gewerkt – mit 3D-Druckern, Vinyl Cuttern und anderen neuen – und traditionellen – Werkzeugen. Speziell für Kinder und Jugendliche gibt es in vielen Werkstätten spezielle Angebote oder Zeiten, in denen Kinder (besonders) willkommen sind. Zusätzlich bieten auch manche die Möglichkeit, Geräte für (außer-)schulische Angebote zu mieten.

CC BY Sandra Schön

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Natürlich beruht die Entwicklung zum Maker-Movement in der (außer-)schulischen Bildung auf einigen Ideengebern, Vorläufern und der aktuellen Entwicklung, dass nun zunehmend digitale Werkzeuge (3D-Drucker, Cutter) vergleichsweise günstig erhältlich sind – zumindest wenn sie von mehreren genutzt werden. Beispielsweise gibt es im 19. Jahrhundert einige Reformpädagogen, die Gegenstände und das Arbeiten mit ihnen als wesentliche Lernerfahrung Wert schätzten, so Maria Montessori mit ihren vorgefertigen Lernmaterialien oder Célestin Freinet, der seine Schüler Zeitungen drucken ließ. Seymour Papert vom MIT forciert ebenso die Bedeutung des Konstruierens für das Lernen („Konstruktionismus“, nicht zu verwechseln mit Konstruktivismus) und war in viele entsprechende Entwicklungen involviert (Logo, OLPC, Lego Mindstorms, MaKey MaKey). Auch bildungspolitisch erhält die Maker-Bewegung Unterstützung durch Positionen, die die Bedeutung von Innovation und Kreativität bzw. Technologie-Expertise für sogenannte „Wissensgesellschaften“ betonen.

CC BY Sandra Schön

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Für Leser/innen, die diese Entwicklung neugierig macht, und sich nun für die Umsetzung in der Praxis interessieren, gibt es ein paar Leseempfehlungen (mit freiem Zugang):

  • Als ein erster deutschsprachiger Einstieg zu den neuen Tools kann der L3T-Artikel zu digitalen Werkzeugen zur Interessens- und Kompetenzförderung von Kindern rund um Technologien und Programmierung empfohlen werden. – Zorn, I.; Trappe, C.; Stöckelmayr, K.; Kohn, T. & Derndorfer, C. (2013). Interessen und Kompetenzen fördern. Programmieren und kreatives Konstruieren. In M. Ebner & S. Schön (ed.), Lehrbuch für Lernen und Lehren mit Technologien (L3T), [online zugänglich]

Drei – englischsprachige – Veröffentlichungen mit freiem Zugang zeigen, wie Makerspaces für Kinder gegründet und gestaltet werden können und wie Making-Aktivitäten in der (außer-)schulischen Bildung aussehen können.

  • Young Makers (2012). Maker Club Playbook. – Für alle die einen Makerspace für Kinder eröffnen möchten und Beispiele für den Einsatz nachlesen möchten – [online zugänglich] 
  • Makerspace / Maker Media (2013). The Makerspace Playbook. School Edition. – Mit hilfreichen Listen für Werkzeuge und Finanzierungsideen – [online zugänglich – pdf]  
  • New York Hall of Science (2013). A blueprint: Maker programs for youth. – Hier werden unterschiedliche Maker-Programmformen für Kinder vorgestellt und beschrieben – [online zugänglich – pdf]

Vielleicht gibt es auch (demnächst) vergleichbares auf deutsch?

Dieser Artikel steht unter der CC BY-SA 3.0 Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 international . Der Name des Autors soll wie folgt genannt werden: Sandra Schön für medienpaedagogik-praxis.de
Sandra Schön Kurzbio
ist Senior Researcher bei Salzburg Research (Abt. InnovationLab), leitet regelmäßige Praxisprojekte beim BIMS e.V., studierte Pädagogik, Psychologie und Informatik an der LMU München (M.A./Dr. phil.). Interessensschwerpunkte: Offene Bildungsressourcen (OER), Lernvideos, Videoarbeit, Maker Movement, Partizipation. Mehr im Weblog: http://sandra-schoen.de.
Verfasst am 02.06.2014

6 Kommentare

  1. Felix Dresewski am 16.06.2014:

    Danke für den Beitrag! Kennst Du Beispiele von „Fablabs“ in Einrichtungen der offenen Kinder und Jugendarbeit?

  2. Sandra Schön am 16.06.2014:

    Lieber Felix, nein! Wir planen ein Fabla-Ähnliches-Ding als Aktion (http://makerdays.wordpress.com), und ich fände es toll, wenn ich von anderen erfahren würde. Also es gibt Roboterbau-Kurse und ähnliches (z.B. technikbasteln.net) in Form von offenen Angeboten, und das einzige Fablab „nur für Kinder“ scheint in Canada zu finden zu sein, als „Raum“ auch – anscheinend – in einigen Schulen in den USA und Kanada, und natürlich als „Sonderöffnungszeiten“ in Fablabs auch im deutschsprachigen Raum (z.B. dem genannten HappyLab.at). Aber ein Fablab als „Raum“ in einer Einrichtung der offenen Jugendarbeit, also nicht nur als „Aktion“? Also ich möchte es nicht ausschließen, dass es jemand macht – aber ich habe bei den Recherchen nix gefunden. Aber das gute Ding muss ja auch nicht „fablab“ heißen … lg 🙂

  3. Felix Dresewski am 23.06.2014:

    Liebe Sandra,
    danke für die Antwort!
    In Kanada meinst Du bestimmt die MakerKids in Toronto, oder?
    Tolle Aktion in Bad Reichenhall, die Ihr da plant; werde ich bestimmt weiter verfolgen.
    Ich finde die Grafik mit den Wurzeln, Vorläufern und Einflüssen sehr gelungen – ich sehe z.B. auch eine enge Verbindung zu Aktiv-/Abenteuerspielplätzen oder Produktionsschulen.
    Auf einem Abenteuerspielplätze würde ein Fablab als „Raum“ doch klasse passen…
    Hast Du noch einen Literaturtipp was diese Wurzeln angeht?
    Felix

  4. Sandra Schön am 24.06.2014:

    Lieber Felix,
    ja, ich mein die MakerKids in Toronto – und die (richtigen) Abenteuerspielplätze (gibts da eigentlich auch „einen“ Kopf dahinter oder Literatur?) sind sicher Werkstätten auf deren Erfahrung man gut aufbauen kann – und ein Fablab dort klingt cool 🙂 ! Vermutlich ist die Sammlung von historischen Bezügen unvollständig und auch von Land zu Land unterschiedlich. In den USA und den Büchern von dort wird v.a. auf Papert und Dewey verwiesen. Heidi Schelhowe hat sich in einem Beitrag auch Gedanken über passende existierende Theorien und Anknüpfungen gemacht und Literatur und mehr findet man in den nächsten Tagen in einen ausführlicheren Artikel in den elearningpapers. Ich poste den Link dann hier! lg sandra

  5. Felix Dresewski am 25.06.2014:

    Liebe Julia,
    mehr zu Abenteuerspielplätzen gibt es hier: http://www.bdja.org
    Ursprünge liegen in Dänemark und Großbritannien.
    Dann bin ich mal auf den Artikel gespannt!
    Felix

  6. Sandra Schön am 03.07.2014:

    Nicht Julia, sondern Sandra 🙂 – und hier der Beitrag: http://www.openeducationeuropa.eu/en/article/Learning-in-cyber-physical-worlds_In-depth_39_2 lg Sandra

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