Medienkunde ganz praxisnah

Die besten Geschichten schreibt das Leben selbst. Das gilt auch für die Bildungsarbeit: Ein brilliantes Beispiel ist die brachial erfolgreiche Intervention der Satirewebsite „Der Postillon“ von letzter Woche: Nachdem erste Meldungen aufgetaucht waren, dass Ronald Pofalla in den DB-Vorstand wechsele, machte der Postillon auf einen Artikel auf der eigenen Website aufmerksam, der scheinbar vor allen anderen Meldungen veröffentlicht war.

Es folgte ein Tohuwabohu, in dem sich scheinbar viele vermeintliche Wahrheiten bestätigten: Die etablierten Medien (und auch Politiker_innen) recherchieren nicht und fallen auf eine Satirewebsite herein – später, als sich die Wahrheit abzeichnete, sollte das Gleiche für die Twitterer_innen gelten.

Nun, nachdem sich der Rauch wieder gelichtet hat, ist klar: Der Postillon hat alle Beteiligten erwischt und mit seiner ersten Realmeldung für Realsatire im Netz und der weiteren Medienlandschaft gesorgt: Die Beteiligten (mich eingeschlossen) haben gezeigt, wie sehr Vorurteile, der Drang zur Schnelligkeit und daher mangelnde Recherche das eigene Handeln bestimmen.

Und was heißt das für die Medienpädagogik? Für mich liefert „#Pofaila“ grandioses Material für die Auseinandersetzung mit Journalismus und auch Social Media in der Bildungsarbeit. Die Zusammenfassung der Rhein-Zeitung lässt die Geschehnisse im Einzelnen Revue passieren – und zeigt gleichzeitig, wie mit journalistischer Recherche eine solche Situation aufgelöst werden kann. Thomas Knüwer analysiert die Geschichte in seinem Blog tiefer und bringt damit sie auf eine Metaebene. Tolles Material, um viel über (soziale) Medien, ihre Macher_innen und die Hintergründe zu lernen, das eigene Handeln zu reflektieren und gute Gründe zu bekommen, um (auch vor einem Retweet) gründlicher zu recherchieren.