Videos schneiden mit VideoPad

Videos schneiden in der Medienpädagogik mit Videopad

Screenshot von der Website

Wer hat nicht schon oft im Rahmen medienpädagogischer Projekte (oder auch zum Weiterempfehlen an Multiplikatoren, Kinder oder Jugendliche) verzweifelt nach einem kostenlosen Videoschnittprogramm gesucht, das auch für etwas anspruchsvollere Projekte taugt und bei dem man sich nicht total einschränken muss oder leicht den Überblick verliert?

Mit der (für nicht gewerbliche Zwecke) kostenlosen Videoschnittsoftware VideoPad von NCH lassen sich kurze Videoclips (oder auch längere Videoproduktionen) schnell, einfach und unkompliziert umsetzen.

Der übersichtliche Programmaufbau,

  • die leichte Bedienbarkeit,
  • die Nutzung mehrere Audiospuren mit anpassbarer Lautstärkekuve,
  • leichte Trennung und Wiederherstellung von Bild und Ton,
  • Textüberlagerungen,
  • bewegter Filmabspann
  • Unterstützung umfangreicher Formate und Codecs

sowie einige erweiterte Funktionen, wie beispielsweise

  • die Überlagerung transparenter Grafiken oder Videos (Chromakey),
  • Aufzeichnen von Webcam oder
  • Audio-Kommentierungen

ermöglichen den Einsatz im Rahmen verschiedenster Video- oder Multimediaprojekte: Ob längere Filme, kurze Web- oder Handyclips (zum Upload auf YouTube), Let’s Plays, Game-Reviews, Video-Tutorials (in Verbindung mit der kostenlosen Screen-Capture Software ‚CamStudio‘ oder ‚Debut Video Capture‘ von NCH), Diashows und Trickfilme (Import von Einzelbildern / Fotos) etc.

Gearbeitet werden kann mit allen vorstellbaren Geräten und Formaten. So werden neben allen möglichen Formaten und Codecs verschiedenster SD-Karten, Camcorder, mobiler Geräte, wie Smartphones oder Tablets unter anderem auch noch Mini-DV Camcorder unterstützt. Sogar flash-Videodatein lassen sich bearbeiten. HD Material kann in der kostenlosen Version ebenfalls verarbeitet werden (allerdings sind Bild und Ton (nur) in der Vorschau – während des Schnitts – nicht synchron / Version 2.3).

Lizenz, Installation & Nutzung

VideoPad wird, neben eine Vielzahl weiterer Softwaretools, seit ein paar Jahren von der Softwarefirma NCH (mit dem Sitz in England, Australien und Amerika) für nicht gewerbliche Nutzung kostenlos zur Verfügung gestellt. Allerdings muss man seit einiger Zeit einen kleinen Umweg einlegen, um zur kostenlosen Version zu gelangen (vgl. Downgrade zur kostenlosen Version).

Die Installation:

Die Installationsdatei ist recht klein (ca. 3,5 MB), lässt sich schnell heruntergeladen, ist super schnell installiert und verbraucht kaum Systemspeicher (siehe hierzu Install on Demand). Wie bei vielen kostenlosen Versionen müssen auch hier bei der Installation ein paar Häkchen entfernt werden, um nicht die Browser Toolbar von NCH oder weitere Softwarepakete mit zu installieren.

VideoPad steht für alle Windows und Mac OS X (nur in Englisch) Systeme zur Verfügung:

Downgrade auf die kostenlose Version:

Nach ca. 14 Tagen lässt sich das VideoPad nicht mehr öffnen. Es verlangt nach dem Kauf der Software oder bietet eine Verlängerung der kostenlosen Nutzungszeit an, wenn man die NCH Toolbar installiert. Über die Deinstallation der Software lässt sich das VideoPad allerdings auf die kostenlose Version downgraden (was allerdings etwas skeptisch macht, ob das Videopad dauerhaft zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stehen wird).

  • Start / Systemsteuerung / Programme & Funktionen wählen
  • VideoPad auswählen und auf ‚Deinstallieren / ändern‘ klicken
  • Auf die kostenlose Version downgraden (weniger Funktionen aber kostenlos)

Downgrade

Install on demand (Hinweis zur Nutzung ohne Internetzugang bzw. gesperrten Downloads):

Videopad basiert auf dem Prinzip ‚Install on Demand‘. So werden alle benötigten Codecs (zum Importieren und Exportieren) erst bei Bedarf heruntergeladen. Ein kleiner Nachteil, der sich hieraus ergibt, ist der, dass man an einem Rechner ohne Internetzugang ohne vorherigen Download diverser Komponenten mit VideoPad nicht sehr viel weiter kommt. Allerdings ermöglicht dies wiederrum eine umfangreiche Unterstützung verschiedenster und aktueller Formate (Videopad schluckt so gut wie alles).

Wenn die Software auf einem Rechner installiert werden soll, welcher später nicht mehr über einen Internetzugang verfügt, sollten entsprechende Plugins zusätzlich heruntergeladen und installiert werden.

Unbedingt benötigte Plug-Ins zum Importieren, Aufzeichnen und Exportieren:

Ein Übersicht aller Plug-Ins gibt es unter:

  • http://www.nch.com.au/components/de/

Um sicher zu gehen, dass alle gewünschten Funktionen aktiviert sind, sollte das Programm vor Projektbeginn mit den genutzten Dateiformaten kurz getestet werden.

Schnittstelle für Plug-Ins zu externen Anbietern:

VideoPad bietet zudem eine Schnittstelle für externe Plug-Ins. So z.B. zu Videofiltern und -effekten von VirtualDub.

  • http://www.infognition.com/VirtualDubFilters/

Übersicht über die Funktionen von Videopad

zum Durchklicken:

Der Fertige Film – exportieren der Filmdatei.

Die Einschränkungen der kostenlosen Version betreffen im Wesentlichen die Exportmöglichkeiten des fertigen Films.

eingeschränkte Funktionen

Mit der kostenlosen Version von VideoPad können Filme lediglich in den Formaten .avi, .wmv und .asf abspeichert oder den Film auf DVD ausgeben werden. Alle anderen Funktionen stehen ohne Einschränkung zur Verfügung.

Die Ausgabe in wmv liefert keine qualitativ guten Ergebnisse. Der fertige Film sollte immer als .avi abgespeicht werden. Verschiedene Codecs, Bildauflösungen etc. können individuell eingestellt werden. Die Auflösung sollte auf das verwendete Videomaterial angepasst werden. Über einen Rechtsklick auf eine der verwendeten Rohmaterialien (Videodatein) im Windows Explorer lässt sich über Eigenschaften/ Details die Videoauflösung einsehen.

Beispiel für eine getestete qualitativ gute Exporteinstellung:

Exporteinstellungen

(Ausschnitt aus dem Dialogfeld „Film speichern“)

Exporteinstellungen

(Encoder-Optionen)

Fazit

VideoPad ist wirklich sehr gut geeignet für alle möglichen medienpädagogischen Videoprojekte. Es hat etliche Funktionen mehr als der kostenlose Windows Moviemaker und stellt eine sehr gute Alternative zu kostenpflichtiger Software her. Die strukturell starke Ähnlichkeit zu professioneller Videoschnittsoftware ermöglicht es zudem VideoPad als eine kostenlose Alternative (zur evtl. im Projekt verwendeten kostenpflichtigen Software) für Jugendliche oder Multiplikatoren weiterzugeben.

Der Preis der Kaufversion von VideoPad ‚Master Editon‘ ist mit meiner Meinung nach mit 50,00 € zu hoch angesetzt. Der Preis der ‚Home Edition‘ mit 30,00 € schon eher angemessen. VideoPad bietet als ein für den Privatbereich kostenlos nutzbares Programm geniale Funktionen aber in einem Preisbereich zwischen 50 und 70 € gibt es im Vergleich andere sehr professionelle Videoschnittprogramme, welche umfangreichere und ausgereiftere Funktionen, Effekte etc. besitzen. So z.B. Magix Video Deluxe (mit sehr umfangreichen Möglichkeiten. U.a. Chromakey, Keyframes, Bildschirmaufnahmen etc.).

Was zudem etwas skeptisch macht ist das Durcheinander der Einschränkungen bzw. angegebenen Einschränkungen der kostenlosen Versionen im Vergleich zu den kostenpflichtigen ‚Master‘ und ‚Home‘ Editionen. So heißt es auf der Webseite von VideoPad: „Die Registrierung „Home-Edition“ enthält alle Funktionen der Master’s Edition, außer der Unterstützung für Plug-ins und Sie sind auf zwei gleichzeitige Audiospuren eingeschränkt.“ (Quelle: http://www.nch.com.au/action/de/reginfo.html#videopad) In der kostenlos installierten (bzw. downgeradeten) Version von VideoPad sind diese Funktionen, welche in der kostenpflichtigen ‚Home Edition‘ als eingeschränkt beschrieben werden, allerdingt voll und ganz nutzbar und funktionsfähig.

Ebenso skeptisch macht die Tatsache, dass das VideoPad seit einiger Zeit nur noch mit einem kleinen Trick als kostenlose Version nutzbar ist. So taucht nach 14tägiger Nutzung beim Öffnen des Programms ein Dialogfeld auf, welches zum Kaufen animiert oder anbietet durch die Installation einer Toolbar den Zeitraum für die kostenlose Nutzung zu verlängern. Es wird keinen weiteren Optionen einer kostenlosen Nutzung angeboten. Deinstalliert man allerdings die Software, so bekommt man neben verschiedensten Optionen die Möglichkeit des Downgrades auf die kostenlose Version. Diese hat lediglich die Einschränkungen des beschränkten Videoexports (diese Erfahrungen beziehen sich lediglich auf die Version 2.3 unter Windows).

Neben meiner Skepsis, ob VideoPad dauerhaft zur kostenlosen Nutzung zur Verfügung stehen wird und meiner Begeisterung für die Möglichkeiten der Schnittsoftware als eine sehr gut nutzbare kostenlose Variante auch für umfangreichere Projektvorhaben, gibt es einen weiteren kleinen Nachteil. Ausgespielte Dateien könnten evtl. inkompatibel für die Weiterverwendung innerhalb anderer Programme sein. So z.B. interpretieren alle möglichen Programme von Adobe die exportierte .avi lediglich als Audiodatei und es ist keine Anzeige von Video möglich. Auch bei der Konvertierung der Datei tauchten teilweise Schwierigkeiten in der Darstellung des Videobildes auf.

Den fertigen Film hochzuladen (auf YouTube) oder als Filmdatei auf dem Rechner abzuspielen funktioniert einwandfrei. Ist mit der Filmdatei allerdings die Weiterverarbeitung mit anderen Programmen geplant, so sollte dies im Voraus ausprobiert werden.

Sonja BreitwieserDies ist ein Gastbeitrag von Sonja Breitwieser. Die Autorin ist Multimediareferentin im Medienzentrum Parabol. Sie ist verantwortlich für Konzeption und Durchführung diverser Multimediaprojekte, Multiplikatorenschulungen, Webentwicklung (Projektwebseiten). Momentane Themenschwerpunkte: Computerspiele, Partizipation, Social Media, Webentwicklung.

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